8.3.26

Lieblingskaffee

Als ich vor vielen Jahren an einem neuen Cafe vorbei lief, winkte ein junger Mann freundlich von drinnen und ich entschied spontan, herein zu kommen. 
Ich befand mich damals in einem Zustand von ungefähr einer Million Einzelteile nach einer Trennung, weit davon entfernt, zu heilen. Wenn ich mich nicht in die Arbeit stürzte, versuchte ich die Zeit rumzukriegen. Irgendwie. Also ging ich öfter in dieses Cafe. Der junge Mann war der Inhaber, ein kreativer Mensch mit ganz vielen Ideen und ganz viel Herz. In diesem Cafe arbeitete einige Zeit eine junge Frau, die den besten Kuchen buk. Es duftete einfach immer ganz heimelig und dieser Kaffee schmeckte ganz besonders. Wann immer ich von nun an woanders Kaffee trank, verglich ich ihn mit diesem besonderen in dem kleinen Cafe. Es machte eigentlich keinen Sinn, woanders Kaffee zu trinken. 
Inzwischen habe ich in anderen Städten solche Cafés mit schonend gerösteten Bohnen (aber nicht mit so viel Liebe) gefunden und hier so ein bis zwei (bereits geschlossene inbegriffen).
Bald darauf arbeitete noch eine andere junge Frau dort und wir redeten jeden Tag - auch über Katzen. Sie war eine der Personen, durch die ich auf die Katz kam. Und eine Freundin der anderen Mitarbeiterin ebenfalls. Es gab viele Zu-fälle in dieser Zeit. Und jede Menge Kaffee. 
Ich begann wieder zu leben. Ging unter Menschen. Bemerkte Freude und den Beginn von Heilung.
Auch mit dem Inhaber unterhielt ich mich oft, fotografierte den Kaffee, die gerösteten Bohnen, liebte die Sandwiches - und den Kuchen sowieso. Als er nach einiger Zeit beschloss, sich vor allem der Kaffeerösterei zu widmen und sein Café abzugeben, verstand ich ihn aus vollem Herzen, aber ich fand lange Zeit keinen solchen Ort. Die Rösterei besuchte ich ab und zu, aber mit dem Bus war es immer etwas ungünstig und ich hatte auch selten frei zu den Öffnungszeiten - unter der Woche wird geröstet, freitags und samstags ist geöffnet, man kann hier nicht nur Kaffeebohnen für zuhause kaufen, sondern auch Espresso, Kaffee oder Cappuccino genießen. Zum Glück hat er auch einen Onlineshop. 
Vorgestern war ich dann mit dem Rad dort, ich hatte Urlaub und stellte fest, dass ich damit nur gut zwanzig Minuten dorthin brauche. Es war wie Nachhausekommen. Der Kaffee ist einfach immer noch der Beste. Und auch wenn wir uns Jahre nicht gesehen haben, so ist alles wie immer. Die gezeichneten Personen auf den verschiedenen Kaffeetüten, die Begeisterung für Kaffee, das ganze Wissen, dieses tolle Handwerk. Wie wundervoll, dass sich manche Dinge nicht ändern☕
Life and Coffee
Am Markbach 15
76547 Sinzheim
freitags und samstags 11-16 Uhr 
// unbezahlte Werbung 






7.3.26

Signal kommt nicht

Immer wieder komme ich zu einer bestimmten Fußgängerampel, neben der schon Menschen stehen. 
Sie gucken und warten und scheinen sich nicht zu wundern, dass niemals Grün für sie erscheint. Taster berühren könnte helfen, ohne das geht's nicht, diese Ampel springt ohnehin nur ungern auf Grün für die laufende Bevölkerung, aber es besteht eine Chance, wenn man den Taster berührt. Ich mache das dann. Für die Menschen. Für mich. Und frage mich gerade, ob sie ohne mich heute noch dort stünden. (Achtung, Spaß!)


6.3.26

Erinnerungen

Gestern habe ich eine liebe Freundin in der Reha besucht und auf dem Weg dorthin waren ganz viele Seelen bei mir. 
Die Freundin, die ich auch dort mal in der Reha besucht habe. 
Die Freundin, mit der ich stundenlang durch die Gegend gelaufen bin. 
Die Freundin, die dort oben wohnte. Ihr Hund. All die Menschen, die wir auf den Gassirunden regelmäßig trafen und unsere Geschichten. So war das ein ganz wundervoller Vormittag🩷


5.3.26

It's my birthday

Als ich 43 wurde, haben wir Fotos mit dem Getränk gemacht und damit angestoßen, denn eigentlich ist die Antwort immer 42 und das war ja dann schon vorbei. Jetzt bin ich 49. Gehe also stark auf die 50 zu. 
Wann ist das eigentlich passiert? Ich stecke vom Gefühl her noch in der 35 fest 🤭😅
Früher dachte ich, mit 49 ist man erwachsen. Nee, ist man nicht. Ich liebe nach wie vor Einhörner, bunte Hosen und Schlafanzugtage. Mir ist dieser Tag früher nicht wichtig bis unangenehm gewesen. Geburtstage anderer liebe ich, zu gerne schenke ich und überrasche meine Menschen. Aber mein Geburtstag? Den feiere ich schon lange nicht mehr. Wir hatten mal eine Party, als ich den Krebs geschafft hatte und die Haare wieder wuchsen. Meine damalige Partnerin hat mit meiner damaligen besten Freundin alle möglichen Leute eingeladen, dazu Adressen von Weihnachtspäckchen abgeschrieben und keiner hat etwas verraten, fast alle waren da. Das war wunderschön, auch wenn ich damals schon Überraschungen nicht leiden konnte und der Tag sehr sehr aufregend gewesen ist. Aber sie hatten sich so viel Mühe gegeben, manche meiner FreundInnen hatten eine weite Anreise, viele kannten sich nicht, aber alle passten zusammen, das war einfach toll. 
Danach gab es dann nochmal eine Party in einem Restaurant, da sagte der Inhaber zu mir "Sie müssen aber beliebt sein, solche Feste haben wir selten". Feiern konnten wir schon immer gut. Aber nicht alle Freundschaften haben Bestand und an besagtem Abend haben sich Leute sehr daneben benommen. Menschen, von denen ich dachte, dass sie mir nah sind, gingen mit anderen sehr respektlos um. Und redeten hinter meinem Rücken. Mehr Schein als Sein also? Wohl eher so ähnlich wie nach der Trennung, bei der irgendwann auch die Freundschaft mit der damaligen besten Freundin auseinander ging, weil ich erstmals Grenzen setzte und einfach gegangen bin in einer Streitsituation, die in diesem Moment unlösbar war. Oder die Sache mit einer anderen Freundin, die mir meinen Job neidete und nicht verstand, dass ich 24/7 arbeitete und dann einfach erschöpft war. Oder die Freundin, mit der ich zu einer Veranstaltung ging, weil ich wusste, sie freut sich, mal raus zu kommen, und die dann aber meinte, ich hätte sie nur als Fahrerin gebraucht. Dabei hätte ich mit zehn anderen gehen können, aber ich wollte sie dabei haben. 
Hinterher überlegte ich dann, ob diese Feiern, bei denen man ohnehin nicht mit allen sprechen kann, überhaupt einen Sinn haben. Nein, beschloss ich, ich feiere ab jetzt jeden Tag. Mit, aber vor allem auch ohne Menschen.
Das hatte ich nach dem Krebs auch schonmal vor, aber dann kamen Job, Trennung, das Ende von vermeintlichen Freundschaften dazwischen und erst seit einigen Jahren habe ich die Zeit dazu, jeden Tag zu genießen und jeden Tag etwas Besonderes zu tun oder mir etwas Gutes. Und das Wichtigste: meine sichere Bubble. Ich habe inzwischen und teilweise auch noch immer Menschen um mich, die einfach gut sind. Die mir nah sind und denen ich nah bin, die aber derlei Feiern auch nicht brauchen. Die auch verstehen, dass ich am meinem Geburtstag gerne Ausflüge mache -allein- oder mit der Katzenbande zusammen sein möchte. Die mir in den letzten Tagen Geschenke gebracht, geschickt, vor die Tür gestellt haben, weil sie meinen Geburtstag wichtig finden, aber wissen, dass ich nicht überall sein kann und sehr viel Alleinzeit brauche. 
Meine Menschen schütteln zwar den Kopf darüber, dass ich ausgerechnet heute eine Wurzelbehandlung habe, aber wenn jeden Tag etwas Besonderes tue, kann ich am Geburtstag auch etwas Gewöhnliches tun - und wenn ich schonmal frei habe und die ganze Zeit schon donnerstags behandelt wurde und das nun im Zeitrahmen ist - why not 😅 ich mag die Leute in der Zahnarztpraxis und als Ausgleich werde ich zum Keramikmalen gehen. Nirgends kann ich besser entspannen und ich habe sowieso zu wenig Zeit dafür, also wie gesagt, wenn ich schonmal frei habe, dann mach ich auch das. Und esse vielleicht eine Pizza auf dem Heimweg, da habe ich nämlich totalen Appetit drauf, aber man darf ja erstmal zwei Stunden nix essen. 
Also mit 49 frage ich mich auch, wie viele Geburtstage sind mir wohl noch vergönnt? Seit dem Krebs habe ich immer gesagt, ich freue mich über jeden Geburtstag und jedes Jahr, das ich älter werden darf. Jetzt ist der Krebs Erinnerung, aber mulmig wird's mir, wenn ich daran denke, dass zB Stef nur 56 wurde. Dann hätte ich nur noch sieben Geburtstage, mit heute acht. Und das ist mir eindeutig zu wenig. Jeder Tag, an dem wir leben, sollte ein Stückchen Geburtstag beinhalten. Damit meine ich das Croissant, das gute Buch, die bunte Hose, die ich so gerne trage - alles, was mich glücklich macht. Aber auch die tollen Gespräche mit meinen Menschen, das verständnisvolle Schweigen, das miteinander Lachen - all diese Dinge sind Geburtstagsstückchen, weil sie das Leben sind. Weil sie mein Leben sind. Meine Omi ist eine meiner besten Freundinnen. Sie ist über neunzig und daran möchte ich mich gerne orientieren. Dann hätte ich noch sehr viele Geburtstage. Und vielleicht feiere ich auch mal wieder. 
Aber nicht gleich.
Das Bild ist KI-generiert 

das nicht, das sind einfach die Geschenke meiner Bubble 💚💛🩷


4.3.26

Buchtipp: Mrs Mabels letzte Liste

Manche von uns haben FreundInnen, die wir urplötzlich nicht mehr kennen. Sie sind gegangen oder wir, es gab vielleicht Streit oder man lebte sich auseinander, Missverständnisse oder Lebensumstände sind die Gründe. Manchmal kennen wir den Grund nicht. Manchmal können wir nicht einmal mehr den Tag benennen, der der letzte unseres Zusammentreffens war. Und manchmal wissen wir es ganz genau. 
Mabel ist seit 62 Jahren mit Arthur verheiratet als er plötzlich verstirbt. Er hat immer Listen gemacht und sie findet eine Notiz namens "D suchen". Und so beginnt die Suche nach Dot, die damals vor 62 Jahren Mabels beste Freundin war und plötzlich verschwand. Es beginnt aber auch ein neues Leben für Mabel, denn sie sagt öfter ja als nein und lernt dadurch Frauen kennen, die ebenfalls ihr Leben verändern. Wissentlich oder unwissentlich, vom Teenager über eine junge Mutter bis hin zu einem Ex-Model und einer Frau, die Mabel ein Geheimnis anvertraut - so verschieden sie alle sind, so gut passen sie zusammen. Jede hat ihr Päckchen zu tragen, jede ihre Geschichte - und wir dürfen in diesem wundervollen Buch davon lesen, teilhaben an diesen Leben. Ich habe diese tolle Geschichte an einem Tag im Bus, Zug, S-Bahn (eine Odyssee) ausgelesen und war total dankbar, gerade dieses Buch mitgenommen zu haben. Es ist ein absoluter Herzenstipp. Und ich hoffe sehr, dass es bald weitere Bücher der Autorin auf Deutsch gibt.
Mrs Mabels letzte Liste 
Laura Pearson
Piper 17 Euro // unbezahlte Werbung 






 


3.3.26

Alltagsrassismus

Ein Bus, der nur alle zwei Stunden fährt. Ich benutze diese Linie seit vielen Jahren und fahre damit immer insgesamt eine Stunde über Land. Die FahrerInnen sind mir bekannt, aber ich bin jedes Mal aufs Neue entsetzt, dass sie ihre Unfreundlichkeit noch toppen können. 
Gestern gab es Probleme mit dem App-Scanner, der die Fahrkarten beim Einstieg scannt. Es stiegen etwa zehn Menschen ein, bei niemandem funktionierte er. Auf der Rückfahrt bestätigte mir der Fahrer auch, dass es da gestern technische Probleme gab.
Aber wir sind noch auf der Hinfahrt: Die ersten beiden werden von der Busfahrerin durchgewunken, widerwillig zwar, aber sie hatten es oft genug versucht. Der Nächste auch. Dann versucht es eine Frau mit Kopftuch, es geht auch nicht. Die Busfahrerin schreit "mir zeigen!" Und erschrocken zeigt die Frau das Smartphone. "Sie müssen halt auch mal die App aktualisieren", blafft sie sie an und schickt sie weiter. Dazu sei erläutert, die App aktualisiert sich zumindest bei mir immer von selbst - in den blödesten Momenten loggt sie sich aus und will Passwort und Benutzernamen, da ist dann auch kein QR-CODE zu sehen. Der Code bei der jungen Frau ist hell und gut zu sehen. 
Mein Telefon will sie gar nicht sehen, ich werde gleich weiter gewunken. Aber ich bin ja auch dunkelblond und habe blaue Augen. Selten fand ich das mehr zum Kotzen als gestern. Aber sagt man was, darf man nicht mitfahren und wartet zwei Stunden auf den nächsten Bus, das habe ich schon miterlebt. Darum entscheide ich mich, zu schweigen, mich aber nach hinten zu der jungen Frau zu setzen, die meinen Blick sucht und sie zu beruhigen. 
Vorne geht derweil das Geschrei weiter - und zwar immer bei Menschen mit möglicherweise Migrationsgeschichte und bei einer weiteren Frau mit Kopftuch später an einer anderen Haltestelle auch wieder "mir zeigen!". "Aber warum", fragt mich die junge Frau und was soll ich da sagen: "Bitte nicht ärgern. Sie ist immer unmöglich. Es liegt natürlich nicht an Ihrer App! Es ist Rassismus und ich finde es schrecklich, aber man kann nichts sagen, weil sie einen sonst rauswirft." Sie bedankt sich. Aber wofür? Dafür, dass die Fahrerin sich unmöglich benimmt und ich es benenne? Feige, ganz leise? Das ist nix. Ich würde so gerne etwas sagen, ihren Chef informieren. Aber trotz schlechter Google-Bewertung hat sie ihren Job ja seit Jahren und nichts ändert sich. Möglicherweise ist es schwer, Personal zu finden und dann würde irgendwann kein Bus mehr in die Dörfer fahren. Es ist ein Dilemma. 
Als die junge Frau aussteigt, lächelt sie mich an und wünscht mir noch eine gute Fahrt. Ich ihr einen schönen Tag, ich hoffe so sehr, dass der Tag noch schön für sie wurde und dass ich ein bisschen ausgleichend wirken konnte. Genügt hat es mir nicht. 

Das Bild ist KI-generiert 


2.3.26

Das beste Frühstück

Seit fast 23 Jahren komme ich ins Café Cappuccino Gengenbach. 
Zunächst während einer Reha, um dort Kuchen zu essen und Kaffee zu trinken, danach immer, wenn ich mal durchatmen muss und deshalb nach Gengenbach fahre - und das möglichst samstags, denn dann gibt's dort Frühstück. Aber auch sonst sieht die Karte sehr gut aus, jetzt gibt's neu sogar Pinsa, und man kann dort in der Nähe auch übernachten. 
Es gibt immer wieder mal Livemusik und besondere Abende, für mich sind aber diese Samstage in der Früh toll, wenn es noch ruhig ist. Ich mag das, wenn sich wenig verändert und das immer freundliche Team ist noch fast wie früher, die Gemütlichkeit und besondere saisonale Deko sind einladend und auch draußen kann man schön sitzen. Das Frühstück Toskana ist fast immer meine Wahl, in all den Jahren haben sie es lediglich um fünf Euro angepasst und gleichzeitig auch verbessert, denn seitdem sind Gemüsesticks dabei und Hummus oder Ajvar, das Croissant ist toll und das Ei hat ein aufgemaltes lachendes Gesicht. 
Es gibt zwei Heißgetränke und Sekt oder Orangensaft - kurz gesagt, es ist ein unschlagbares Angebot. Aber auch andere Geschmäcker finden hier, was sie mögen.


Café Cappuccino Feuergasse 6, Gengenbach, Frühstück nur samstags // unbezahlte Werbung 

1.3.26

Buchtipp: das Weinhaus in Ligurien

Wer Kerstin Garde kauft, bekommt auch Kerstin Garde, so einfach ist das. Jede ihrer Reihen ist anders und doch gleichermaßen besonders und jede ihrer Reihen liebe ich genau deshalb.
Auf dieses dritte Buch der "Italienische Sommerträume"-Reihe habe ich wirklich hingefiebert, wir waren schon auf Capri und Sizilien und da hallt der Ausflug auf den Ätna noch total nach. Trotzdem halte ich "Das Weinhaus in Ligurien" für das bislang stärkste Buch der Reihe und es kommt ja noch eines, schon im Juni geht die Reise nach Rom🤩
Du kannst jedes für sich unabhängig von den anderen lesen, jedes ist in sich abgeschlossen. Aber Du wirst auch die anderen lesen wollen, wenn Du erstmal eines kennen gelernt hast. Ich mag das jedenfalls, wenn man die unterschiedlichen Freundinnen aus verschiedenen Büchern wiedertrifft und jede ihre eigene schöne Geschichte hat. 
Es ist auch ein bisschen wie ein eigener Urlaub, ich verreise ja nicht gerne und weiß auch nicht, ob ich diese Orte jemals sehen werde (wobei mich der Ätna inzwischen sehr anzieht), durch Kerstin Gardes Beschreibungen hat man sogar den Geschmack des Essens auf der Zunge. Wie gut, dass hinten im Buch auch ein Rezept wartet..
In dieser Geschichte geht es um Minna, die als Autorin ihren ersten Bestseller veröffentlicht, nun aber eine Schreibblockade hat. Sie reist in einen Ort ihrer Kindheit ins Haus ihrer Tante  nach Italien und trifft dort auf alte Bekannte und einen Unbekannten - Alessandro. Außerdem findet sie ein altes Tagebuch. Und genau das gefällt mir - die Vergangenheit und die Verbindung zweier Familien, Minnas Recherchen und was die junge Frau heute ausmacht, das alles in einer Story - einfach toll. Leider gibt's dann und wann ein paar Tippfehler und auch inhaltliche Dinge, über die sehe ich aber hinweg, denn ich liebe das Buch!



// unbezahlte Werbung 

28.2.26

Buchtipp: Die Reise der verlorenen Worte

Ach, was soll ich sagen. Dieses Buch ist so wundervoll, dass ich es viel zu schnell durchgelesen habe und jetzt vermisse ich es.
Eigentlich war es mein dieswöchiges Busbuch, aber ich musste es zuhause weiterlesen, weil es so so toll ist, und dann war es schon vorbei. Janne arbeitet bei der Post und recherchiert die Adressen von nicht zustellbaren Briefen. Dafür dürfen sie und ihre KollegInnen das Briefgeheimnis brechen und die Briefe lesen. Gleichzeitig erzählt das Buch in Rückblenden die Geschichte von Janne und ihrem Großvater. Eines Tages bekommt sie einen Brief auf den Schreibtisch, der sie an ihre Geschichte erinnert. Und als ihr ein zweiter Brief zu-fällt, ist ihr bald klar, dass Zufälle auch Gelegenheiten sind. Die Reise beginnt..
Es gibt nur wenige Tippfehler und die Art, wie das Buch geschrieben ist, ist so warm, also ich kann es absolut empfehlen 🩷
// unbezahlte Werbung 




27.2.26

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Oh Himmel, diese Frage! Ich bin froh, wenn ich weiß, was ich nächste Woche tun werde 🤭
Früher bekam ich die Frage in so gut wie jedem Vorstellungsgespräch gestellt und wahrheitsgemäß wollte ich natürlich endlich unbefristet in eine Anstellung - geklappt hat das nicht immer. Auch die unbefristeten Arbeitsverhältnisse mochte ich manchmal nicht mehr, denn das, was ich täglich tue, sollte ja zu einer passen. Wenn dann der Schuh zu klein oder zu groß geworden ist, muss etwas Neues her.
Ich bin mir sicher, ich hätte in vielen Jobs glücklich werden können, aber es brauchte diesen Weg durch alles andere, um jetzt zu wissen, dass das, was ich tue, genau richtig ist - und es hoffentlich bis zur Rente auch sein wird. 
Ich hatte in meinem Leben großes Glück, mich haben Menschen geprägt, Chefs und Chefinnen haben mir gezeigt, wie ich nicht sein will - oder wie ich tatsächlich bin und sein möchte. Jedes befristete Arbeitsverhältnis, bei dem die Vorgesetzten und KollegInnen bedauerten, dass ich gehen musste, tat zwar weh, machte aber auch dankbar, dass ich beliebt war. Jede eigene Kündigung machte mich stark, weil ich meinen Wert erkannt hatte. Aber ich muss auch zugeben, das hat manchmal länger gedauert als es gesund war. Ich war mal Chefin, möchte das aber nicht mehr sein, es ist nämlich vom Dasein als Erzieherin gar nicht so weit entfernt und das ist anstrengend.
Heute denke ich, ich weiß ja nicht mal, ob ich in 5 Jahren noch lebe! Wie soll ich dann mutmaßen, wo ich in 5 Jahren stehe? Vielleicht hab ich bis dahin im Lotto gewonnen und betreibe eine Katzenpension? Oder ich will von Menschen gar nix hören, also auch nicht von Katzenmenschen, und wohne am Waldrand mit einer haushohen Hecke mit meinen eigenen Katzen? Oder ich wandere an die Nordsee oder den Bodensee aus und gehe jeden Tag schwimmen. Wenn ich aber wählen kann, dann bin ich dankbar, wenn mein Leben einfach nur ohne größere Katastrophen so weiterläuft wie die letzten 5 Jahre: Mit dem Wissen, was ich kann und dass ich eher Ruhe als die große Karriere brauche.
 


                                                                Das Bild ist KI-generiert


26.2.26

Ausschnitt aus meinem Buch Mein Katzenleben

Heute gibt's kostenlos einen Ausschnitt aus meinem zweiten Buch "Mein Katzenleben", in dem es auch um Menschen geht und um den Tod. Denn "Shirley" hätte heute Geburtstag. 

Als ich nach Hause gehen will, lese ich auf einem
fremden Grabstein „Ihr Leben war Liebe, Ihre Liebe unser Glück“. Das beschreibt auch Stef sehr gut.
Dass sie nicht mehr da ist, durchfährt mich auch
heute noch manchmal wie ein Blitz. Er nimmt mir für einen Moment die Luft, dieser Schmerz und dieses Wissen, wir werden nie wieder sprechen, streiten, zusammen lachen.
Ob es das Plötzliche ist? Dass man sich nicht mehr verabschieden konnte?
Oder ob wir einfach diese schöne Welt nicht mehr zusammen erkunden können?
Man lernt so viel voneinander. 
Das ist jetzt vorbei.

Ich hatte zwei ganz besondere Lehrerinnen, von
denen ich als junger Mensch viel fürs Leben lernen durfte.
Die eine hatte Ähnlichkeit mit Meryl Streep, die
andere mit Shirley MacLaine.
„Shirley“ habe ich nach meiner Schulzeit nie
wiedergesehen. Sie hat zwar einen Brief von mir
bekommen, in dem ich ihr nach Jahren schrieb, dass ich ihr sehr dankbar bin und immer sein werde.
Der Brief war als reine Information gedacht, eine Antwort war nicht notwendig. Sie sollte aber wissen, dass sie weit über den Unterricht hinaus Dinge fürs Leben gelehrt hat. Sie starb nach längerer Krankheit.

„Meryl“ kontaktierte ich 15 Jahre nach Ende meiner Schulzeit, weil ich den Titel eines Buches wissen wollte – und ich wollte irgendwie auch wissen, wie es ihr geht. Was für ein Glück, dieses Bestreben!
Denn ich habe sie ab diesem Zeitpunkt regelmäßig besucht.
Sie kochte für uns den besten Couscous mit Datteln, den ich jemals gegessen habe. Ihr Kniff war ein Stückchen Butter. Und Walnüsse.
Und wenn sie sich dann zu einem Mittagsschläfchen hinlegte, las ich, was sie mir zu lesen gab.
Auch lange nach meiner Schulzeit durfte ich in
dieser wertvollen Zeit noch sehr viel von ihr lernen. Ich bin immer ihre Schülerin gewesen, auch noch als Erwachsene. Aber sie fragte mich auch über Dinge aus, mit denen ich mich besser auskenne als sie – und wollte sie erklärt haben.
Selten telefonierten wir, lieber schrieben wir uns
Briefe und Postkarten.
Als sie einmal in den Schulferien nach Rom reiste, brachte sie für den ganzen Lateinkurs Postkarten mit. Weil ich mir ein bestimmtes Motiv gewünscht hatte, das sie als Karte nicht auftreiben konnte, fotografierte sie es für mich. Zu dieser Zeit entwickelte man noch Foto-Filme und sie brachte mir einen 7x10 Abzug mit.
Sie schenkte mir in unserer letzten gemeinsamen Zeit ein Buch über Jin Shin Jyutsu, als sie von meinem stressigen Job hörte, und zeigte mir die wichtigsten Griffe. 
Man kann mit dieser Philosophie
Blockaden in sich lösen und wird dadurch ganz
allgemein viel harmonischer.
Ein Bild, das ich als Schülerin für sie gemalt hatte, hing noch immer in ihrem Arbeitszimmer über dem Schreibtisch.
Unsere Leben waren miteinander verwoben und ihre Einstellung zum Lebensende berührte mich stark.
Unser gemeinsamer Spazierweg führte uns
nachmittags an einem Fluss entlang. Mit der Fähre über den Fluss endete dann immer unser
gemeinsamer Tag.
Sie ging ihres Weges und ich fuhr mit dem Zug
zurück nach Hause.
Beim letzten Mal trafen wir uns dann noch ein
paarmal zufällig in der Stadt, nachdem wir uns längst verabschiedet hatten. Sie hatte ein paar Dinge zu erledigen und ich shoppte ein wenig, bis der Zug kam.
Mit einem Lächeln und Kopfnicken behalte ich sie in Erinnerung, denn das war unser letztes
Aufeinandertreffen, wir wussten das.
Zuvor hatte sie mir geschrieben, dass diesmal ihr Krebs nicht heilbar sei und wenn ich sie nochmal sehen möchte in einem Zustand, in dem sie Besuch empfangen möchte, dann sollte ich bald kommen.
Es solle aber nicht heißen, dass mein Krebs auch
zurückkommen würde. 
Ich solle leben, bat sie mich.

25.2.26

Islamisierung oder einfach Freundschaft?

In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass zu viel über den Ramadan gesprochen wird, dass Deutschland sich islamisiere und überhaupt, dass Worte wie "Iftar" und "Ramadan Mubarak" hier nichts verloren hätten. Ich sage: Doch. 
Schon vor 35 Jahren habe ich nicht verstanden, woher dieser Hass kommt. Heute machen die sozialen Medien es nicht besser. Und dieses Jahr fielen der Beginn der christlichen Fastenzeit und des Ramadans auf denselben Tag - was für eine Chance, diese gemeinsame Zeit des Verzichts kann schließlich auch verbinden, meine ich. 
Die Menschen, die hier unser Land unterstützen, die mit uns arbeiten oder einfach Familien, die seit Generationen hier leben, sie haben doch verdient, dass wir einander wertschätzen. Sie wertschätzen auch uns. Geh zweimal zum selben Dönermann, er wird Dich fragen "Wie immer, meine Liebe?" Das bekommst Du auch bei meinem Lieblingsasiaten zu hören, nicht aber in der deutschen gutbürgerlichen Küche, da musst Du echt öfter hin, bis sie Dich kennen. Auch sind  die Großzügigkeit und die Gastfreundschaft unserer islamischen FreundInnen unfassbar groß, zumindest erlebe ich es so. Bist Du Gast, bist Du Freund. Oder Freundin.

Die Großeltern und Eltern meiner FreundInnen haben unser Land wieder ans Laufen gebracht. Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg? Gut, Dude, ich wusste gar nicht, dass Du Müllwerker sein möchtest oder in der Pflege tätig oder in der Drogerie oder einen akademischen Grad hast. Wenn Du einen bestimmten Job willst, qualifiziere Dich, bewirb Dich, arbeite. Kann ich bei vielen deutschen Leuten leider so nicht erkennen.
FreundInnen, die tagsüber beten, sind mir persönlich weniger suspekt als die Menschen, die christliche Werte predigen, diese aber nicht leben und höchstens an Weihnachten in die Kirche gehen. Wenn abends unsere Ramadanlichterkette leuchtet, dann wärmt das mein Herz. Dieses Licht erinnert mich an die, die nun zusammen essen, die Zusammenhalt feiern und auch an all die schönen Rezepte, die ich Dank meiner islamischen FreundInnen kenne. Es erinnert mich aber auch daran, dass wir Christen bald Ostern feiern und dass wir in einer Welt leben, in der alles möglich ist.

Was wäre, wenn wir gerade während der Fastenzeit etwas christlicher denken und feststellen: Sie alle sind Deutschland, wir alle sind Deutschland?!

Dieses Wunschbild ist KI-generiert 


23.2.26

Retro Gebäck

Unsere örtliche Bäckereikette hat angekündigt, Klassiker für kurze Zeit wieder ins Sortiment aufzunehmen. Ich habe mich natürlich gefragt, warum man so etwas Einfaches wie Besonderes wie Butterkuchen überhaupt rausgenommen hat.
Als ich 2008 zwischen den Chemotherapien wieder Dinge mit Hefe essen durfte, habe ich mich quasi davon ernährt. Herrlich buttrig war der Teig, die Mandeln mit Zucker süß und knackig. Ich glaube, es hat damals 1,60 EUR gekostet, heute 2,80 EUR und leider fehlt die Fluffigkeit, es scheint weniger Butter verarbeitet zu sein und die Mandelmasse befindet sich nicht auf dem ganzen Stück. Ich werde es nochmal ein paar Tage später in einer anderen Filiale probieren, vielleicht war das nur eine der ersten Chargen. Aber gewünscht hätte ich mir schon die gleiche Qualität - schließlich schmecken Yes-Torty heute auch so wie früher oder Ahoibrause und solche Dinge.




22.2.26

Shirins Flügelchentag

Am 22. Februar 2024 hat Shirin Flügelchen bekommen. Flügelchen, weil seine Seele davongeflattert ist. 
Das war ein Donnerstag und der Tag hatte sich, wie Du weißt, wenn Du mir schon einige Zeit folgst, schon länger angekündigt. Er war acht Jahre seines Lebens krank, lebte damit aber ganz gut, wenn er genug zu essen bekam und später seine Medikamente.
In der Nacht hatte er ins Bett gemacht, das kam schonmal vor, er hatte aber auch Schmerzen und rief nach uns, als er plötzlich vom Wohnzimmer nicht mehr ins Schlafzimmer kam. Er fühlte sich kalt an und genoss die Wärme seiner kleinen Wärmflasche und suchte die ganze Zeit unsere Nähe und unserer Wärme. Es heißt immer, Katzen ziehen sich zum Sterben zurück, aber so ist es nicht nur. Wir hatten noch richtig schöne und intensive Stunden miteinander, weil der eine Tierarzt erst um 10 Uhr öffnete und der andere gar nicht da war. Seine Stimme hatte sich verändert, er plapperte trotzdem auf seine ganz eigene Weise, aber ganz dünn und zart und als wir dann zum Tierarzt fuhren, saß er wieder wie ein kleiner König da und beobachtete die Straße. Er liebte Ausflüge. Doch dieser ermüdete ihm sehr und beim Tierarzt angekommen war er schon ganz schwach. "Nur selten machen das die Leute so lange mit", sagte der Arzt und lobte meine Fürsorge. Und nahm mir den letzten Zweifel bei dieser schweren Entscheidung - Shirinchen schlief sofort ein. 
Zuhause verabschiedeten wir uns, auch seine Brüder beschnupperten ihn und sagten Adieu. Kleinerhong hatte die engste Verbindung zu ihm und blieb auch am längsten bei ihm. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Vier es zur Kenntnis nahmen und dann weitermachen - sie haben hier immer unglaublich viel zu tun. 
Am Nachmittag fuhr ich zur Bestatterin, ich hatte davon schonmal erzählt - und ging danach im Park bei Regen spazieren und kaufte Kuchen. Eine Freundin meint, man braucht bei sowas immer Kuchen und das ist auch meine Erfahrung. Zuhause brauchten mich dann die vier Brüder, empört, dass ich noch kein Chicken gekocht hatte (das war eigentlich immer nur für Shirinchen gedacht, damit er satt wurde, aber sie aßen halt mit und Katzen lieben Routine). Kleinerhong sprang in seine Badewanne und redete mit sich selbst oder Shirins Geist - jedenfalls war er sehr beschäftigt. Und sie umringten uns, sehr eng lagen wir alle zusammen und dachten vermutlich an die gemeinsame Zeit - vielleicht dachten die Vier aber auch, dass sie nun endlich gleich viel Aufmerksamkeit bekommen würden. Inzwischen hat sich das Rudel verändert, wir sind uns tatsächlich noch näher. Caramelli und Hong, die oft mit Shirin gegessen hatten (er brauchte ja mehr und öfter Futter), haben inzwischen wieder Normalgewicht. Und es bleibt die Dankbarkeit, solch ein Wesen gekannt zu haben. Das Wissen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Ich würde es immer wieder tun💛 🩷❤️‍🩹

Dieses Bild ist KI-generiert 


Dieses Bild wurde als Collage bearbeitet , der Himmel ist echt




21.2.26

Buchtipp: Ein Nest voller Träume

Wow. Einfach wow. Dieses Buch lag in einer anderen Stadt vor einem Buchladen bei den Remittenden und zog mich magisch an. Da ich aber Bücher für gewöhnlich nur in meiner unabhängigen Buchhandlung zuhause kaufe, legte ich es zurück. Als ich wieder dort vorbeikam, lag es noch immer da. Und es war Monatsende und es kostete nur 5 Euro und Bücher müssen schießlich gerettet werden - also kaufte ich es doch. 
Dann wanderte es einige Monate, fast ein Jahr, auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und jetzt, nachdem ich ein Jugendbuch und ein ähnliches anderes gelesen hatte, wollte ich einfach nochmal so ein ähnlich rätselhaftes lesen - und griff zu. Von der ersten Seite an habe ich es nicht bereut. 
Glendy Vanderah schreibt hier über drei Menschen, die unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein können und bis zuletzt bleibt es spannend, überraschend und immer voller Liebe. 
Jo ist Ornithologin und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Dafür zieht sie über den Sommer für ihre Feldforschung in ein Haus am Waldrand. Schnell lernt sie den zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe kennen und plötzlich steht auch noch ein kleines kluges Mädchen im Schlafanzug vor ihr. Es ist lange nicht klar, ob es weggelaufen ist oder das Buch doch etwas Fantasy beinhaltet und die Kleine aus einer anderen Galaxie, die wie ein Nest aussieht, stammt. 
Jos beste Freundin Tabby ist so zauberhaft wie auch die Beschreibungen, wie sich die verschiedenen Leben immer mehr miteinander verknüpfen.
Alle Personen machen einen Wandel durch, der auf Vertrauen basiert und Offenheit. 
Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, spannend wie ein Film, empathisch und nah - man fühlt einfach alles mit. Ich habe es sehr geliebt und wirklich mitgezittert und wäre wieder einmal sehr gerne in diese Geschichte gekrochen.

Glendy Vanderah
Ein Nest voller Träume
Fischer Verlage 16 EUR 
// unbezahlte Werbung




20.2.26

Dummheit oder doch nur faul?

Schon lange habe ich hier keine NachbARSCHaftsgeschichten mehr geteilt, was aber keineswegs bedeutet, dass wir endlich in unser ruhiges freistehendes Haus mit Wassergraben drumherum und Zugbrücke gezogen sind.
Die lauten Nachbarn sind weiterhin laut, allein im Januar gab es sieben Polizeieinsätze wegen ihnen. Und der Renovierungsnachbar hat neben seiner Videokameraklingel IM Haus (ja, er filmt das Treppenhaus, nicht die Haustüre 🤭) inzwischen vermutlich keine Wände mehr in der Wohnung, anders können wir uns den Lärm der Bohrungen und anderen Renovierungsarbeiten nicht erklären. 
Jetzt aber kam es wieder zu einem Vorfall, der mich persönlich wieder einmal darin bestätigt, dass es einfach dumme Menschen gibt.
Die Situation: Dauerregen. War auch angekündigt, findet statt, man merkt es. Am ersten Tag dachte ich noch, es sei Zufall, dass der Deckel der Papiertonne zurück geklappt und die Tonne dadurch offen ist. Habe sie natürlich geschlossen. Es sollte in den nächsten Tagen eine Leerung erfolgen, aber Pappmaché ist ja unnötig.
Am zweiten Tag steht die Tonne abends an der Straße, am nächsten Tag ist Leerung. Das erledigt für uns inzwischen ein Hausmeisterservice, weil außer einer Nachbarin und mir in diesem Hause niemand fähig war, im abwechselnden Turnus die Tonnen rauszustellen und manche echt schwer gewesen sind. Der Typ ist super, er stellt alles immer ordentlich hin und ich bin mir ganz sicher, dass auch er eine verschlossene Tonne an die Straße gestellt hat. Nun aber hängt der Deckel wieder an der Rückseite - und obendrauf, auf dem Tonneninhalt, steht eine regendurchweichte  Papiertüte mit Essensverpackungen und gebrauchter Küchenrolle, voll bis oben hin. Dass die in den Restmüll und nicht ins Papier gehört, scheint der NachbARSCHaft nicht klar zu sein. Dass eine volle Papiertonne vollgeregnet zu schwer ist, auch nicht. Was geht nur in solchen Köpfen vor?! {Rhetorische Frage}




19.2.26

Mein Christusdornstecklinge blüht

Seit ich fast jeden Tag Kaffee oder Tee ansehe, bin ich bei vielen Themen schlauer. Irgendwie merkt sich mein Kopf Dinge und Manches probiere ich gerne aus.
Nachdem schon das Vermehren einer Efeutute geklappt hat (es wurde in der Sendung super erklärt, man schneidet einfach Triebe ab und steckt die Luftwurzeln in Erde, stülpt eine Tüte über den Topf ohne zu gießen und zwei Wochen später nach ein paarmal Lüften gegen  Schimmelbildung hat man eine neue Pflanze), musste ich den immer länger werdenden Christusdorn abschneiden, weil er sich bog und ein Zweig war hohl.
Ich habe vor vielen Jahren eine Kundin aus meinem damaligen Job im Bus getroffen. Sie war auf dem Weg zu einer Wanderung und wollte einer Bekannten zwei Stecklinge ihres Christusdorn mitbringen. 
"Eine total blöde Idee beim Wandern", erklärte sie mir, "möchtest du sie haben? Du musst sie nur in Erde stecken, das kann auch erst in ein paar Tagen geschehen. Ich bringe meiner Bekannten zwei andere mit, wenn wir uns mal so sehen. Total pflegeleicht, ab und zu den Topf mal in Wasser tunken, aber nicht, wenn du die Stecklinge in die Erde gesetzt hast, da wartest du lieber etwas ab. Meine Pflanze ist drei Meter breit." Ich nickte etwas überrumpelt und nahm die am Ende in Alufolie gewickelten Äste.
Ein paar Jahre später starb die Frau im Hospiz und ich bin ihr heute noch dankbar und denke an sie, wenn ich diese inzwischen sehr große Pflanze anschaue 🌱 
Kürzlich habe ich also einen Steckling in den Topf gesetzt, damit die Pflanze breiter und nicht höher wird. Jetzt blüht sie schon😍Das heißt, es hat geklappt, sie wächst und gedeiht. Und sie blüht sogar pink! Wenn sie im Winter nicht genügend Licht hat und blüht, ist sie weiß, aber jetzt kommen da tatsächlich schon pinke Blüten. Im Sommer zieht der Christusdorn auf den Balkon, er liebt es warm.



18.2.26

Das Leben ist bunt

Ich frage mich immer wieder, was Menschen so sehr triggert, wenn andere ein buntes Leben führen und gelernt haben, sie selbst zu sein - oder auf dem Weg dahin sind. Oder wenn Menschen von anderswo hierher kommen und leben, das ist doch spannend und macht weltoffen, ansonsten gäbe es ja auch für die tollen Deutschen keinen Grund Urlaub im Ausland oder Auslandssemester zu machen.

Es tut niemandem weh, wenn Person A Person B liebt und beide dasselbe Geschlecht haben. Es tut aber anderen weh, wenn sie wegen ihrer Homosexualität tätlich angegriffen oder beleidigt werden. 
Es tut niemandem weh, wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern heranwachsen, meist ist es sogar besser als bei der Herkunftsfamilie oder bei typisch heteronormativ denkenden Paaren. Wichtig ist es, geliebt zu werden. 
Es tut niemandem weh (außer der Person zunächst selbst, der Weg ist schwierig genug), wenn eine Person sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt und erkennt, dass er oder sie Mann oder Frau in Frauen- oder Männerkörper ist.
Es tut niemandem weh, wenn eine Muslima sich dazu entscheidet, das Kopftuch zu tragen - Ordensfrauen im Habit werden schließlich auch nicht gemobbt.
Trotzdem scheinen von all diesen Menschen Gefahren auszugehen, zumindest benehmen sich andere Leute so, auch mit c wie christlich im Parteinamen (ich bin der Meinung, Gott hat uns so gewollt, darum hat er uns eben so wie wir sind geschaffen - queer meine ich damit zum Beispiel).
Für mich gab es als Kind nichts Schöneres, als zusammen mit meiner Freundin Türkisch zu kochen und ihr Kopftuch hat mich überhaupt nicht gestört. Nie. Stattdessen fragte mich ein Familienmitglied, ob ich jetzt auch zur Koranschule ginge. Ja, das tat mir weh, aber nur einen Moment lang - denn ich spürte in meiner ersten Sprachlosigkeit, dass er nicht im Recht war, im Gegenteil, er tat mir später leid, weil er niemals wissen würde, wie schön dieses von ihm verachtete "Multikulti" ist. Wie sehr ich von den Geschichten anderer Menschen profitiere, weil sie mein Leben bereichern. Weil sie im Herzen wie ich sind und wir doch unterschiedlicher Herkunft sind und damit viel zu erzählen haben.
Heute weiß ich: niemand ist im Recht, weil er rechts ist.
Es tut niemandem weh, wenn geflüchtete Menschen hier Zuflucht suchen - hier geboren zu sein ist ein Zufall und kein Privileg. 
Wäre meine Omi damals nicht aus Ostpreußen geflüchtet, gäbe es mich nicht. Auch sie wurde beschimpft und als "fremde Polin" bezeichnet, doch sie war stark und erklärte laut, dass sie Deutsche ist - und zum Glück hörten ihr Menschen zu, zum Beispiel mein Opa, der sich später in sie verliebte.
Viele Geflüchtete oder Zugezogene schließen hier ihre Sprachkurse in einem unfassbaren Tempo ab und machen nebenbei noch Ausbildungen und unterstützen so unser System. Denn sie zahlen Steuern, sie arbeiten in der Pflege oder woanders. Den AfD-Wähler, der arbeitslos und eben nicht arbeitssuchend, sondern ein fauler Troll ist, dem diese Menschen angeblich den Job wegnehmen, möchte ich sehen, wenn er dieses Pensum absolvieren müsste. Viele kümmern sich zusätzlich noch um ihre Kinder oder schicken Geld in die Heimat. Immer wieder bewundere ich die Kraft dieser Menschen und gleichzeitig ihre liebe Art, ihr offenes Aufmichzugehen.
Den Einbürgerungstest würde ich persönlich nicht so einfach bestehen und ich kenne so einige Menschen, die das geschafft haben. 
Einzelne bauen Mist - übrigens stieg die Anzahl ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger seit 2005 um über 70%, während die Kriminalitätsrate um 14 % zurückging - das bedeutet natürlich, dass nicht alle Mist bauen. Sonst müsste ich davon ausgehen, dass der ältere weiße Mann, der sich im leeren Bus kurz vor der Bushaltestelle ganz nah hinter mich stellt, kein Einzelfall ist, sondern, dass alle alten weißen Männer geile Arschlöcher sind. Übrigens auch die jungen Männer, die meinen, auf einem freien Gehweg ganz nah hinter mir laufen zu müssen oder in ähnlichen Situationen einfach Frauen zu nah kommen. 
Ich musste mir neulich sagen lassen, dass so Frauen wie wir still sein müssten, wollen wir nicht in einigen Jahren vom Islam in Deutschland unterdrückt werden, nur weil wir dafür sind, die ganzen Syrer rein zu lassen. Das entsetzt mich noch immer. 
Wie viel weniger unterdrückt ist denn dann bitte eine rechte Hausfrau? Sorry, not sorry. 
Es tut keinem weh, demokratisch zu wählen. 
Es tut aber uns allen weh, wenn eine Partei plant, dass Freunde abgeschoben werden oder Familie aus Vater, Mutter, Kind bestehen soll und dass die Erbschaftssteuer für Reiche abgeschafft wird oder dass Bürgergeldempfangende nach einem halben Jahr sanktioniert werden, wenn sie nicht arbeiten. Das würde wohl einige der Wählenden kalt erwischen. (Man sollte nicht den Ast absägen auf dem man sitzt)
Es geht doch wohl eher darum, die Armen nicht noch ärmer und die Reichen nicht noch reicher zu machen und unser schönes Land wieder zu einen und nicht noch mehr zu spalten. Mir ist nicht klar, warum das nicht verstanden wird. Und warum ein Regenbogen nicht gemocht wird. Das Leben ist ganz schön grau ohne Farben. Und wo das endet, hat uns ja schon Michael Endes Momo gelehrt.
Liebe, Verständnis und Weltoffenheit machen uns reich. Nicht rechte wilde Vorstellungen. Vielleicht nutzen wir die heute beginnende Fastenzeit - und übrigens den gleichzeitigen Ramadan - aufeinander zuzugehen und zu erkennen: wir sind alle Menschen. 

(Quelle 1 im Text verlinkt, Quelle 2 Parteiprogramm und Anträge AfD)

Dieses Bild habe ich bei der letzten Wahl schon gepostet, es zeigt eine Aussage, die ich oft hörte und jetzt wieder höre und meine Meinung dazu



17.2.26

Kamelle

Hier ist heute Fasching - ich kenne es als Karneval und habe es als Kind und junge Erwachsene geliebt. Hier in meiner Wahlheimat ist das nicht so mein Ding, aber ich glaube auch nicht, dass ich in einer Menschenmenge im Rheinland heute happy wäre🤭❤️ aber Clowns habe ich!