12.10.26

but first coffee

"Ja, du hast deine Katzen,  aber ein Mensch? Fehlt dir das nicht?" wurde ich letzte Woche gefragt.
"Nein. ", antwortete ich. 
Aus vollstem Herzen. 
Mein Leben lang habe ich mich um andere gekümmert. 
Und trotzdem erstmal sehr vermisst, wenn eine Liebe endete oder nicht mehr passte. 
Das weißt Du vielleicht, weil Du mich durch die Liebeskümmerer kennst. 
Wie schön es ist, die Katzen nicht mehr teilen zu müssen oder auch abends einfach Müsli zu essen oder morgens Nudeln zum Frühstück, das habe ich lernen müssen. Oder irgendwann einfach so empfunden. 
Dann dieses "Was unternehmen wir heute?" Nix, Karen. 
Spontan dann doch das Rad schnappen oder FreundInnen treffen, die sich nach einer Trennung nicht entscheiden müssen,  zu wem der beiden Teile des ehemaligen Paares sie nun gehören - unbezahlbar. 
Und auch diese Planerei in einer Fernbeziehung zum Beispiel, die Fahrerei und alles- nö. Ich vermisse nichts daran. Es gibt kaum etwas Befreienderes und eine größere Erleichterung, wenn Du merkst,  dass Ichzeit das Wichtigste ist.  Auch würde mir keine Frau mehr in die Wohnung kommen, ich würde kein Schrankfach leerräumen und auch nicht mehr aufs Bücherlesen verzichten.  
Ich kann Playmobil aufbauen, wann und wo ich will. Die hundertste Tasse diskutiere ich nicht,  im Bad hängen alle Pflanzen wie in einem Dschungel an der Decke,  damit keine Katze reinbeißen und ich sie betrachten kann, wenn ich mit Kleinerhong in der Badewanne liege. 
Wann wir wollen. Bzw wann Hong es will 😅
Ich muss nichts besprechen oder erzählen, mache wichtige Dinge mit mir und Pro/Contralisten aus (oder erzähle sie zunächst mal FreundInnen, aber die Antworten sind ja dann auch subjektiv und ich muss schauen, ob es für mich passt) und habe Zeit für andere Menschen oder ich habe ganz einfach meine Ruhe. Davon brauche ich viel. Misanthropin nennt man mich,  dabei bin ich nur schnell reizüberflutet.
Bücher stapeln sich in jedem Raum,  ich habe - sofern sich eine Katze nicht 2m breit und lang macht - Platz im Bett, da liegen dann auch schonmal 2,3 Bücher,  wenn ich mich nicht entscheiden kann und sie gleichzeitig lese. Keiner schnarcht. 
Okay,  das ist gelogen. 
DasSams schnarcht wie ein alter Mann,  der zehn Weißbier zu viel hatte.  
Ich habe schon länger überlegt,  einen solchen Text zu veröffentlichen. Das Gespräch letzte Woche ließ mich nochmal genauer darüber nachdenken. Denn nicht der Norm zu entsprechen und glücklich zu sein, macht angreifbar. Wenn ich über bestimmte Feiertage wie Ostern oder Weihnachten erzähle, werde ich entweder von Wissenden gefragt "wiiiiie schööööön! Darf ich dazu kommen?" oder es wird bewertet "das könnte ich nicht", mein enges Umfeld jedoch versteht es. 
Die letzte Person, mit der ich "anbandelte", ist in diesem Jahr verstorben. Davor hat es mal länger, mal kürzer geklappt, aber immer habe ich auf die Laune der anderen geachtet. Und im Zweifel auf Zeit für mich verzichtet.
Das macht unglücklich.
Dass man keine Beziehung mehr möchte wegen des möglichen Verlustes, dem könnte man auch entgegensetzen, dass es so viel Schönes gibt,  gemeinsame Erinnerungen, Zeit,  Erlebnisse und eine eigene Geschichte.
Das hatte ich alles.
Ich habe sehr geliebt und wurde und werde sehr geliebt. 
Liebe ist ein Geschenk,  definitiv.
Aber Seelenfrieden haben und allein sein können und dürfen noch mehr. 
Ich würde nicht so weit gehen und den Trend mitmachen, mich selbst zu heiraten und dann auch noch eine Party zu feiern. Da wären viel zu viele Menschen auf einem Fleck versammelt.
Aber die KI kennt mich: als ich ihr sagte,  sie soll mal für den Blog ein Bild erstellen, wie ich mich selbst heirate, sagt sie: but first coffee - eine der größten Lieben in meinem Leben😅


Das Bild ist KI-generiert 



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