22.2.26

Shirins Flügelchentag

Am 22. Februar 2024 hat Shirin Flügelchen bekommen. Flügelchen, weil seine Seele davongeflattert ist. 
Das war ein Donnerstag und der Tag hatte sich, wie Du weißt, wenn Du mir schon einige Zeit folgst, schon länger angekündigt. Er war acht Jahre seines Lebens krank, lebte damit aber ganz gut, wenn er genug zu essen bekam und später seine Medikamente.
In der Nacht hatte er ins Bett gemacht, das kam schonmal vor, er hatte aber auch Schmerzen und rief nach uns, als er plötzlich vom Wohnzimmer nicht mehr ins Schlafzimmer kam. Er fühlte sich kalt an und genoss die Wärme seiner kleinen Wärmflasche und suchte die ganze Zeit unsere Nähe und unserer Wärme. Es heißt immer, Katzen ziehen sich zum Sterben zurück, aber so ist es nicht nur. Wir hatten noch richtig schöne und intensive Stunden miteinander, weil der eine Tierarzt erst um 10 Uhr öffnete und der andere gar nicht da war. Seine Stimme hatte sich verändert, er plapperte trotzdem auf seine ganz eigene Weise, aber ganz dünn und zart und als wir dann zum Tierarzt fuhren, saß er wieder wie ein kleiner König da und beobachtete die Straße. Er liebte Ausflüge. Doch dieser ermüdete ihm sehr und beim Tierarzt angekommen war er schon ganz schwach. "Nur selten machen das die Leute so lange mit", sagte der Arzt und lobte meine Fürsorge. Und nahm mir den letzten Zweifel bei dieser schweren Entscheidung - Shirinchen schlief sofort ein. 
Zuhause verabschiedeten wir uns, auch seine Brüder beschnupperten ihn und sagten Adieu. Kleinerhong hatte die engste Verbindung zu ihm und blieb auch am längsten bei ihm. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Vier es zur Kenntnis nahmen und dann weitermachen - sie haben hier immer unglaublich viel zu tun. 
Am Nachmittag fuhr ich zur Bestatterin, ich hatte davon schonmal erzählt - und ging danach im Park bei Regen spazieren und kaufte Kuchen. Eine Freundin meint, man braucht bei sowas immer Kuchen und das ist auch meine Erfahrung. Zuhause brauchten mich dann die vier Brüder, empört, dass ich noch kein Chicken gekocht hatte (das war eigentlich immer nur für Shirinchen gedacht, damit er satt wurde, aber sie aßen halt mit und Katzen lieben Routine). Kleinerhong sprang in seine Badewanne und redete mit sich selbst oder Shirins Geist - jedenfalls war er sehr beschäftigt. Und sie umringten uns, sehr eng lagen wir alle zusammen und dachten vermutlich an die gemeinsame Zeit - vielleicht dachten die Vier aber auch, dass sie nun endlich gleich viel Aufmerksamkeit bekommen würden. Inzwischen hat sich das Rudel verändert, wir sind uns tatsächlich noch näher. Caramelli und Hong, die oft mit Shirin gegessen hatten (er brauchte ja mehr und öfter Futter), haben inzwischen wieder Normalgewicht. Und es bleibt die Dankbarkeit, solch ein Wesen gekannt zu haben. Das Wissen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Ich würde es immer wieder tun💛 🩷❤️‍🩹

Dieses Bild ist KI-generiert 


Dieses Bild wurde als Collage bearbeitet , der Himmel ist echt




21.2.26

Buchtipp: Ein Nest voller Träume

Wow. Einfach wow. Dieses Buch lag in einer anderen Stadt vor einem Buchladen bei den Remittenden und zog mich magisch an. Da ich aber Bücher für gewöhnlich nur in meiner unabhängigen Buchhandlung zuhause kaufe, legte ich es zurück. Als ich wieder dort vorbeikam, lag es noch immer da. Und es war Monatsende und es kostete nur 5 Euro und Bücher müssen schießlich gerettet werden - also kaufte ich es doch. 
Dann wanderte es einige Monate, fast ein Jahr, auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und jetzt, nachdem ich ein Jugendbuch und ein ähnliches anderes gelesen hatte, wollte ich einfach nochmal so ein ähnlich rätselhaftes lesen - und griff zu. Von der ersten Seite an habe ich es nicht bereut. 
Glendy Vanderah schreibt hier über drei Menschen, die unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein können und bis zuletzt bleibt es spannend, überraschend und immer voller Liebe. 
Jo ist Ornithologin und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Dafür zieht sie über den Sommer für ihre Feldforschung in ein Haus am Waldrand. Schnell lernt sie den zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe kennen und plötzlich steht auch noch ein kleines kluges Mädchen im Schlafanzug vor ihr. Es ist lange nicht klar, ob es weggelaufen ist oder das Buch doch etwas Fantasy beinhaltet und die Kleine aus einer anderen Galaxie, die wie ein Nest aussieht, stammt. 
Jos beste Freundin Tabby ist so zauberhaft wie auch die Beschreibungen, wie sich die verschiedenen Leben immer mehr miteinander verknüpfen.
Alle Personen machen einen Wandel durch, der auf Vertrauen basiert und Offenheit. 
Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, spannend wie ein Film, empathisch und nah - man fühlt einfach alles mit. Ich habe es sehr geliebt und wirklich mitgezittert und wäre wieder einmal sehr gerne in diese Geschichte gekrochen.

Glendy Vanderah
Ein Nest voller Träume
Fischer Verlage 16 EUR 
// unbezahlte Werbung




20.2.26

Dummheit oder doch nur faul?

Schon lange habe ich hier keine NachbARSCHaftsgeschichten mehr geteilt, was aber keineswegs bedeutet, dass wir endlich in unser ruhiges freistehendes Haus mit Wassergraben drumherum und Zugbrücke gezogen sind.
Die lauten Nachbarn sind weiterhin laut, allein im Januar gab es sieben Polizeieinsätze wegen ihnen. Und der Renovierungsnachbar hat neben seiner Videokameraklingel IM Haus (ja, er filmt das Treppenhaus, nicht die Haustüre 🤭) inzwischen vermutlich keine Wände mehr in der Wohnung, anders können wir uns den Lärm der Bohrungen und anderen Renovierungsarbeiten nicht erklären. 
Jetzt aber kam es wieder zu einem Vorfall, der mich persönlich wieder einmal darin bestätigt, dass es einfach dumme Menschen gibt.
Die Situation: Dauerregen. War auch angekündigt, findet statt, man merkt es. Am ersten Tag dachte ich noch, es sei Zufall, dass der Deckel der Papiertonne zurück geklappt und die Tonne dadurch offen ist. Habe sie natürlich geschlossen. Es sollte in den nächsten Tagen eine Leerung erfolgen, aber Pappmaché ist ja unnötig.
Am zweiten Tag steht die Tonne abends an der Straße, am nächsten Tag ist Leerung. Das erledigt für uns inzwischen ein Hausmeisterservice, weil außer einer Nachbarin und mir in diesem Hause niemand fähig war, im abwechselnden Turnus die Tonnen rauszustellen und manche echt schwer gewesen sind. Der Typ ist super, er stellt alles immer ordentlich hin und ich bin mir ganz sicher, dass auch er eine verschlossene Tonne an die Straße gestellt hat. Nun aber hängt der Deckel wieder an der Rückseite - und obendrauf, auf dem Tonneninhalt, steht eine regendurchweichte  Papiertüte mit Essensverpackungen und gebrauchter Küchenrolle, voll bis oben hin. Dass die in den Restmüll und nicht ins Papier gehört, scheint der NachbARSCHaft nicht klar zu sein. Dass eine volle Papiertonne vollgeregnet zu schwer ist, auch nicht. Was geht nur in solchen Köpfen vor?! {Rhetorische Frage}




19.2.26

Mein Christusdornstecklinge blüht

Seit ich fast jeden Tag Kaffee oder Tee ansehe, bin ich bei vielen Themen schlauer. Irgendwie merkt sich mein Kopf Dinge und Manches probiere ich gerne aus.
Nachdem schon das Vermehren einer Efeutute geklappt hat (es wurde in der Sendung super erklärt, man schneidet einfach Triebe ab und steckt die Luftwurzeln in Erde, stülpt eine Tüte über den Topf ohne zu gießen und zwei Wochen später nach ein paarmal Lüften gegen  Schimmelbildung hat man eine neue Pflanze), musste ich den immer länger werdenden Christusdorn abschneiden, weil er sich bog und ein Zweig war hohl.
Ich habe vor vielen Jahren eine Kundin aus meinem damaligen Job im Bus getroffen. Sie war auf dem Weg zu einer Wanderung und wollte einer Bekannten zwei Stecklinge ihres Christusdorn mitbringen. 
"Eine total blöde Idee beim Wandern", erklärte sie mir, "möchtest du sie haben? Du musst sie nur in Erde stecken, das kann auch erst in ein paar Tagen geschehen. Ich bringe meiner Bekannten zwei andere mit, wenn wir uns mal so sehen. Total pflegeleicht, ab und zu den Topf mal in Wasser tunken, aber nicht, wenn du die Stecklinge in die Erde gesetzt hast, da wartest du lieber etwas ab. Meine Pflanze ist drei Meter breit." Ich nickte etwas überrumpelt und nahm die am Ende in Alufolie gewickelten Äste.
Ein paar Jahre später starb die Frau im Hospiz und ich bin ihr heute noch dankbar und denke an sie, wenn ich diese inzwischen sehr große Pflanze anschaue 🌱 
Kürzlich habe ich also einen Steckling in den Topf gesetzt, damit die Pflanze breiter und nicht höher wird. Jetzt blüht sie schon😍Das heißt, es hat geklappt, sie wächst und gedeiht. Und sie blüht sogar pink! Wenn sie im Winter nicht genügend Licht hat und blüht, ist sie weiß, aber jetzt kommen da tatsächlich schon pinke Blüten. Im Sommer zieht der Christusdorn auf den Balkon, er liebt es warm.



18.2.26

Das Leben ist bunt

Ich frage mich immer wieder, was Menschen so sehr triggert, wenn andere ein buntes Leben führen und gelernt haben, sie selbst zu sein - oder auf dem Weg dahin sind. Oder wenn Menschen von anderswo hierher kommen und leben, das ist doch spannend und macht weltoffen, ansonsten gäbe es ja auch für die tollen Deutschen keinen Grund Urlaub im Ausland oder Auslandssemester zu machen.

Es tut niemandem weh, wenn Person A Person B liebt und beide dasselbe Geschlecht haben. Es tut aber anderen weh, wenn sie wegen ihrer Homosexualität tätlich angegriffen oder beleidigt werden. 
Es tut niemandem weh, wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern heranwachsen, meist ist es sogar besser als bei der Herkunftsfamilie oder bei typisch heteronormativ denkenden Paaren. Wichtig ist es, geliebt zu werden. 
Es tut niemandem weh (außer der Person zunächst selbst, der Weg ist schwierig genug), wenn eine Person sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt und erkennt, dass er oder sie Mann oder Frau in Frauen- oder Männerkörper ist.
Es tut niemandem weh, wenn eine Muslima sich dazu entscheidet, das Kopftuch zu tragen - Ordensfrauen im Habit werden schließlich auch nicht gemobbt.
Trotzdem scheinen von all diesen Menschen Gefahren auszugehen, zumindest benehmen sich andere Leute so, auch mit c wie christlich im Parteinamen (ich bin der Meinung, Gott hat uns so gewollt, darum hat er uns eben so wie wir sind geschaffen - queer meine ich damit zum Beispiel).
Für mich gab es als Kind nichts Schöneres, als zusammen mit meiner Freundin Türkisch zu kochen und ihr Kopftuch hat mich überhaupt nicht gestört. Nie. Stattdessen fragte mich ein Familienmitglied, ob ich jetzt auch zur Koranschule ginge. Ja, das tat mir weh, aber nur einen Moment lang - denn ich spürte in meiner ersten Sprachlosigkeit, dass er nicht im Recht war, im Gegenteil, er tat mir später leid, weil er niemals wissen würde, wie schön dieses von ihm verachtete "Multikulti" ist. Wie sehr ich von den Geschichten anderer Menschen profitiere, weil sie mein Leben bereichern. Weil sie im Herzen wie ich sind und wir doch unterschiedlicher Herkunft sind und damit viel zu erzählen haben.
Heute weiß ich: niemand ist im Recht, weil er rechts ist.
Es tut niemandem weh, wenn geflüchtete Menschen hier Zuflucht suchen - hier geboren zu sein ist ein Zufall und kein Privileg. 
Wäre meine Omi damals nicht aus Ostpreußen geflüchtet, gäbe es mich nicht. Auch sie wurde beschimpft und als "fremde Polin" bezeichnet, doch sie war stark und erklärte laut, dass sie Deutsche ist - und zum Glück hörten ihr Menschen zu, zum Beispiel mein Opa, der sich später in sie verliebte.
Viele Geflüchtete oder Zugezogene schließen hier ihre Sprachkurse in einem unfassbaren Tempo ab und machen nebenbei noch Ausbildungen und unterstützen so unser System. Denn sie zahlen Steuern, sie arbeiten in der Pflege oder woanders. Den AfD-Wähler, der arbeitslos und eben nicht arbeitssuchend, sondern ein fauler Troll ist, dem diese Menschen angeblich den Job wegnehmen, möchte ich sehen, wenn er dieses Pensum absolvieren müsste. Viele kümmern sich zusätzlich noch um ihre Kinder oder schicken Geld in die Heimat. Immer wieder bewundere ich die Kraft dieser Menschen und gleichzeitig ihre liebe Art, ihr offenes Aufmichzugehen.
Den Einbürgerungstest würde ich persönlich nicht so einfach bestehen und ich kenne so einige Menschen, die das geschafft haben. 
Einzelne bauen Mist - übrigens stieg die Anzahl ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger seit 2005 um über 70%, während die Kriminalitätsrate um 14 % zurückging - das bedeutet natürlich, dass nicht alle Mist bauen. Sonst müsste ich davon ausgehen, dass der ältere weiße Mann, der sich im leeren Bus kurz vor der Bushaltestelle ganz nah hinter mich stellt, kein Einzelfall ist, sondern, dass alle alten weißen Männer geile Arschlöcher sind. Übrigens auch die jungen Männer, die meinen, auf einem freien Gehweg ganz nah hinter mir laufen zu müssen oder in ähnlichen Situationen einfach Frauen zu nah kommen. 
Ich musste mir neulich sagen lassen, dass so Frauen wie wir still sein müssten, wollen wir nicht in einigen Jahren vom Islam in Deutschland unterdrückt werden, nur weil wir dafür sind, die ganzen Syrer rein zu lassen. Das entsetzt mich noch immer. 
Wie viel weniger unterdrückt ist denn dann bitte eine rechte Hausfrau? Sorry, not sorry. 
Es tut keinem weh, demokratisch zu wählen. 
Es tut aber uns allen weh, wenn eine Partei plant, dass Freunde abgeschoben werden oder Familie aus Vater, Mutter, Kind bestehen soll und dass die Erbschaftssteuer für Reiche abgeschafft wird oder dass Bürgergeldempfangende nach einem halben Jahr sanktioniert werden, wenn sie nicht arbeiten. Das würde wohl einige der Wählenden kalt erwischen. (Man sollte nicht den Ast absägen auf dem man sitzt)
Es geht doch wohl eher darum, die Armen nicht noch ärmer und die Reichen nicht noch reicher zu machen und unser schönes Land wieder zu einen und nicht noch mehr zu spalten. Mir ist nicht klar, warum das nicht verstanden wird. Und warum ein Regenbogen nicht gemocht wird. Das Leben ist ganz schön grau ohne Farben. Und wo das endet, hat uns ja schon Michael Endes Momo gelehrt.
Liebe, Verständnis und Weltoffenheit machen uns reich. Nicht rechte wilde Vorstellungen. Vielleicht nutzen wir die heute beginnende Fastenzeit - und übrigens den gleichzeitigen Ramadan - aufeinander zuzugehen und zu erkennen: wir sind alle Menschen. 

(Quelle 1 im Text verlinkt, Quelle 2 Parteiprogramm und Anträge AfD)

Dieses Bild habe ich bei der letzten Wahl schon gepostet, es zeigt eine Aussage, die ich oft hörte und jetzt wieder höre und meine Meinung dazu



17.2.26

Kamelle

Hier ist heute Fasching - ich kenne es als Karneval und habe es als Kind und junge Erwachsene geliebt. Hier in meiner Wahlheimat ist das nicht so mein Ding, aber ich glaube auch nicht, dass ich in einer Menschenmenge im Rheinland heute happy wäre🤭❤️ aber Clowns habe ich! 




16.2.26

Keramik-Shirin

Man kann noch so viele Erinnerungen im Herzen tragen, wenn ich Shirinchen male und hinterher wieder ein Stehrümchen mehr da ist, dann ist das voll in Ordnung🩷
Ich habe letzte Woche eine Spardose vom Keramikmalen abgeholt und jetzt versuche ich erstmals in diesem Blog auch mal ein Making of - Video von Instagram zu posten. Falls es nicht klappt, findest Du es auch als Reel unter jessyswelt auf Instagram.
Die Fotos zeigen ihn aber auch.
Gestern hat er dann noch ein Halstuch aus  Wolle bekommen, der echte Shirin liebte es, Sachen anzuziehen und wollte am liebsten meine Schals oder Mützen haben. Die Wolle war noch von einer seiner Lieblingsdecken übrig, also passt es total. 
Keramikbemalen entspannt nicht nur, für mich ist es auch immer wieder Teil meines Heilungsprozesses. Darum bin ich aktuell dabei, ein Katzengeschirr zu malen, ein Brotteller ist schon fertig, er muss nur noch gebrannt werden, eine Schüssel haben wir schon zuhause. 
Dass die intensive Zeit mit Shirin so zuende gehen würde, war mir acht Jahre lang klar, aber wenn es dann soweit ist, ist es trotzdem nicht genug Zeit gewesen, die man miteinander hatte. Wenn ich seinen hübschen Plattkopp male, seine Tabbyzeichnung oder seine hungrigen grünen Augen, dann überwiegt die Dankbarkeit, so ein Wunderwesen gekannt zu haben. 💛