"Aber wenn du dich mit jemandem triffst und es schön ist, gute Gespräche hast, dann ist das doch kein Termin?!"
Doch, für mich ist es das.
Auch private Treffen sind anstrengend, auch wenn ich die Leute mag. Ich kann gut jemandem zuhören, mich zwei Stunden mit einer Person angeregt unterhalten, aber dann ist es gut. Je mehr Menschen an einem Tisch sitzen, umso weniger Zeit bis zum Tinnitus oder zur Erschöpfung.
Darum habe ich schon vor langer Zeit für mich entschieden, genauer gesagt, seit ich abends und am Wochenende nicht mehr arbeiten muss, dann auch nicht mehr mit anderen rauszugehen. Zuvor habe ich zwölf Jahre lang ständig Abenddienste absolviert, plus den Tag.
Darum konnte ich über die Diskussion zu Wochenarbeitszeit und Überstunden unserer Regierung auch nur müde lächeln - wenn Du musst, arbeitest Du auch 14 Stunden lang ohne Pause, egal, was die da oben sagen.
Dann arbeitete ich im Hotel und bevorzugte tatsächlich die Spätschicht, weil ich einfach besser schlafe, wenn ich keinen Wecker stellen muss (ab einer gewissen Zeit wecken uns die Katzen). Aber dadurch veränderte sich der Tagesablauf und vor Mitternacht ging ich nicht ins Bett. Vor zwanzig Jahren wäre das toll gewesen, da war ich Nachtmensch, aber inzwischen bin ich alt und der frühe Vogel und so..
Inzwischen meint das Leben es gut mit mir und hat mir eine Arbeit geschenkt, bei der ich die Abende einfach frei habe. Und wenn Du das lange Zeit nicht hattest und noch dazu Fatigue, dann chillst Du jetzt Dein Leben. Es gibt nichts Schöneres, als nach einem Arbeitstag die Tür aufzuschließen und zu wissen, die Katzen purzeln jetzt vor Deine Füße, weil sie sich freuen und weil sie wissen, uns gehört der Abend.
Ich bin beim Arbeiten aber auch so eine 1000prozentige, ich möchte einfach alles gut machen und schnell erledigen. Dadurch, dass ich also täglich 6-8 Stunden arbeite und das, was ich tue wertgeschätzt wird, gebe ich dort auch gern alles.
Wenn ich frei habe, möchte ich erst recht nicht abends weg, denn dann habe ich die Zeit im Blick und damit einen Termin.
Somit bin ich zu zwei Lesungen meiner Freundin und zu den Konzerten von Bosse und Tina Dico in den letzten zwei Jahren gegangen und in zwei klassische Konzerte und sehr zufrieden damit. Mir fehlt nichts.
Meine FreundInnen sind zum großen Teil FrühstückerInnen wie ich. Dieser Moment, wenn ein frisch gebrühter Latte Macchiato vor mir steht, ist Glück pur.
Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, ob sich vielleicht etwas geändert hat. Ich hatte diesen Beitrag schon fertig geschrieben, da kam die Frage, ob ich demnächst am frühen Abend im Nachbarort zum Essen mit Freundinnen mitkomme. Ich habe kurz überlegt, aber das Nein war zu klar in meinem Bauchgefühl: Zu dieser Zeit arbeite ich noch und an diesem Wochentag habe ich morgens einen Termin - das genügt mir dann an Ausgang, nach zehn Stunden möchte ich dann auch mal heim😅
Für mich gibt es auch gerne mal menschenfreie Sonntage.
Das heißt, wir stehen zwischen sechs und halb neun auf, je nachdem, wonach uns ist - manchmal lesen die Katzen noch ein Buch im Bett mit, manchmal wollen wir einfach den Tagesanbruch auf dem Balkon erleben.
Über allem steht die Ruhe. Die ein Geschenk ist.
Luxus pur.
Dankbarkeit🩷


















