26.3.26

Unaufmerksam unangenehm

Gestern war wieder so ein Tag, ich war insgesamt in vier verschiedenen Bussen unterwegs, da es kalt wurde und regnen sollte (und dann regnete) und ich Termine hatte und danach zur Arbeit fuhr bzw später dann von der Arbeit nach Hause.
Der Vorteil: ich habe ein neues Busbuch angefangen und kann es demnächst hier wieder besprechen, anders als gedacht macht das Busbuch jetzt doch noch keine Pause bis Oktober. Aber ich will so bald wie möglich wieder Rad fahren, denn auch das gestern Erlebte ist ein Nachteil beim Bus fahren.
Es stehen ständig Männer zu nah. Es ist genügend Platz, gerade in Gelenkbussen, aber nein, der Horst muss sich neben mich quetschen. Genauso an der Bushaltestelle - Egon drückt sich an mir vorbei und steht direkt hinter mir, obwohl nur ganz an der Seite zwei Leute stehen und die Bank frei ist. 
Ich muss weggehen.
Nach dem Aussteigen drängelt sich Manni auf der anderen Straßenseite angekommen an mich ran, anstatt an der Seite vorbei zu gehen. Er folgt mir wie ein Schatten und ich frage mich, warum? 
Ich gehe zur Seite und bleibe stehen, bis er weg ist.
Und auf der Rückfahrt haben drei Männer so dicke Eier, dass sie mich am Vierersitz so einquetschen, weil sie breitbeinig sitzen und der neben mir noch die Arme verschränkt.
Ich muss aufstehen und nach hinten auf einen leeren Platz ausweichen.
Und was soll ich sagen? Es waren alles weiße Männer zwischen Mitte dreißig und Mitte sechzig. In allen Situationen. 
Wird Merz nicht gefallen, kein einziger Migrant.
Ich habe diese wahre Geschichte von gestern auf Threads gepostet und von "such professionelle Hilfe, die Erde ist eine Scheibe, zeig sie doch an, das kann nur Linken passieren" bis hin zu "jaja, wieder die Männer, geh doch zu Fuß" ist alles an Kommentaren dabei. Ich bin zu Fuß gegangen, haben sie wohl überlesen. Nicht wir, die laut werden, sind falsch. Die, die andere bedrängen, sind falsch. Und all die Trolle, die, die andere angreifen, weil sie unangenehme Dinge ansprechen, gleich mit. In einer sicheren Gesellschaft geht man wertschätzend miteinander um. Das haben viele weiße Männer nicht drauf.
Das Bild ist KI-generiert 


24.3.26

Ich liebe das Leben

 Vor Jahren habe ich mal Gedanken und Weisheiten "von Frau Schess" erstellt und das ist einer davon 💕



23.3.26

Buchtipp Zwischen zwei Leben

Ich habe Dir letzte Woche von der sehr guten Dokumentation "Westerwelle" des WDR in der ARD Mediathek erzählt. 
Auch wenn ich wie letzte Woche erklärt weit entfernt bin von der Politik der FDP, so verbinden mich mit Guido Westerwelle zwei Dinge: dieselbe Lehrerin und der Krebs. Ihn hat es deutlich schlimmer getroffen als mich, ich gelte als geheilt und die Chemotherapie und Bestrahlungen waren bei mir auch weniger als bei ihm. Aber die Gedanken übers Leben und das Überleben teilen wir. Und die Erinnerungen an unsere Lehrerin, die mit ein wenig Stolz im Blick augenzwinkernd meinte, dass aus uns zweien was geworden sei. Sie ist ein paar Jahre vor ihm ebenfalls an Krebs verstorben.
Aufgrund der Doku habe ich mir sein Buch gekauft. Und tatsächlich ist das eines dieser Bücher, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Außerdem ist es inzwischen gespickt mit Post-its, weil einfach so viele wahre und wichtige Dinge drin stehen. Und Bücher, er zählt darin Bücher auf und zitiert aus ihnen, dass ich direkt einen neuen SUB (Stapel ungelesener Bücher) eröffnen möchte. 
Er erzählt, und das meine ich genau so, weil es so nah ist wie das abendliche Gespräch mit einem Freund bei einer Flasche Rotwein, einerseits von seinen politischen Jahren, erklärt aber auch Dinge mit Erfahrungen aus seiner Kindheit und Jugend und springt immer wieder in die Behandlungszeit, aber auch in die glücklichen Zeiten mit seinem Ehemann. 
Auch wie sie Auszeiten genießen, mich berührt zum Beispiel eine Episode von Sylt, ohne zu viel verraten zu wollen, schafft er es am Meer länger entlang zu laufen und vor allem erst einmal dorthin zu kommen. Ich saß einmal während der Chemotherapiezeit auf einer Bank etwa fünf Gehminuten von unserem Zuhause entfernt und wusste nicht, wie ich dorthin zurück gelangen sollte. Schon darum weiß ich, wie besonders es für ihn gewesen sein muss.
Auch bei der vorher an Anfang beschriebenen Behandlung dachte ich, dass es wie bei mir war, sie kürzen in der Klinik alles ab. Lange Fachbegriffen bekommen zum Beispiel einfach nur drei oder mehr Großbuchstaben - mich hat das damals fast verrückt gemacht. Ich, die Worte so sehr liebt, hörte nur noch ABCDEFG. Ich finde das interessant, dass er es auch so erwähnt. Erschüttert hat mich, wie wenig ich damals vor ca dreizehn Jahren (als ich 24/7 arbeitete) von der Außenpolitik mitbekommen habe und wie aktuell noch heute seine Beschreibungen sind - zum Beispiel was die Situation Europas im Hinblick auf die Ukraine betrifft, aber auch, was die Menschen an sich bewegt - noch vor den Social Media-Trollen. Auch das Scheitern der FDP an der 5%-Hürde, all die Wegbegleitenden, von denen er erzählt und die zu meiner politischen Kindheit und Jugend gehören und deren Rückgrat ich heute schmerzlich vermisse - dieses Buch ist aktuell, obwohl es die 2. Auflage von 2016 ist und viel früher geschrieben wurde. 
Co-Autor Dominik Wichmann schreibt auch das Nachwort (mit Herz) und ist einer der Autoren der oben genannten Dokumentation. Von ihm werde ich auch gerne mehr lesen.
In der Mitte des Buches gibt es einen ausführlichen Teil mit Fotos. Für zehn Euro ist das ein viel wertvolleres Buch. Unbedingter Lesetipp! Es ist ein Buch fürs Leben.
// Unbezahlte Werbung 



22.3.26

Katzenzeichnungen

Ich folge auf Threads mehreren KleinunternehmerInnen und KünstlerInnen und der Algorithmus zeigt mir wunderbarerweise immer mehr davon. 
So ist mir dort auch die talentierte @studio_shmidt begegnet, die mir nun superschnell Shirinchen gezeichnet hat und seinen Bruder Hong.
Die Postkarten glitzern metallisch, ich kann das kaum beschreiben, sie sind wunderschön🥰 
Das Original Kleinerhong kann seine Freude kaum ausdrücken, schließlich rannte ihm die Muddi gestern den ganzen Tag hinterher, um ihm die Zeichnung zu zeigen und ein Foto zu machen🤭😅❤️
Natali alias Studio_Shmidt hatte einen Post gemacht, unter dem man Fotos posten konnte, sie suchte dann einige aus und malte die Tiere zum Thema Weltall nach. Dadurch entstand unser Kleinerhong und ich habe sie gefragt, ob sie mir auch Shirinchen zeichnet.
Bestimmt bestelle ich wieder bei ihr, schließlich ist unsere Familie sehr groß😺😺😺😺😺😺
Sie kann aber noch mehr - es gibt bei ihr Sticker, Figuren, Schlüsselanhänger, Ohrringe - schau einfach mal bei ihr vorbei, allein die Posts machen schon glücklich🥰
// unbezahlte Werbung, da selbstgekauft 






21.3.26

Alltagsweisheit auf meinem Weg

Die Kassiererin strahlt wie immer und darauf angesprochen sagt sie: " Ich versuche, mich auf das Positive zu konzentrieren, das Negative kommt automatisch und von alleine."
Das stimmt irgendwie, auch ich kenne das, dieses "Immeristwas", das um die Ecke kommt, wenn man es gar nicht erwartet und schon gar nicht gebrauchen kann. Andererseits empfangen wir auch das Glück nicht immer mit offenen Armen, ja, es ist halt da, es ist schon Glück, wenn mal was nicht schief läuft, es ist Glück, wenn mir nix wehtut, aber ist es das wirklich? Sind wir nicht einfach schon von Haus aus argwöhnisch, ob uns das Glück gewogen bleibt? Oder haben wir verlernt, das Glück zu sehen? Mit den Augen der Supermarktkassiererin kann man jedem Tag etwas Positives abgewinnen, sich bewusst machen, was schön ist. Die netten Kunden, die sie anstrahlt, die blöden kommen ja von ganz alleine. 
Und in meinem Leben? Ich habe irgendwann unbewusst begonnen, mir gar keine Sorgen mehr zu machen. Ich kann tatsächlich sagen, dass ich jeden Morgen mit Freude aufstehe. Ob ich nun arbeite oder einen Ausflug plane oder zuhause bei den Katzen bleibe - ich liebe jeden Tag und kann es kaum erwarten, dass ein neuer  anbricht. Natürlich blende ich die Weltlage nicht aus und natürlich gibt es auch Menschen, die ich gerne in einer Tour hauen möchte, weil sie anderen das Leben schwer machen oder rücksichtslos oder faul sind. Aber mein Leben ist gut, mein persönliches Empfinden ist positiv. Denn ich weiß, dass ich sehr viel Glück in meinem Leben habe und dass ich zwar etwas dafür getan habe und tue, aber die jetzige Zeit die Belohnung für vorherige Mühen zu sein scheint. Und dafür bin ich dankbar. Und dafür, Menschen wie diese Kassiererin zu treffen. Die den Alltag weise macht.



20.3.26

Buchtipp Das Geheimnis von Liebe und Magie

Was mach ich jetzt nur mit diesem Buch? Einerseits sind da die vielen Tippfehler, auch ein falscher Songtitel ("Circle" statt korrekt "The Circle Game" von Joni Mitchell) und ein Cover, das der Geschichte nicht gerecht wird. Und andererseits ist da eine große magische Geschichte mit feinen weisen Sätzen, mit zwischen den Zeilen gewobener Magie und Menschen, die man einfach gern haben muss. Okay, ich entscheide mich für einen Tipp, denn das hat die Story von Breanne Randall verdient, allerdings sollte der Goldmann-Verlag gern weitere Bücher von ihr auf Deutsch veröffentlichen, aber dann bitte sorgsamer sein. Der Originaltitel "The Unfortunate Side Effects of Heartbreak and Magic" gefällt mir ebenfalls besser und auf dem Originalcover ist eine Tasse zu sehen. Die deutsche Ausgabe ziert ein Cafe von außen, das spielt aber nur eine zweitrangige Rolle, es gibt zwar Szenen im Cafe und es wird auch klar, wir wichtig dieser Ort für die Stadt ist, aber die meisten Dinge spielen sich in einem Haus mit Garten und Vorgarten an einem Wald ab. So viel zu meiner Kritik. 
Warum ich dieses Buch trotzdem empfehle? Weil es auf knapp 500 Seiten eine ganz tolle Botschaft hat: Magie hat viele Seiten und das Leben ist Magie, wenn Menschen es reich machen. 
Außerdem beinhaltet es so viele wundervolle Rezepte, dass es in jeder Küche stehen sollte, gespickt mit Post-its und bereit, beim Nachbacken oder -kochen immer wieder gelesen zu werden. Denn ganz unabhängig von der gesamten Geschichte können Weisheiten wie "etwas zu tun, obwohl es einem Angst machte oder das Herz brach, das war es, was wahren Mut ausmachte" den Tag oder die Wartezeit versüßen und Dich zum Lächeln oder Nachdenken bringen. Darum lohnt es sich, immer wieder reinzulesen.
Die Geschichte selbst ist komplexer als ich dachte. Es gibt viele Figuren, da die Familie sehr groß ist. Jede für sich ist wunderbar beschrieben und man fühlt sich sofort zugehörig.
Sadie und Seth sind Zwillinge, die bei ihrer Großmutter Gigi aufgewachsen sind, weil ein Fluch ihre Mutter aus der Stadt verbannt hat. Auch auf Sadie lastet ein Fluch, sie besitzt aber auch Magie. Ihre Familienmitglieder haben wie sie magische Fähigkeiten, sie alle sind aber keine Hexen. Trotzdem gibt es Vorkommnisse oder auch Rituale, die dann und wann hexisch anmuten. Darum lieb ich's - die besonderen Fähigkeiten der Menschen und ihr Zusammenhalt, die Beschreibungen des schönen Hauses und eben die ganze Geschichte, die spannend ist, aber auch emotional, das ist wie ein perfektes Gericht oder eine bunte Torte. Und dazu passend wird in der Geschichte gebacken und gekocht und immer auch dazu erklärt, welche Zutaten Klarheit oder Ruhe bringen oder was man bewirken kann, wenn man dieses oder jenes Kraut hinzugibt. 
Darum sind es gut investierte 14 Euro.
// unbezahlte Werbung 
Hiermit beende ich meine Busbuch-Reihe bis etwa Oktober, denn ich fahre wieder mit dem Rad zur Arbeit. Rezensiert wird trotzdem weiterhin🤩