6.6.26

Nachruf auf die beste Busfahrerin der Welt

Ich spreche hier im Blog meine Lesenden immer mit "Du" an. Daher setze ich diesen Nachruf als Brief an die beste Busfahrerin der Welt in Anführungszeichen.

"Ich habe vor ein paar Tagen erfahren, dass Du, meine Lieblingsbusfahrerin, am 25. Mai viel zu früh verstorben bist. Das ist so traurig, gerade weil ich weiß, dass Du noch viele Träume und Pläne für die Rente hattest.
Wenn Du an mir vorbeigefahren bist, weil ich radelte oder in die andere Richtung musste, hast Du mir immer wie die Queen zugewunken (okay, etwas fröhlicher als die Queen hast Du schon geschaut, aber Deine Haltung und Dein Winken waren queengerecht!). Wenn wir zusammen fuhren, dann hatten wir immer Zeit für einen kurzen Plausch, auch wenn man während der Fahrt nicht mit der Fahrerin sprechen soll. Du hast immer abgewartet, bis Deine Zugestiegenen sicher auf einem Platz saßen, 
bist immer umsichtig und vorsichtig gefahren. Du zaubertest Menschen quer durch alle Generationen ein Lächeln ins Gesicht, warst, egal wie sehr Du im Leben gestruggelt, gekämpft hast, immer freundlich und lustig. 
Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann wir uns kennenlernten. Es ist aber sicher über zehn Jahre her. Du warst nicht nur meine Lieblingsbusfahrerin, sondern auch Kundin bei mir, hast Konzerte und Theater geliebt und ich habe Dir gerne die schönsten Plätze ausgesucht. Dadurch kamen wir ins Gespräch. Irgendwann tauschten wir Nummern aus und Du schicktest mir immer Deine Urlaubsfotos - ich fahre ja nicht wirklich in Urlaub, weil ich dann die Katzen zu sehr vermissen würde. Du hast darüber gegrinst, sie aber auch meine Kinder genannt und regelmäßig nach ihnen gefragt, Du warst sehr tierlieb. Darum hoffe ich, dass Du meinen drei Engelskindern auf der Sommerwiese die Köpfchen getätschelt hast, bevor Du weiter ans Meer gereist bist, oder in die Berge. Ich wünsche Dir, dass Dir der Wind durchs Haar weht und Du tolles koscheres Essen und Getränke vor Dir hast, da, wo Du jetzt bist. Dass die Musik spielt und dass Du es jetzt leicht hast. 
Als ich an einem Abend, es war schon spät, vor Jahren in Deinen Bus stieg, fragtest Du "Jessy, was machst du hier? Es ist zu dunkel!" Ich musste unsere Alarmanlage im Geschäft ausschalten, wie so oft, die Sicherheitsfirma hatte angerufen - meist war es Fehlalarm. Du machtest Dir aber gleich Sorgen, dass da echte Einbrecher am Werk waren und mir etwas passieren könnte: "Ich drehe ja nachher an der Endstation und fahre zurück, schaffst Du meinen Bus auf dem Rückweg oder ist das zu knapp? Denn wenn Du nicht einsteigst, rufe ich die Polizei, ich kann sonst nachher nicht beruhigt einschlafen!" "Ich kann Dir ja schreiben", meinte ich locker, aber Du fandest, dass zu viel Zeit vergehen würde, bis Du aufs Handy schauen konntest. Also schaffte ich es - ich lief, um die Alarmanlage auszuschalten - es war ein Fehlalarm - und war rechtzeitig an der Bushaltestelle, um noch einmal bei Dir einzusteigen und sicher nach Hause zu gelangen. Du hast Dir viele Gedanken um Menschen gemacht, warst ein großherziger Mensch. Dass die Welt solche Menschen verliert, kann ich nur mit dem Gedanken akzeptieren, dass der Himmel einen Engel mehr gebraucht hat."

Das Bild ist KI-generiert 


5.6.26

Wenn der Dönermann strahlt

Ich war ein paar Monate nicht beim Dönermann meines Vertrauens.
Als ich vorgestern hinradelte, um ein schnelles Abendessen zu organisieren, strahlte er mich an wie ein Familienmitglied "wo warst du ein Jahr?!"
Gefühlt kam es mir auch vor wie ein Jahr, die Herzlichkeit, mit der ich hier immer begrüßt werde, ist wirklich bemerkenswert und ich sollte öfter hingehen 💓


4.6.26

Als Karl Ewald mir das Internet kopierte

Im Sommer 1995 war ich tagsüber Praktikantin beim SWF3 Club und durfte in meiner Freizeit an der 2011 telefonische HörerInnenwünsche entgegennehmen, die 24/7 gesendet wurden. Ja, bei uns wurde damals schon gegendert.
Als mir kürzlich Unterlagen mit „ModeratorInnen“ in die Hände fielen, erinnerte ich mich an eine besondere Begegnung.
Auf dem Weg vom damaligen Club zu den Studios, vor denen der 2011-Telefontisch stand, traf ich am Kopierer Karl Ewald, der mich freundlich grüßte und fragte, ob ich eigentlich schon vom Internet gehört habe.

1995 lief ich mit Büchern in der Tasche, Stift und Notizblock umher, Internet, das war so unvorstellbar, wie zum Mond zu gelangen. Man schlug Dinge in Lexika nach oder bestellte vor Reisen Broschüren bei den jeweiligen Touristinfos. Heute laufe ich immer noch mit Büchern in der Tasche herum und liebe Notizbücher aller Art, aber ohne Internet fühle auch ich mich manchmal aufgeschmissen.
In den ersten Jahren des späteren SWR3 Clubs hatten wir einen einzigen Rechner mit Internetzugang in der Abteilung, an dem wir immer eine halbe Stunde pro Woche recherchieren und üben durften – die Kollegin, die an diesem PC saß, musste in dieser Zeit mit uns die Plätze tauschen. Undenkbar in heutigen Zeiten
😊
Aber zurück zu diesem Tag in der Summertime ´95, so hieß die damalige Musikwunschaktion. Ich hatte noch ein wenig Zeit und plauderte also mit Karl, der fragte, ob ich auch eine Kopie haben möchte. Ich nickte, während die vielen Seiten im Ausgabefach des Kopierers landeten. Karl zeigte mir anhand eines bereits fertigen Papierstapels, was er mit zwei Kollegen plante. SWF3.online war bereits einige Monate jung, aber so richtig perfekt an den Start gehen wollte man Anfang 1996, erinnere ich mich dunkel. Ich sah gepunktete Fotos von Mitarbeitenden, Termine, die ich aus der Clubzeitung kannte, Sendungsinformationen und Frequenzen. Im Original waren die Seiten blaugrau, auf den Kopien konnte ich erkennen, dass hier an alles gedacht wurde – die Hörerschaft, heute wohl eher Community, würde noch mehr Einblicke bekommen als bei Studioführungen, SWF3 Clubtreffen oder in den Magazinen und Zeitungen (ON und ONFO erschienen mehrfach jährlich) oder Broschüren des SWF möglich war. Und vor allem, erklärte Karl, könne man viel besser reagieren, im Internet gehe alles blitzschnell. Damalige DFÜ-Verbindungen waren schneller als die Fernschreiber in einem kleinen viel zu warmen Raum, über die Nachrichten und Informationen aus aller Welt eingingen.
Mit dem Internet sollte sich viel verändern. Und der leider viel zu früh verstorbene Karl wird für mich immer einer der Pioniere sein.

Das Bild ist KI-generiert (daran hätte er Spaß gehabt)


3.6.26

Pinker realer Airbrush-Himmel

Gestern Abend war der Himmel pink - ich habe es ohne Filter binnen Minuten nur mit dem Handy aufgenommen und kann es immer noch kaum glauben.
Hach, unsere schöne Welt. 
Früher gab es solche Airbrush-Poster mit Pferdeköpfen oder Delphinen und Frauen mit genau solchen Himmeln - die waren wohl doch nicht so ganz unrealistisch 🩷



2.6.26

Caramelli skizziert und gemalt

Gestern habe ich Dir erzählt, dass ich nach der Lektüre von "Das Atelier in Rom" sofort kreativ sein und losmalen wollte. Dann starb Caramelli und es galt Einiges zu regeln und dann war auf der Arbeit viel zu tun. 
Ich bin am Wochenende dazu gekommen, ihn zu skizzieren und am nächsten Tag nochmal farbig zu zeichnen❤️‍🩹








1.6.26

Buchtipp: Das Atelier in Rom

Guten Morgen🤗 Auch heute gibt es einen frischen Buchtipp von Kerstin Garde, weil heute Releaseday von "Das Atelier in Rom" ist.
Ich durfte es bereits vorab lesen und habe so noch vorletzten Samstag (da habe ich den Großteil zuende gelesen) gemütliche Stunden mit dem schnurrenden oder schlafenden Caramelli zusammen auf dem Sofa und im Bett verbracht, bevor er Sonntag für immer eingeschlafen ist. Dieses Buch wird für mich also immer eine bittersüße Erinnerung sein, aber auch wieder die Erkenntnis, wie wichtig Bücher sind, in deren Geschichte ich abtauchen kann.

Marla hat 15 Jahre zuvor wartend der Schulferien in einem Hotel in Rom gearbeitet und dort ihr erste Liebe getroffen. Heute ist sie Künstlerin und startet ihre Karriere mit Hilfe einer lieben Galeristin, die sie macht einer Ausstellung nochmals nach Rom schickt, um dort die Werke und das Leben einer anderen Künstlerin zu erforschen und so Inspiration für neue Bilder und eine neue Ausstellung zu finden. Wir werden auf dieser Reise also nicht nur ins schöne Rom mitgenommen, das besser als ein Stapel Urlaubsfotos beschrieben ist, sondern es werden auch Gemälde umschrieben und es wird auch gemalt und eine Kunstausstellung/Installation vor Ort geplant. Das hatte zur Folge, dass auch ich wieder malen und kreativ werden wollte. 
Gleichzeitig erinnert das Buch an die drei vorhergegangenen Geschichten der drei Freundinnen von Marla, die damals mit ihr im Hotel gearbeitet und inzwischen ihr Glück in Italien gefunden haben. Und eben in drei weiteren Büchern der Autorin, die Du aber unabhängig voneinander lesen kannst (aber liest Du eines, willst Du alle)
Marla erlebt jeden Tag etwas anderes Besonderes und erzählt dies ihren drei Freundinnen.
Sie stehen weiterhin in Kontakt und die Dialoge per WhatsApp zeigen, wie wichtig Freundinnen einfach sind 🩷 Kerstin Garde beendet mit diesem besonderen Buch die "Italienische Sommerträume"-Reihe und ich wünschte, es gäbe noch eine weitere Freundin, zumal das Ende noch sehr offen bleibt und ich noch Stunden hätte weiter lesen können. 
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31.5.26

Taschenbuchtipp: Drehbuch einer Strandkorbliebe

Gestern habe ich schöne Post bekommen - das von mir lektorierte Buch "Drehbuch einer Strandkorbliebe" von Kerstin Garde lag im Briefkasten.
Ich hatte Dir am 30. April bereits vom eBook erzählt, aber weil es eine so sooooo schöne Geschichte ist, poste ich meine Rezension heute noch einmal: 

Mit diesem Buch ist Kerstin Garde etwas ganz Besonderes gelungen: zwar kann ich mir hier wie sonst auch sehr gut vorstellen, die Story einmal als Film zu sehen, diesmal kommt aber auch ein Film darin vor. 
Das bedeutet noch mehr Bilder in meinem Kopf und noch mehr Emotionen. 
Lucy arbeitet für Elli im Seeblick, einem Café, das über einhundert Jahre alt ist und trotz der guten Kuchen von Lucy mit zu wenigen Gästen zu kämpfen hat. Doch ist das Moderne wirklich das, was die Menschen anzieht? Oder gibt es andere Möglichkeiten? Als Elli und Lucy versuchen, das Café zu retten, taucht Lian auf (so ein schöner Spitzname 🤩 ). 
Er und Lucy haben eine Verbindung, aber da ist auch noch Finn (noch ein schöner Name, so hieß mein Onkologe und den fand ich mindestens so super sympathisch wie es Kerstin Gardes Finn ist). Wer jetzt denkt "Moment mal, bei den vielen Büchern dieser Autorin war doch schonmal eines dabei, das..." - nein, Die Konditorei am Löwensteg ist ganz anders. Da gibt es eine Konditorei-Kette, die Konkurrenz zu sein scheint, aber diese Geschichte hier ist komplett neu. In dieser Geschichte geht es neben den heutigen Personen um die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, um Stummfilm, Ausdruck - und die Liebe. Wie sich das alles zusammenfügt? Lies selbst! Ich kann ja nicht alles verraten 😉
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