1.12.21

Liebe Stef - drei Jahre ohne Dich

Man musste Dich immer an Daten erinnern. An Geburtstage, Termine, sogar Deine Yogastunden. Du hast aber Wert darauf gelegt, anzurufen, zu gratulieren, auch wenn es abends eine Party gab und Du das Geburtstagskind dann sowieso sahst. "Erinnere mich bitte an.." sagtest Du, hast Dich blind darauf verlassen, dass wir Dein Kalender waren. Klar, Du hast Dir Dinge notiert, sie im Handy gespeichert. Aber verlassen hast Du Dich auf uns. VERLASSEN HAST DU UNS. Vor drei Jahren an diesem Tag. Unfassbar, als wäre es gestern gewesen droht diese Zahl - dieser erste Dezembertag - das ganze Jahr über. Denn Du fehlst nicht nur heute. Sondern immer. Du bist zu früh gegangen und ich kann mich noch immer nicht daran gewöhnen. Insgeheim warte ich darauf, dass Du wie üblich plötzlich auftauchst, den Raum einnimmst oder mir im Wald begegnest, mir einen Klaps auf den Rücken verpasst und sagst: "na altes Haus, erzähl mal, wir haben ja ewig nicht geredet". "Erzähl mir was" hast Du oft zu mir gesagt. Ich wünschte, es wäre nochmal so. Und ich glaube,  dann würde ich schweigen. Weil das mit dir auch immer ging. 

 


 

22.11.21

Willkür und Machtmissbrauch im ÖPNV

Ich fahre Bus, schon seit ich denken kann. Letzte Woche war ich wie alle paar Wochen auf dem Land unterwegs und nahm dort einen Bus, der nur alle 2 Stunden fährt. Er kommt normalerweise immer pünktlich am Bahnhof an, sodass ich elf Minuten zum Umsteigen in den Zug habe. Die Fahrer und Fahrerinnen immer mega freundlich und zuvorkommend.

Diesmal jedoch fuhr eine mir unbekannte Person, wild telefonierend auf der kompletten Fahrt und andere Autofahrer anschreiend und anhupend, sehr aggressiv. Als wir am Bahnhof ankamen waren wir eine Minute verspätet, kamen aber wegen Staus vor einer Parkhauszufahrt noch nicht zum Bussteig. Ich ging nach vorne und bat: "Können Sie mich hier bitte rauslassen? Ich habe ein Sparpreisticket mit Zugbindung, zu Fuß schaffe ich den Zug noch".
Schrie die Frau mich an, das ginge aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht. Die Busfahrerin, die zuvor auf dem ganzen Weg privat telefoniert hatte. Versicherung. Kannste Dir nicht ausdenken. Versicherung! Sie schrie mich an ich soll mich setzen, ihr sei es egal, man müsse eben Verspätungen einplanen. Richtig. Mache ich immer. Aber wenn ein Bus nur alle 2 Stunden fährt und es Zeiten wie Zugbindung gibt, dies aber immer schon klappte - egal, Ermessenssache. Ihre Ermessenssache. Weiteres Geschrei, als sie mich dann am ersten Bussteig 16 min verspätet rauslassen wollte und ich sagte, das müsse sie nicht, der Zug sei weg. "Raus jetzt hier" schrie sie in ihrer Ermessenssache. Kostete mich dann ein neues Zugticket und zwei weitere Stunden. Lebenszeit. Und Lesezeit, ich hatte zum Glück ein gutes Buch dabei.

Fazit: Öfter mal daran denken, was Entscheidungen bewirken. Was es bedeutet, wenn man Verantwortung für ein großes Fahrzeug mit Menschen darin übernimmt. Was generell die eigenen Entscheidungen auch für andere Menschen bedeuten. Und ob man einfach weiter als Arschloch durchs Leben gehen will oder versucht gut und freundlich zu sein. Ist Ermessenssache. 😉


13.11.21

Danke für alles

 Bald ist Stef schon 3 Jahre nicht mehr bei uns. Für einen Verein habe ich diesen Text über sie geschrieben, er kann aber nun doch nicht gedruckt werden, also veröffentliche ich ihn hier:

Ich habe keine direkte Angehörige verloren. Kein Kind, keine Schwester, keine Tante. Und doch war dieser Mensch dies alles. Direkte Angehörige im Sinne von enger Freundin, keine Blutsverwandte. Aber wir konnten Quatsch machen wie Geschwister, ernst sein wie Freundinnen, uns gegenseitig Rat geben wie Tochter und Mutter – und Mutter und Tochter.
Über die Arbeit reden wie Kollegen und miteinander schweigen wie ein Ehepaar.
Wir hatten beide all diese Rollen im Leben der anderen. Wir waren fast 25 Jahre befreundet.

Natürlich gab es auch mal Streit oder Zeiten, in denen wir uns wenig zu sagen hatten.
Dennoch haben wir uns immer wieder zusammengerauft.
Es war keine Freundschaft, die man einfach „kündigt“. Wir waren so unterschiedlich und doch gleich. Haben uns gegenseitig Dinge gelehrt:
An mir hat sie irgendwie „bewundert“, dass ich so gut alleine sein kann. Ich mochte an ihr besonders, dass sie auf jeden Menschen mit einem großen Vertrauen zuging. Während ich erst einmal vorsichtig bin, sagte sie immer, dass jemand nicht gut ist, müsse ihr erst einmal bewiesen werden.
Sie fragte mich aber auch gerne nach meiner Einschätzung und zeigte mir dafür, wie man Thailändisch kocht oder Sushi wickelt. Wir konnten miteinander Tränen lachen - und weinen. Sie war „Verbindung“ für viele unterschiedliche Freunde und liebte es, alle an einen Tisch zu bringen. Aber auch stille Abende allein, gemeinsames Lesen und über Geschichten Austauschen gab es. Während sie meine Lieblingsbücher häufig mit einem Augenzwinkern als „Schund“ betitelte, weil darin oft Menschen starben und von Lebensschicksalen erzählt wurde, bevorzugte sie Fantasy und sehr verwobene Geschichten, aber auch Jugendbücher. Sie schenkte mir Harry Potter lange vor dem Hype und erzählte mir begeistert von Wesen aus Geschichten, die ich mir sogleich bildlich vorstellen konnte.
Musik musste laut sein – oder sehr leise. Wir trafen uns da meist in der Mitte, wobei sie sich bei unseren Autofahrten auch sehr auf mich einstellte und wir „unsere Songs“ fanden. Wir spielten Songs an und errieten die Titel. Und wir sangen mit. Laut und falsch ich, laut und schön sie.

Sie fehlt seit fast drei Jahren. Eingeschlafen und nicht mehr erwacht. Ich finde, das ist kein schöner Tod. Was damit zu tun hat, dass ich den Tod nicht schön finden kann. Andere sagen, doch, sie hat nichts bemerkt. Ich möchte Dinge gern zuende bringen, die Kontrolle haben. Außerdem war sie viel zu jung.
Ich hatte mal Krebs. Ich habe überlebt. Ich weiß, ich möchte mich verabschieden können und mich noch lange nicht mit meinem Tod und dem von anderen auseinandersetzen. Und trotzdem begleitet er mich jeden Tag.
Seit sie fort ist, ist der Tod immer präsent für mich.
Seit sie fort ist, ist sie immer bei mir.






9.11.21

wenn der Kater schön guckt

 Wir haben im Bad ein Bänkchen, auf dem Shirin, der rote Kater, immer sitzt und wartet bis die Muddi zuende geduscht hat. Er hat zwar zu diesem Zeitpunkt schon Minimum 2x Frühstück bekommen, aber da er zu dünn ist darf er immer essen wann er möchte. Neulich schien die Sonne so auf ihn drauf, dass wir es in einem Fotostudio nicht besser hätten beleuchten können.





5.11.21

wunderschöner Herbst

 Ich stehe eigentlich nicht gerne früh auf. Wenn ich jedoch mit niemandem reden muss und in die Natur kann, liebe ich das Frühaufstehen. Und oft ist es auch so, dass der Regen dann gerade aufgehört hat oder es noch gar nicht regnet - und ich radle fröhlich vor mich hin. Hier sind einige Bilder für Euch:

 







 


4.11.21

DHL-Zwangs-App

Ich shoppe gerne lokal - das heißt, ich unterstütze den Buchhandel in meiner Stadt und sehe zu, dass ich möglichst alles hier bekomme. Nur Katzenfutter und Dinge, die es hier oder auf  meinen Reisen nicht gibt, muss ich bestellen. Ich achte schon lange darauf, dass nur per DHL geliefert wird - die anderen Lieferdienste in unserer Region sind nicht akzeptabel, der eine stinkt und schreit und hat das mit dem kontaktlos nicht ganz begriffen und der andere findet generell keine Adressen und liefert dann an einen Store in einem ganz anderen Stadtteil, was sich dann mit meinen Arbeitszeiten nahezu deckt..

In Zeiten von Corona oder aufgrund von Abwesenheit nutze ich daher gerne kontaktlos die Packstation. Kundenkarte habe ich seit Jahren, die muss auch nicht erneuert werden. Jetzt kommt eine lapidare Mail, dass man nur noch per App abholen kann. Mein Hinweis, dass nicht alle Menschen Smartphones besitzen oder auch der Speicherplatz auf manchen Telefonen nicht ausreicht, wurde einfach beantwortet mit "Ihr Konto wurde schon umgestellt" - den Abholcode per Mail hätte ich noch bis Februar nutzen können. Eine weitere Nachricht wurde gar nicht mehr beantwortet. Also musste ich ein Gerät aktivieren und diese unnötige App wieder einmal herunterladen - ich hatte sie ein paarmal ausprobiert, aber festgestellt dass sie mir nichts bietet, was nicht auch ein Internetbrowser kann. Schon Monate hatte ich sie nicht mehr gebraucht. Nun also kamen die ersten Lieferungen und ich time sie immer gerne auf denselben Tag, hole sie wenige Stunden später auch gleich ab, damit wieder Platz für den Nächsten ist. Ja, es geht schnell. Aber:

1. was machen ältere Menschen, die kein Handy haben?

2. man braucht zwingend eine Internetverbindung, da der Abholcode nur wenige Minütchen gültig ist, also muss man auch immer einen Handyvertrag mit mobilen Daten haben, wenn man außerhalb des WLANs der Stadt ist

3. Die App an sich ist nicht benutzerfreundlich - wieder die Frage, wie das für ältere oder nicht internetaffine Menschen ist: Man meldet sich im Bereich Packstation mit seinen DHL-Daten an und das System erkennt einen nicht oder wirft einen heraus - was für ein Glück, wenn es mal klappt!

Mein Fazit ist: Ich bestelle wohl wieder so, dass ich den freundlichen DHL-Fahrer, der mein Paket auch abstellt, wenn ich nicht zuhause sein sollte, erwische - er hat dann zwar mehr Arbeit aber ist immer lieb und freundlich und nicht so kalt wie die DHL Packstation und deren Chefs.




5.10.21

Gib acht auf Dich - Pinktober des Mammographiescreeningprogramms/Die Mammomädels

Als ich an Krebs erkrankte, kam sehr viel Hilfe aus meinem Freundeskreis. Ich hatte mit Anfang 30 Lymphdrüsenkrebs und war ein halbes Jahr in Behandlung. Das war anstregend, und damals postete man noch nichts auf Instagram und hilfreiche Bücher gab es auch kaum, aber aufgrund der lieben Menschen um mich herum war es auch eine sehr glückliche Zeit. Das klingt paradox, aber ich lernte in dieser Zeit, Hilfe anzunehmen und mir gleichzeitig genug Zeit für mich zu nehmen.

Eine Freundin, die älter ist als ich, half mir besonders viel in unseren Gesprächen und E-Mails. Sie hatte Jahre zuvor Brustkrebs gehabt (da kannten wir uns noch nicht) und wusste wie ich mich fühle. Sie sagte immer, dass ich es auch schaffe, weil sie es doch auch geschafft hat. Und mit dem gut heilbaren Lymphdrüsenkrebs, den ich hatte, lag sie damit auch gar nicht so falsch. Ich gelte inzwischen längst als geheilt.

Was ich damals schon vermutete, stellte sich ein Jahr später als wahr heraus: Mit meinem eigenen Krebs konnte ich viel besser umgehen als mit dem von anderen.

Ebendiese Freundin erkrankte erneut an Brustkrebs - an einer anderen aggressiveren Art als zuvor. Was ich mir immer dachte, nämlich, dass es für die Angehörigen schwerer ist, weil sie es selbst nicht unter Kontrolle haben und man selbst als Patientin ja in dieser "Behandlungsmühle" ist, in der man gar nicht so arg über alles was passiert nachdenken kann, weshalb ich es als "leichter" empfand, weil ich ja nur bei allem was der Arzt sagte mitmachen musste, trat ein: Die Freundin erzählte mir von ihrem Brustkrebs und ich war erst einmal hilflos. Dann jedoch, ich erinnere mich sehr gut, sagte ich intuitiv auf einem unserer Spaziergänge zu ihr: "Du bist wirklich etwas Besonderes. Aber so besonders, dass du beim zweiten Brustkrebs, stirbst, bist du nicht!" Wir lachten Tränen und sie gilt nach ihrer langen Behandlung tatsächlich bis heute als geheilt. Für Frauen von 50 bis 69 Jahren wird zur Brustkrebsfrüherkennung das Mammographie-Screening angeboten. Ich selbst habe vor zwei Jahren einen Knoten in meiner Brust ertastet. Da ich in dem Bereich wegen des Lymhdrüsenkrebs bestrahlt wurde und es auch familiäre Vorbelastungen gibt, gehe ich jährlich zur Mammographie. Dieser Knoten war letztendlich gutartig. Aber meiner Freundin und einigen anderen Frauen, die ich kenne, hat die Mammographie das Leben gerettet. Gib acht auf Dich!



Foto: Katy Otto Make-Up: Julika Fiene