9.4.26

Teekesselchen

Thi gil sal soll ein teutonischer Begriff sein, schöner finde ich die Behauptung, ein Teekessel sei früher auch ein Dummkopf gewesen - neben dem Kessel, der Wasser kocht.
Ich habe Dir gestern von meinem vollen Speicher erzählt, nicht unserem Dachboden, sondern den virtuellen mit den Mails echter Menschen. Als ich dann am Abend Hüpfekästchen gesehen habe und gleich den Impuls hatte, herumzuspringen, überlegte ich, ob die Leute heutzutage überhaupt noch wissen, was ein Teekesselchen ist.
Vor über 25 Jahren wurde ich von einem Kind beim Vorlesen gefragt, was ein Plattenspieler sei - die gibt's heute ja wieder.
Aber all die jungen Erwachsenen, mit denen ich zu tun habe, gucken verstört, wenn wir Älteren übers Millennium reden, über die Angst an Silvester damals, Computer könnten ausfallen, wenn wir von Dirk Bach erzählen oder von Formel Eins mit Stef und ihren Kollegen. Die haben das alles nicht mitbekommen und sie sind einfach erwachsen. 
Den Mauerfall kennen sie aus dem Geschichtsunterricht.
Keine Ahnung, ob sie Gummitwist kennen, die Kinder auf meinem Heimweg kennen immerhin Himmel und Hölle bzw. Hüpfekästchen. Himmel und Hölle ist auch ein Teekesselchen, das haben wir früher auch mit einem Wollfaden gespielt, ob ihnen das was sagt?
Und Teekesselchen? Das muss ich sie echt mal fragen 🤭




8.4.26

Ihr Speicher ist voll

Eigentlich lautet derzeit die Ansage meines Mailanbieters: "Ihr Speicher wird in Kürze voll sein." Aber ein voller Speicher, den man unter dem Dach hat, ist ja auch ein schönes Bild. 
Zuerst war ich etwas empört, dass man nach über 20 Jahren jetzt plötzlich auf die Idee kommt, Mailkonten kostenpflichtig zu machen oder den Speicherplatz zu begrenzen, aber das ist halt der Lauf der Welt, alles kostet Geld. 
Und inzwischen habe ich das Bild eines staubigen Dachbodens vor Augen. Vielleicht kommt durch ein Dachfenster ein Sonnenstrahl, durch den man die Staubpartikel in der Luft flimmern sieht. 
Es stehen verschieden große Papp- und Holzkisten da, kleinere niedliche Boxen und runde große Hutschachteln.
Und jede steht für eine Zeit oder einen Menschen in meinem Leben. 
Während ich anfange, Mails zu löschen, lese ich ein wenig, denke über vergangene Zeiten nach und über die Menschen, die nicht mehr in meinem Leben sind. Und warum sie es nicht mehr sind. 
Manche habe ich durch meine frühere viele Arbeit verloren, wenn Du kaum Freizeit hast, machen das nicht alle mit. 
Manche haben gemeint, Grenzen überschreiten zu müssen und wurden von mir deshalb entfreundet. 
Manche haben mich verlassen, andere sind verstorben. 
Eines haben sie alle gemeinsam: sie haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.
Manche Menschen begleiten uns eine gewisse Zeit und plötzlich sind die Leben so verschieden, dass man einander nicht mehr sieht. Wir denken wertschätzend an diese gemeinsame Zeit und sind uns dankbar für das, was wir miteinander hatten. Aber wir sind eben keine FreundInnen mehr. 
All diese Mails, brauche ich sie? Möchte ich nicht lieber diesen großen vollen Dachboden ausräumen, ein wenig noch in den Kisten wühlen und dann sagen "Adieu"? 
Genau das tue ich. 
Während ich über viertausend Mails von einer einzigen Person lösche, merke ich: es erleichtert und befreit mich. 
Bei der nächsten Person sind es weniger Nachrichten, aber auch hier sage ich im Stillen "Bye Bye".
Ich habe noch längst nicht den Speicher so leer, wie es mein Anbieter verlangt, aber der Dachboden muss ja auch nicht an einem Tag leergeräumt werden. 
Ich sage DANKE
für das gemeinsame Leben, 
für die Lektion, 
für die lustigen und schönen Zeiten und aber auch danke dafür, dass ich diesen oder jenen Menschen nicht mehr sehen muss, mich schon lange nicht mehr ausnutzen lasse und dass ich keine Stimmungen lesen oder aushalten muss. Ich bin innerhalb dieser Zeit mit diesem Mailpostfach so sehr ich selbst geworden, dass ich mich wundere, nicht wehmütig zu sein. Aber ich habe so viele Erinnerungen im Herzen und in meinem Kopf, was soll ich mit all den Buchstaben. Ich bin glücklich über die Menschen in meinem jetzigen Leben, viele bleiben seit über dreißig Jahren und hoffentlich nochmal so lange. Andere sind vielleicht halb so lange bei mir, aber so nah, dass ich mich immer auf sie verlassen kann. Und das ist es, was zählt. 



7.4.26

Frühstück mit Katze

Shirinchen hat immer sehr gerne um Menschenessen gebettelt - aber erst wurde es begutachtet. Weil ich dieses Foto so mag, zeige ich es Dir heute. 



6.4.26

Balkongarten

Gestern war es erstmals richtig schön warm draußen, wir hatten zwar schon ein paar Balkontage in diesem Jahr, aber nie konnten wir länger raus als bis die Sonne hinterm Dach verschwand, weil die Luft dann einfach frisch war.
Gestern aber blühten alle auf, Menschen, Kater, Insekten, Vögelchen und die Blumen. Der Rosmarin blüht und den ganzen Nachmittag hat eine Schwarze Holzbiene schwer gearbeitet. Die Katzen waren mehr so chillig. Und bunt war's!
Einfach schön!







5.4.26

Strom und Wasser, purer Luxus!

Am Karfreitag gluckerte und brummte es komisch, Kleinerhong begutachtete die Badewanne und die anderen Kater hoben mit hochgezogenen Augenbrauen (ja, das geht!) die Köpfe.
Tags zuvor war wie jedes Frühjahr die Heizung samt Warmwasser ausgefallen und so ging ich davon aus, dass wieder ein Mitarbeiter dieser (bereits im Herbst beim letzten halbjährlichen Ausfall beschriebenen) Firma vorbei gekommen war.
Doch dann schrieb eine Freundin aus einem anderen Stadtteil "habt ihr Wasser zuhause?" Und damit war klar, es ist etwas Größeres.
Meine Nachbarn fragten ebenfalls, noch bevor ich Bescheid geben konnte, ob es an unserem Heizungsdilemma liegt. Nein, ich melde mich wenn ich mehr weiß, schrieb ich. 
Einige andere FreundInnen informierte ich, dass sie sich besser Wasser besorgen sollen, sie sind viel unterwegs und ich wusste, es würde ihnen helfen.
Wir selbst haben schon wegen der Katzen immer einen Vorrat.
Schnell bekamen wir dann raus, dass es sich um einen Rohrbruch handelte. Als die Stadt postete, dass die Stadtwerke dran seien, schickte mir ein anderer Nachbar bereits ein Bild der funktionierenden Spüle und auch bei uns spuckte es erst und dann sprudelte es wieder. 
Was für ein Privileg ist es, dass binnen Stunden wieder frisches Wasser läuft. Was für ein Privileg ist es, dass wir uns unseren Stromanbieter aussuchen dürfen und dass das funktioniert. Wir leben in einem solchen Luxus. Das dürfen wir nie vergessen. 
Das Bild ist KI-generiert