9.3.26

Genuss

Gestern habe ich von Life and Coffee erzählt, heute von City and More direkt daneben, ebenfalls Am Markbach in Sinzheim.
Hier gibt es im Weinlager natürlich Wein, aber auch Salami, frische Nudeln, Risotto, Grissini, Sugo oder Currypaste, aber auch Süßes und Snacks - kurz, alles, was Genuss bedeutet. 
Chef und Chefin veranstalten jedes Jahr die Genussmesse fine und durch sie habe ich schon richtig viele tolle Menschen kennen gelernt. Ob Pim von Konkrua, Luise von culinarico oder Duweck Patisserie - alle sind einfach mega in dem, was sie tun. So eben auch die Beiden, die hier immer fröhlich und freundlich vor Ort sind und auch einen Genießerclub anbieten. Ich war diesmal wegen Fregola Sarda Tostata da, das sind ganz kleine geröstete Nudeln und es gibt sie sehr sehr selten, sie werden auf Sardinien hergestellt.
Aber man findet auch Dinge aus Portugal oder von anderswo, man muss nur stöbern.
City and More GbR 
Am Markbach 13
76547 Sinzheim 
Mi-Fr 11-15 Uhr
Sa 11-18 Uhr// unbezahlte Werbung 










8.3.26

Lieblingskaffee

Als ich vor vielen Jahren an einem neuen Cafe vorbei lief, winkte ein junger Mann freundlich von drinnen und ich entschied spontan, herein zu kommen
Ich befand mich damals in einem Zustand von ungefähr einer Million Einzelteile nach einer Trennung, weit davon entfernt, zu heilen. Wenn ich mich nicht in die Arbeit stürzte, versuchte ich die Zeit rumzukriegen. Irgendwie. Also ging ich öfter in dieses Cafe. Der junge Mann war der Inhaber, ein kreativer Mensch mit ganz vielen Ideen und ganz viel Herz. In diesem Cafe arbeitete einige Zeit eine junge Frau, die den besten Kuchen buk. Es duftete einfach immer ganz heimelig und dieser Kaffee schmeckte ganz besonders. Wann immer ich von nun an woanders Kaffee trank, verglich ich ihn mit diesem besonderen in dem kleinen Cafe. Es machte eigentlich keinen Sinn, woanders Kaffee zu trinken. 
Inzwischen habe ich in anderen Städten solche Cafés mit schonend gerösteten Bohnen (aber nicht mit so viel Liebe) gefunden und hier so ein bis zwei (bereits geschlossene inbegriffen).
Bald darauf arbeitete noch eine andere junge Frau dort und wir redeten jeden Tag - auch über Katzen. Sie war eine der Personen, durch die ich auf die Katz kam. Und eine Freundin der anderen Mitarbeiterin ebenfalls. Es gab viele Zu-fälle in dieser Zeit. Und jede Menge Kaffee. 
Ich begann wieder zu leben. Ging unter Menschen. Bemerkte Freude und den Beginn von Heilung.
Auch mit dem Inhaber unterhielt ich mich oft, fotografierte den Kaffee, die gerösteten Bohnen, liebte die Sandwiches - und den Kuchen sowieso. Als er nach einiger Zeit beschloss, sich vor allem der Kaffeerösterei zu widmen und sein Café abzugeben, verstand ich ihn aus vollem Herzen, aber ich fand lange Zeit keinen solchen Ort. Die Rösterei besuchte ich ab und zu, aber mit dem Bus war es immer etwas ungünstig und ich hatte auch selten frei zu den Öffnungszeiten - unter der Woche wird geröstet, freitags und samstags ist geöffnet, man kann hier nicht nur Kaffeebohnen für zuhause kaufen, sondern auch Espresso, Kaffee oder Cappuccino genießen. Zum Glück hat er auch einen Onlineshop. 
Vorgestern war ich dann mit dem Rad dort, ich hatte Urlaub und stellte fest, dass ich damit nur gut zwanzig Minuten dorthin brauche. Es war wie Nachhausekommen. Der Kaffee ist einfach immer noch der Beste. Und auch wenn wir uns Jahre nicht gesehen haben, so ist alles wie immer. Die gezeichneten Personen auf den verschiedenen Kaffeetüten, die Begeisterung für Kaffee, das ganze Wissen, dieses tolle Handwerk. Wie wundervoll, dass sich manche Dinge nicht ändern☕
Life and Coffee
Am Markbach 15
76547 Sinzheim
freitags und samstags 11-16 Uhr 
// unbezahlte Werbung 






7.3.26

Signal kommt nicht

Immer wieder komme ich zu einer bestimmten Fußgängerampel, neben der schon Menschen stehen. 
Sie gucken und warten und scheinen sich nicht zu wundern, dass niemals Grün für sie erscheint. Taster berühren könnte helfen, ohne das geht's nicht, diese Ampel springt ohnehin nur ungern auf Grün für die laufende Bevölkerung, aber es besteht eine Chance, wenn man den Taster berührt. Ich mache das dann. Für die Menschen. Für mich. Und frage mich gerade, ob sie ohne mich heute noch dort stünden. (Achtung, Spaß!)


6.3.26

Erinnerungen

Gestern habe ich eine liebe Freundin in der Reha besucht und auf dem Weg dorthin waren ganz viele Seelen bei mir. 
Die Freundin, die ich auch dort mal in der Reha besucht habe. 
Die Freundin, mit der ich stundenlang durch die Gegend gelaufen bin. 
Die Freundin, die dort oben wohnte. Ihr Hund. All die Menschen, die wir auf den Gassirunden regelmäßig trafen und unsere Geschichten. So war das ein ganz wundervoller Vormittag🩷


5.3.26

It's my birthday

Als ich 43 wurde, haben wir Fotos mit dem Getränk gemacht und damit angestoßen, denn eigentlich ist die Antwort immer 42 und das war ja dann schon vorbei. Jetzt bin ich 49. Gehe also stark auf die 50 zu. 
Wann ist das eigentlich passiert? Ich stecke vom Gefühl her noch in der 35 fest 🤭😅
Früher dachte ich, mit 49 ist man erwachsen. Nee, ist man nicht. Ich liebe nach wie vor Einhörner, bunte Hosen und Schlafanzugtage. Mir ist dieser Tag früher nicht wichtig bis unangenehm gewesen. Geburtstage anderer liebe ich, zu gerne schenke ich und überrasche meine Menschen. Aber mein Geburtstag? Den feiere ich schon lange nicht mehr. Wir hatten mal eine Party, als ich den Krebs geschafft hatte und die Haare wieder wuchsen. Meine damalige Partnerin hat mit meiner damaligen besten Freundin alle möglichen Leute eingeladen, dazu Adressen von Weihnachtspäckchen abgeschrieben und keiner hat etwas verraten, fast alle waren da. Das war wunderschön, auch wenn ich damals schon Überraschungen nicht leiden konnte und der Tag sehr sehr aufregend gewesen ist. Aber sie hatten sich so viel Mühe gegeben, manche meiner FreundInnen hatten eine weite Anreise, viele kannten sich nicht, aber alle passten zusammen, das war einfach toll. 
Danach gab es dann nochmal eine Party in einem Restaurant, da sagte der Inhaber zu mir "Sie müssen aber beliebt sein, solche Feste haben wir selten". Feiern konnten wir schon immer gut. Aber nicht alle Freundschaften haben Bestand und an besagtem Abend haben sich Leute sehr daneben benommen. Menschen, von denen ich dachte, dass sie mir nah sind, gingen mit anderen sehr respektlos um. Und redeten hinter meinem Rücken. Mehr Schein als Sein also? Wohl eher so ähnlich wie nach der Trennung, bei der irgendwann auch die Freundschaft mit der damaligen besten Freundin auseinander ging, weil ich erstmals Grenzen setzte und einfach gegangen bin in einer Streitsituation, die in diesem Moment unlösbar war. Oder die Sache mit einer anderen Freundin, die mir meinen Job neidete und nicht verstand, dass ich 24/7 arbeitete und dann einfach erschöpft war. Oder die Freundin, mit der ich zu einer Veranstaltung ging, weil ich wusste, sie freut sich, mal raus zu kommen, und die dann aber meinte, ich hätte sie nur als Fahrerin gebraucht. Dabei hätte ich mit zehn anderen gehen können, aber ich wollte sie dabei haben. 
Hinterher überlegte ich dann, ob diese Feiern, bei denen man ohnehin nicht mit allen sprechen kann, überhaupt einen Sinn haben. Nein, beschloss ich, ich feiere ab jetzt jeden Tag. Mit, aber vor allem auch ohne Menschen.
Das hatte ich nach dem Krebs auch schonmal vor, aber dann kamen Job, Trennung, das Ende von vermeintlichen Freundschaften dazwischen und erst seit einigen Jahren habe ich die Zeit dazu, jeden Tag zu genießen und jeden Tag etwas Besonderes zu tun oder mir etwas Gutes. Und das Wichtigste: meine sichere Bubble. Ich habe inzwischen und teilweise auch noch immer Menschen um mich, die einfach gut sind. Die mir nah sind und denen ich nah bin, die aber derlei Feiern auch nicht brauchen. Die auch verstehen, dass ich am meinem Geburtstag gerne Ausflüge mache -allein- oder mit der Katzenbande zusammen sein möchte. Die mir in den letzten Tagen Geschenke gebracht, geschickt, vor die Tür gestellt haben, weil sie meinen Geburtstag wichtig finden, aber wissen, dass ich nicht überall sein kann und sehr viel Alleinzeit brauche. 
Meine Menschen schütteln zwar den Kopf darüber, dass ich ausgerechnet heute eine Wurzelbehandlung habe, aber wenn jeden Tag etwas Besonderes tue, kann ich am Geburtstag auch etwas Gewöhnliches tun - und wenn ich schonmal frei habe und die ganze Zeit schon donnerstags behandelt wurde und das nun im Zeitrahmen ist - why not 😅 ich mag die Leute in der Zahnarztpraxis und als Ausgleich werde ich zum Keramikmalen gehen. Nirgends kann ich besser entspannen und ich habe sowieso zu wenig Zeit dafür, also wie gesagt, wenn ich schonmal frei habe, dann mach ich auch das. Und esse vielleicht eine Pizza auf dem Heimweg, da habe ich nämlich totalen Appetit drauf, aber man darf ja erstmal zwei Stunden nix essen. 
Also mit 49 frage ich mich auch, wie viele Geburtstage sind mir wohl noch vergönnt? Seit dem Krebs habe ich immer gesagt, ich freue mich über jeden Geburtstag und jedes Jahr, das ich älter werden darf. Jetzt ist der Krebs Erinnerung, aber mulmig wird's mir, wenn ich daran denke, dass zB Stef nur 56 wurde. Dann hätte ich nur noch sieben Geburtstage, mit heute acht. Und das ist mir eindeutig zu wenig. Jeder Tag, an dem wir leben, sollte ein Stückchen Geburtstag beinhalten. Damit meine ich das Croissant, das gute Buch, die bunte Hose, die ich so gerne trage - alles, was mich glücklich macht. Aber auch die tollen Gespräche mit meinen Menschen, das verständnisvolle Schweigen, das miteinander Lachen - all diese Dinge sind Geburtstagsstückchen, weil sie das Leben sind. Weil sie mein Leben sind. Meine Omi ist eine meiner besten Freundinnen. Sie ist über neunzig und daran möchte ich mich gerne orientieren. Dann hätte ich noch sehr viele Geburtstage. Und vielleicht feiere ich auch mal wieder. 
Aber nicht gleich.
Das Bild ist KI-generiert 

das nicht, das sind einfach die Geschenke meiner Bubble 💚💛🩷


4.3.26

Buchtipp: Mrs Mabels letzte Liste

Manche von uns haben FreundInnen, die wir urplötzlich nicht mehr kennen. Sie sind gegangen oder wir, es gab vielleicht Streit oder man lebte sich auseinander, Missverständnisse oder Lebensumstände sind die Gründe. Manchmal kennen wir den Grund nicht. Manchmal können wir nicht einmal mehr den Tag benennen, der der letzte unseres Zusammentreffens war. Und manchmal wissen wir es ganz genau. 
Mabel ist seit 62 Jahren mit Arthur verheiratet als er plötzlich verstirbt. Er hat immer Listen gemacht und sie findet eine Notiz namens "D suchen". Und so beginnt die Suche nach Dot, die damals vor 62 Jahren Mabels beste Freundin war und plötzlich verschwand. Es beginnt aber auch ein neues Leben für Mabel, denn sie sagt öfter ja als nein und lernt dadurch Frauen kennen, die ebenfalls ihr Leben verändern. Wissentlich oder unwissentlich, vom Teenager über eine junge Mutter bis hin zu einem Ex-Model und einer Frau, die Mabel ein Geheimnis anvertraut - so verschieden sie alle sind, so gut passen sie zusammen. Jede hat ihr Päckchen zu tragen, jede ihre Geschichte - und wir dürfen in diesem wundervollen Buch davon lesen, teilhaben an diesen Leben. Ich habe diese tolle Geschichte an einem Tag im Bus, Zug, S-Bahn (eine Odyssee) ausgelesen und war total dankbar, gerade dieses Buch mitgenommen zu haben. Es ist ein absoluter Herzenstipp. Und ich hoffe sehr, dass es bald weitere Bücher der Autorin auf Deutsch gibt.
Mrs Mabels letzte Liste 
Laura Pearson
Piper 17 Euro // unbezahlte Werbung 






 


3.3.26

Alltagsrassismus

Ein Bus, der nur alle zwei Stunden fährt. Ich benutze diese Linie seit vielen Jahren und fahre damit immer insgesamt eine Stunde über Land. Die FahrerInnen sind mir bekannt, aber ich bin jedes Mal aufs Neue entsetzt, dass sie ihre Unfreundlichkeit noch toppen können. 
Gestern gab es Probleme mit dem App-Scanner, der die Fahrkarten beim Einstieg scannt. Es stiegen etwa zehn Menschen ein, bei niemandem funktionierte er. Auf der Rückfahrt bestätigte mir der Fahrer auch, dass es da gestern technische Probleme gab.
Aber wir sind noch auf der Hinfahrt: Die ersten beiden werden von der Busfahrerin durchgewunken, widerwillig zwar, aber sie hatten es oft genug versucht. Der Nächste auch. Dann versucht es eine Frau mit Kopftuch, es geht auch nicht. Die Busfahrerin schreit "mir zeigen!" Und erschrocken zeigt die Frau das Smartphone. "Sie müssen halt auch mal die App aktualisieren", blafft sie sie an und schickt sie weiter. Dazu sei erläutert, die App aktualisiert sich zumindest bei mir immer von selbst - in den blödesten Momenten loggt sie sich aus und will Passwort und Benutzernamen, da ist dann auch kein QR-CODE zu sehen. Der Code bei der jungen Frau ist hell und gut zu sehen. 
Mein Telefon will sie gar nicht sehen, ich werde gleich weiter gewunken. Aber ich bin ja auch dunkelblond und habe blaue Augen. Selten fand ich das mehr zum Kotzen als gestern. Aber sagt man was, darf man nicht mitfahren und wartet zwei Stunden auf den nächsten Bus, das habe ich schon miterlebt. Darum entscheide ich mich, zu schweigen, mich aber nach hinten zu der jungen Frau zu setzen, die meinen Blick sucht und sie zu beruhigen. 
Vorne geht derweil das Geschrei weiter - und zwar immer bei Menschen mit möglicherweise Migrationsgeschichte und bei einer weiteren Frau mit Kopftuch später an einer anderen Haltestelle auch wieder "mir zeigen!". "Aber warum", fragt mich die junge Frau und was soll ich da sagen: "Bitte nicht ärgern. Sie ist immer unmöglich. Es liegt natürlich nicht an Ihrer App! Es ist Rassismus und ich finde es schrecklich, aber man kann nichts sagen, weil sie einen sonst rauswirft." Sie bedankt sich. Aber wofür? Dafür, dass die Fahrerin sich unmöglich benimmt und ich es benenne? Feige, ganz leise? Das ist nix. Ich würde so gerne etwas sagen, ihren Chef informieren. Aber trotz schlechter Google-Bewertung hat sie ihren Job ja seit Jahren und nichts ändert sich. Möglicherweise ist es schwer, Personal zu finden und dann würde irgendwann kein Bus mehr in die Dörfer fahren. Es ist ein Dilemma. 
Als die junge Frau aussteigt, lächelt sie mich an und wünscht mir noch eine gute Fahrt. Ich ihr einen schönen Tag, ich hoffe so sehr, dass der Tag noch schön für sie wurde und dass ich ein bisschen ausgleichend wirken konnte. Genügt hat es mir nicht. 

Das Bild ist KI-generiert