Wenn Fatma Mittler-Solak moderiert, geht für mich die Sonne auf. Fröhlich, warmherzig und gleichzeitig analytisch nachhakend, spontan auch mal ein kleiner Spaß - I like.
In Mondblau schreibt sie über Ayla und Victoria, eine Freundschaft, Freundinnenschaft, die ganz früh in der Schulzeit beginnt und die Jahre überdauert. Doch ist das so? Endet die Freundinnenschaft nicht schon, bevor das Ende sichtbar wird? Ayla scheint häufig nicht zu bemerken, was sie alles in Alltag schafft, wie wertvoll sie ist und wie sehr sie gebraucht wird. Sie hinterfragt sich, sie erkennt aber nur, was sie nicht erreicht hat und sie scheint ihr Leben nicht greifen zu können.
Im Buch heißt das "Ihr Traum war über die Jahre zu einem leeren Pustefix-Fläschchen geworden" und ich liebe solche Sätze. Auch Fatmas Begriff "Raufasertapete-Frauen" spüre ich sofort🤭
Vier Kinder bekommt Ayla, verzettelt sich aber immer wieder schon vorher und man möchte sie einfach umarmen, halten und sagen "es wird wieder, glaube und denke zuerst einmal an dich selbst".
Das Leichteste in dieser Geschichte ist der gemeinsame Urlaub in der Jugend zusammen mit Victoria bei Aylas Tante Hatice in der Türkei. Victoria bringt ihr Schwimmen bei, beide schwärmen für den gleichen Studenten, unterschwellig spürt man hier aber schon, dass es eine Art Missgunst gibt, Ayla steht in Victorias Schatten, aber sie braucht sie auch, so, wie Victoria Ayla braucht.
Victoria wird viel in die Wiege gelegt, sie arbeitet später in der elterlichen Firma, bekommt Wärme von Aylas Eltern - und ghostet Ayla. Plötzlich oder schleichend. Es bleibt Vieles offen. Aber diese Geschichte ist spannend geschrieben, Aylas Gefühlswelt, ihre Verzweiflung und manchmal ihre Freude sind körperlich spürbar, das ist ein großes Talent der Autorin. Nicht in Ich-Form zu schreiben und doch genau zu sagen, was hier zwischen den Zeilen geschieht.
Wir alle haben diese Freundin, die plötzlich ein letztes Mal in ihrem Haus von uns besucht wurde - und wir wussten nicht, dass es das letzte Mal sein würde. Oder wir sind die Freundin, die merkt, wir haben uns entzweit. Vielleicht empfinde ich dieses Buch auch deshalb doppelt stark.
Die Geschichte ist aber mehr, es ist die nicht abgeschlossene Reise von Ayla zu sich selbst und ich wünsche ihr, dass sie heilt, dass sie ihre süße Familie endlich wieder sieht. Und sich sieht- und fühlt.
So, wie ich mir ganz tief gewünscht habe, dass Fatma ein Buch schreibt, als ich einen Post auf Instagram von ihr gesehen habe.
Es ist kein leichtes Buch, aber es liest sich leicht. Große Empfehlung!
Ich wünsche Ayla, dass sie irgendwann wieder Postkarten an jemanden schreiben kann.
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