Dass ich die Stunden bis zum Feierabend zählen muss, ist lange vorbei, ich genieße jede Minute meiner Arbeit und kann es morgens kaum erwarten, wieder hinzukommen. Aber das Gefühl, wenn wir uns wünschen, etwas möge vorbeigehen, kennen wir wohl alle und gerade in diesem Sommer, der uns so viel abverlangt, sehne ich mich nach dem Herbst und danach, dass dieser Sommer endlich Geschichte ist.
Doch wie viele Sommer habe ich noch?
Wenn es gut läuft, dann noch fast so viele wie die, an die ich mich erinnern kann. Wenn es schlecht läuft, dann sind es nicht mehr viele. Sollte ich dann nicht mit diesem Sommer so umgehen wie mit meinen Arbeitstagen? Voller Freude?
Nein, denn der Unterschied ist ja, dass auf der Arbeit nicht jeder Tag gleich ist und ich mich sicher fühle. Dieser Sommer zeigt uns aber, dass sonnengleiche, blauhimmelige Tage nerven können und an die Nerven gehen.
Klimawandel verunsichert.
Die Regierung schweigt.
Ich versuche, das Schöne herauszupicken: nachts draußen schlafen und die Natur zu erleben, das ist wirklich einmalig. Eis essen statt Mittagessen lieb ich auch. Für mich ist es auch kein Problem, morgens früh aufzustehen und meine Dinge zu erledigen, ich bin morgens am fittesten. Gegen ein Nickerchen am Mittag habe ich auch nichts und ich bin wirklich gut darin geworden, kreative kalte Gerichte in der zu heißen Küche schnell zuzubereiten- draußen essen ist eh das Beste!
Und wenn es dann mal einen Platzregen gibt, bin ich darin der glücklichste Mensch. Ich stehe im Badeanzug auf dem Balkon und genieße die Kühle - oft ist erst der dritte oder vierte Regenschauer an einem Gewitterabend so richtig knallekalt, das habe ich vorher auch nicht gewusst.
Das ist dann so, wie wenn wir früher zu lange im Schwimmbecken geblieben sind.
Ich glaube, so intensive Erinnerungen gehen wirklich nur im Sommer- oder an verschiedenen Weihnachten vielleicht.
Einmal musste ich für eine Nachprüfung lernen und bekam von draußen nicht viel mit.
Ein paar Sommer lang half ich auf einem Reiterhof aus und diese Erinnerungen sind fest in mein Herz getackert, auch, weil Stef dort, genau an dieser Stelle, ihren Platz hat.
Wir fuhren im Sommer an den Atlantik, waren aber auch mal auf einem Plattbodenschiff in der kalten Nordsee, während zuhause alle bei 36 Grad schwitzten - als wir zurückkehrten, hatten wir dann Regen, unser Regensommer war aber toll.
Dann gab es diesen Sommer, in dem ich alle Sorten McFlurry-Eis probieren musste. Damals hatten wir noch einen McDonalds in der Stadt und waren mit drei Sorten McSundae aufgewachsen (Erdbeer, Schoko, Caramelsauce) bzw der vierten ohne alles, McFlurry war eine Sensation. Ich mochte Smarties am liebsten.
Davor gab es den Sommer, in dem ich endlich 18 war. Ich arbeitete beim Radio und war so so happy.
Die Sommer, in denen die Katzen jeweils kamen, waren besonders.
Der Sommer, den ich in vollen Zügen mit meiner Partnerin genossen habe, bevor sie mich ohne Grund verließ, war weniger gut, aber es gelang mir, den Herbst so hinzubiegen, dass durch Reisen, neue Menschen und neue Erinnerungen das Jahr nicht so ganz schlecht war.
Der Sommer, in dem ich endlich wieder lieben konnte.
Die Sommer, in denen ich neu begonnen habe, ob neue Schule, Ausbildung oder Beruf.
Der Sommer mit Krebs - mit der Glatze habe ich erst im Oktober gefroren und ich war froh, dass die Tage lange hell waren.
Du siehst, Sommer sind besonders und oft toll.
Aber Herbst ist toller🤭
Und noch toller wäre es, wenn es endlich eine Regierung gäbe, für die Klimaschutz mehr bedeutet als "Wetter können wir nicht ändern"
Machen wir das Beste aus diesem Sommer und denen, die noch kommen. Und aus den Jahren, die wir hoffentlich noch haben 💛
Das Bild ist KI-generiert