26.2.26

Ausschnitt aus meinem Buch Mein Katzenleben

Heute gibt's kostenlos einen Ausschnitt aus meinem zweiten Buch "Mein Katzenleben", in dem es auch um Menschen geht und um den Tod. Denn "Shirley" hätte heute Geburtstag. 

Als ich nach Hause gehen will, lese ich auf einem
fremden Grabstein „Ihr Leben war Liebe, Ihre Liebe unser Glück“. Das beschreibt auch Stef sehr gut.
Dass sie nicht mehr da ist, durchfährt mich auch
heute noch manchmal wie ein Blitz. Er nimmt mir für einen Moment die Luft, dieser Schmerz und dieses Wissen, wir werden nie wieder sprechen, streiten, zusammen lachen.
Ob es das Plötzliche ist? Dass man sich nicht mehr verabschieden konnte?
Oder ob wir einfach diese schöne Welt nicht mehr zusammen erkunden können?
Man lernt so viel voneinander. 
Das ist jetzt vorbei.

Ich hatte zwei ganz besondere Lehrerinnen, von
denen ich als junger Mensch viel fürs Leben lernen durfte.
Die eine hatte Ähnlichkeit mit Meryl Streep, die
andere mit Shirley MacLaine.
„Shirley“ habe ich nach meiner Schulzeit nie
wiedergesehen. Sie hat zwar einen Brief von mir
bekommen, in dem ich ihr nach Jahren schrieb, dass ich ihr sehr dankbar bin und immer sein werde.
Der Brief war als reine Information gedacht, eine Antwort war nicht notwendig. Sie sollte aber wissen, dass sie weit über den Unterricht hinaus Dinge fürs Leben gelehrt hat. Sie starb nach längerer Krankheit.

„Meryl“ kontaktierte ich 15 Jahre nach Ende meiner Schulzeit, weil ich den Titel eines Buches wissen wollte – und ich wollte irgendwie auch wissen, wie es ihr geht. Was für ein Glück, dieses Bestreben!
Denn ich habe sie ab diesem Zeitpunkt regelmäßig besucht.
Sie kochte für uns den besten Couscous mit Datteln, den ich jemals gegessen habe. Ihr Kniff war ein Stückchen Butter. Und Walnüsse.
Und wenn sie sich dann zu einem Mittagsschläfchen hinlegte, las ich, was sie mir zu lesen gab.
Auch lange nach meiner Schulzeit durfte ich in
dieser wertvollen Zeit noch sehr viel von ihr lernen. Ich bin immer ihre Schülerin gewesen, auch noch als Erwachsene. Aber sie fragte mich auch über Dinge aus, mit denen ich mich besser auskenne als sie – und wollte sie erklärt haben.
Selten telefonierten wir, lieber schrieben wir uns
Briefe und Postkarten.
Als sie einmal in den Schulferien nach Rom reiste, brachte sie für den ganzen Lateinkurs Postkarten mit. Weil ich mir ein bestimmtes Motiv gewünscht hatte, das sie als Karte nicht auftreiben konnte, fotografierte sie es für mich. Zu dieser Zeit entwickelte man noch Foto-Filme und sie brachte mir einen 7x10 Abzug mit.
Sie schenkte mir in unserer letzten gemeinsamen Zeit ein Buch über Jin Shin Jyutsu, als sie von meinem stressigen Job hörte, und zeigte mir die wichtigsten Griffe. 
Man kann mit dieser Philosophie
Blockaden in sich lösen und wird dadurch ganz
allgemein viel harmonischer.
Ein Bild, das ich als Schülerin für sie gemalt hatte, hing noch immer in ihrem Arbeitszimmer über dem Schreibtisch.
Unsere Leben waren miteinander verwoben und ihre Einstellung zum Lebensende berührte mich stark.
Unser gemeinsamer Spazierweg führte uns
nachmittags an einem Fluss entlang. Mit der Fähre über den Fluss endete dann immer unser
gemeinsamer Tag.
Sie ging ihres Weges und ich fuhr mit dem Zug
zurück nach Hause.
Beim letzten Mal trafen wir uns dann noch ein
paarmal zufällig in der Stadt, nachdem wir uns längst verabschiedet hatten. Sie hatte ein paar Dinge zu erledigen und ich shoppte ein wenig, bis der Zug kam.
Mit einem Lächeln und Kopfnicken behalte ich sie in Erinnerung, denn das war unser letztes
Aufeinandertreffen, wir wussten das.
Zuvor hatte sie mir geschrieben, dass diesmal ihr Krebs nicht heilbar sei und wenn ich sie nochmal sehen möchte in einem Zustand, in dem sie Besuch empfangen möchte, dann sollte ich bald kommen.
Es solle aber nicht heißen, dass mein Krebs auch
zurückkommen würde. 
Ich solle leben, bat sie mich.

25.2.26

Islamisierung oder einfach Freundschaft?

In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass zu viel über den Ramadan gesprochen wird, dass Deutschland sich islamisiere und überhaupt, dass Worte wie "Iftar" und "Ramadan Mubarak" hier nichts verloren hätten. Ich sage: Doch. 
Schon vor 35 Jahren habe ich nicht verstanden, woher dieser Hass kommt. Heute machen die sozialen Medien es nicht besser. Und dieses Jahr fielen der Beginn der christlichen Fastenzeit und des Ramadans auf denselben Tag - was für eine Chance, diese gemeinsame Zeit des Verzichts kann schließlich auch verbinden, meine ich. 
Die Menschen, die hier unser Land unterstützen, die mit uns arbeiten oder einfach Familien, die seit Generationen hier leben, sie haben doch verdient, dass wir einander wertschätzen. Sie wertschätzen auch uns. Geh zweimal zum selben Dönermann, er wird Dich fragen "Wie immer, meine Liebe?" Das bekommst Du auch bei meinem Lieblingsasiaten zu hören, nicht aber in der deutschen gutbürgerlichen Küche, da musst Du echt öfter hin, bis sie Dich kennen. Auch sind  die Großzügigkeit und die Gastfreundschaft unserer islamischen FreundInnen unfassbar groß, zumindest erlebe ich es so. Bist Du Gast, bist Du Freund. Oder Freundin.

Die Großeltern und Eltern meiner FreundInnen haben unser Land wieder ans Laufen gebracht. Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg? Gut, Dude, ich wusste gar nicht, dass Du Müllwerker sein möchtest oder in der Pflege tätig oder in der Drogerie oder einen akademischen Grad hast. Wenn Du einen bestimmten Job willst, qualifiziere Dich, bewirb Dich, arbeite. Kann ich bei vielen deutschen Leuten leider so nicht erkennen.
FreundInnen, die tagsüber beten, sind mir persönlich weniger suspekt als die Menschen, die christliche Werte predigen, diese aber nicht leben und höchstens an Weihnachten in die Kirche gehen. Wenn abends unsere Ramadanlichterkette leuchtet, dann wärmt das mein Herz. Dieses Licht erinnert mich an die, die nun zusammen essen, die Zusammenhalt feiern und auch an all die schönen Rezepte, die ich Dank meiner islamischen FreundInnen kenne. Es erinnert mich aber auch daran, dass wir Christen bald Ostern feiern und dass wir in einer Welt leben, in der alles möglich ist.

Was wäre, wenn wir gerade während der Fastenzeit etwas christlicher denken und feststellen: Sie alle sind Deutschland, wir alle sind Deutschland?!

Dieses Wunschbild ist KI-generiert 


23.2.26

Retro Gebäck

Unsere örtliche Bäckereikette hat angekündigt, Klassiker für kurze Zeit wieder ins Sortiment aufzunehmen. Ich habe mich natürlich gefragt, warum man so etwas Einfaches wie Besonderes wie Butterkuchen überhaupt rausgenommen hat.
Als ich 2008 zwischen den Chemotherapien wieder Dinge mit Hefe essen durfte, habe ich mich quasi davon ernährt. Herrlich buttrig war der Teig, die Mandeln mit Zucker süß und knackig. Ich glaube, es hat damals 1,60 EUR gekostet, heute 2,80 EUR und leider fehlt die Fluffigkeit, es scheint weniger Butter verarbeitet zu sein und die Mandelmasse befindet sich nicht auf dem ganzen Stück. Ich werde es nochmal ein paar Tage später in einer anderen Filiale probieren, vielleicht war das nur eine der ersten Chargen. Aber gewünscht hätte ich mir schon die gleiche Qualität - schließlich schmecken Yes-Torty heute auch so wie früher oder Ahoibrause und solche Dinge.




22.2.26

Shirins Flügelchentag

Am 22. Februar 2024 hat Shirin Flügelchen bekommen. Flügelchen, weil seine Seele davongeflattert ist. 
Das war ein Donnerstag und der Tag hatte sich, wie Du weißt, wenn Du mir schon einige Zeit folgst, schon länger angekündigt. Er war acht Jahre seines Lebens krank, lebte damit aber ganz gut, wenn er genug zu essen bekam und später seine Medikamente.
In der Nacht hatte er ins Bett gemacht, das kam schonmal vor, er hatte aber auch Schmerzen und rief nach uns, als er plötzlich vom Wohnzimmer nicht mehr ins Schlafzimmer kam. Er fühlte sich kalt an und genoss die Wärme seiner kleinen Wärmflasche und suchte die ganze Zeit unsere Nähe und unserer Wärme. Es heißt immer, Katzen ziehen sich zum Sterben zurück, aber so ist es nicht nur. Wir hatten noch richtig schöne und intensive Stunden miteinander, weil der eine Tierarzt erst um 10 Uhr öffnete und der andere gar nicht da war. Seine Stimme hatte sich verändert, er plapperte trotzdem auf seine ganz eigene Weise, aber ganz dünn und zart und als wir dann zum Tierarzt fuhren, saß er wieder wie ein kleiner König da und beobachtete die Straße. Er liebte Ausflüge. Doch dieser ermüdete ihm sehr und beim Tierarzt angekommen war er schon ganz schwach. "Nur selten machen das die Leute so lange mit", sagte der Arzt und lobte meine Fürsorge. Und nahm mir den letzten Zweifel bei dieser schweren Entscheidung - Shirinchen schlief sofort ein. 
Zuhause verabschiedeten wir uns, auch seine Brüder beschnupperten ihn und sagten Adieu. Kleinerhong hatte die engste Verbindung zu ihm und blieb auch am längsten bei ihm. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Vier es zur Kenntnis nahmen und dann weitermachen - sie haben hier immer unglaublich viel zu tun. 
Am Nachmittag fuhr ich zur Bestatterin, ich hatte davon schonmal erzählt - und ging danach im Park bei Regen spazieren und kaufte Kuchen. Eine Freundin meint, man braucht bei sowas immer Kuchen und das ist auch meine Erfahrung. Zuhause brauchten mich dann die vier Brüder, empört, dass ich noch kein Chicken gekocht hatte (das war eigentlich immer nur für Shirinchen gedacht, damit er satt wurde, aber sie aßen halt mit und Katzen lieben Routine). Kleinerhong sprang in seine Badewanne und redete mit sich selbst oder Shirins Geist - jedenfalls war er sehr beschäftigt. Und sie umringten uns, sehr eng lagen wir alle zusammen und dachten vermutlich an die gemeinsame Zeit - vielleicht dachten die Vier aber auch, dass sie nun endlich gleich viel Aufmerksamkeit bekommen würden. Inzwischen hat sich das Rudel verändert, wir sind uns tatsächlich noch näher. Caramelli und Hong, die oft mit Shirin gegessen hatten (er brauchte ja mehr und öfter Futter), haben inzwischen wieder Normalgewicht. Und es bleibt die Dankbarkeit, solch ein Wesen gekannt zu haben. Das Wissen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Ich würde es immer wieder tun💛 🩷❤️‍🩹

Dieses Bild ist KI-generiert 


Dieses Bild wurde als Collage bearbeitet , der Himmel ist echt




21.2.26

Buchtipp: Ein Nest voller Träume

Wow. Einfach wow. Dieses Buch lag in einer anderen Stadt vor einem Buchladen bei den Remittenden und zog mich magisch an. Da ich aber Bücher für gewöhnlich nur in meiner unabhängigen Buchhandlung zuhause kaufe, legte ich es zurück. Als ich wieder dort vorbeikam, lag es noch immer da. Und es war Monatsende und es kostete nur 5 Euro und Bücher müssen schießlich gerettet werden - also kaufte ich es doch. 
Dann wanderte es einige Monate, fast ein Jahr, auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und jetzt, nachdem ich ein Jugendbuch und ein ähnliches anderes gelesen hatte, wollte ich einfach nochmal so ein ähnlich rätselhaftes lesen - und griff zu. Von der ersten Seite an habe ich es nicht bereut. 
Glendy Vanderah schreibt hier über drei Menschen, die unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein können und bis zuletzt bleibt es spannend, überraschend und immer voller Liebe. 
Jo ist Ornithologin und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Dafür zieht sie über den Sommer für ihre Feldforschung in ein Haus am Waldrand. Schnell lernt sie den zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe kennen und plötzlich steht auch noch ein kleines kluges Mädchen im Schlafanzug vor ihr. Es ist lange nicht klar, ob es weggelaufen ist oder das Buch doch etwas Fantasy beinhaltet und die Kleine aus einer anderen Galaxie, die wie ein Nest aussieht, stammt. 
Jos beste Freundin Tabby ist so zauberhaft wie auch die Beschreibungen, wie sich die verschiedenen Leben immer mehr miteinander verknüpfen.
Alle Personen machen einen Wandel durch, der auf Vertrauen basiert und Offenheit. 
Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, spannend wie ein Film, empathisch und nah - man fühlt einfach alles mit. Ich habe es sehr geliebt und wirklich mitgezittert und wäre wieder einmal sehr gerne in diese Geschichte gekrochen.

Glendy Vanderah
Ein Nest voller Träume
Fischer Verlage 16 EUR 
// unbezahlte Werbung




20.2.26

Dummheit oder doch nur faul?

Schon lange habe ich hier keine NachbARSCHaftsgeschichten mehr geteilt, was aber keineswegs bedeutet, dass wir endlich in unser ruhiges freistehendes Haus mit Wassergraben drumherum und Zugbrücke gezogen sind.
Die lauten Nachbarn sind weiterhin laut, allein im Januar gab es sieben Polizeieinsätze wegen ihnen. Und der Renovierungsnachbar hat neben seiner Videokameraklingel IM Haus (ja, er filmt das Treppenhaus, nicht die Haustüre 🤭) inzwischen vermutlich keine Wände mehr in der Wohnung, anders können wir uns den Lärm der Bohrungen und anderen Renovierungsarbeiten nicht erklären. 
Jetzt aber kam es wieder zu einem Vorfall, der mich persönlich wieder einmal darin bestätigt, dass es einfach dumme Menschen gibt.
Die Situation: Dauerregen. War auch angekündigt, findet statt, man merkt es. Am ersten Tag dachte ich noch, es sei Zufall, dass der Deckel der Papiertonne zurück geklappt und die Tonne dadurch offen ist. Habe sie natürlich geschlossen. Es sollte in den nächsten Tagen eine Leerung erfolgen, aber Pappmaché ist ja unnötig.
Am zweiten Tag steht die Tonne abends an der Straße, am nächsten Tag ist Leerung. Das erledigt für uns inzwischen ein Hausmeisterservice, weil außer einer Nachbarin und mir in diesem Hause niemand fähig war, im abwechselnden Turnus die Tonnen rauszustellen und manche echt schwer gewesen sind. Der Typ ist super, er stellt alles immer ordentlich hin und ich bin mir ganz sicher, dass auch er eine verschlossene Tonne an die Straße gestellt hat. Nun aber hängt der Deckel wieder an der Rückseite - und obendrauf, auf dem Tonneninhalt, steht eine regendurchweichte  Papiertüte mit Essensverpackungen und gebrauchter Küchenrolle, voll bis oben hin. Dass die in den Restmüll und nicht ins Papier gehört, scheint der NachbARSCHaft nicht klar zu sein. Dass eine volle Papiertonne vollgeregnet zu schwer ist, auch nicht. Was geht nur in solchen Köpfen vor?! {Rhetorische Frage}