14.4.26

Ruhige Abende, chillige Wochenenden

 "Aber wenn du dich mit jemandem triffst und es schön ist, gute Gespräche hast, dann ist das doch kein Termin?!"
Doch, für mich ist es das. 
Auch private Treffen sind anstrengend, auch wenn ich die Leute mag. Ich kann gut jemandem zuhören, mich zwei Stunden mit einer Person  angeregt unterhalten, aber dann ist es gut. Je mehr Menschen an einem Tisch sitzen, umso weniger Zeit bis zum Tinnitus oder zur Erschöpfung. 
Darum habe ich schon vor langer Zeit für mich entschieden, genauer gesagt, seit ich abends und am Wochenende nicht mehr arbeiten muss, dann auch nicht mehr mit anderen rauszugehen. Zuvor habe ich zwölf Jahre lang ständig Abenddienste absolviert, plus den Tag.
Darum konnte ich über die Diskussion zu Wochenarbeitszeit und Überstunden unserer Regierung auch nur müde lächeln - wenn Du musst, arbeitest Du auch 14 Stunden lang ohne Pause, egal, was die da oben sagen.
Dann arbeitete ich im Hotel und bevorzugte tatsächlich die Spätschicht, weil ich einfach besser schlafe, wenn ich keinen Wecker stellen muss (ab einer gewissen Zeit wecken uns die Katzen). Aber dadurch veränderte sich der Tagesablauf und vor Mitternacht ging ich nicht ins Bett. Vor zwanzig Jahren wäre das toll gewesen, da war ich Nachtmensch, aber inzwischen bin ich alt und der frühe Vogel und so..
Inzwischen meint das Leben es gut mit mir und hat mir eine Arbeit geschenkt, bei der ich die Abende einfach frei habe. Und wenn Du das lange Zeit nicht hattest und noch dazu Fatigue, dann chillst Du jetzt Dein Leben. Es gibt nichts Schöneres, als nach einem Arbeitstag die Tür aufzuschließen und zu wissen, die Katzen purzeln jetzt vor Deine Füße, weil sie sich freuen und weil sie wissen, uns gehört der Abend. 
Ich bin beim Arbeiten aber auch so eine 1000prozentige, ich möchte einfach alles gut machen und schnell erledigen. Dadurch, dass ich also täglich 6-8 Stunden arbeite und das, was ich tue wertgeschätzt wird, gebe ich dort auch gern alles.
Wenn ich frei habe, möchte ich erst recht nicht abends weg, denn dann habe ich die Zeit im Blick und damit einen Termin. 
Somit bin ich zu zwei Lesungen meiner Freundin und zu den Konzerten von Bosse und Tina Dico in den letzten zwei Jahren gegangen und in zwei klassische Konzerte und sehr zufrieden damit. Mir fehlt nichts. 
Meine FreundInnen sind zum großen Teil FrühstückerInnen wie ich. Dieser Moment, wenn ein frisch gebrühter Latte Macchiato vor mir steht, ist Glück pur.
Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, ob sich vielleicht etwas geändert hat. Ich hatte diesen Beitrag schon fertig geschrieben, da kam die Frage, ob ich demnächst am frühen Abend im Nachbarort zum Essen mit Freundinnen mitkomme. Ich habe kurz überlegt, aber das Nein war zu klar in meinem Bauchgefühl: Zu dieser Zeit arbeite ich noch und an diesem Wochentag habe ich morgens einen Termin - das genügt mir dann an Ausgang, nach zehn Stunden möchte ich dann auch mal heim😅
Für mich gibt es auch gerne mal menschenfreie Sonntage.
Das heißt, wir stehen zwischen sechs und halb neun auf, je nachdem, wonach uns ist - manchmal lesen die Katzen noch ein Buch im Bett mit, manchmal wollen wir einfach den Tagesanbruch auf dem Balkon erleben. 
Über allem steht die Ruhe. Die ein Geschenk ist. 
Luxus pur. 
Dankbarkeit🩷



13.4.26

Everyone is awesome kreativ

Ich habe gedacht, für meine Variante gibt's nun noch einen extra Post. Wie ich zu dem Set kam, siehst Du eins vorher, hier sind Bilder von meiner Abwandlung mit einer vorhandenen Playmobilfigur und Lego-Zubehör, das ich noch zuhause hatte, also nicht im Lieferumfang enthalten ist (aber queer ohne Essen, Lippenstift, Kaffee oder Tee geht ja eigentlich nicht😅).








Lego: Everyone is awesome

Seit Jahren liebäugele ich mit diesem besonderen Set von Lego und spätestens im Juni, Pridemonth, denke ich, ach hätte ich es nur. Aber über dreißig Euro für bunte Figuren ausgeben, die dann doch nur ein weiteres Stehrümchen sind?
Oder ist es mehr als das? Immerhin kann man die Figuren abnehmen oder anders platzieren, wenn man sich nicht ganz an die Anleitung hält. 
Und ist mein Motto nicht #colouryourlife ? Trotzdem, es ist ein stolzer Preis, andererseits wurde er in all den Jahren nicht angepasst und ist gleich geblieben. 
Also habe ich es mir nun selbst geschenkt - zu Ostern, zum Geburtstag, zur Belohnung für viel Arbeit - und einfach so.
Der Designer sagt:  "Wir alle haben ein
Recht darauf, akzeptiert und geliebt zu
werden und auch kreativ zu sein. Mit diesem Modell möchten wir zeigen, dass uns wirklich alle Menschen am Herzen liegen." 
Es wird noch viel mehr im beiliegenden Anleitungsheft und auf der Website erklärt und gerade in heutigen Zeiten, in denen Menschen sich sogar von Fotos eines echten Regenbogens getriggert fühlen, rechte "Stolzmonat"-Sticker über Anti-AfD-Sticker kleben und meinen, Familie bestünde nur aus Vater, Mutter, Kind oder das Empfinden, im falschen Körper geboren zu sein, verneinen, sind wir es doch, die die Welt bunter machen und die laut und sichtbar bleiben müssen. Ich komme noch aus einer Zeit, da war ein Coming-out eine große Sache, bestimmte Promis ExotInnen und ein CSD in einer kleineren Stadt eine Seltenheit. Die Ehe für alle haben wir uns erkämpft. All die jungen Leute, die heute noch hören "es ist nur eine Phase", sollten von uns Älteren gestärkt werden. Und darum ist so ein Legoset wichtig. 
"Es wird wohl aus dem Programm genommen", sagt die Mitarbeitende im Geschäft, mich wundert es nicht, steht es doch tatsächlich hinter einem Regal auf der Rückseite - wie soll man es da finden? Lego vertreibt das Set exklusiv nur in seinen Shops und online. 
Ich hoffe sehr, dass etwas Ähnliches nachkommt und dass große Firmen nicht müde werden, uns zu supporten. 
Manche sagen, sie machen das eh nur fürs Image, extra regenbogenfarbene Artikel im Juni sind überteuert und nur Geldmacherei. 
Du musst sie ja nicht kaufen, kannst aber das ganze Jahr über andere Artikel dieser Firmen benutzen. Bei Penny zum Beispiel klebt schon lange ein Regenbogenaufkleber an jeder Filiale. Wer die Charta der Vielfalt unterschreibt, steht auch hinter seinen Mitarbeitenden. 
Ich liebe dieses Set jedenfalls total und habe beim Aufbauen gemerkt, dass es keinesfalls ein Stehrümchen wird, schon jetzt habe ich die Figuren schon xmal anders arrangiert. Vermutlich deshalb liegt auch so ein Lego Separator bei, denn die kleinen Platten ohne diesen abzubekommen, ist echt schwer und die Figuren stehen auf einer kleinen Zweierplatte.
Eine kleine Kritik, was aber bei Playmobil auch oft so ist: es ist alles erst einmal durcheinander in den Tütchen (die Lego übrigens laut Flyer bald recycelt und plastikfrei anbieten möchte). Ich weiß nicht, ob das bei den meisten Menschen zu einem besonderen Spieleerlebnis beiträgt, mich nervt es total. Ich habe also erst einmal alles farblich sortiert (keine Ahnung, wie das bei größeren Sets gehen soll) und dann erst hatte ich Freude 😅
Ich habe eine gute Stunde gebraucht, aber es ist einfach und die Anleitung sehr ausführlich.
Die Bilder zeigen, was ich meine 
🖤🤎❤️🧡💛💚💙💜🩵🤍🩷
Everyone is awesome (außer Intolerante)
Es gibt gleich noch einen Post dazu mit anderen Bildern 
// unbezahlte Werbung 






12.4.26

Spargel? Spitzkohl!

Gestern gab es endlich wieder Spitzkohl. Während alle anderen jetzt schon Spargel (mag ich auch) kaufen, durch den warmen März gibt's den hier schon eine Weile, hielt ich die ganzen Wochen vergeblich Ausschau nach Spitzkohl. Ein einziges Mal fand ich einen, aber der war so mickrig, wie der Preis hoch. Eine Enttäuschung 😅 
Gestern dann konnte ich sogar zwischen bio und herkömmlich wählen. Beide waren zwar auch teurer als im Winter, aber was macht man nicht alles für die Sucht. Und das ist ja eine gesunde Sucht.
Ich habe das Gefühl, dass dies der erste Winter ohne Erkältung oder Grippe gefühlt in meinem ganzen Leben gewesen ist, liegt daran, dass ich möglicherweise monatelang aus Senfölen bestand 🤭 die fülle ich nun wieder auf, zu jeder Mahlzeit, weil ich's so liebe. 



10.4.26

Freitag

Schon wieder Freitag.. Ich weiß gar nicht, wo die Woche hin ist, die letzten Monate. Und der April ist auch schon bald halb vorbei. 
Omi sagt, wenn Du älter wirst, rast die Zeit noch mehr. Ich sage, aber ich bin doch schon alt, wenn ich neunzig bin, ist dann ein Jahr ein Tag?
Umso wichtiger, die Lebenszeit zu genießen. Früher war Freitag nur einer von vier superstressigen Tagen, an denen ich 12-14 Stunden arbeitete. An den anderen Tagen 8-10. Dennoch empfinde ich es nicht so, als wäre damals die Zeit schnell vergangen. Vielleicht liebe ich mein jetziges Leben einfach so sehr, dass keine Minute lang genug sein kann (außer die, in der die Waschmaschine lügt, dass sie bald fertig sei). Ich freue mich jedenfalls auf den heutigen Tag, die KollegInnen und die Dinge, die ich erleben werde. Und genauso freue ich mich aufs Wochenende. Und dann wieder auf Montag, ich kann es immer kaum erwarten, dass eine neue Woche startet.
Life is good.
Nutzen wir es🩷


9.4.26

Teekesselchen

Thi gil sal soll ein teutonischer Begriff sein, schöner finde ich die Behauptung, ein Teekessel sei früher auch ein Dummkopf gewesen - neben dem Kessel, der Wasser kocht.
Ich habe Dir gestern von meinem vollen Speicher erzählt, nicht unserem Dachboden, sondern den virtuellen mit den Mails echter Menschen. Als ich dann am Abend Hüpfekästchen gesehen habe und gleich den Impuls hatte, herumzuspringen, überlegte ich, ob die Leute heutzutage überhaupt noch wissen, was ein Teekesselchen ist.
Vor über 25 Jahren wurde ich von einem Kind beim Vorlesen gefragt, was ein Plattenspieler sei - die gibt's heute ja wieder.
Aber all die jungen Erwachsenen, mit denen ich zu tun habe, gucken verstört, wenn wir Älteren übers Millennium reden, über die Angst an Silvester damals, Computer könnten ausfallen, wenn wir von Dirk Bach erzählen oder von Formel Eins mit Stef und ihren Kollegen. Die haben das alles nicht mitbekommen und sie sind einfach erwachsen. 
Den Mauerfall kennen sie aus dem Geschichtsunterricht.
Keine Ahnung, ob sie Gummitwist kennen, die Kinder auf meinem Heimweg kennen immerhin Himmel und Hölle bzw. Hüpfekästchen. Himmel und Hölle ist auch ein Teekesselchen, das haben wir früher auch mit einem Wollfaden gespielt, ob ihnen das was sagt?
Und Teekesselchen? Das muss ich sie echt mal fragen 🤭




8.4.26

Ihr Speicher ist voll

Eigentlich lautet derzeit die Ansage meines Mailanbieters: "Ihr Speicher wird in Kürze voll sein." Aber ein voller Speicher, den man unter dem Dach hat, ist ja auch ein schönes Bild. 
Zuerst war ich etwas empört, dass man nach über 20 Jahren jetzt plötzlich auf die Idee kommt, Mailkonten kostenpflichtig zu machen oder den Speicherplatz zu begrenzen, aber das ist halt der Lauf der Welt, alles kostet Geld. 
Und inzwischen habe ich das Bild eines staubigen Dachbodens vor Augen. Vielleicht kommt durch ein Dachfenster ein Sonnenstrahl, durch den man die Staubpartikel in der Luft flimmern sieht. 
Es stehen verschieden große Papp- und Holzkisten da, kleinere niedliche Boxen und runde große Hutschachteln.
Und jede steht für eine Zeit oder einen Menschen in meinem Leben. 
Während ich anfange, Mails zu löschen, lese ich ein wenig, denke über vergangene Zeiten nach und über die Menschen, die nicht mehr in meinem Leben sind. Und warum sie es nicht mehr sind. 
Manche habe ich durch meine frühere viele Arbeit verloren, wenn Du kaum Freizeit hast, machen das nicht alle mit. 
Manche haben gemeint, Grenzen überschreiten zu müssen und wurden von mir deshalb entfreundet. 
Manche haben mich verlassen, andere sind verstorben. 
Eines haben sie alle gemeinsam: sie haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.
Manche Menschen begleiten uns eine gewisse Zeit und plötzlich sind die Leben so verschieden, dass man einander nicht mehr sieht. Wir denken wertschätzend an diese gemeinsame Zeit und sind uns dankbar für das, was wir miteinander hatten. Aber wir sind eben keine FreundInnen mehr. 
All diese Mails, brauche ich sie? Möchte ich nicht lieber diesen großen vollen Dachboden ausräumen, ein wenig noch in den Kisten wühlen und dann sagen "Adieu"? 
Genau das tue ich. 
Während ich über viertausend Mails von einer einzigen Person lösche, merke ich: es erleichtert und befreit mich. 
Bei der nächsten Person sind es weniger Nachrichten, aber auch hier sage ich im Stillen "Bye Bye".
Ich habe noch längst nicht den Speicher so leer, wie es mein Anbieter verlangt, aber der Dachboden muss ja auch nicht an einem Tag leergeräumt werden. 
Ich sage DANKE
für das gemeinsame Leben, 
für die Lektion, 
für die lustigen und schönen Zeiten und aber auch danke dafür, dass ich diesen oder jenen Menschen nicht mehr sehen muss, mich schon lange nicht mehr ausnutzen lasse und dass ich keine Stimmungen lesen oder aushalten muss. Ich bin innerhalb dieser Zeit mit diesem Mailpostfach so sehr ich selbst geworden, dass ich mich wundere, nicht wehmütig zu sein. Aber ich habe so viele Erinnerungen im Herzen und in meinem Kopf, was soll ich mit all den Buchstaben. Ich bin glücklich über die Menschen in meinem jetzigen Leben, viele bleiben seit über dreißig Jahren und hoffentlich nochmal so lange. Andere sind vielleicht halb so lange bei mir, aber so nah, dass ich mich immer auf sie verlassen kann. Und das ist es, was zählt.