13.2.26

Warum ich Lesen liebe

 "Du kannst dir doch gar nicht alles merken, wenn du so viel liest", "was machst du mit den ganzen Büchern?", "ich habe keine Zeit zum Lesen", "aber Bücher sind doch out, ich schaue mir lieber die Verfilmungen im Kino an"
Solche Sätze höre ich ständig. 
Auch ich habe eine gewisse Zeit in meinem Leben nicht gelesen. Ein paar Korrekturen vielleicht, ein paar Bücher meiner Freundinnen, die in dieser Zeit erschienen sind, aber grundsätzlich konnte ich nicht lesen. Nicht einmal Artikel in Zeitschriften. Mir fehlte die Zeit, weil ich sieben Tage pro Woche arbeitete und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man sich nicht mehr konzentrieren kann. Darum kaufte ich in meiner Lieblingsbuchhandlung Bücher, von deren Erscheinen ich zufällig etwas mitbekam, legte sie auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und dachte, dass ich irgendwann mal Zeit für sie haben werde. Geglaubt habe ich nicht daran. Aber gehofft und es mir insgeheim sehr gewünscht. Denn Lesen hat mir gefehlt. Ich habe schon als Kind viel gelesen und weiß noch, dass ich im Sommer vor meinem ersten Schultag im Auto auf der Autobahn dachte, bald kann ich all die Schilder ganz lesen. Einige Buchstaben kannte ich schon. Und was für eine Welt eröffnete sich mir, als wir in der Grundschule Dank unserer Klassenlehrerin Bücher von Astrid Lindgren ausleihen konnten. Dann gab es noch die Büchereien in unseren Wohnorten und den Bücherbus. 

Meine Tante lieh mir Stephen King Bücher aus und ich verschlang sie genau so wie früher Dolly und Hanni und Nanni. 

Später teilte ich mir Bücher mit Stef, wobei sie meine manchmal als "Schund" bezeichnete, weil es sich oft um Biographien von Sterbenden handelte oder Geschichten, die sich einfach leicht lasen. Als wir dann in derselben Stadt wohnten, stellte sie mir ihr komplettes Bücherregal zur Verfügung und kaufte mir Bücher, von denen sie sicher war, dass ich sie selbst im Original besitzen müsse. Sie war es auch, die mir die Tür zu anderen Welten öffnete. "Lies das, das wird ein Hit, das kommt jetzt auch bald mit einem extra Cover für Erwachsene raus", sagte sie beispielsweise, als noch niemand Harry Potter kannte und legte mir ein dickes Buch auf den Tisch. Der Rest ist Geschichte.

Dann bekam ich den oben genannten Job und in den ersten Jahren lief auch alles prima. Ich arbeitete mich ein, hatte ganz normale freie Tage, aber irgendwann waren wir zu wenig Personal für zu viel Arbeit.

Ganz ehrlich - ohne Covid-19 und die Lockdowns wäre ich vermutlich nicht so schnell zu einer Entscheidung gekommen. Manchmal ist es ja ganz gut, wenn einer die Entscheidungen abgenommen werden, auch wenn ich es in der Regel lieber selbst kontrolliere :) Aber was das betrifft, hatte ich wirklich Glück. Als die Pandemie über uns hereinbrach, gingen wir in Kurzarbeit und ich war so viel zuhause, dass die Katzen ganz irritiert waren. Aber wir gewöhnten uns aneinander. Und der SUB wurde mein bester Freund. Die Lieblingsbuchhandlung lieferte mir eine neu erschienene Biographie, danach waren Buchläden aber bald systemrelevant und wieder geöffnet. Doch bis dahin las ich all die Bücher, die sich in den Jahren zuvor angesammelt hatten. Zwei Katzen und ich samt Buch in der Hängematte, was für ein Fest. Die anderen kamen zwischendurch mal dazu oder es wurde geschimpft, weil die Dosenöffnerin zu lange in Geschichten abgetaucht war, anstatt Dosen zu öffnen. Ein Idyll. Da es jobtechnisch durch Covid-19 nicht weiterging, suchte ich mir eine neue Arbeit und weil Shirin damals schon krank war, griff ich bei einer Teilzeitstelle zu. Ganz neues Leben also: In den durchwachten Nächten mit Shirin las ich, wenn ich nicht mehr einschlafen konnte, an den freien Tagen oder auch freien Vormittagen ebenfalls. Und nun habe ich es mir so antrainiert, dass ich überall, wo ich warten muss oder wenn ich im ÖPNV unterwegs bin, ein Buch dabei habe und lese. Allein, wie viel man auf andere Menschen wartet. Oder wie oft der Bus verspätet ist - all das ist wundervolle Lesezeit. Und um auf die anderen Fragen vom Anfang zurückzukommen: Ich habe ein großes Bücherregal mit drei Reihen hintereinander, ja, auch aufgestapelt, ich lese immer wieder gerne mal rein. Ich verleihe die Bücher oder verschenke sie auch. Verfilmungen mag ich, aber meist möchte ich auch die Bücher dazu kennen, zuletzt passiert bei Kirsten Boie und Sommerby, da habe ich allerdings die Bücher gebraucht erworben und noch nicht gelesen, sie verheißen aber Gutes. Und die Geschichten merken? Viele gehen so ins Herz, dass sie dort Platz haben und verweilen. Man vergisst andere Welten nicht und die Personen, die man über alle Seiten liebgewinnt, die merkt man sich wie FreundInnen, die man mal hatte und entweder nicht mehr kennt oder die vor uns gegangen sind. Es gibt aber auch solche Notizbücher, in denen man sich Inhalte, Personen und das Gefühl beim Lesen notieren kann. Oder mein Blick schweift übers Bücherregal (Ich finde Räume mit Bücherregalen ungemein beruhigend) und nicke lächelnd "achja, das war ja diese schöne Geschichte".




12.2.26

Geschmack ist Luxus

Als ich Krebs hatte, veränderte sich durch die Chemotherapie mein Geschmack. Tomaten schmeckten nach Bananen zum Beispiel. Einige Monate später war alles wieder normal. Und auch, wenn das alles nun schon über siebzehn Jahre her ist, sind die Erinnerungen ganz nah. 
Vor allem nach einer Woche wie dieser. Wegen einer Zahnentzündung habe ich letzte Woche ein Antibiotikum bekommen und weil es sich nicht mit Milch verträgt und man zwei Stunden später erst Milchprodukte zu sich nehmen sollte, habe ich gleich ganz auf meinen Morgenkaffee verzichtet. Es passte einfach zeitlich nicht und später kann ich ihn nicht trinken, weil ich dann nicht schlafen kann, kein Scherz.
Heute also mein erster Kaffee nach einer Woche. Was für ein Geschmackserlebnis! Vermutlich lag es nicht nur an der Woche Verzicht, sondern auch daran, dass der Kaffee besonders gut war, aber es hat mir wieder einmal gezeigt, dass Dinge einfach nicht selbstverständlich sind. Das, was wir haben, was wir erleben und mit allen Sinnen erfassen dürfen, ist doch pures Glück!
Das Foto zeigt den Kaffee und den Keramik-Shirin, den ich heute im Keramikstudio abgeholt habe. Er guckt genau so dünn wie sein Original.


Der Frühling ist nah

Trotz Regen strecken die ersten Blümchen ihre Köpfe hervor. Es wird schön 😍








11.2.26

Buchtipp: Das Buch der Wünsche

Ich kann vorab sagen, Stand heute hat Meg Shaffer leider nur ein einziges Buch auf Deutsch veröffentlicht, aber ich bin kurz davor, ihr im Juli erscheinendes auf Englisch vorzubestellen, so sehr mag ich mein aktuelles Busbuch.
Die Geschichte von Lucy ist so lebendig und wundervoll erzählt, dass sie mich schon ab der Seite der Widmung mit einer Wärme erfüllt, die ich kaum beschreiben kann. 
Es hilft natürlich, Charlie und die Schokoladenfabrik und andere Kinderbuchklassiker zu kennen, aber auch so ist dieses Buch ein Erlebnis. Dabei ist die Situation eigentlich eher traurig: ähnlich wie im kürzlich vorgestellten Buch über die vergessenen Kinder (Die Stadt der kleinen Wunder) erinnert sich die erwachsene Lucy sehr genau, wie schlecht es ihr in ihrer Familie ging - und möchte gerne einen Jungen adoptieren, der ebenso gerne Geschichten liest wie sie. Das Jugendamt hat hier aber Auflagen, Liebe allein genügt nicht. Und so zieht Lucy in ein Abenteuer rund um einen Schriftsteller und einen Haufen Lieblingsbücher und einen Zeichner sowie ein neues Buch, das es zu gewinnen gilt.
Es ist aufregend und gleichzeitig will man in diesem Buch leben, weil es so behaglich ist ❤️ 



10.2.26

Lütter Mail Club

Oh, ich habe da wieder etwas entdeckt! Du weißt ja, ich kann Überraschungen nicht leiden, aber wenn ich mich selbst überrasche mit so besonderen Dingen wie Pakete, von denen ich nicht weiß, was darin ist, dann liebe ich Überraschungen. Und bei Driedline geht das
Sie wurde mir bei Threads angezeigt und nur wenige Sekunden später hatte ich meine erste Bestellung aufgegeben. Ich wusste, ich brauche das, einfach eine Auszeit für mich. 
Noch nie zuvor hatte ich etwas so schnell und so intuitiv bestellt und ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst einmal hat sie superschnell versendet. Die Post braucht ein paar Tage, aber das stand auch so bei den Versandbedingungen. Dann kam dieses kleine Päckchen an und steckte an unserer Tür, wie ein freundlicher kleiner Gruß. Liebevoll verpackt und mit einem extra Brief, Stickern, einem Lesezeichen und einem DIY, bei dem ich, hätte ich das alles selbst ausschneiden müssen, schon kapituliert hätte. Irgendwie hat mein sonst recht schlauer Kopf das DIY-Tütchen aber nicht begriffen, weshalb ich Dir nun auch sagen kann: der Support ist der Knaller. Wie schnell kann jemand auf eine Mail antworten und dann auch noch so lieb?! Ich hätte einfach mal die Instaposts durchschauen müssen, dann hätte ich gewusst, was zu tun ist. Aber sie hat mir noch eine zusätzliche Mail mit einer lieben Anleitung gesendet (Die fand ich später im Spamordner) und in der ersten Mail extra Bilder angehängt und voll lieb geschrieben. 
Diese Post werde ich mir wohl wieder gönnen, da Suchtgefahr besteht und ich auch gerne kreative Menschen unterstütze. 
Ich zeige hier erstmal, für den Fall, dass sich jemand noch überraschen lassen möchte, nur Ausschnitte. Bis Mitte des Monats kannst Du noch dieses Päckchen bestellen, danach gibt's etwas Neues. // unbezahlte Werbung, selbstgekauft






9.2.26

Buchtipp: Als der Himmel fiel

Ich lese selten innerhalb weniger Tage ein Buch durch und ich habe noch nie so oft zurück geblättert, einfach, weil ich dachte, ich habe etwas überlesen, aber das Einzige, was diesem Buch fehlt, sind Absätze, damit springt der Text von einer Szene zur nächsten, was es aber auch spannend und überraschend macht, sobald man sich daran gewöhnt hat.
Die Geschichte ist sehr gut geschrieben, endlich auch mal ein Buch ohne Tippfehler, was heutzutage wirklich selten ist. Und: es bleiben keine Fragen offen - das mag ich ja sehr. 
Die Figuren sind unglaublich gut ausgesucht und das, was sie erleben, ist so nah, dass es vom Leben abgeschrieben zu sein scheint. Ich meine damit, es ist perfekter Lesestoff, man fühlt jede Zeile. Komisch, dass mir Julie von Kessel bislang unbekannt war.




// unbezahlte Werbung 

8.2.26

's Fachl in Karlsruhe

Ich habe neulich ja einen gehäkelten Shirin gekauft und schon geschrieben, dass mit ein Grund dafür der kurze Lieferweg gewesen ist. Knuddelkleine hat danach gepostet, dass sie zwei Fächer im Laden 's Fachl in Karlsruhe hat - das musste ich mir ansehen
So ein schönes Geschäft! Viele KünstlerInnen finden sich hier, Postkarten, kleine Buddelschiffe, Schmuck, Taschen, unfassbar tolle Dinge. Und die Sachen von Knuddelkleine - da mussten eine Erdbeere und die blaue Katze einfach mit! 
Jetzt hat Shirinchen einen blauen Kumpel, der auf seine Art Ähnlichkeit mit Habibi Schoko hat und darum machen die Zwei mich glücklich. 
Schaut mal in dem Laden vorbei, ich liebe das Konzept!






Ritterstraße Karlsruhe rechts von Karstadt, bei Sostrene Greene schräg gegenüber // unbezahlte Werbung 

7.2.26

Fünfzehn Cent

Heute Morgen bei meinem Lieblingsdrogeriemarkt: Nach mir an der Kasse zwei Kinder, die - offensichtlich Geschwister - auf dem Weg zur Grundschule buntes Haarspray kaufen möchten. Der kleine Junge gibt der Kassiererin eine Handvoll Kleingeld, während ich meine Sachen einpacke. Mein Bauchgefühl sagt mir, ich solle mal abwarten und es hat recht: “Da fehlen fünfzehn Cent!” sagt die Kassiererin.

Den Kindern steht die sofortige Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. “Siehste Vanessaaaaaa”, sagt der kleine Bruder zur großen Schwester, “es ist doch nicht genug!”
Schnell nehme ich fünfzehn Cent aus meinem Portemonnaie und reiche sie der Kassiererin: 
“Hier sind fünfzehn Cent.”

Sie und die Kinder starren mich mit offenem Mund an. Dann legt sie das Geld in die Kasse, lächelt die Kinder an und gibt dem Mädchen die Spraydose.
Ich packe meinen Geldbeutel ein und folge den Kindern, die bereits hinausgehüpft sind, dort aber auf mich warten.
“Sie sind aber nett.”, sagt Vanessa. 
“Naja, wegen fünfzehn Cent müsst ihr ja nicht traurig sein”, antworte ich und mir fällt gleichzeitig ein, dass ich als Kind froh war wenn mir die Oma von gegenüber Zuckerkekse schenkte oder der Nachbar für die Kirmes eine Runde Schmetterlingsbahn spendierte. Außerdem war ich in meiner Hartz IV Zeit manchmal auch um jeden Cent froh, für den ich dann doch noch Kartoffeln oder gar Brot kaufen konnte.

Okay, man mag sagen, hier geht es nicht ums Überleben. Aber man weiß wie garstig Kinder zu anderen Kindern sein können. Und jetzt ist Karnevalszeit - auch in den Schulen. Und richtig: Die große Schwester strahlt mich an: “Ich möchte am Montag als Pippi Langstrumpf in die Schule gehen und da muss ich doch rote Haare haben!” 
Der kleine Bruder nickt und grinst so ein typisches Kleiner-Bruder-will-auch-Grinsen.

“Naja, dann gibst du deinem Bruder ein bisschen was ab für sein schwarzes Haar, oder?”
“Ja”, nickt sie und will dem Bruder hinterher, der plötzlich zu Schulfreunden rennt.
“Viel Spaß, kleine Pippi Langstrumpf, ich muss weiter”, sage ich und sie läuft nach einem “Danke!” fort.

Und ich bin so glücklich! 


 (Dies ist ein Archivartikel aus dem Jahr 2021, damals trug es sich genau so zu)