Als ich 43 wurde, haben wir Fotos mit dem Getränk gemacht und damit angestoßen, denn eigentlich ist die Antwort immer 42 und das war ja dann schon vorbei. Jetzt bin ich 49. Gehe also stark auf die 50 zu.
Wann ist das eigentlich passiert? Ich stecke vom Gefühl her noch in der 35 fest 🤭😅
Früher dachte ich, mit 49 ist man erwachsen. Nee, ist man nicht. Ich liebe nach wie vor Einhörner, bunte Hosen und Schlafanzugtage. Mir ist dieser Tag früher nicht wichtig bis unangenehm gewesen. Geburtstage anderer liebe ich, zu gerne schenke ich und überrasche meine Menschen. Aber mein Geburtstag? Den feiere ich schon lange nicht mehr. Wir hatten mal eine Party, als ich den Krebs geschafft hatte und die Haare wieder wuchsen. Meine damalige Partnerin hat mit meiner damaligen besten Freundin alle möglichen Leute eingeladen, dazu Adressen von Weihnachtspäckchen abgeschrieben und keiner hat etwas verraten, fast alle waren da. Das war wunderschön, auch wenn ich damals schon Überraschungen nicht leiden konnte und der Tag sehr sehr aufregend gewesen ist. Aber sie hatten sich so viel Mühe gegeben, manche meiner FreundInnen hatten eine weite Anreise, viele kannten sich nicht, aber alle passten zusammen, das war einfach toll.
Danach gab es dann nochmal eine Party in einem Restaurant, da sagte der Inhaber zu mir "Sie müssen aber beliebt sein, solche Feste haben wir selten". Feiern konnten wir schon immer gut. Aber nicht alle Freundschaften haben Bestand und an besagtem Abend haben sich Leute sehr daneben benommen. Menschen, von denen ich dachte, dass sie mir nah sind, gingen mit anderen sehr respektlos um. Und redeten hinter meinem Rücken. Mehr Schein als Sein also? Wohl eher so ähnlich wie nach der Trennung, bei der irgendwann auch die Freundschaft mit der damaligen besten Freundin auseinander ging, weil ich erstmals Grenzen setzte und einfach gegangen bin in einer Streitsituation, die in diesem Moment unlösbar war. Oder die Sache mit einer anderen Freundin, die mir meinen Job neidete und nicht verstand, dass ich 24/7 arbeitete und dann einfach erschöpft war. Oder die Freundin, mit der ich zu einer Veranstaltung ging, weil ich wusste, sie freut sich, mal raus zu kommen, und die dann aber meinte, ich hätte sie nur als Fahrerin gebraucht. Dabei hätte ich mit zehn anderen gehen können, aber ich wollte sie dabei haben.
Hinterher überlegte ich dann, ob diese Feiern, bei denen man ohnehin nicht mit allen sprechen kann, überhaupt einen Sinn haben. Nein, beschloss ich, ich feiere ab jetzt jeden Tag. Mit, aber vor allem auch ohne Menschen.
Das hatte ich nach dem Krebs auch schonmal vor, aber dann kamen Job, Trennung, das Ende von vermeintlichen Freundschaften dazwischen und erst seit einigen Jahren habe ich die Zeit dazu, jeden Tag zu genießen und jeden Tag etwas Besonderes zu tun oder mir etwas Gutes. Und das Wichtigste: meine sichere Bubble. Ich habe inzwischen und teilweise auch noch immer Menschen um mich, die einfach gut sind. Die mir nah sind und denen ich nah bin, die aber derlei Feiern auch nicht brauchen. Die auch verstehen, dass ich am meinem Geburtstag gerne Ausflüge mache -allein- oder mit der Katzenbande zusammen sein möchte. Die mir in den letzten Tagen Geschenke gebracht, geschickt, vor die Tür gestellt haben, weil sie meinen Geburtstag wichtig finden, aber wissen, dass ich nicht überall sein kann und sehr viel Alleinzeit brauche.
Meine Menschen schütteln zwar den Kopf darüber, dass ich ausgerechnet heute eine Wurzelbehandlung habe, aber wenn jeden Tag etwas Besonderes tue, kann ich am Geburtstag auch etwas Gewöhnliches tun - und wenn ich schonmal frei habe und die ganze Zeit schon donnerstags behandelt wurde und das nun im Zeitrahmen ist - why not 😅 ich mag die Leute in der Zahnarztpraxis und als Ausgleich werde ich zum Keramikmalen gehen. Nirgends kann ich besser entspannen und ich habe sowieso zu wenig Zeit dafür, also wie gesagt, wenn ich schonmal frei habe, dann mach ich auch das. Und esse vielleicht eine Pizza auf dem Heimweg, da habe ich nämlich totalen Appetit drauf, aber man darf ja erstmal zwei Stunden nix essen.
Also mit 49 frage ich mich auch, wie viele Geburtstage sind mir wohl noch vergönnt? Seit dem Krebs habe ich immer gesagt, ich freue mich über jeden Geburtstag und jedes Jahr, das ich älter werden darf. Jetzt ist der Krebs Erinnerung, aber mulmig wird's mir, wenn ich daran denke, dass zB Stef nur 56 wurde. Dann hätte ich nur noch sieben Geburtstage, mit heute acht. Und das ist mir eindeutig zu wenig. Jeder Tag, an dem wir leben, sollte ein Stückchen Geburtstag beinhalten. Damit meine ich das Croissant, das gute Buch, die bunte Hose, die ich so gerne trage - alles, was mich glücklich macht. Aber auch die tollen Gespräche mit meinen Menschen, das verständnisvolle Schweigen, das miteinander Lachen - all diese Dinge sind Geburtstagsstückchen, weil sie das Leben sind. Weil sie mein Leben sind. Meine Omi ist eine meiner besten Freundinnen. Sie ist über neunzig und daran möchte ich mich gerne orientieren. Dann hätte ich noch sehr viele Geburtstage. Und vielleicht feiere ich auch mal wieder.
Aber nicht gleich.
Das Bild ist KI-generiert
das nicht, das sind einfach die Geschenke meiner Bubble 💚💛🩷



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