Am 22. Februar 2024 hat Shirin Flügelchen bekommen. Flügelchen, weil seine Seele davongeflattert ist.
Das war ein Donnerstag und der Tag hatte sich, wie Du weißt, wenn Du mir schon einige Zeit folgst, schon länger angekündigt. Er war acht Jahre seines Lebens krank, lebte damit aber ganz gut, wenn er genug zu essen bekam und später seine Medikamente.
In der Nacht hatte er ins Bett gemacht, das kam schonmal vor, er hatte aber auch Schmerzen und rief nach uns, als er plötzlich vom Wohnzimmer nicht mehr ins Schlafzimmer kam. Er fühlte sich kalt an und genoss die Wärme seiner kleinen Wärmflasche und suchte die ganze Zeit unsere Nähe und unserer Wärme. Es heißt immer, Katzen ziehen sich zum Sterben zurück, aber so ist es nicht nur. Wir hatten noch richtig schöne und intensive Stunden miteinander, weil der eine Tierarzt erst um 10 Uhr öffnete und der andere gar nicht da war. Seine Stimme hatte sich verändert, er plapperte trotzdem auf seine ganz eigene Weise, aber ganz dünn und zart und als wir dann zum Tierarzt fuhren, saß er wieder wie ein kleiner König da und beobachtete die Straße. Er liebte Ausflüge. Doch dieser ermüdete ihm sehr und beim Tierarzt angekommen war er schon ganz schwach. "Nur selten machen das die Leute so lange mit", sagte der Arzt und lobte meine Fürsorge. Und nahm mir den letzten Zweifel bei dieser schweren Entscheidung - Shirinchen schlief sofort ein.
Zuhause verabschiedeten wir uns, auch seine Brüder beschnupperten ihn und sagten Adieu. Kleinerhong hatte die engste Verbindung zu ihm und blieb auch am längsten bei ihm. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Vier es zur Kenntnis nahmen und dann weitermachen - sie haben hier immer unglaublich viel zu tun.
Am Nachmittag fuhr ich zur Bestatterin, ich hatte davon schonmal erzählt - und ging danach im Park bei Regen spazieren und kaufte Kuchen. Eine Freundin meint, man braucht bei sowas immer Kuchen und das ist auch meine Erfahrung. Zuhause brauchten mich dann die vier Brüder, empört, dass ich noch kein Chicken gekocht hatte (das war eigentlich immer nur für Shirinchen gedacht, damit er satt wurde, aber sie aßen halt mit und Katzen lieben Routine). Kleinerhong sprang in seine Badewanne und redete mit sich selbst oder Shirins Geist - jedenfalls war er sehr beschäftigt. Und sie umringten uns, sehr eng lagen wir alle zusammen und dachten vermutlich an die gemeinsame Zeit - vielleicht dachten die Vier aber auch, dass sie nun endlich gleich viel Aufmerksamkeit bekommen würden. Inzwischen hat sich das Rudel verändert, wir sind uns tatsächlich noch näher. Caramelli und Hong, die oft mit Shirin gegessen hatten (er brauchte ja mehr und öfter Futter), haben inzwischen wieder Normalgewicht. Und es bleibt die Dankbarkeit, solch ein Wesen gekannt zu haben. Das Wissen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Ich würde es immer wieder tun💛 🩷❤️🩹



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