Posts mit dem Label Krebs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Krebs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

5.10.21

Gib acht auf Dich - Pinktober des Mammographiescreeningprogramms/Die Mammomädels

Als ich an Krebs erkrankte, kam sehr viel Hilfe aus meinem Freundeskreis. Ich hatte mit Anfang 30 Lymphdrüsenkrebs und war ein halbes Jahr in Behandlung. Das war anstregend, und damals postete man noch nichts auf Instagram und hilfreiche Bücher gab es auch kaum, aber aufgrund der lieben Menschen um mich herum war es auch eine sehr glückliche Zeit. Das klingt paradox, aber ich lernte in dieser Zeit, Hilfe anzunehmen und mir gleichzeitig genug Zeit für mich zu nehmen.

Eine Freundin, die älter ist als ich, half mir besonders viel in unseren Gesprächen und E-Mails. Sie hatte Jahre zuvor Brustkrebs gehabt (da kannten wir uns noch nicht) und wusste wie ich mich fühle. Sie sagte immer, dass ich es auch schaffe, weil sie es doch auch geschafft hat. Und mit dem gut heilbaren Lymphdrüsenkrebs, den ich hatte, lag sie damit auch gar nicht so falsch. Ich gelte inzwischen längst als geheilt.

Was ich damals schon vermutete, stellte sich ein Jahr später als wahr heraus: Mit meinem eigenen Krebs konnte ich viel besser umgehen als mit dem von anderen.

Ebendiese Freundin erkrankte erneut an Brustkrebs - an einer anderen aggressiveren Art als zuvor. Was ich mir immer dachte, nämlich, dass es für die Angehörigen schwerer ist, weil sie es selbst nicht unter Kontrolle haben und man selbst als Patientin ja in dieser "Behandlungsmühle" ist, in der man gar nicht so arg über alles was passiert nachdenken kann, weshalb ich es als "leichter" empfand, weil ich ja nur bei allem was der Arzt sagte mitmachen musste, trat ein: Die Freundin erzählte mir von ihrem Brustkrebs und ich war erst einmal hilflos. Dann jedoch, ich erinnere mich sehr gut, sagte ich intuitiv auf einem unserer Spaziergänge zu ihr: "Du bist wirklich etwas Besonderes. Aber so besonders, dass du beim zweiten Brustkrebs, stirbst, bist du nicht!" Wir lachten Tränen und sie gilt nach ihrer langen Behandlung tatsächlich bis heute als geheilt. Für Frauen von 50 bis 69 Jahren wird zur Brustkrebsfrüherkennung das Mammographie-Screening angeboten. Ich selbst habe vor zwei Jahren einen Knoten in meiner Brust ertastet. Da ich in dem Bereich wegen des Lymhdrüsenkrebs bestrahlt wurde und es auch familiäre Vorbelastungen gibt, gehe ich jährlich zur Mammographie. Dieser Knoten war letztendlich gutartig. Aber meiner Freundin und einigen anderen Frauen, die ich kenne, hat die Mammographie das Leben gerettet. Gib acht auf Dich!



Foto: Katy Otto Make-Up: Julika Fiene
 

21.9.21

Get together mit den Mammomädels - Vorstellung der Pinktober-Aktion 2021

Am Wochenende durfte ich nach Berlin reisen und die Mammomädels und viele weitere tolle Frauen treffen. Wir wurden fotografiert (Foto folgt) und hatten ein schönes Beisammensein.

 Es ist wichtig, die Brust abzutasten und am Mammographie-Screening teilzunehmen, um Brustkrebs vorzubeugen. Im Brustkrebsmonat Oktober, dem Pinktober, wird dann auf Facebook und Instagram wieder Einiges gepostet. Ich freu mich drauf!

 Beeindruckt, wie toll wir alle zusammenpassten, fuhr ich beseelt wieder nach Hause. So ein schöner Tag! 











 



20.1.19

Buchtipp: Debbie Johnson

Der deutsche Titel SCHLITTSCHUHGLÜCK UND MANDELDUFT ist dermaßen blöd, dass ich lieber nur auf Autorin Debbie Johnson hinweisen möchte. Der Originaltitel "Coming Home to the Comfort Food Cafe" trifft es viel genauer. Ich muss da eine ganze Menge überlesen haben, aber ich habe keine Schlittschuhe gefunden. Mandelduft lass ich noch durchgehen wegen des tollen Cafes.

Jetzt aber zu den Fakten: Ich habe lange nicht mehr ein so besonderes Buch gelesen. Und ich freue mich total, dass es Teil einer ganzen Reihe ist. Erschienen im Heyne-Verlag.

Kate und Zoe kennen sich seit der Schulzeit. Sie sind Freundinnen, Nachbarinnen und Familie - Zoe kümmert sich mit um Kates Tochter Martha, die durch einen One Night Stand entsteht.
Kate stirbt an Krebs, was zunächst ja nicht gerade mein Lieblingsthema ist. Aber der Umgang mit dem Sterben und die Beschreibung der Hinterbliebenen Zoe und Martha und all die anderen Personen, das ist schon was ganz ins Herz Gehendes. Diese Geschichte ist eine Umarmung für Menschen, die gerade jemand verloren haben. Aber auch durch diesen ganz besonderen Humor von Zoe, die Pubertät von Martha zu beschreiben oder auch die Menschen, die sie begleiten, wird es eine locker fluffige Geschichte mit Tiefgang. Wie ein Cupcake mit Füllung. Wie ein Tag am Meer. Wie - einfach lesen müssen.

Zoes Phase der Trauer, immer wieder nach hinten geschoben durch Marthas Trauer und Rebellion, wird so gut beschrieben, die Leute, denen sie in Budbury begegnen, möchte man selbst gern als Freunde haben und die bunte Wohnung gleich mit besitzen. Häuser, die besondere Namen tragen und Menschen mit ihren ganz eigenen Päckchen, die trifft man hier in diesem Buch.

Ich liebe es!


5.5.16

phenomenelle-Rezension: Mildred Scheel - Erinnerungen an meine Mutter von Cornelia Scheel

Der prägendste Mensch für Tochter Cornelia

Ein Buch über den prägendsten Menschen im Leben zu schreiben ist schon für sich eine große Sache. Die eigene Kindheit nochmal zu durchleben würde mir persönlich schon genügen.
Dass Cornelia Scheel – heute im selben Alter wie ihre Mutter als diese viel zu früh verstarb – eben jene wichtige Zeit im Detail beschreibt, muss schmerzend und heilsam gleichermaßen gewesen sein.
Scheel spricht mit Freunden und Angehörigen, um die eigenen Erinnerungen zu vervollständigen und das macht das Buch zu einer Sammlung von Ansichten und Anekdoten über einen Menschen, der zum einen liebevolle Mutter, zum anderen Politikergattin und Ärztin gewesen ist. Nicht nur das: Mildred Scheel gründet 1974 die Deutsche Krebshilfe und legt damit den Grundstein für Aufklärung, Forschung und Begleitung und hält lange Zeit sogar ihre eigene Erkrankung geheim, um anderen Erkrankten und der Gesellschaft nicht den Glauben an eine Heilung zu nehmen (“Ich darf nicht sterben….denn sonst wirft das die Arbeit der Krebshilfe um Jahre zurück”).
Mich berührt das Geschriebene vielleicht besonders, weil ich auch schon Krebs-Hilfe bekommen habe.

Mildred Scheel war mir immer “irgendwie bekannt”

Mildred Scheel war lange vor meiner eigenen Bonner Zeit in der Stadt wohnhaft. In der alten Bonner Bundesrepublik war die Villa Hammerschmidt der Wohnsitz des Bundespräsidenten. Dennoch war sie mir schon immer “irgendwie bekannt”. Als ich dann selbst an Krebs erkrankte und nur noch Hartz IV bekam, half mir die Krebshilfe mit einer Einmalzahlung aus – die Klinik hatte mich dabei unterstützt.
Als ich wieder gesund war, konnte ich mit dem Erlös aus meinen Buchlesungen das Geld doppelt zurückgeben.
Dass die Krebshilfe, Mildred Scheels “viertes Kind” aber tatsächlich ausschließlich von Spenden am Leben erhalten wird, habe ich nicht gewusst. Darum finde ich es doppelt schön, dass am Ende des Buches der Krebshilfe-Vorsitzende Gerd Nettekoven zu Wort kommt. Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen wird weiter vorne zitiert:
Die Deutsche Krebshilfe ist eine Jahrhundert-Organisation, gegründet von einer Jahrhundert-Frau.
Und dieser Satz beschreibt sie mit wenigen Worten ganz wunderbar. Sind doch die “Blauen Ratgeber” der deutschen Krebshilfe die erste Hilfe, auf die Erkrankte und Angehörige im Internet oder in den Warteräumen der Onkologie stoßen. Meiner Meinung nach übrigens auch das Einzige, was man lesen sollte wenn man die Diagnose Krebs bekommt – alles andere macht einen nur verrückt.

Kinder wichtiger als Besprechungen

Cornelia Scheel berichtet sehr offen von der Nähe zur Mutter, aber auch von Auseinandersetzungen oder dem Leben mit ihr ganz allgemein. Eine Mutter zum Spaß haben, aber auch mit einer gewissen Strenge, die immer für die Kinder da. Und die nach Dienstschluss die Telefonate der Krebshilfe zu sich nach Hause umleiten lässt, damit Hilfesuchende ihre Hilfe bekommen.
Eine Frau, die die Kleidung trägt, die sie mag – egal ob die einzelnen Teile zusammenpassen oder nicht. Während wichtigen Besprechungen nimmt Mildred Scheel die noch wichtigeren Anrufe ihrer Kinder entgegen. Sie reagiert “spontan und ungefiltert nach ihrem Bauchgefühl” und adoptiert nach zwei eigenen Töchtern noch einen kleinen Jungen. Über den Bruder schreibt Cornelia Scheel:
Ich bin jeden Tag dankbar und glücklich, dass dieser wundervolle Mensch Teil meines Lebens ist.
So kommt auch das Gefühl zwischen den Zeilen immer wieder an: Dieses Buch steckt voller Wertschätzung und Liebe.
Ich glaube, dass auch deshalb diese besondere Lebensgeschichte etwas mit einem macht. Eigentlich sind es ja zwei Lebensgeschichten, auch die der Cornelia Scheel, die so eng mit der Mutter verbunden ist und sie so sehr spürt, dass sich dieses Gefühl auf mich als Leserin überträgt.

Mildred Scheel war eine Menschenliebhaberin

Die Hochachtung und der Respekt für all die Unwägbarkeiten des Lebens, denen Mildred Scheel nicht ausgewichen ist, schwingen im ganzen Buch mit. Auch die große Liebe zu Walter Scheel und den Menschen ganz allgemein, fasst die Tochter in Worte. Aber auch das Knallhartsein der Mutter, wenn etwas in ihren Augen nicht korrekt lief. Man möchte diese Frau gekannt haben und ihr Lebenswerk unterstützen, aber auch Cornelia Scheel sagen:
Danke, dass nicht nur Andy Warhol ein buntes Portrait gezeichnet hat, sondern auch Sie!
Und zwar mit Buchstaben auf Papier, in einem gebundenen Buch, mit einer Mischung aus Privatfotos und aus der Presse bekannten Bildern.
Der Humor des Buches lässt mich manches Mal mehr als schmunzelnd zurück. Abergläubisch war die Ärztin Mildred Scheel. Weshalb sie morgens nicht mit dem linken Fuß aufstehen wollte und darum “kurz vor einer Hüftdysplasie” stand. Sie hatte Glücksbringer, die zum Beispiel wie eine alte Kartoffel aussehen. All jene Beschreibungen holen Mildred Scheel zurück in die Gegenwart. Ein Buch gegen das Vergessen? Nein, eine solche Frau kann man nicht vergessen, sie darf nicht vergessen werden. Aber auch Cornelia Scheel nicht, die so wunderbar diese alten Zeiten reflektiert, ihre eigene Person in den Hintergrund rückt und doch präsent ist, weil sie uns das alles erzählt, das Erlebte und das Nichterlebte, die Erinnerungen so vieler Menschen an ihre Mutter Dr. Mildred Scheel.
Danke, an beide Frau Scheels!
Gemeinsam mit Hella von Sinnen veranstaltet Cornelia Scheel Lesungen des Buches. Hella liest und Cornelia beantwortet Fragen. Lesungstermine findet ihr hier: Facebook Cornelia Scheel
Mildred Scheel: Erinnerungen an meine Mutter
Cornelia Scheel (mit Regina Carstensen)
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 3 (29. Oktober 2015)
ISBN-13: 978-3498060879
rowohlt.de/hardcover/cornelia-scheel-mildred-scheel
Wer mehr über Mildred Scheel wissen will, findet auf den Seiten der Deutschen Krebshilfe ein Kurz-Biographie: krebshilfe.de/deutsche-krebshilfe/dr-mildred-scheel-biografie. Meilensteine der Organisation sind hier aufgeführt: krebshilfe.de//40-jahre-deutsche-krebshilfe/meilensteine. Der Mildred-Scheel-Kreis, Förderverein der Deutschen Krebshilfe, braucht nach wie vor Spender_innen: krebshilfe.de/spenden/spenden-mildred-scheel-kreis.

13.9.11

Begegnungen

Ich schreibe hier immer wieder über Begegnungen. Über Menschen, die uns prägen, über solche, die uns wie Leitplanken auf unserem Weg zur Seite stehen und die, die wir Freunde nennen. Es gibt auch welche, die wir nie kennen lernen. Oder noch nicht kennen. Eine meiner Mailfreundinnen ist seit ungefähr acht Jahren in meinem Leben. Damals war sie noch ein Teenager, hatte aber dasselbe Hobby wie ich: Fotografieren. Wir lernten uns wirklich über fotolog.com kennen, wo wir täglich Bilder aus unseren Leben hochluden - lange vor Facebook.
Außerdem haben wir uns immer wieder über dieselben Fernsehsendungen kaputtgelacht und in denselben Kinofilmen geschmachtet.
Als es in ihrem Land ein schweres Erdbeben gab, begann sie gerade zu studieren. Damals brauchte sie meine Hilfe nicht, ihre Familie hatte Glück, ihr Haus blieb heil. Aber ich merkte, wie es sie prägte - ihre Unbeschwertheit verlor sie für lange Zeit.
Und nun hat sie zum Geburtstag nur einen einzigen Wunsch: Dass ihre beste Freundin geheilt wird. Sie hat Krebs. In ihrem Land läuft das mit den Versicherungen nicht so wie bei uns. Darum haben wir Freunde und Bekannte Geld zusammen gelegt. Und ich habe daran gedacht, wie es bei mir war: Ich sagte damals zu einem meiner Ärzte, als ich mit dem Verdacht auf Krebs in eine Klinik sollte, ich würde Krankenhäuser nicht mögen. Er antwortete: "Seien wir froh, dass wir welche haben."
Mich berührt dieses Mädchen sehr. Ihr rennen gerade viele Freunde weg, nur weil sie dieser einen Freundin beisteht. Sie ist inmitten von Prüfungen für die Freundin in der Klinik (das Geld hat gereicht, hurra!) da. Und lächelt und sieht dennoch das Schöne im Leben.
Das ist für mich wahre Größe.

12.2.10

Haarig - Haareschneiden nach zwei Jahren


Man hätte schon längst was abschneiden können – aber irgendetwas hat mich im letzten Jahr davon abgehalten, mal wieder zum Friseur zu gehen. Mal Farbe drauf, kein Thema. Aber abschneiden? Nö.
Vor zwei Jahren hatte ich ziemlich langes Haar, bis auf den Rücken. Dann kam der Krebs und ich hab alles selbst abgeschnitten, Zopf für Zopf nacheinander. Das tat gar nicht weh. Im Gegenteil – ich, und auch die anderen, mochte mich mit meiner neuen praktischen Kurzhaarfrisur. Als dann alles ausfiel, rollte ich mit einer selbstklebenden Fusselrolle drüber – das war sogar lustig. Für mich hatte der Haarausfall als Nebenwirkung der Chemotherapie nur selten etwas Trauriges. Ich wusste, es geht vorbei. Die Kopftücher, die ich stattdessen trug, waren fröhlich bunt und super angenehm im Sommer. Als dann die ersten Härchen kamen, war ich gespannt – erst grauer Flaum, dann rötliches Haar. Auch die Struktur veränderte sich. Es war spannend. Das einzige Mal richtig traaurig war ich, als nach den Bestrahlungen zwei „Löcher“ enstanden, der mühsam gewachsene Flaum fiel wieder aus und das war dann nicht wirklich eine gute Winterfrisur. An meinem Geburtstag, 8 Monate nach Beginn der Krebsbehandlung, ging ich das erste Mal „oben ohne“- keine Mütze, kein Tuch mehr, ein schicker, selbstgewachsener Kurzhaarschnitt. Der Rotstich gefiel mir nicht, aber gut, wenn man sich wieder über Haare aufregen kann, dann ist man wohl wieder im Leben angekommen. Plötzlich bekam ich Löckchen. Freu! Und ich ließ sie sprießen, wie Unkraut, pflegte ich zu scherzen. Mehrere Freunde sagten „Mach sie wieder kürzer!“ - und auch, weil man Haare nunmal ab und zu nachschneiden sollte, ging ich schließlich – nach zwei Jahren Abstinenz - zum Haareschneiden.
Ein großer Tag, wie auch die super sensible und nette Dame im Laden meinte. Ich erklärte mein Anliegen, auch, dass ich Bammel hätte, dass sie die Löckchen abschneidet und dann wieder Spaghettis von meinem Köppsche runterhängen könnten. Sie erwiderte, dass sie Volumen reinschneiden und ich sicher ein bissl „Natur“ behalten würde.

Genau so scheint es zu sein. Ich hab weniger Haar aufm Kopf, aber doch das Gefühl, dass es voller ist. Und es hat wieder gar nicht wehgetan :o)

13.9.09

über das Freuen und Lächeln


Letzten Montag hatte ich wieder Krebsnachsorge. Und wie immer dachte ich vorher, sie finden wieder was. Die Gedankenrädchen drehen sich im Kopf und ich bin nicht besonders gutgelaunt. Meine Mitmenschen bekommen das mehr oder weniger zu spüren, auch wenn sie sagen, dass dem nicht so ist - ich merke, dass ich anders bin. Umso schöner, wenn dann jemand aufmerksam ist und mir nicht nur mein Lieblingsgemüse aus Kakaobohnen und Milch und Zuckerrohr/-rübe (Also Schoki) hinlegt, sondern dies auch noch mit einem Lächeln tut. *freu*
Ach ja - und am Montag ist natürlich ALLES gutgegangen - der Krebs ist weg und bleibt das auch. Ich lächle - wie der Käfer nebenan;o))))

26.5.09

Über das Glück der Erleichterung

Man denkt sich ja so manches Zeug zusammen. Vor allem vor einer Krebsnachuntersuchung. Vor allem, wenn reihenweise Menschen an Krebs sterben in den paar Tagen vor der Nachsorgeuntersuchung. Vor allem, weil es doofe Leute gibt, die einem ins Gesicht sagen, dass man lieber Nonisaft trinken soll als zum Arzt zu gehen, sonst sei man in 5 Jahren tot. Und wenn man mit 32 Jahren Krebs bekäme, habe man ohnehin alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Kam alles vor, alles in den letzten 2 Wochen. Wenn man dann zurück in der Krebsklinik ist, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint - die gleichen Leute, der gleiche Trott - dann ist man sofort zurückkatapultiert in eine der härtesten Zeiten im Leben. Die, in der man Chemotherapie bekam. Die Untersuchungen ziehen sich hin, die Warterei ist dieselbe - und dann kommt er, der Augenblick: Der Doc fragt "wie geht es Ihnen?", man erzählt, man antwortet - und irgendwann fragt man: "Was sagen denn die Befunde?" "Alles gut!" Hurra! "Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen" Doppel-Hurra! Hurra hurra hurra!!!!!
Ich bin erleichtert. So sehr!

PS: Ich werde keinen Nonisaft trinken. Will ja nicht so bekloppt werden;o)

13.4.09

Krebs ein Sommeralptraum/Juni 2008


Krebs ist ein Sommersternzeichen. Krebs klingt auch irgendwie nach Urlaub, wie oft hab ich beim Wattwandern in der Nordsee diese kleinen Dinger betrachtet.
Mein Sommer 2008 versprach sonnig zu werden, ich freute mich darauf, die Spiele der Fussball-EM zu sehen und Olympia, wollte rausgehen, Freunde treffen, lange draußen sitzen und gute Gespräche führen. Der Juni ist mein Lieblingsmonat, weil es so lange hell ist. Den Juli liebe ich, weil er so sonnig ist. und im August werden in meiner Stadt die Dahlien gepflanzt, sie blühen und ziehen viele Touristen an. Und mich, ich fotografiere sie jedes Jahr aufs Neue.
Dieses Jahr hab ich den Sommer auf Balkon, am Fenster, auf der Couch und im Bett verbracht. Es gibt Schlimmeres, Fussball habe ich geguckt und die Olympischen Spiele auch. Nur das Rausgehen hielt sich in Grenzen und die Dahlien warten noch auf mich, aber die blühen ja auch noch ein Weilchen.
"Das Ergebnis ist leider nicht so schön", verzieht die junge Ärztin das Gesicht, "es wird zwar noch einen zweiten Befund geben, aber dieser erste stimmt meistens." Wieso bloß gibt es dann überhaupt zwei? Ich sitze da, in einem kleinen Kabuff in der ambulanten HNO-Abteilung eines Krankenhauses, wo man mir vor drei Wochen sagte, dass die OP unnötig sei, meine Hausärztin aber darauf bestand - und eben weil sie sagten, es sei unnötig, hab ich mir gedacht, gehe ich heute nach dem Termin noch schön gemütlich shoppen. Daraus wird wohl nichts. Es ist Sommer, ich bin 31 Jahre alt und ich habe Krebs.
Heutzutage stirbt man nicht mehr an Krebs, wenn er früh erkannt wird. Es ist Hodgkin, kein Non-Hodgkin, was sehr gut ist. Meine Hausärztin beruhigt mich am Telefon. Trotzdem - wie betäubt fahre ich nach Hause, wollte ich mir doch heute Abend das Fussballspiel der deutschen Mannschaft ansehen. Mache einen Abstecher zu einer Freundin und deren Kneipe, trinke dort erstmal ´nen Schnaps, beruhige mich und schaue dann das Fussballspiel zuhause an. In der Nacht dann kommt die Angst. Ich schaue in meinem Bücherregal nach und finde ein Buch über genau diesen Krebs. Wieso bloß hab ich das mal gekauft? Und wieso bloß hab ich das nie gelesen? Ich lese es jetzt. Die Grillen zirpen, das Fenster ist weit offen, eine sternenklare Nacht. Es riecht nach Sommer. Ich lese die ganze Nacht.
Eine Woche später bin ich eine informierte Patientin, die ihren Onkologen-Doc zum ersten Mal trifft. Er nimmt sich Zeit, erklärt alles, was ich noch nicht weiß, und alle darauffolgenden Untersuchungen müssen sein und es ist okay. Ich bekomme Infusionen, Chemotherapie, darf währenddessen manche Dinge nicht essen, freue mich aber über Salat, ein Steak, richtig gutes Essen in der Woche, in der ich wieder alles zu mir nehmen darf. Ich lerne die kleinen Dinge zu schätzen und glaube, dass dieser Sommer ein ganz besonderer in meinem Leben bleiben wird. Intensiver ist er. Ich habe die guten Gespräche mit Freunden trotzdem, auch wenn sie nicht draußen am Abend im Garten eines Restaurants stattfinden können. Nachdenklich sind wir, manchmal traurig, meistens aber hoffnungsvoll und wir müssen auch viel lachen.
Als dann die Urlaubszeit beginnt, ist es ein komisches Gefühl, zuhause zu bleiben. Die einzigen Fahrten, die ich unternehme, sind Taxifahrten in die Klinik. Aber in meiner Stadt machen viele Menschen aus fremden Ländern Urlaub. Warum nicht auch ich? Hier ist es schließlich auch schön.
Wenige Wochen nach der ersten Chemo habe ich keine Haare mehr – ich nenne es "meine praktische Sommerfrisur", trage Kopftücher, bunt, genau wie meine Klamotten und freue mich, wenn ich zwischen den Chemotherapien raus kann. Ich soll nicht lange in die Sonne. Also sitze ich im Schatten auf dem Balkon meiner Freundin, gönne mir beim Einkaufen ein Eis - hurra, es gibt wieder Nogger!!! - oder trinke draußen vor einem Cafe einen Chai Tea. Wunderbar.
Ja, Sommer ist wunderbar, aber noch viel wunderbarer ist er, wenn man ihn mit allen Sinnen wahrnehmen kann. Wenn man dankbar ist, wieder genug Kraft zu haben, um in den Park zu gehen oder man einfach nur dem dahinplätschernden Wasser eines Flusses zusieht oder wenn einen die Freunde besuchen kommen.
Ansonsten habe ich an den schlechten Tagen die Sommergeräusche – die spielenden Kinder in meiner Straße, die Vögel, die um 5h morgens zu zwitschern anfangen und mich in meinen Tag begleiten, das quietschende Fahrrad der Postbotin, das neben dem Klappern der Briefkastenschlitze bunte Postkarten der Freunde aus dem Urlaub ankündigt oder andere (schöne) Post.
Es ist gut, dass der Krebs im Sommer zu mir kam. Die Tage sind heller und ich freue mich, wenn morgens die Sonne zum Fenster hereinscheint. Wenn ich schlaflose Nächte hatte oder wegen der Medikamente früh aufwache, sitzen kleine Vögel auf dem Dach vor meinem Schlafzimmerfenster und begrüßen mich fröhlich. Es ist bereits hell, die Stadt erwacht langsam und ich erlebe sie zum ersten Mal zu dieser Tageszeit. Der Himmel färbt sich von hellem Rosa zu intensivem Blau, der Tag ist da.
Sommer ist das pralle Leben. Alles ist grün, alles blüht, es gibt jede Menge Obst und Gemüse. Der krasse Kontrast – die graue Klinik mit all den anderen Patienten – und dann meine geliebte Kleinstadt, die Natur, immer wieder das Zirpen der Grillen und das Zwitschern der Vögel, der blaue Himmel vor meinem großen Fenster, an Tagen, an denen ich mich kaum aus dem Bett bewegen kann – die Farben, sie machen glücklich. Es riecht nach Blüten in der Stadt, nach etwas Schwerem, Süßen. Ich nehme alles intensiver wahr. Es ist trotz allem mein Sommer.
Im Herbst werde ich wieder gesund sein. Ganz sicher!

Rassismus in der Provinz - Kopftuch statt Perücke


Durch meine Chemotherapie habe ich alle Haare verloren und mich schon früh gegen eine Perücke und für verschiedene Kopftücher entschieden. Nun mache ich mir durch den Krebs Gedanken zu Rassismus und muss mich wundern.

Endlich kann ich wieder rausgehen, freue ich mich. Der Sommer ist vorbei, mein Krebs so gut wie bekämpft, doch die Haare sind noch weg. Also trage ich nach wie vor meine Kopftücher. Im Sommer schien das kein Problem - es war vermutlich nicht so auffällig, eher eine "Sommerfrisur". In letzter Zeit jedoch ernte ich immer öfter böse Blicke, vor allem von älteren Menschen, manchmal jedoch auch von Jugendlichen. Neulich dachte ich, ich kriege ein paar aufs Maul, aber dann zogen sie doch ab und setzten sich in der S-Bahn woanders hin. Ich lebe in keiner Großstadt, mit Fremdenfeindlichkeit kam ich nie in Berührung, weil ich sommersprossig und früher mit brünettem Haar nicht unbedingt Aufmerksamkeit erregte. Nun jedoch schon. Mir wird manchmal Angst und Bange, wenn es wieder so ein Tag ist, an dem ich wirklich viel unterwegs bin. Manchmal sehe ich freundliche Blicke, meistens von anderen Frauen. Sie scannen mich auch ab, wie die negativen Leute auch, aber sie lächeln danach, manchmal mitfühlend, manchmal einfach nur nett. Dann denke ich "Oh nein, die Arme, kam auch schon mit dem dusseligen Krebs in Berührung". Ich lächle zurück und gut ist. Die anderen lächle ich auch an, doch dann sehe ich meist schnell weg, nicht dass ich dann doch zuviel Aufmerksamkeit errege. Soll ich sagen "isch hol gleisch meine große Brüder" oder "meine Religion ist nicht der Islam sondern der Krebs"? Eine meiner besten Freundinnen ist Türkin und trägt schon lange ein Kopftuch. Wie sie die Blicke aushält ist mir im wahrsten Sinne des Wortes schleierhaft, aber ich bewundere sie nun nur noch mehr. Ich glaube an Vieles, nicht nur an den einen Gott, darum lese ich auch viel und beurteile die Menschen nicht nach ihrem Äußeren. Darum fällt es mir auch so schwer, das immer auszuhalten. Andererseits muss ich ja auch nicht immer Mützen anziehen. Meist sind die Tage nicht so kalt, dann reicht ein Tuch. Wenn ich die Mütze anhabe, guckt keiner.Dann, wieder einer dieser angstbesetzten Tage, ich mache noch eine kleine Besorgung und muss in den Bus, da guckt mich ein glatzköpfiger Typ genau an und ich denke nur "oh nein, nicht schon wieder". Dann die Überraschung: "Tschuldigung dass ich so indiskret bin, aber...Leukämie?" Ich bin platt. "Nein", schüttele ich den Kopf, "Lymphdrüsenkrebs. Aber ich find´s cool dass Sie fragen, Sie sind der erste, der nicht böse guckt." Verstohlen schauen 2 Leute unter sich. Ertappt? Ich weiß es nicht. Der Typ jedenfalls ist echt nett, erzählt, dass man von ihm immer denkt er sei ein Nazi, weil er wegen des sich lichtenden Haupthaars einfach alles abrasiert hat. Und wenn er dann mit seiner afrikanischen Freundin und dem gemeinsamen Kind um die Ecke kommt, wundern sie sich alle. Das mit dem Kopftuch hat ihn jetzt einfach interessiert und dann findet er es eben ehrlicher, nachzufragen. Eine Frage werde ich dann auch noch los, bevor ich aussteigen muss. "Ist Ihnen nicht furchtbar kalt, so am Kopf, ohne Mütze?" (Mir ja!) Er sagt nein. Hat ers gut. Und ich wünsche mir, dass mich mehr Leute fragen statt böse anstarren. Oder gar bedrohlich. Ist doch nur Krebs. Diese Begegnung versöhnt mich mit dem Tag.