Ich bin ja wie Ihr wisst immer mal gern in Museen und am liebsten
sehe ich Fotoausstellungen: Derzeit muss ich nicht mal wegfahren, denn
hier gibt´s im Museum Frieder Burda DIE obermega coole Ausstellung. Viele kennen JR ARTISTs
Werke, Ideen rund um die Welt - er beklebt zB Häuserfassaden oder
Treppen mit Fotografien. In Baden-Baden haben wir einige Wochen gewartet
und gestaunt, was da bei uns passiert - zum Beispiel beklebte er das
Festspielhaus, das ich vom Merkur aus fotografieren konnte. Die anderen
zeige ich Euch so nach und nach :) In der Ausstellung selbst können wir
seine Werke beim Holi in Indien oder in Slums, auf Zügen und auf
umgedrehten Häusern bewundern. Und im Keller des Museums kann man Teil
des insideoutproject
werden. Man setzt sich in JR´s gemusterte Photobox, sieht sich auf
einem Bildschirm und kann schließlich selbst den Auslöser betätigen.
Wenige Minuten später bekommt man es als Plakat und per Email,
kostenlos. Ich freue mich, dass mein "Survivor"-Bild geklappt hat - mein
altes Ich auf dem kleinen Foto schaut nach der neuen Jess.
Ich
werde in letzter Zeit immer auf mein Haar angesprochen - Viele kennen
mich nur aus der Vorher-Gefärbt-Zeit oder gar Nach-Krebs-Zeit. Das Haar
jetzt ist fünf Jahre alt und darum so gesund :) Ich hab einfach nochmal
"reset" gedrückt :D
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12.2.10
Haarig - Haareschneiden nach zwei Jahren
Vor zwei Jahren hatte ich ziemlich langes Haar, bis auf den Rücken. Dann kam der Krebs und ich hab alles selbst abgeschnitten, Zopf für Zopf nacheinander. Das tat gar nicht weh. Im Gegenteil – ich, und auch die anderen, mochte mich mit meiner neuen praktischen Kurzhaarfrisur. Als dann alles ausfiel, rollte ich mit einer selbstklebenden Fusselrolle drüber – das war sogar lustig. Für mich hatte der Haarausfall als Nebenwirkung der Chemotherapie nur selten etwas Trauriges. Ich wusste, es geht vorbei. Die Kopftücher, die ich stattdessen trug, waren fröhlich bunt und super angenehm im Sommer. Als dann die ersten Härchen kamen, war ich gespannt – erst grauer Flaum, dann rötliches Haar. Auch die Struktur veränderte sich. Es war spannend. Das einzige Mal richtig traaurig war ich, als nach den Bestrahlungen zwei „Löcher“ enstanden, der mühsam gewachsene Flaum fiel wieder aus und das war dann nicht wirklich eine gute Winterfrisur. An meinem Geburtstag, 8 Monate nach Beginn der Krebsbehandlung, ging ich das erste Mal „oben ohne“- keine Mütze, kein Tuch mehr, ein schicker, selbstgewachsener Kurzhaarschnitt. Der Rotstich gefiel mir nicht, aber gut, wenn man sich wieder über Haare aufregen kann, dann ist man wohl wieder im Leben angekommen. Plötzlich bekam ich Löckchen. Freu! Und ich ließ sie sprießen, wie Unkraut, pflegte ich zu scherzen. Mehrere Freunde sagten „Mach sie wieder kürzer!“ - und auch, weil man Haare nunmal ab und zu nachschneiden sollte, ging ich schließlich – nach zwei Jahren Abstinenz - zum Haareschneiden.
Ein großer Tag, wie auch die super sensible und nette Dame im Laden meinte. Ich erklärte mein Anliegen, auch, dass ich Bammel hätte, dass sie die Löckchen abschneidet und dann wieder Spaghettis von meinem Köppsche runterhängen könnten. Sie erwiderte, dass sie Volumen reinschneiden und ich sicher ein bissl „Natur“ behalten würde.
Genau so scheint es zu sein. Ich hab weniger Haar aufm Kopf, aber doch das Gefühl, dass es voller ist. Und es hat wieder gar nicht wehgetan :o)
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