30.11.19

Buchtipp: Nicole Lindner - Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben

Ich kenne Viele, die darüber lachen würde, wüssten sie, ich habe dieses Buch gelesen. "Feinfühlig! Die?? Niemals!" und ich könnte auch behaupten, es sei nur ein Rezensionsexemplar, aber ich rezensiere generell nur, was mich wirklich interessiert, eben weil ich wegen meines Berufslebens zu nichts komme und mich das oftmals sehr ärgert. Denn nur leben um zu arbeiten will ja niemand.

Es ist ein Arbeitsbuch, würde ich sagen. Wer einen Ratgeber liest, möchte in der Regel auch an sich arbeiten. Darum kann man es pauschal mal so behaupten. Doch neben Fallbeispielen, Zitaten und reflektierenden "Spiegel" sowie die zusammenfassende "Sonnenblume" nimmt einen dieses Buch in den Arm, man fühlt sich angesprochen und wahrgenommen.

Wir lernen, wie Abgrenzung funktioniert und ggf Jobwechsel, aber auch, dass wir mit unseren Empfindungen nicht alleine sind. Okay, jeder hat einen Kollegen, der nervt, aber dieses Buch geht eben über das hinaus.

Viel habe ich angestrichen, aber auch rauskopiert, und natürlich auch einen Test online kostenlos gemacht, der hier beschrieben wurde und ich bin einfach begeistert-es ist ein Buch zum Immermalwiederlesen und sich erinnern, dass man gut ist wie man ist, dass aber Veränderungen nicht schlecht sind und man auch die Wertigkeit von Produkten/Leben/Lebenssituationen wiedererkennt.

Autorin Nicole Lindner zitiert aus Texten so passend, dass es eine Freude ist, zu lesen.

Ich habe selten einen spannenderen und verständnisvolleren Ratgeber gelesen.
Dankeschön.

dielus edition
ISBN 978-3-9820125-5-1
19.99 EUR


5.4.19

Buchtipp: Ilka Bessin: Abgeschminkt - Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede

Ich lese zurzeit wirklich wieder viel. Aber dieses Buch hat mich besonders nachhaltig berührt und beschäftigt. Vielleicht, weil ich viele Parallelen gefunden habe. Andererseits war das klar - ich bekam 2007 selbst Hartz IV und musste über ihre Sprüche Tränen lachen, obwohl Comedy sonst nicht so mein Ding ist - und ich bin schon fast immer dick. Aber es gibt noch mehr Punkte, bei denen ich bejahend nickte oder laut lachte.

Ilka Bessins Art zu schreiben wirkt so nah, so, als ob eine Freundin mir etwas erzählt. Sie scheint nichts auszulassen und ist zudem wahnsinnig selbtskritisch.
Sie berichtet von Höhenflügen und Abstürzen, von Freundschaften, die zerbrechen oder bleiben und von Familie. Von zuwenig und dann zuviel Arbeit, von ihrem ganzen Leben eben.

Einer meiner Lieblingssätze: "Ganz sicher dachten einige: Was ist denn das für ein Scheiß, da steht der dicke Obelix in einem pinkfarbenen Jogginganzug auf der Bühne und kriegt auch noch sechsmal den Deutschen Comedypreis" - ich würde ihn ihr noch hundertmal gönnen, aber umso toller, dass sie sich nach Cindy neuen Aufgaben widmet. Dass sie ihre Stimme gegen Ungerechtigkeiten erhebt und einfach "da" ist anstatt erstmal zehn Jahre Urlaub zu machen. Ihre Kleidung finde ich wunderschön aber sie ist mir (trotz inzwischen Job) zu teuer, aber das macht nichts. ich freue mich jedesmal wenn ich sie in einer Sendung sehe und sie ihre Vielseitigkeit beweist. Wobei sie nichts beweisen muss, sie ist eine Persönlichkeit.

Klar wird sie nicht jeder mögen und manche sich fragen warum sie jetzt auch noch unbedingt ein Buch schreiben musste, aber ich kann Euch sagen, es ist es wert ist, gelesen zu werden. Es macht nachdenklich, es ist humorvoll, es geht ums Leben und das ist es was ich mag.
Ich könnte mir vorstellen, dass Leute, die eher skeptisch auf die pinke Frau reagierten, die abgeschminkte echte Ilka zu schätzen wissen.
Gut finde ich auch, dass sie generell kein Blatt vor den Mund nimmt. Der/die ein oder andere findet sich in ihren Zeilen sicher nicht voller Frohsinn wieder, aber warum  etwas weglassen, das andere (oder hoffentlich sie selbst) vielleicht zum Nachdenken bringt?

So traurig, dass Ilka Bessins Abgeschminkt-Tour nicht in meine Nähe kommt, aber ich lese dann halt immer mal wieder in ihrem Buch!



27.3.19

Buchtipp: Britta Sabbag - BLACKWOOD

Oh Blackwood! "Wie wunderschön ist dieses Buch", dachte ich, als ich es zum ersten Mal in Händen hielt - und da hatte ich noch nicht einmal einen Blick reingeworfen. Für mich zählen generell eigentlich die inneren Werte und ich merkte schnell: Blackwood ist innen und außen schön.
Der Buchumschlag ist fühlbar erhaben und auf den inneren Seiten ist Blackwood, der Ort, gezeichnet - zuerst als Zeichnung und dann mit Worten.

Autorin Britta Sabbag ist vielseitig - sie schreibt für die ganz Kleinen von Waschbären und Hummeln und für die etwas Größeren über Fritzi Klitschmüller. Die ganz Großen lesen über Pinguinwetter und Pandablues, aber auch Stolperherz für Jugendliche gefiel mir gut.

Zum Verschenken in allen Altersgruppen eignen sich also ihre Bücher mega. Zum Selberlesen auch.

Nun also Blackwood. Natürlich war ich gespannt.
Der Untertitel "Briefe an mich" und die Idee, Briefe von meinem zukünftigen Ich zu bekommen, mochte ich. Ich habe mit 16 einen Brief an mein erwachsenes Ich geschrieben. Warum also nicht umgekehrt?

"Lasst eure Träume der Kompass eures Lebens sein", begrüßt mich Britta Sabbag schon auf den ersten Seiten. Und hält mich fest, denn die Figuren, die sie zeichnet, sind jede für sich ein kleines oder auch größeres Wunder: Ge, Gesine, die in Blackwood nach dem Tod ihrer Mutter bei der Tante leben soll, Arian, der mit einem Chauffeur durch die Gegend fährt, die warmherzige Mimi, die so gut backen kann, dass einem beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft und all die anderen, sie sind einfach GUT.
Es gibt auch Schattenseiten und Ge lebt sich zunächst nicht wirklich ein. Aber auch die Personen, die ihr das Leben schwermachen oder wenig darüber nachdenken, was sie bei anderen anrichten können, sind so gut beschrieben und zu Leben erweckt, dass man das Buch eigentlich nicht mehr weglegen möchte.

Schöne weise Stellen wie "Niemand weiß, wo eine Geschichte beginnt oder wo sie aufhört. Vielleicht gibt es auch nie ein Ende, und wir schreiben sie jeden Tag neu.." oder "Manchmal muss ein altes Gefühl verschwinden, damit ein neues seinen Platz findet, weißt du" lassen mich zustimmend nicken und lächeln. Auch die Briefe der großen Ge an die kleine Ge sind voll von solchen wärmenden Gedanken. Dass Ge auf ihren Bauch hören soll und erfährt: "ein Ort wird ein Zuhause, wenn man seinen eigenen Weg geht", können gleichzeitig Ratschläge auch für die jungen Leser sein.

Gegen Ende muss Ge überlegen, ob es ein Schicksal gibt oder ob sie es selbst in die Hand nehmen kann. Sie lernt sich zu behaupten und an sich zu glauben. Es ist kein leichter Weg, den Britta Sabbag ihrer Ge aufbürdet, aber eine solche besondere Geschichte aufzuschreiben ist reine Kunst.
Dieses Buch ist absolut empfehlenswert, auch für Erwachsene.