Der Titel ist nicht Programm :D Denn dann wäre die Geschichte ja schnell erzählt. Es ist so schade, denn das Buch ist mehr als nur eine leichte Urlaubslektüre:
Frieke ist Journalistin und soll einen Ornithologen auf Spiekeroog interviewen, ihr letzter Auftrag, bevor sie mit ihrem Freund in die USA auswandert. Da es keine Zufälle gibt, lebt dort derzeit ihr kranker Vater, zu dem sie 30 Jahre keinen Kontakt hatte.
Ihre Unterkunft für diese Zeit befindet sich über einem kleinen Buchladen, der von einem Ehepaar - Ebba und Willem - geführt wird. Die Beiden möchten aber ihre baldige Rente genießen und denken, dass Frieke genau die Richtige für ihren Laden ist. Und der Ornithologe ist ein gutaussehender Mann. Genügend Gründe eigentlich, nicht in die USA zu gehen. Doch nachdem Frieke den Mann interviewt und fotografiert hat (hier finde ich besonders schön, wie übers Fotografieren gesprochen wird und Frieke Willems analoge Kamera benutzen darf, mehr kann ich aber nicht verraten :) nur soviel: Ich habe wieder richtig Lust bekommen meine digitale Canon Eos mal beiseite zu legen und die alte Canon Spiegelreflex zu benutzen - oder ein noch älteres Modell) folgt sie ihrem vorausgereisten Freund nach Amerika. Sie bauen dort eine Agentur auf und könnten happy sein - Kinder bekommen und bis an ihr Lebensende glücklich sein. Doch es ist ja kein Märchen, das uns Julie Peters hier auftischt sondern eine handfeste Familiengeschichte und es sind noch viele Dinge zu klären.
Frieke reist zusammen mit ihrem Freund noch einmal zurück nach Spiekeroog und trifft die neugewonnenen Freunde wieder. Ob es dann wirklich ihr wunderbarer Buchladen wird und wie die Insel auf sie wirkt, solltet Ihr unbedingt selber lesen, es ist Seite für Seite so ein wahnsinnig schönes Buch! Liebevoll zeichnet Autorin Julie Peters ihre Charaktere und Bilder vom Meer und der Insel, dass man sofort in Urlaub fahren möchte - oder alte Bilder von der Nordsee vor Augen hat.
W U N D E R V O L L!
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10.8.17
Buchtipp: DER BRIEF von CAROLIN HAGEBÖLLING
Ohne
zuviel vorweg nehmen zu wollen: Das Ende ist anders als ich dachte. Und
ich weiß auch noch nicht, ob ich das gut finde. Zumal ich mich von
Büchern immer so schlecht trennen kann. Die Geschichten, die mich zwei
bis drei Tage begleiten sind oftmal so intensiv, dass ein 220seitiges
Buch in drei Teilen nicht wirklich dick genug ist.
Carolin
Hagebölling beschreibt Maries, Christines, Johannas und Victors
Geschichte sehr nah und emotional. Und sie sagt im Klappentext u.a. "Ich
wollte einen Roman schreiben, der....auch existenzielle Fragen
aufwirft: Sind die Dinge so, wie sie scheinen? Wo stellen wir die
entscheidenden Weichen im Leben?"
Es
ist ein besonderes Buch. Fesselnd von der ersten Seite an,
unerträglich, wenn man es weglegen muss weil man ja vielleicht noch ein
bisschen Alltag hat. Ich hätte mich lieber einen ganzen Tag von der
Außenwelt abgeschottet, um es weiterzulesen.
Marie
bekommt Briefe von Christine, die wiederum Briefe von Marie erhält.
Doch keine der beiden will diese Briefe geschrieben haben. Plötzlich
haben beide eine Idee von jeweils anderen aber eigenen Leben. Sie müssen
sich fragen: Ist es das Leben, das ich leben will oder passt mir ein
anderes besser? Gleichzeitig kommen Anrufe ins Spiel. Marie begibt sich
auf die Suche, doch die mysteriösen Begebenheiten hören nicht auf. Und
was hat ein Aneurysma mit alldem zu tun?
"Ich
habe das Gefühl, dass das eine untrennbar mit dem anderen
zusammenhängt. Wenn ich das eine verstanden habe, wird es auch für das
andere eine Lösung geben"
Derart weise, hoffnungsvolle Sätze findet Carolin Hagebölling auf dennoch leichte Art und Weise. - "Das
ist alles sehr sonderbar, geradezu unerklärlich. Aber wenn es nur eine
Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder dazu malen. Das hat
Picasso gesagt. Wie uninspirierend wäre das Leben, hätte es keine
Geheimnisse mehr." Das hatte Laurent gesagt. -
Was
ist die Wahrheit? Und hat nicht sowieso jeder seine eigene? So wie hier
mit Subjektivuität gespielt wird, so regt diese Geschichte zum Denken
an - möchte ich mein Leben so leben? Wäre ich in einem anderen Leben
nicht ebenso vertraut mit der Person, die ich bin?
Also: Riesentipp: Lest dieses Buch!
Carolin
Hagebölling hat auch eine inspirierende Website - ja, Schokolade
schmeckt besser als Vanille. Und ich bin froh, dass sie dieses Leben als
Autorin gewählt hat. https://www.carolinhageboelling.de/
14,90 EUR
ISBN 978-3-423-26146-3
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