Im
Sommer 1995 war ich tagsüber Praktikantin beim SWF3 Club und durfte in meiner
Freizeit an der 2011 telefonische HörerInnenwünsche entgegennehmen, die 24/7
gesendet wurden. Ja, bei uns wurde damals schon gegendert.
Als mir kürzlich Unterlagen mit „ModeratorInnen“ in die Hände fielen, erinnerte
ich mich an eine besondere Begegnung.
Auf dem Weg vom damaligen Club zu den Studios, vor denen der 2011-Telefontisch
stand, traf ich am Kopierer Karl Ewald, der mich freundlich grüßte und fragte,
ob ich eigentlich schon vom Internet gehört habe.
1995 lief ich mit Büchern in der Tasche, Stift und Notizblock umher, Internet,
das war so unvorstellbar, wie zum Mond zu gelangen. Man schlug Dinge in Lexika
nach oder bestellte vor Reisen Broschüren bei den jeweiligen Touristinfos.
Heute laufe ich immer noch mit Büchern in der Tasche herum und liebe
Notizbücher aller Art, aber ohne Internet fühle auch ich mich manchmal
aufgeschmissen.
In den ersten Jahren des späteren SWR3 Clubs hatten wir einen einzigen Rechner
mit Internetzugang in der Abteilung, an dem wir immer eine halbe Stunde pro
Woche recherchieren und üben durften – die Kollegin, die an diesem PC saß,
musste in dieser Zeit mit uns die Plätze tauschen. Undenkbar in heutigen Zeiten
😊
Aber zurück zu diesem Tag in der Summertime ´95, so hieß die damalige
Musikwunschaktion. Ich hatte noch ein wenig Zeit und plauderte also mit Karl,
der fragte, ob ich auch eine Kopie haben möchte. Ich nickte, während die vielen
Seiten im Ausgabefach des Kopierers landeten. Karl zeigte mir anhand eines
bereits fertigen Papierstapels, was er mit zwei Kollegen plante. SWF3.online
war bereits einige Monate jung, aber so richtig perfekt an den Start gehen
wollte man Anfang 1996, erinnere ich mich dunkel. Ich sah gepunktete Fotos von
Mitarbeitenden, Termine, die ich aus der Clubzeitung kannte,
Sendungsinformationen und Frequenzen. Im Original waren die Seiten blaugrau,
auf den Kopien konnte ich erkennen, dass hier an alles gedacht wurde – die
Hörerschaft, heute wohl eher Community, würde noch mehr Einblicke bekommen als
bei Studioführungen, SWF3 Clubtreffen oder in den Magazinen und Zeitungen (ON
und ONFO erschienen mehrfach jährlich) oder Broschüren des SWF möglich war. Und
vor allem, erklärte Karl, könne man viel besser reagieren, im Internet gehe
alles blitzschnell. Damalige DFÜ-Verbindungen waren schneller als die
Fernschreiber in einem kleinen viel zu warmen Raum, über die Nachrichten und
Informationen aus aller Welt eingingen.
Mit dem Internet sollte sich viel verändern. Und der leider viel zu früh
verstorbene Karl wird für mich immer einer der Pioniere sein.
4.6.26
Als Karl Ewald mir das Internet kopierte
Das Bild ist KI-generiert (daran hätte er Spaß gehabt)
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