26.1.26

Opikatze

Mit einer alten Katze zu leben ist das Schönste, aber auch das Spannendste, Traurigste, Lustigste, Überraschendste.
Caramelli ist vielleicht das, was ich in meinem Leben am Besten hingekriegt habe. Er kam als völlig verängstigte zweijährige Tierheimkatze und lebte erstmal im Bücherregal. Er fauchte mich an, wenn ich mich ihm näherte, und fand Menschen grundsätzlich doof. Er war mit seinem Kumpel Schoko hergekommen, der sich sofort in unser Bett legte und so tat, als wohne er schon viele Jahre bei uns. In der Nacht zeigte er Caramelli alles und leise unterhielten sie sich mit Tönen wie "Ruhruh" und aßen gemeinsam. Sie zankten und spielten auch miteinander, wenn aber ein Mensch in der Nähe war, verschwand Caramelli immer wieder im Bücherregal. Von dort aus beobachtete er uns. 
Es dauerte mehrere weitere Verstecke, viele Leckerli und Monate, bis er am Familienleben teilnehmen wollte und sein erstes leises "Miau" war zaghaft und besonders. 
Inzwischen liebt er es zu klettern, zu kuscheln und hat ein sicheres Leben bei uns. Er hat im letzten Jahr abgenommen, sein Körperbau hat sich verändert und er ist ein alter Kater geworden. Er schreit morgens so lange in der Küche herum, bis sein Hühnchen gekocht ist, es kann aber auch sein, dass er nach dem Essen oder auch einfach mal nachts, wenn es ruhig ist, in einen anderen Raum läuft und brüllt. Wenn man ihn dann ruft, kommt er angerast, als habe er für eine Sekunde die Orientierung verloren, wisse nun aber, wo er hingehört. 
Er liebt Dosenfutter genauso, manchmal ist es aber unter seiner Würde und er verlangt erneut nach seinem Chicken. Wenn man es ihm hinstellt, haut er rein wie Bart Simpson. 
Wenn er Lust auf Vitaminpaste hat, schimpft er in den höchsten Tönen, bis der Mensch es versteht. 
Er schnurrt, wenn er den Bauch gekrault bekommt und liebt sanftes Licht von seiner Lichterkette.
Gerne liegt er unter der Heizung, mag im Sommer aber auch das große Kissen vor dem Balkon (darauf könnte ihm ja der Himmel auf den Kopf fallen, so ohne Dach), auf das die Sonne scheint. 
Der Abschied naht und das ist traurig. Aber die Dankbarkeit, dass aus diesem ängstlichen Klopper so ein anschmiegsames Kätzchen geworden ist, überwiegt. Und jetzt schreit er nach Essen. 😺



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