Warum ich Croissants so mag? Dazu gibt's eine wahre Geschichte:
Ich hatte vor gut achtzehn Jahren Krebs. Damals bekam ich u.a. an Tag 1 und 8 Chemotherapie und dazwischen war immer Pause. Allerdings standen von Tag 1 bis 7 Lebensmittel auf der Liste, die sich mit den Chemomitteln der ersten Runde nicht vertrugen. Ich hab's natürlich trotzdem einmal ausprobiert - Stiche im Brustkorb, in der Lungengegend, waren nur eine fiese Nebenwirkung. Also verzichtete ich fortan in den ersten Tagen immer auf Dinge wie Gebäck, bestimmte Gemüsesorten und Kaffee und kaufte nur eine Gemüsebrühe ohne Hefeextrakt online ein - inzwischen gibt es sehr viele Biomarken, die auf Hefeextrakt verzichten und das ist sowieso gesünder, also behielt ich das bei.
Mein Highlight an Tag 8 war jedoch:
das Croissant.
Neben der Klinik war ein Bäcker und ich holte mir dort, sofern Hartz IV es zuließ (ja, lief damals total gut bei mir..), ein Croissant und der Geschmack war einfach nicht zu toppen. In den Tagen zuvor hatte ich ja schon kein Gebäck gegessen und in den Folgetagen würde es Knäckebrot und Gemüsebrühe mit Schmelzflocken geben - denn dieser kleine Chemobeutel an Tag 8 war superfies - die 24 Std danach waren noch ganz okay, aber dann konnte ich nicht mal mehr die Treppe runtergehen und übel war es mir. Sobald ich einige Tage später wieder Appetit verspürte, zum Beispiel auf Salat mit Tomaten, bemerkte ich, dass die Chemomittel den Geschmackssinn veränderten - Tomaten schmeckten nach Banane und so weiter. Gleichzeitig bekam ich Heißhunger auf Sahne mit Vanillezucker, der Doc sagte, ist okay, Ihr Körper braucht wohl Calcium, oder gebratenen Reis mit Mais vom Asiaten aus dem Einkaufszentrum. Andere Dinge verursachten weiterhin Übelkeit.
Aber das Croissant an Tag 8, das war's. Ich werde diesen Luxus niemals vergessen. Und darum probiere ich, egal, wo ich bin, immer gerne Croissants.
Die Dinger herzustellen ist eine Kunst.
Ich bewundere alle, die das können. Und natürlich gibt es Unterschiede und nicht immer bin ich überzeugt. Aber sich a) das Croissant leisten zu können und b) wieder alle Geschmacksnerven beisammen zu haben, das ist pures Glück 🥐





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen