Außer meinem Wohnzimmer oder meiner Abendkasse gibt es nur noch einen Ort, an dem ich abends zu finden bin: Das Kino moviac
in Baden-Baden. Letztes Wochenende habe ich wieder Urlaub vom Alltag
dort gemacht - auch wenn es nur wenige Stunden sind, ich verreise mit
den Filmen dieses kuschligen kleinen Kinos immer sehr gerne.
Freitag ZUM VERWECHSELN ÄHNLICH
Der Film, den ich eher zufällig in der Liste meines Lieblingskinos fand,
hat mich am meisten beeindruckt. Komödie ist eben nicht gleich Komödie,
wenn das Leben die Geschichten schreibt. Was geschieht, wenn ein
senegalesisches Paar ein weißes Kind adoptiert? Die Kinderärztin, die
Kindermädchen auf dem Spielplatz, die Familie - alle sind erstmal
verwundert, dagegen oder toootal aufgeschlossen. Und das Jugendamt
natürlich dagegen. Denn wenn ein weißes Paar ein Kind aus einem anderen
Kulturkreis aufnimmt, daran hat man sich ja schon gewöhnt.
Die
leisen Töne im Film, wie zB die Freunde des Paares, die kein Aufhebens
machen sondern einfach "da sind" wenn sie gebraucht werden, oder die
Mutterliebe, die keine Blutsverwandtschaft voraussetzt und kleine
Alltagsstreitigkeiten zwischen dem Paar, die aber die starke Liebe und
Aufmerksamkeit zwischen den Beiden nicht zerstören können, sind
bemerkenswert schön dargestellt. Dieser Film erzählt einfach das Leben.
Und das liebe ich.
Samstag DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN
Bella ist zwanghaft, leicht autistisch und sehr sehr klug. Dass das
Leben passiert ohne es groß planen zu können, lernt sie, als Alfie und
Vernon auftauchen. Auch Billy nistet sich in ihrem Leben ein - und sie
beginnt zu leben. Sie soll die Wohnung verlassen wenn sie nicht binnen
eines Monats den dazugehörigen Garten in Ordnung bringt. Bellas liebt
Ordnung, drin ist alles genau sortiert und akribisch gesäubert. Aber der
urwaldgleiche Garten, das Draußen, das ist eigentlich zuviel für sie.
Die einzelnen Rollen dieses Films sind wunderbar besetzt. Die Musik -
ein Traum. Ein leicht perfekter Film, der nicht das gewisse Etwas hat
wie zum Beispiel "Die Fabelhafte Welt der Amelie", aber er ist besonders
und darum schön anzusehen, vor allem eine Gartenszene gegen Ende, in
der bunte Lampions im Wind schaukeln.
Sonntag MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
Französische Filme dieser Art mochte ich schon immer, seit ich sie im moviac schauen
kann, liebe ich sie. Allerdings musste ich mich anfangs erstmal
konzentrieren, zu sehr erinnert die Synchronstimme von Flora an die LIDL
LOHNT SICH oder DAS GIBT ES NUR BEI TCHIBO - Werbungen.
Alex und Flora, Monsieur Pierre und Alex, Alex und Juliette, Sylvie und
Monsieur Pierre, Flora und Monsieur Pierre - im Leben hängt alles
zusammen, auch wenn zwei TGV aneinander vorbeirasen und zwei liebende
Seelen in die jeweils falsche Richtung fahren. Sylvie, Pierres Tochter,
kann die Verschrobenheit und Einsamkeit ihres Vaters nicht mehr mit
ansehen und schickt ihm den eher unglücklichen neuen Freund ihrer
Tochter Juliette, Alex, als Computer-Lehrer. Eigentlich möchte Pierre
das gar nicht, aber dann surft er eines Tages auf eine Datingseite und
lädt das Testbild, das Alex von sich geknipst hat, hoch. Nun beginnt ein
neues Leben - für Alex und für Pierre. Denn Alex soll sich mit Flora
treffen, mit der Pierre E-Mails schreibt.
Wunderschöne Bilder, zum
Beispiel die Sicht von einem Hotelzimmer auf ein kleines Lokal in
Brüssel, die Gesichter von Flora, Alex und Pierre in Großaufnahme,
dieser Kinofilm ist einfach gut durchdacht und an manchen Stellen sehr
sehr lustig. Aber auch nachdenklich stimmt er, wenn man bedenkt, wie
leicht man etwas vorgemacht bekommen kann oder wie oft man sich im Leben
vielleicht selbst belügt.
Posts mit dem Label moviac werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label moviac werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
15.8.17
3.9.16
Unterwegs mit Jacqueline (La Vache) - KINOTIPP
Zu Fuß unterwegs von Algerien nach Frankreich mit einer Kuh. Das ist noch nicht so ungewöhnlich, denn die Fähre nach Marseille passiert Bauer Fatah ganz problemlos. Von dort aber nach Paris weiterzulaufen und auf dem Weg allerhand Dinge zu erleben und Menschen zu treffen, das ist ein "Roadmovie" der besonderen Art :D
Fatah ist eher ein Eigenbrötler, er liebt seine Frau und seine beiden Töchter zwar, aber zunächst scheint es, als liebe er seine Kuh Jacqueline viel mehr. Dadurch wird er in seinem Dorf nicht ganz ernstgenommen, doch als er nach vielen Jahren erfolgloser Bewerbung endlich zur Landwirtschaftsausstellung nach Paris eingeladen wird, sprechen alle über ihn.
Sogar im Französischunterricht lehrt die Lehrerin die Kinder gleichzeitig Geographie, weil sie Fatahs Weg auf einer Karte nachzeichnet.
Spätestens nach dem Karaokeabend lieben wir Zuschauer den kleinen Algerier. Allerdings möchte er aus religiösen Gründen auf Alkohol verzichten und man jubelt ihm mit "Das ist doch nur Willi" einige Gläser unter. Fatah wird von einer Dame geküsst und fotografiert und im Dorf, wo man die Fotos nun zu sehen bekommt, ist die Freude über einen der ihren, der auszog, mit seiner Kuh Paris zu erobern, dann nicht mehr ganz so groß.
Aber es wäre nicht mein Filmtipp, wenn Regisseur Mohamed Hamidi in seinem Film nicht noch mehr Menschen Fatahs Weg kreuzen ließe. Ganz wunderbar übrigens Schauspielerin Julia Piaton, die wir noch aus "Monsieur Claude und seine Töchter" kennen - hier als Reporterin, die sehr wohlmeinend über ihn berichtet und so sein Heimatdorf wieder mit Stolz erfüllt.
90 min Glücklichmacherfilm mit einer der Weisheiten "Schuld war nur der Willi" kann ich nur empfehlen :)
Fatah ist eher ein Eigenbrötler, er liebt seine Frau und seine beiden Töchter zwar, aber zunächst scheint es, als liebe er seine Kuh Jacqueline viel mehr. Dadurch wird er in seinem Dorf nicht ganz ernstgenommen, doch als er nach vielen Jahren erfolgloser Bewerbung endlich zur Landwirtschaftsausstellung nach Paris eingeladen wird, sprechen alle über ihn.
Sogar im Französischunterricht lehrt die Lehrerin die Kinder gleichzeitig Geographie, weil sie Fatahs Weg auf einer Karte nachzeichnet.
Spätestens nach dem Karaokeabend lieben wir Zuschauer den kleinen Algerier. Allerdings möchte er aus religiösen Gründen auf Alkohol verzichten und man jubelt ihm mit "Das ist doch nur Willi" einige Gläser unter. Fatah wird von einer Dame geküsst und fotografiert und im Dorf, wo man die Fotos nun zu sehen bekommt, ist die Freude über einen der ihren, der auszog, mit seiner Kuh Paris zu erobern, dann nicht mehr ganz so groß.
Aber es wäre nicht mein Filmtipp, wenn Regisseur Mohamed Hamidi in seinem Film nicht noch mehr Menschen Fatahs Weg kreuzen ließe. Ganz wunderbar übrigens Schauspielerin Julia Piaton, die wir noch aus "Monsieur Claude und seine Töchter" kennen - hier als Reporterin, die sehr wohlmeinend über ihn berichtet und so sein Heimatdorf wieder mit Stolz erfüllt.
90 min Glücklichmacherfilm mit einer der Weisheiten "Schuld war nur der Willi" kann ich nur empfehlen :)
23.8.16
KINOTIPPS: FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI und KILL BILLY
Ich fange mit dem Film an, der mir besser gefallen hat: FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI
- Die junge Constance findet das einzige bezahlbare Zimmer in Paris bei Henri, dessen Sohn die Wohnungsanzeige aufgegeben hat. Gegen seinen Willen lässt der brummige alte Herr sie bei sich einziehen - mit einigen Auflagen, u.a. das Klavier nicht zu berühren. Und natürlich kommt es wie es kommen muss - sie berührt das Klavier nicht nur sondern spielt einfach göttlich darauf. In der Rolle der Constance brilliert Noemi Schmidt. Sie ist nicht nur wunderschön sondern spielt die junge Frau auch einfach fabelhaft. Es gibt eine Szene, in der ihr die Tränen kommen, daran wirkt alles einfach nur echt. Oder zu Anfang, als Constance ihren Eltern auf dem Markt hilft und vollkommen verpeilt ist - ich nehme ihr alles total ab.
Constance soll Henri dabei helfen, die verhasste Schwiegertochter loszuwerden. Dabei hat sie genügend eigene Probleme - Prüfungsangst, einen unmöglichen Vater, eine unglückliche Verliebtheit. Dass sie dennoch ihren Weg geht - und Henri, dessen Sohn und die Schwiegertochter ebenfalls - zeigt, dass das Schicksal doch nicht "ein Haufen Scheiße" ist, wie Henri zu sagen pflegt sondern dass eine ausgesuchte Familie manchmal doch die bessere ist als die aus der man kommt. Die "Nebenfiguren" sind auch super besetzt - der junge Kollege, dessen Traum eine Weltreise ist genau so wie die Studenten der Hochschule und die Schwester der Schwiegertochter. Perfekt wird der Film durch die großartige Musik. Dann und wann erinnert sie zwar an "Amelie" oder "Zusammen ist man weniger allein" aber ein französischer Film muss so sein und Laurent Aknin hat hier einen Soundtrack geschaffen, der Yann Tiersens Kunst in nichts nachsteht.
KILL BILLY
Norweger Harold lebt seit 40 Jahren mit seiner inzwischen dementen Ehefrau Marny über dem gemeinsamen Möbelgeschäft als nebenan ein IKEA eröffnet und binnen eines halben Jahres niemand mehr seine Qualität kauft. Alle kaufen "Schrott", wie er es nennt, bei IKEA. Und er will sich umbringen. Blöd nur, dass die Sprinkleranlage ihren Dienst tut. Also beschließt Harold, nach Schweden zu fahren und Ingvar Kamprad - IKEA-Gründer und seine Wurzel allen Übels - zu kidnappen. Dabei begegnet ihm nicht nur sein Sohn sondern auch ein junges Mädchen, das ziemlich mit ihrer Mutter und deren verpassten Träumen zu kämpfen hat. Ich sage es selten, aber diesem Film hätte eine halbe Stunde länger gutgetan. Für meine Begriffe endet er ziemlich mittendrin, auch wenn mit Blicken und Gesten alles gesagt zu sein scheint. Letztendlich ist jeder ja selbst für sein Glück verantwortlich und sollte vor seiner Türe kehren. Dennoch hätte mir ein "richtiges Ende" gut gefallen. Besonders toll: Björn Granath in der Rolle des Kamprad - er sieht ihm so dermaßen ähnlich! Der Film hat viel Wortwitz aber auch Traurigkeit und die Sehnsucht nach Leben.
- Die junge Constance findet das einzige bezahlbare Zimmer in Paris bei Henri, dessen Sohn die Wohnungsanzeige aufgegeben hat. Gegen seinen Willen lässt der brummige alte Herr sie bei sich einziehen - mit einigen Auflagen, u.a. das Klavier nicht zu berühren. Und natürlich kommt es wie es kommen muss - sie berührt das Klavier nicht nur sondern spielt einfach göttlich darauf. In der Rolle der Constance brilliert Noemi Schmidt. Sie ist nicht nur wunderschön sondern spielt die junge Frau auch einfach fabelhaft. Es gibt eine Szene, in der ihr die Tränen kommen, daran wirkt alles einfach nur echt. Oder zu Anfang, als Constance ihren Eltern auf dem Markt hilft und vollkommen verpeilt ist - ich nehme ihr alles total ab.
Constance soll Henri dabei helfen, die verhasste Schwiegertochter loszuwerden. Dabei hat sie genügend eigene Probleme - Prüfungsangst, einen unmöglichen Vater, eine unglückliche Verliebtheit. Dass sie dennoch ihren Weg geht - und Henri, dessen Sohn und die Schwiegertochter ebenfalls - zeigt, dass das Schicksal doch nicht "ein Haufen Scheiße" ist, wie Henri zu sagen pflegt sondern dass eine ausgesuchte Familie manchmal doch die bessere ist als die aus der man kommt. Die "Nebenfiguren" sind auch super besetzt - der junge Kollege, dessen Traum eine Weltreise ist genau so wie die Studenten der Hochschule und die Schwester der Schwiegertochter. Perfekt wird der Film durch die großartige Musik. Dann und wann erinnert sie zwar an "Amelie" oder "Zusammen ist man weniger allein" aber ein französischer Film muss so sein und Laurent Aknin hat hier einen Soundtrack geschaffen, der Yann Tiersens Kunst in nichts nachsteht.
KILL BILLY
Norweger Harold lebt seit 40 Jahren mit seiner inzwischen dementen Ehefrau Marny über dem gemeinsamen Möbelgeschäft als nebenan ein IKEA eröffnet und binnen eines halben Jahres niemand mehr seine Qualität kauft. Alle kaufen "Schrott", wie er es nennt, bei IKEA. Und er will sich umbringen. Blöd nur, dass die Sprinkleranlage ihren Dienst tut. Also beschließt Harold, nach Schweden zu fahren und Ingvar Kamprad - IKEA-Gründer und seine Wurzel allen Übels - zu kidnappen. Dabei begegnet ihm nicht nur sein Sohn sondern auch ein junges Mädchen, das ziemlich mit ihrer Mutter und deren verpassten Träumen zu kämpfen hat. Ich sage es selten, aber diesem Film hätte eine halbe Stunde länger gutgetan. Für meine Begriffe endet er ziemlich mittendrin, auch wenn mit Blicken und Gesten alles gesagt zu sein scheint. Letztendlich ist jeder ja selbst für sein Glück verantwortlich und sollte vor seiner Türe kehren. Dennoch hätte mir ein "richtiges Ende" gut gefallen. Besonders toll: Björn Granath in der Rolle des Kamprad - er sieht ihm so dermaßen ähnlich! Der Film hat viel Wortwitz aber auch Traurigkeit und die Sehnsucht nach Leben.
16.3.16
moviac - Das Kino im Kaiserhof Baden-Baden
Wer sein Wohnzimmer liebt und sich Filmhandlungen meist sowieso nicht länger als drei Tage merken kann, muss nicht mehr ins Kino gehen. Dachte ich. Dann eröffneten Zwei dieses kleine kuschlige wunderbare hübsche besondere Kino mit den besonderen tollen großartigsten Filmen (die ich mir merken kann) und als es endlich mal mit meinen Abenddiensten passte, ging ich hin. Ich war sofort begeistert von der Atmosphäre und der Warmherzigkeit, mit der man hier begrüßt wird.
Seitdem gehe ich vorzugsweise ab April bis September, denn von Oktober bis März habe ich selbst so wahnsinnig viel zu tun, dass ich weder abends Zeit habe, einen Film anzusehen noch die Konzentration dafür.
Aber nun habe ich im Urlaub einfach mal zugeschlagen und so, wie sonst Menschen bei mir als Tickettante eine Handvoll Theaterkarten buchen, habe ich mich beim Moviac und den beiden lieben Menschen eingemietet :)
Sogar nach Monaten wissen sie dort noch, wo ich gerne sitze!
Dort gibt es neben den großartigsten Filmen übrigens auch Ben &Jerrys Eis und Snacks und fritz kola und einen Automaten, der für 50 Cent einen Spruch, etwas Schönes und etwas Süßes ausspuckt.
Was will man mehr? Nix :))
Moviac
Sophienstraße 22
76530 Baden-Baden
Seitdem gehe ich vorzugsweise ab April bis September, denn von Oktober bis März habe ich selbst so wahnsinnig viel zu tun, dass ich weder abends Zeit habe, einen Film anzusehen noch die Konzentration dafür.
Aber nun habe ich im Urlaub einfach mal zugeschlagen und so, wie sonst Menschen bei mir als Tickettante eine Handvoll Theaterkarten buchen, habe ich mich beim Moviac und den beiden lieben Menschen eingemietet :)
Sogar nach Monaten wissen sie dort noch, wo ich gerne sitze!
Dort gibt es neben den großartigsten Filmen übrigens auch Ben &Jerrys Eis und Snacks und fritz kola und einen Automaten, der für 50 Cent einen Spruch, etwas Schönes und etwas Süßes ausspuckt.
Was will man mehr? Nix :))
Moviac
Sophienstraße 22
76530 Baden-Baden
Abonnieren
Posts (Atom)




