10.7.26

Habibi Schoko

Heute vor zwölf Jahren hat unser Schoko Flügelchen bekommen. Er war der beste erste Kater, den man sich nur wünschen konnte.
Er tauchte an einer Futterstelle auf, an der auf Mallorca wildlebende Katzen gefüttert und medizinisch versorgt werden. Irgendwann brüllte er eine der Ehrenamtlichen so an und wollte ins Auto,  dass sie ihn zum Tierarzt brachte. Er hat sich damals selbst beschützt- denn es stellte sich heraus, dass er Fieber hatte.  Besitzer wurden gesucht, aber nie gefunden.
So kam er zu einer Pflegestelle und sollte sich erholen. Dort lebte seit kurzer Zeit Einzelgänger Caramelli und gemeinsam mit Schoko vertrieb er die dort lebenden Katzen aus der offenen Finca - sie selbst blieben lieber drin. Da die vorhandenen Katzen aber ihr Zuhause behalten sollten, kamen Schoko und Caramelli ins Tierheim, wo sie sich weiter anfreundeten. Einige Monate später suchte eine verrückte Katzenfrau (ich) Katzen, die gut alleine bleiben können und die keine Freigänger sein sollten. So flogen sie nach Deutschland.
Schoko flirtete mit allen Gesängen, die er beherrschte, am Flughafen, sodass er und Caramelli sehr schnell abgefertigt wurden. Wenige Minuten nach der Landung kamen sie mit den strahlenden Flugpaten zu uns. Und dann begann,  was ich Dir schon erzählt habe - Caramelli lebte hinter Büchern im Regal. Schoko aber spazierte aus der Transportbox, begutachtete den Katzenpalast und war sofort zuhause. 
Er zeigte nachts Caramelli das Katzenklo und sie spielten und balgten, tagsüber war Caramelli auf seinem Beobachtungsposten und Schoko,  ein kleinwüchsiger Kater, der schnell den freundschaftlichen Beinamen Habibi bekam, wurde mein Schatten. Er folgte mir überall hin und war sehr präsent.
Als er zwei Jahre später nicht mehr spielen wollte,  wenn Caramelli ihn aufforderte, dachte ich über Spielgefährten nach. Die begrüßte Habibi Schoko fröhlich und lag schon nach wenigen Stunden mit Hong auf einem Kissen. Sie tranken gleichzeitig aus demselben Napf, als wären sie schon lange Familie. Caramelli tat sich etwas schwerer, die Kitten waren ihm zu wild. Aber er gewöhnte sich und lernte von ihnen Klettern und im Karton sitzen. Schoko und er waren nie geklettert. 
Nun ging es rund! 
Neun Tage, nachdem die neuen Kitten angekommen waren, war Schoko am späten Abend plötzlich apathisch. Er hatte schon öfter Fieberschübe gehabt und Nächte auf meinem Bauch verbracht- und am nächsten Morgen war alles wieder gut. 
Diesmal schlief er, Caramelli neben uns, auf dem Sofa in meinen Armen und nach einem erstaunten Oh! wenige Stunden später zwischen 2 und 3 Uhr für immer ein. 
Caramelli verlangte sofort nach Futter und die Kitten, die sonst immer auf einem liegenden Menschen herumkletterten, kamen aus dem Schlafzimmer, wohin sie sich in den Stunden zuvor zurück gezogen hatten. Sie waren derselben Meinung wie Caramelli und ab diesem Zeitpunkt verbündeten sich die drei Kater und wurden unzertrennlich.
Ich bin sicher, dass Schoko die Zeit,  die Caramelli brauchte, sich an die jüngeren Geschwister zu gewöhnen, abgewartet hat. 
Wir wissen nicht, warum er starb, selbst der Tierarzt war überrascht. Wir waren drei Tage zuvor noch dort gewesen,  weil er ein wenig Bauchweh hatte,  aber es wurde vermutet, dass es mit seinen Fieberschüben zusammenhing. Letztendlich sagte man,  er sei vermutlich älter gewesen als zuletzt geschätzt, aufgrund seiner kleinen Größe und guten Zähne kann so etwas passieren. 
Heute weiß ich: Habibi Schokos Persönlichkeit war so vollkommen, dass in unserem Zuhause die Zwillinge ein Jahr später niemals einen Platz bekommen hätten. 
So, wie sich Shirin entwickelte, war er ihm am ähnlichsten. Aber auch von allen anderen vereinte er etwas in seiner Persönlichkeit.
Er hat mir gezeigt, wie man vom Hundemensch zur Katzenmama wird.  Er hat auch unser Buch mitgeschrieben - "Mein Katzenleben" gäbe es ohne ihn nicht. 
Habibi Schoko war besonders. 
Dass er selbst entschied, wann er Flügelchen bekommt, macht mich heute noch dankbar für dieses Wunderwesen.
Auch wenn es schlimm war,  ein Riesenschock. Heute weiß ich, dass ich mit langem Leiden und einer Entscheidung nicht gut hätte umgehen können. Man lernt das erst,  man entwickelt sich. Bei Shirins Erkrankung war es später selbstverständlich, Entscheidungen zu treffen und auch mal beherzt eine Spritze zu geben. 
Habibi Schoko hat es mir leicht gemacht, Katzenliebe zu entwickeln und leicht gemacht, Abschied zu nehmen, er hat mir aber auch immer alle Entscheidungen abgenommen und deutlich erklärt,  was Katzen brauchen.
Er war lustig, er war bestimmend und fröhlich, aber er war auch ein guter Freund für den ängstlichen Traumakater Caramelli. Er sorgte für die Kitten und liebte es, abends Pettersson und Findus vorgelesen zu bekommen.
Er konnte wie ein Buddha dasitzen und im Stehen einschlafen.
Niemand war je beruhigender als dieser kleine Kerl. 
Mein Herz ist voller Erinnerungen ❤️‍🩹







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