Im Zug sehe ich eine junge Frau, wie sie eine Steckdose für ihr Smartphone sucht und schließlich aufgibt.
Mein Telefon ist aufgeladen, weil ich viel fotografiere und deshalb immer mit Powerbank reise - das Zugticket befindet sich im Handy- und in einer Viertelstunde aussteige. Ich bin auf dem Rückweg und bald zuhause.
"Möchten Sie meine Powerbank die nächsten zehn Minuten, bevor ich aussteige, nutzen? Hier gibt's nur Steckdosen in der 1. Klasse.", frage ich und ernte einen dankbaren Blick von ihr und einen merkwürdigen Blick von einem Herrn gegenüber. "Das wäre total lieb, Danke", strahlt sie und nimmt das Angebot an. Der Herr guckt weiterhin sparsam in unsere Richtung.
Bisher hat er gelesen, jetzt runzelt er die Stirn.
Ich verstehe nicht, warum die Menschen so wenig aufmerksam sind. Warum sie es anderen neiden, wenn jemand einfach nur nett sein möchte.
Als wir uns verabschieden, sie mir meine Powerbank zurück gegeben hat, wünsche ich ihr eine gute Weiterfahrt und dass der Strom reicht, bis sie kontrolliert wird. "Ja, ich denke schon", lächelt sie.
Es kann so einfach sein.
(Anmerkung: auf der Schwarzwaldbahn gibt es in der ersten Klasse Steckdosen, nicht aber in der zweiten - und kein WLAN)



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