13.4.09

Afghanistan ist nur einen Nachttisch weit entfernt

März 2008 : Anschläge, Krieg und ein neues Buch
Ich war naiv. Ja, ich habe immer gedacht, Afghanistan sei weit entfernt und die Anschläge dort und in anderen Ländern sind zwar tragisch, aber eben nicht gerade um die Ecke. Nicht dass es mich nichts anging, aber ich hatte kein Bild. Khaled Hosseinis aktuelles Buch hat das geändert.

Eigentlich sollte man sich schämen. Ein Mensch wie ich, der multikulti super findet und am liebsten ausländisch essen geht, andere Religionen super spannend und Menschen aus anderen Ländern interessant findet, glaubt, ihn gingen die ganzen Pulverfässer "da unten" nichts an. Seit letzter Woche denke ich sehr wohl darüber nach und das, weil ich Leseratte zum Geburtstag das Buch "Tausend Strahlende Sonnen", geschrieben von Khaled Hosseini, bekam. Hier bekommt das Leben der Menschen "dort unten" ein Gesicht. Oder vielmehr zwei Gesichter. Die beiden Frauen, um die es geht, und deren Geschichte mich tatsächlich auch weinen ließ (und das hat bis jetzt nur das Tagebuch der Anne Frank geschafft), sind nur zwei Einzelfälle in einer brüchigen Gesellschaft. Und sie alle wollen dasselbe wie wir, die wir hier mit Frieden gesegnet sind: Ein bisschen Glück. Sobald ich wieder Geld habe, was für einen Hartz IV Empfänger schwierig ist, aber vielleicht klappt es bald in der Tat mit einem Job, werde ich die von Khaled Hosseini empfohlene Organisation unterstützen. Denn das Buch liegt auf meinem Nachttisch. Und viel weiter ist Afghanistan für mich nicht mehr entfernt. Es geht um Menschen, um Leben und um die Ungerechtigkeit, in einer Gegend geboren zu sein, in der es immerzu schwelt. Kriege, zuviele Kriege, gibt es überall auf der Welt. Und ich werde ab sofort genauer hinsehen. Die Anschläge der letzten Tage haben mich erschüttert. Und ich träume von einer Welt, in der alle in Frieden miteinander leben werden. Vielleicht werden wir oder unsere Kinder das nicht mehr erleben. Aber unsere Enkel vielleicht. Und das ist doch erstrebenswert.

Kommentare:

  1. Danke für den Buchtip und die treffenden Worte zu diesem Thema!
    Mir fehlen die Worte für einen so guten Artikel. Ich habe mich intensiv mit dem Thema "Afghanistan-Globalisierungsprozess" beschäftigt, bin auch zu dem Ergebnis gekommen, dass Afghanistan nur einen Nachttisch entfernt ist, aber für die meisten unter uns auch nur das Buch, das auf dem Nachttisch liegt, bleibt.
    Das Engagement des Autors trotz finanzieller Situation ist erstrebenswert: Nächstenliebe.

    von Martin F. - 30.08.2008, 19:27 Uhr

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  2. Hab den Beitrag erst heute gelesen. Und das Buch zur Zeit dieses Beitrags auch. Mich hat es ebenso gerührt. Damals fehlte mir noch etwas Wissen im Islam und ich dachte, dass sind extreme. Heute weiß ich, das hat fast agr nichts mit Islam zutun, was man dort von den Frauen verlangt hatte und wie sie behandelt wurden.
    Aber ihr Schicksal hat mich auch sehr emotional getroffen.
    Ebenso kann ich sein Buch Drachenläufer empfehlen. Da hab ich geflennt...!

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  3. Ich habe heute vom Zug aus ein ganz tolles Islamplakat gesehen, ich schau mal, ob ich es irgendwo im Netz finde und posten kann.

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