15.7.13

Buchtipp: Fußballtöchter von Elke Weigel

Nachdem ich mich gut zwei Jahre nur schwer aufs Lesen konzentrieren konnte und dies nun wieder supi geht, haben meine Rezensionen nun nach literaturtipp.com ein neues Zuhause gefunden, nämlich auf phenomenelle.de
Ich freue mich sehr, dass ich Euch auch hier die Bücher ans Herz legen darf, die ich für phenomenelle lese und phänomenal finde. Den Anfang macht darum Fußballtöchter:
Elke Weigels erster Roman nach Kurzgeschichten und Fachbüchern könnte auch gut eine Drehbuchvorlage sein. Von der ersten Seite an habe ich zwar ohnehin eine Menge Bilder im Kopf, würde die Geschichte aber auch zu gerne verfilmt sehen, so viel Emotion, Musik, trister Alltag und gleichzeitig Spannung prallen hier aufeinander.
1970 ist es Frauen nicht erlaubt, Fußball auf Vereinsplätzen zu spielen. Während die Männer Fußball im Fernsehen anschauen oder anderweitig abgelenkt sind, kicken die Frauen heimlich. In dem schwäbischen Dorf in der Nähe von Stuttgart bleibt dies jedoch nicht lang geheim und die Frauen ernten allerhand Häme und Spott.
Die Geschichte rund um Fußball, Emanzipation und Liebe wird aus der Sicht von Susi geschildert, die noch recht jung ist und unter den Fittichen ihres depressiven und irgendwie hilflosen Vaters aufgewachsen ist. Sie hat stillschweigend die Hausarbeit zu erledigen und ihn und ihren Bruder zu bedienen und lernt langsam aber stetig, dass dies so nicht das richtige Leben sein kann. Unterstützung erfährt sie durch ihre Fußballfreundinnen, die allesamt mehr oder weniger auch ihr Päckchen zu tragen haben.
Doris´ Mann weilt in den USA und so ist sie mit ihren Kindern und einer gichtanfälligen Mutter weitestgehend auf sich allein gestellt, Hannelore wird zwar vom Vater geschätzt und unterstützt, muss sich aber ihr Selbstbewusstsein ebenso erkämpfen wie Susi, die immer wieder verunsichert und schweigsam ist – selbst den Freundinnen gegenüber. Gerda, ein wenig unbedarft, möchte ihr Leben emanzipiert genießen, lässt nichts anbrennen – und fasziniert Susi ungemein. Sie ist kämpferisch, will sich niemandem unterwerfen und verbessert jede, die von “Fußballer” spricht -  es heißt “FußballerIN”.
Sie alle habe ich gleich richtig gern, jede ist eine absolut besondere Persönlichkeit und so wunderbar beschrieben, dass ich ohne weiteres gerne Annegret oder eine von den anderen Frauen in der Mannschaft wäre. Denn eines ist bei allen unterschiedlichen Meinungen oder Entwicklungen klar: Letztendlich stehen sie füreinander ein. Im Leben wie auch im Spiel.
Sie spielen unbeirrt weiter, egal, wie sehr sie von anderen in den Dreck gezogen werden oder ob eine Wiese auf der sie geübt haben von einem Mann mit seinen Baumaschinen zerstört wird. Wenn das Leben ihnen Steine in den Weg legt, kicken sie sie gemeinsam weg. Es gibt einige Männer, die sie unterstützen und so trainieren sie beispielsweise mit Uli, der immer alle wesentlichen Sätze wiederholt und es schafft, dass sie als Mannschaft zusammenspielen.
Dieses Buch ist immer wieder für eine Überraschung gut – und dass die Liebe nicht zu kurz kommt, in diesem Fall nämlich die zwischen Susi und einer der Frauen, lässt Fußball unglaublich romantisch erscheinen. Es ist so lesenswert und die wohlbekannten Songs, die so gut zu den einzelnen Situationen passen, hattte ich die ganze Zeit im Ohr. Es ist ein Buch, bei dem ich eigentlich nur Seite für Seite umblättere aber trotzdem mit allen Sinnen genieße. Leider endet es nach 244 Seiten – aber Sätze wie “dieses Gefühlschaos machte sie weich im Körper und wirr im Kopf” werden bleiben.

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