28.2.26

Buchtipp: Die Reise der verlorenen Worte

Ach, was soll ich sagen. Dieses Buch ist so wundervoll, dass ich es viel zu schnell durchgelesen habe und jetzt vermisse ich es.
Eigentlich war es mein dieswöchiges Busbuch, aber ich musste es zuhause weiterlesen, weil es so so toll ist, und dann war es schon vorbei. Janne arbeitet bei der Post und recherchiert die Adressen von nicht zustellbaren Briefen. Dafür dürfen sie und ihre KollegInnen das Briefgeheimnis brechen und die Briefe lesen. Gleichzeitig erzählt das Buch in Rückblenden die Geschichte von Janne und ihrem Großvater. Eines Tages bekommt sie einen Brief auf den Schreibtisch, der sie an ihre Geschichte erinnert. Und als ihr ein zweiter Brief zu-fällt, ist ihr bald klar, dass Zufälle auch Gelegenheiten sind. Die Reise beginnt..
Es gibt nur wenige Tippfehler und die Art, wie das Buch geschrieben ist, ist so warm, also ich kann es absolut empfehlen 🩷
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27.2.26

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Oh Himmel, diese Frage! Ich bin froh, wenn ich weiß, was ich nächste Woche tun werde 🤭
Früher bekam ich die Frage in so gut wie jedem Vorstellungsgespräch gestellt und wahrheitsgemäß wollte ich natürlich endlich unbefristet in eine Anstellung - geklappt hat das nicht immer. Auch die unbefristeten Arbeitsverhältnisse mochte ich manchmal nicht mehr, denn das, was ich täglich tue, sollte ja zu einer passen. Wenn dann der Schuh zu klein oder zu groß geworden ist, muss etwas Neues her.
Ich bin mir sicher, ich hätte in vielen Jobs glücklich werden können, aber es brauchte diesen Weg durch alles andere, um jetzt zu wissen, dass das, was ich tue, genau richtig ist - und es hoffentlich bis zur Rente auch sein wird. 
Ich hatte in meinem Leben großes Glück, mich haben Menschen geprägt, Chefs und Chefinnen haben mir gezeigt, wie ich nicht sein will - oder wie ich tatsächlich bin und sein möchte. Jedes befristete Arbeitsverhältnis, bei dem die Vorgesetzten und KollegInnen bedauerten, dass ich gehen musste, tat zwar weh, machte aber auch dankbar, dass ich beliebt war. Jede eigene Kündigung machte mich stark, weil ich meinen Wert erkannt hatte. Aber ich muss auch zugeben, das hat manchmal länger gedauert als es gesund war. Ich war mal Chefin, möchte das aber nicht mehr sein, es ist nämlich vom Dasein als Erzieherin gar nicht so weit entfernt und das ist anstrengend.
Heute denke ich, ich weiß ja nicht mal, ob ich in 5 Jahren noch lebe! Wie soll ich dann mutmaßen, wo ich in 5 Jahren stehe? Vielleicht hab ich bis dahin im Lotto gewonnen und betreibe eine Katzenpension? Oder ich will von Menschen gar nix hören, also auch nicht von Katzenmenschen, und wohne am Waldrand mit einer haushohen Hecke mit meinen eigenen Katzen? Oder ich wandere an die Nordsee oder den Bodensee aus und gehe jeden Tag schwimmen. Wenn ich aber wählen kann, dann bin ich dankbar, wenn mein Leben einfach nur ohne größere Katastrophen so weiterläuft wie die letzten 5 Jahre: Mit dem Wissen, was ich kann und dass ich eher Ruhe als die große Karriere brauche.
 


                                                                Das Bild ist KI-generiert


26.2.26

Ausschnitt aus meinem Buch Mein Katzenleben

Heute gibt's kostenlos einen Ausschnitt aus meinem zweiten Buch "Mein Katzenleben", in dem es auch um Menschen geht und um den Tod. Denn "Shirley" hätte heute Geburtstag. 

Als ich nach Hause gehen will, lese ich auf einem
fremden Grabstein „Ihr Leben war Liebe, Ihre Liebe unser Glück“. Das beschreibt auch Stef sehr gut.
Dass sie nicht mehr da ist, durchfährt mich auch
heute noch manchmal wie ein Blitz. Er nimmt mir für einen Moment die Luft, dieser Schmerz und dieses Wissen, wir werden nie wieder sprechen, streiten, zusammen lachen.
Ob es das Plötzliche ist? Dass man sich nicht mehr verabschieden konnte?
Oder ob wir einfach diese schöne Welt nicht mehr zusammen erkunden können?
Man lernt so viel voneinander. 
Das ist jetzt vorbei.

Ich hatte zwei ganz besondere Lehrerinnen, von
denen ich als junger Mensch viel fürs Leben lernen durfte.
Die eine hatte Ähnlichkeit mit Meryl Streep, die
andere mit Shirley MacLaine.
„Shirley“ habe ich nach meiner Schulzeit nie
wiedergesehen. Sie hat zwar einen Brief von mir
bekommen, in dem ich ihr nach Jahren schrieb, dass ich ihr sehr dankbar bin und immer sein werde.
Der Brief war als reine Information gedacht, eine Antwort war nicht notwendig. Sie sollte aber wissen, dass sie weit über den Unterricht hinaus Dinge fürs Leben gelehrt hat. Sie starb nach längerer Krankheit.

„Meryl“ kontaktierte ich 15 Jahre nach Ende meiner Schulzeit, weil ich den Titel eines Buches wissen wollte – und ich wollte irgendwie auch wissen, wie es ihr geht. Was für ein Glück, dieses Bestreben!
Denn ich habe sie ab diesem Zeitpunkt regelmäßig besucht.
Sie kochte für uns den besten Couscous mit Datteln, den ich jemals gegessen habe. Ihr Kniff war ein Stückchen Butter. Und Walnüsse.
Und wenn sie sich dann zu einem Mittagsschläfchen hinlegte, las ich, was sie mir zu lesen gab.
Auch lange nach meiner Schulzeit durfte ich in
dieser wertvollen Zeit noch sehr viel von ihr lernen. Ich bin immer ihre Schülerin gewesen, auch noch als Erwachsene. Aber sie fragte mich auch über Dinge aus, mit denen ich mich besser auskenne als sie – und wollte sie erklärt haben.
Selten telefonierten wir, lieber schrieben wir uns
Briefe und Postkarten.
Als sie einmal in den Schulferien nach Rom reiste, brachte sie für den ganzen Lateinkurs Postkarten mit. Weil ich mir ein bestimmtes Motiv gewünscht hatte, das sie als Karte nicht auftreiben konnte, fotografierte sie es für mich. Zu dieser Zeit entwickelte man noch Foto-Filme und sie brachte mir einen 7x10 Abzug mit.
Sie schenkte mir in unserer letzten gemeinsamen Zeit ein Buch über Jin Shin Jyutsu, als sie von meinem stressigen Job hörte, und zeigte mir die wichtigsten Griffe. 
Man kann mit dieser Philosophie
Blockaden in sich lösen und wird dadurch ganz
allgemein viel harmonischer.
Ein Bild, das ich als Schülerin für sie gemalt hatte, hing noch immer in ihrem Arbeitszimmer über dem Schreibtisch.
Unsere Leben waren miteinander verwoben und ihre Einstellung zum Lebensende berührte mich stark.
Unser gemeinsamer Spazierweg führte uns
nachmittags an einem Fluss entlang. Mit der Fähre über den Fluss endete dann immer unser
gemeinsamer Tag.
Sie ging ihres Weges und ich fuhr mit dem Zug
zurück nach Hause.
Beim letzten Mal trafen wir uns dann noch ein
paarmal zufällig in der Stadt, nachdem wir uns längst verabschiedet hatten. Sie hatte ein paar Dinge zu erledigen und ich shoppte ein wenig, bis der Zug kam.
Mit einem Lächeln und Kopfnicken behalte ich sie in Erinnerung, denn das war unser letztes
Aufeinandertreffen, wir wussten das.
Zuvor hatte sie mir geschrieben, dass diesmal ihr Krebs nicht heilbar sei und wenn ich sie nochmal sehen möchte in einem Zustand, in dem sie Besuch empfangen möchte, dann sollte ich bald kommen.
Es solle aber nicht heißen, dass mein Krebs auch
zurückkommen würde. 
Ich solle leben, bat sie mich.

25.2.26

Islamisierung oder einfach Freundschaft?

In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass zu viel über den Ramadan gesprochen wird, dass Deutschland sich islamisiere und überhaupt, dass Worte wie "Iftar" und "Ramadan Mubarak" hier nichts verloren hätten. Ich sage: Doch. 
Schon vor 35 Jahren habe ich nicht verstanden, woher dieser Hass kommt. Heute machen die sozialen Medien es nicht besser. Und dieses Jahr fielen der Beginn der christlichen Fastenzeit und des Ramadans auf denselben Tag - was für eine Chance, diese gemeinsame Zeit des Verzichts kann schließlich auch verbinden, meine ich. 
Die Menschen, die hier unser Land unterstützen, die mit uns arbeiten oder einfach Familien, die seit Generationen hier leben, sie haben doch verdient, dass wir einander wertschätzen. Sie wertschätzen auch uns. Geh zweimal zum selben Dönermann, er wird Dich fragen "Wie immer, meine Liebe?" Das bekommst Du auch bei meinem Lieblingsasiaten zu hören, nicht aber in der deutschen gutbürgerlichen Küche, da musst Du echt öfter hin, bis sie Dich kennen. Auch sind  die Großzügigkeit und die Gastfreundschaft unserer islamischen FreundInnen unfassbar groß, zumindest erlebe ich es so. Bist Du Gast, bist Du Freund. Oder Freundin.

Die Großeltern und Eltern meiner FreundInnen haben unser Land wieder ans Laufen gebracht. Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg? Gut, Dude, ich wusste gar nicht, dass Du Müllwerker sein möchtest oder in der Pflege tätig oder in der Drogerie oder einen akademischen Grad hast. Wenn Du einen bestimmten Job willst, qualifiziere Dich, bewirb Dich, arbeite. Kann ich bei vielen deutschen Leuten leider so nicht erkennen.
FreundInnen, die tagsüber beten, sind mir persönlich weniger suspekt als die Menschen, die christliche Werte predigen, diese aber nicht leben und höchstens an Weihnachten in die Kirche gehen. Wenn abends unsere Ramadanlichterkette leuchtet, dann wärmt das mein Herz. Dieses Licht erinnert mich an die, die nun zusammen essen, die Zusammenhalt feiern und auch an all die schönen Rezepte, die ich Dank meiner islamischen FreundInnen kenne. Es erinnert mich aber auch daran, dass wir Christen bald Ostern feiern und dass wir in einer Welt leben, in der alles möglich ist.

Was wäre, wenn wir gerade während der Fastenzeit etwas christlicher denken und feststellen: Sie alle sind Deutschland, wir alle sind Deutschland?!

Dieses Wunschbild ist KI-generiert 


23.2.26

Retro Gebäck

Unsere örtliche Bäckereikette hat angekündigt, Klassiker für kurze Zeit wieder ins Sortiment aufzunehmen. Ich habe mich natürlich gefragt, warum man so etwas Einfaches wie Besonderes wie Butterkuchen überhaupt rausgenommen hat.
Als ich 2008 zwischen den Chemotherapien wieder Dinge mit Hefe essen durfte, habe ich mich quasi davon ernährt. Herrlich buttrig war der Teig, die Mandeln mit Zucker süß und knackig. Ich glaube, es hat damals 1,60 EUR gekostet, heute 2,80 EUR und leider fehlt die Fluffigkeit, es scheint weniger Butter verarbeitet zu sein und die Mandelmasse befindet sich nicht auf dem ganzen Stück. Ich werde es nochmal ein paar Tage später in einer anderen Filiale probieren, vielleicht war das nur eine der ersten Chargen. Aber gewünscht hätte ich mir schon die gleiche Qualität - schließlich schmecken Yes-Torty heute auch so wie früher oder Ahoibrause und solche Dinge.




22.2.26

Shirins Flügelchentag

Am 22. Februar 2024 hat Shirin Flügelchen bekommen. Flügelchen, weil seine Seele davongeflattert ist. 
Das war ein Donnerstag und der Tag hatte sich, wie Du weißt, wenn Du mir schon einige Zeit folgst, schon länger angekündigt. Er war acht Jahre seines Lebens krank, lebte damit aber ganz gut, wenn er genug zu essen bekam und später seine Medikamente.
In der Nacht hatte er ins Bett gemacht, das kam schonmal vor, er hatte aber auch Schmerzen und rief nach uns, als er plötzlich vom Wohnzimmer nicht mehr ins Schlafzimmer kam. Er fühlte sich kalt an und genoss die Wärme seiner kleinen Wärmflasche und suchte die ganze Zeit unsere Nähe und unserer Wärme. Es heißt immer, Katzen ziehen sich zum Sterben zurück, aber so ist es nicht nur. Wir hatten noch richtig schöne und intensive Stunden miteinander, weil der eine Tierarzt erst um 10 Uhr öffnete und der andere gar nicht da war. Seine Stimme hatte sich verändert, er plapperte trotzdem auf seine ganz eigene Weise, aber ganz dünn und zart und als wir dann zum Tierarzt fuhren, saß er wieder wie ein kleiner König da und beobachtete die Straße. Er liebte Ausflüge. Doch dieser ermüdete ihm sehr und beim Tierarzt angekommen war er schon ganz schwach. "Nur selten machen das die Leute so lange mit", sagte der Arzt und lobte meine Fürsorge. Und nahm mir den letzten Zweifel bei dieser schweren Entscheidung - Shirinchen schlief sofort ein. 
Zuhause verabschiedeten wir uns, auch seine Brüder beschnupperten ihn und sagten Adieu. Kleinerhong hatte die engste Verbindung zu ihm und blieb auch am längsten bei ihm. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Vier es zur Kenntnis nahmen und dann weitermachen - sie haben hier immer unglaublich viel zu tun. 
Am Nachmittag fuhr ich zur Bestatterin, ich hatte davon schonmal erzählt - und ging danach im Park bei Regen spazieren und kaufte Kuchen. Eine Freundin meint, man braucht bei sowas immer Kuchen und das ist auch meine Erfahrung. Zuhause brauchten mich dann die vier Brüder, empört, dass ich noch kein Chicken gekocht hatte (das war eigentlich immer nur für Shirinchen gedacht, damit er satt wurde, aber sie aßen halt mit und Katzen lieben Routine). Kleinerhong sprang in seine Badewanne und redete mit sich selbst oder Shirins Geist - jedenfalls war er sehr beschäftigt. Und sie umringten uns, sehr eng lagen wir alle zusammen und dachten vermutlich an die gemeinsame Zeit - vielleicht dachten die Vier aber auch, dass sie nun endlich gleich viel Aufmerksamkeit bekommen würden. Inzwischen hat sich das Rudel verändert, wir sind uns tatsächlich noch näher. Caramelli und Hong, die oft mit Shirin gegessen hatten (er brauchte ja mehr und öfter Futter), haben inzwischen wieder Normalgewicht. Und es bleibt die Dankbarkeit, solch ein Wesen gekannt zu haben. Das Wissen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Ich würde es immer wieder tun💛 🩷❤️‍🩹

Dieses Bild ist KI-generiert 


Dieses Bild wurde als Collage bearbeitet , der Himmel ist echt




21.2.26

Buchtipp: Ein Nest voller Träume

Wow. Einfach wow. Dieses Buch lag in einer anderen Stadt vor einem Buchladen bei den Remittenden und zog mich magisch an. Da ich aber Bücher für gewöhnlich nur in meiner unabhängigen Buchhandlung zuhause kaufe, legte ich es zurück. Als ich wieder dort vorbeikam, lag es noch immer da. Und es war Monatsende und es kostete nur 5 Euro und Bücher müssen schießlich gerettet werden - also kaufte ich es doch. 
Dann wanderte es einige Monate, fast ein Jahr, auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und jetzt, nachdem ich ein Jugendbuch und ein ähnliches anderes gelesen hatte, wollte ich einfach nochmal so ein ähnlich rätselhaftes lesen - und griff zu. Von der ersten Seite an habe ich es nicht bereut. 
Glendy Vanderah schreibt hier über drei Menschen, die unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein können und bis zuletzt bleibt es spannend, überraschend und immer voller Liebe. 
Jo ist Ornithologin und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Dafür zieht sie über den Sommer für ihre Feldforschung in ein Haus am Waldrand. Schnell lernt sie den zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe kennen und plötzlich steht auch noch ein kleines kluges Mädchen im Schlafanzug vor ihr. Es ist lange nicht klar, ob es weggelaufen ist oder das Buch doch etwas Fantasy beinhaltet und die Kleine aus einer anderen Galaxie, die wie ein Nest aussieht, stammt. 
Jos beste Freundin Tabby ist so zauberhaft wie auch die Beschreibungen, wie sich die verschiedenen Leben immer mehr miteinander verknüpfen.
Alle Personen machen einen Wandel durch, der auf Vertrauen basiert und Offenheit. 
Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, spannend wie ein Film, empathisch und nah - man fühlt einfach alles mit. Ich habe es sehr geliebt und wirklich mitgezittert und wäre wieder einmal sehr gerne in diese Geschichte gekrochen.

Glendy Vanderah
Ein Nest voller Träume
Fischer Verlage 16 EUR 
// unbezahlte Werbung




20.2.26

Dummheit oder doch nur faul?

Schon lange habe ich hier keine NachbARSCHaftsgeschichten mehr geteilt, was aber keineswegs bedeutet, dass wir endlich in unser ruhiges freistehendes Haus mit Wassergraben drumherum und Zugbrücke gezogen sind.
Die lauten Nachbarn sind weiterhin laut, allein im Januar gab es sieben Polizeieinsätze wegen ihnen. Und der Renovierungsnachbar hat neben seiner Videokameraklingel IM Haus (ja, er filmt das Treppenhaus, nicht die Haustüre 🤭) inzwischen vermutlich keine Wände mehr in der Wohnung, anders können wir uns den Lärm der Bohrungen und anderen Renovierungsarbeiten nicht erklären. 
Jetzt aber kam es wieder zu einem Vorfall, der mich persönlich wieder einmal darin bestätigt, dass es einfach dumme Menschen gibt.
Die Situation: Dauerregen. War auch angekündigt, findet statt, man merkt es. Am ersten Tag dachte ich noch, es sei Zufall, dass der Deckel der Papiertonne zurück geklappt und die Tonne dadurch offen ist. Habe sie natürlich geschlossen. Es sollte in den nächsten Tagen eine Leerung erfolgen, aber Pappmaché ist ja unnötig.
Am zweiten Tag steht die Tonne abends an der Straße, am nächsten Tag ist Leerung. Das erledigt für uns inzwischen ein Hausmeisterservice, weil außer einer Nachbarin und mir in diesem Hause niemand fähig war, im abwechselnden Turnus die Tonnen rauszustellen und manche echt schwer gewesen sind. Der Typ ist super, er stellt alles immer ordentlich hin und ich bin mir ganz sicher, dass auch er eine verschlossene Tonne an die Straße gestellt hat. Nun aber hängt der Deckel wieder an der Rückseite - und obendrauf, auf dem Tonneninhalt, steht eine regendurchweichte  Papiertüte mit Essensverpackungen und gebrauchter Küchenrolle, voll bis oben hin. Dass die in den Restmüll und nicht ins Papier gehört, scheint der NachbARSCHaft nicht klar zu sein. Dass eine volle Papiertonne vollgeregnet zu schwer ist, auch nicht. Was geht nur in solchen Köpfen vor?! {Rhetorische Frage}




19.2.26

Mein Christusdornstecklinge blüht

Seit ich fast jeden Tag Kaffee oder Tee ansehe, bin ich bei vielen Themen schlauer. Irgendwie merkt sich mein Kopf Dinge und Manches probiere ich gerne aus.
Nachdem schon das Vermehren einer Efeutute geklappt hat (es wurde in der Sendung super erklärt, man schneidet einfach Triebe ab und steckt die Luftwurzeln in Erde, stülpt eine Tüte über den Topf ohne zu gießen und zwei Wochen später nach ein paarmal Lüften gegen  Schimmelbildung hat man eine neue Pflanze), musste ich den immer länger werdenden Christusdorn abschneiden, weil er sich bog und ein Zweig war hohl.
Ich habe vor vielen Jahren eine Kundin aus meinem damaligen Job im Bus getroffen. Sie war auf dem Weg zu einer Wanderung und wollte einer Bekannten zwei Stecklinge ihres Christusdorn mitbringen. 
"Eine total blöde Idee beim Wandern", erklärte sie mir, "möchtest du sie haben? Du musst sie nur in Erde stecken, das kann auch erst in ein paar Tagen geschehen. Ich bringe meiner Bekannten zwei andere mit, wenn wir uns mal so sehen. Total pflegeleicht, ab und zu den Topf mal in Wasser tunken, aber nicht, wenn du die Stecklinge in die Erde gesetzt hast, da wartest du lieber etwas ab. Meine Pflanze ist drei Meter breit." Ich nickte etwas überrumpelt und nahm die am Ende in Alufolie gewickelten Äste.
Ein paar Jahre später starb die Frau im Hospiz und ich bin ihr heute noch dankbar und denke an sie, wenn ich diese inzwischen sehr große Pflanze anschaue 🌱 
Kürzlich habe ich also einen Steckling in den Topf gesetzt, damit die Pflanze breiter und nicht höher wird. Jetzt blüht sie schon😍Das heißt, es hat geklappt, sie wächst und gedeiht. Und sie blüht sogar pink! Wenn sie im Winter nicht genügend Licht hat und blüht, ist sie weiß, aber jetzt kommen da tatsächlich schon pinke Blüten. Im Sommer zieht der Christusdorn auf den Balkon, er liebt es warm.



18.2.26

Das Leben ist bunt

Ich frage mich immer wieder, was Menschen so sehr triggert, wenn andere ein buntes Leben führen und gelernt haben, sie selbst zu sein - oder auf dem Weg dahin sind. Oder wenn Menschen von anderswo hierher kommen und leben, das ist doch spannend und macht weltoffen, ansonsten gäbe es ja auch für die tollen Deutschen keinen Grund Urlaub im Ausland oder Auslandssemester zu machen.

Es tut niemandem weh, wenn Person A Person B liebt und beide dasselbe Geschlecht haben. Es tut aber anderen weh, wenn sie wegen ihrer Homosexualität tätlich angegriffen oder beleidigt werden. 
Es tut niemandem weh, wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern heranwachsen, meist ist es sogar besser als bei der Herkunftsfamilie oder bei typisch heteronormativ denkenden Paaren. Wichtig ist es, geliebt zu werden. 
Es tut niemandem weh (außer der Person zunächst selbst, der Weg ist schwierig genug), wenn eine Person sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt und erkennt, dass er oder sie Mann oder Frau in Frauen- oder Männerkörper ist.
Es tut niemandem weh, wenn eine Muslima sich dazu entscheidet, das Kopftuch zu tragen - Ordensfrauen im Habit werden schließlich auch nicht gemobbt.
Trotzdem scheinen von all diesen Menschen Gefahren auszugehen, zumindest benehmen sich andere Leute so, auch mit c wie christlich im Parteinamen (ich bin der Meinung, Gott hat uns so gewollt, darum hat er uns eben so wie wir sind geschaffen - queer meine ich damit zum Beispiel).
Für mich gab es als Kind nichts Schöneres, als zusammen mit meiner Freundin Türkisch zu kochen und ihr Kopftuch hat mich überhaupt nicht gestört. Nie. Stattdessen fragte mich ein Familienmitglied, ob ich jetzt auch zur Koranschule ginge. Ja, das tat mir weh, aber nur einen Moment lang - denn ich spürte in meiner ersten Sprachlosigkeit, dass er nicht im Recht war, im Gegenteil, er tat mir später leid, weil er niemals wissen würde, wie schön dieses von ihm verachtete "Multikulti" ist. Wie sehr ich von den Geschichten anderer Menschen profitiere, weil sie mein Leben bereichern. Weil sie im Herzen wie ich sind und wir doch unterschiedlicher Herkunft sind und damit viel zu erzählen haben.
Heute weiß ich: niemand ist im Recht, weil er rechts ist.
Es tut niemandem weh, wenn geflüchtete Menschen hier Zuflucht suchen - hier geboren zu sein ist ein Zufall und kein Privileg. 
Wäre meine Omi damals nicht aus Ostpreußen geflüchtet, gäbe es mich nicht. Auch sie wurde beschimpft und als "fremde Polin" bezeichnet, doch sie war stark und erklärte laut, dass sie Deutsche ist - und zum Glück hörten ihr Menschen zu, zum Beispiel mein Opa, der sich später in sie verliebte.
Viele Geflüchtete oder Zugezogene schließen hier ihre Sprachkurse in einem unfassbaren Tempo ab und machen nebenbei noch Ausbildungen und unterstützen so unser System. Denn sie zahlen Steuern, sie arbeiten in der Pflege oder woanders. Den AfD-Wähler, der arbeitslos und eben nicht arbeitssuchend, sondern ein fauler Troll ist, dem diese Menschen angeblich den Job wegnehmen, möchte ich sehen, wenn er dieses Pensum absolvieren müsste. Viele kümmern sich zusätzlich noch um ihre Kinder oder schicken Geld in die Heimat. Immer wieder bewundere ich die Kraft dieser Menschen und gleichzeitig ihre liebe Art, ihr offenes Aufmichzugehen.
Den Einbürgerungstest würde ich persönlich nicht so einfach bestehen und ich kenne so einige Menschen, die das geschafft haben. 
Einzelne bauen Mist - übrigens stieg die Anzahl ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger seit 2005 um über 70%, während die Kriminalitätsrate um 14 % zurückging - das bedeutet natürlich, dass nicht alle Mist bauen. Sonst müsste ich davon ausgehen, dass der ältere weiße Mann, der sich im leeren Bus kurz vor der Bushaltestelle ganz nah hinter mich stellt, kein Einzelfall ist, sondern, dass alle alten weißen Männer geile Arschlöcher sind. Übrigens auch die jungen Männer, die meinen, auf einem freien Gehweg ganz nah hinter mir laufen zu müssen oder in ähnlichen Situationen einfach Frauen zu nah kommen. 
Ich musste mir neulich sagen lassen, dass so Frauen wie wir still sein müssten, wollen wir nicht in einigen Jahren vom Islam in Deutschland unterdrückt werden, nur weil wir dafür sind, die ganzen Syrer rein zu lassen. Das entsetzt mich noch immer. 
Wie viel weniger unterdrückt ist denn dann bitte eine rechte Hausfrau? Sorry, not sorry. 
Es tut keinem weh, demokratisch zu wählen. 
Es tut aber uns allen weh, wenn eine Partei plant, dass Freunde abgeschoben werden oder Familie aus Vater, Mutter, Kind bestehen soll und dass die Erbschaftssteuer für Reiche abgeschafft wird oder dass Bürgergeldempfangende nach einem halben Jahr sanktioniert werden, wenn sie nicht arbeiten. Das würde wohl einige der Wählenden kalt erwischen. (Man sollte nicht den Ast absägen auf dem man sitzt)
Es geht doch wohl eher darum, die Armen nicht noch ärmer und die Reichen nicht noch reicher zu machen und unser schönes Land wieder zu einen und nicht noch mehr zu spalten. Mir ist nicht klar, warum das nicht verstanden wird. Und warum ein Regenbogen nicht gemocht wird. Das Leben ist ganz schön grau ohne Farben. Und wo das endet, hat uns ja schon Michael Endes Momo gelehrt.
Liebe, Verständnis und Weltoffenheit machen uns reich. Nicht rechte wilde Vorstellungen. Vielleicht nutzen wir die heute beginnende Fastenzeit - und übrigens den gleichzeitigen Ramadan - aufeinander zuzugehen und zu erkennen: wir sind alle Menschen. 

(Quelle 1 im Text verlinkt, Quelle 2 Parteiprogramm und Anträge AfD)

Dieses Bild habe ich bei der letzten Wahl schon gepostet, es zeigt eine Aussage, die ich oft hörte und jetzt wieder höre und meine Meinung dazu



17.2.26

Kamelle

Hier ist heute Fasching - ich kenne es als Karneval und habe es als Kind und junge Erwachsene geliebt. Hier in meiner Wahlheimat ist das nicht so mein Ding, aber ich glaube auch nicht, dass ich in einer Menschenmenge im Rheinland heute happy wäre🤭❤️ aber Clowns habe ich! 




16.2.26

Keramik-Shirin

Man kann noch so viele Erinnerungen im Herzen tragen, wenn ich Shirinchen male und hinterher wieder ein Stehrümchen mehr da ist, dann ist das voll in Ordnung🩷
Ich habe letzte Woche eine Spardose vom Keramikmalen abgeholt und jetzt versuche ich erstmals in diesem Blog auch mal ein Making of - Video von Instagram zu posten. Falls es nicht klappt, findest Du es auch als Reel unter jessyswelt auf Instagram.
Die Fotos zeigen ihn aber auch.
Gestern hat er dann noch ein Halstuch aus  Wolle bekommen, der echte Shirin liebte es, Sachen anzuziehen und wollte am liebsten meine Schals oder Mützen haben. Die Wolle war noch von einer seiner Lieblingsdecken übrig, also passt es total. 
Keramikbemalen entspannt nicht nur, für mich ist es auch immer wieder Teil meines Heilungsprozesses. Darum bin ich aktuell dabei, ein Katzengeschirr zu malen, ein Brotteller ist schon fertig, er muss nur noch gebrannt werden, eine Schüssel haben wir schon zuhause. 
Dass die intensive Zeit mit Shirin so zuende gehen würde, war mir acht Jahre lang klar, aber wenn es dann soweit ist, ist es trotzdem nicht genug Zeit gewesen, die man miteinander hatte. Wenn ich seinen hübschen Plattkopp male, seine Tabbyzeichnung oder seine hungrigen grünen Augen, dann überwiegt die Dankbarkeit, so ein Wunderwesen gekannt zu haben. 💛












15.2.26

Buchtipp: Mut zur Liebe

Mut zur Liebe von AnNa R. ist am 4. Februar erschienen und ich hatte es natürlich in meiner Lieblingsbuchhandlung Eulennest vorbestellt. Der Reclam-Verlag hat es im bekannten perfekten Format veröffentlicht 💛 Ich hatte zwei etwas ältere Freundinnen (als ich es damals war) um das Jahr 2000 herum, die mit mir Rosenstolz damals im Auto hörten und die eine schenkte mir nach meinem Coming-out eine CD mit Texten, in denen ich mich so sehr wiederfand. Seither habe ich die Wege von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und AnNa R. immer verfolgt und umso mehr trösten mich die Songs des letzten Albums von AnNa R., aber auch die aktuellen Lieder aus dem Musical. 
Und jetzt also dieses Büchlein, das ich wie Khalil Gibrans "Der Prophet" nun immer bei mir tragen werde, genau, wie ich die späteren CSDs in meinem Herzen trage, als "Liebe ist alles" erstmals aus den Boxen schallte 💛❤️‍🩹
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14.2.26

Wohin mit all den Geschichten?

Meine gestrigen Gedanken zum Lesen und wie Geschichten in unseren Herzen Platz finden, möchte ich heute noch ein wenig ausführen. 

Es sind die Erinnerungen, die mich lächeln lassen, weil mir warm ums Herz wird. Zum Beispiel Momo, Ronja Räubertochter und Madita - alles starke Mädchen, die ein Teil von mir wurden, weil ich mich als Kind mit ihnen identifizieren konnte. Zumindest lernte ich dies später in Erziehungswissenschaft, als es darum ging, worauf man bei Kinder- und Jugendbüchern achten muss, so als pädagogische Fachkraft. Identifikation. Das Wissen habe ich mitgenommen, Pädagogin bin ich nicht mehr (nicht wegen der Kinder, sondern eher wegen der anstrengenden Eltern damals). Aber die Liebe zu Büchern ist ungebrochen - irgendjemanden findet man immer, mit dem man sich identifizieren kann. Sogar, wenn ich irgendwelche Liebesromane lese, in denen eine Person ihren Job verliert, vom Freund verarscht wird und nach ganz viel Regen und einem Neustart wieder die Sonne scheint - selbst wenn diese Dinge mir nicht passiert sind, so kenne ich doch diese Gefühle. Und die richtig guten Bücher sind Gefühle, Geschichten, vom Leben abgeschrieben. 
Meine Freundin bekräftigt "Tiere gehen immer". So freue ich mich natürlich auch über jedes Katzenbuch, doch neulich habe ich einen Hunderoman gelesen und fand ihn ganz allerliebst.
Oft bin ich ganz sprachlos, weil sich Dinge in meinem Leben genau so zugetragen haben, wie sie in einem fremden Buch beschrieben sind - da ist sie wieder, die Identifikation.
Wenn dann noch die Personen in mein Herz gelangen, weil sie einfach wundervoll beschrieben sind, dann ist das Buch perfekt. Für mich jedenfalls. 
Man mag sagen, so groß ist ein Herz ja nicht, da müssen schließlich auch echte Herzensmenschen rein und Pommesliebe und Sonnenschein, schöne Orte und die Katzen und das, was man gerne tut, Hobbies, Kreativität, wie sollen denn da noch die Bücher rein? Dann antworte ich: Es passt. Echte Buchliebe ist so herzvoll, dass in jedes noch so kleine Eckchen noch etwas reingequetscht werden kann. Ob Herzecke oder Bücherregalecke 🤭
Geschichten mögen sich manchmal ähneln und doch sind sie anders, jede für sich wunderbar, denn Menschen haben sich Mühe gegeben, für uns eben dieses Buch zu schreiben. 
Oder eine ganze Reihe ist voll mit Figuren - ich denke da an die Stadtgeschichten von Armistead Maupin oder auch die Valerie Lane Reihe von Manuela Inusa, die Katzencafe-Bücher von Kerstin Garde und ihre Sanddornweg- und Löwensteg-Serien, aber auch die Bücher von Meike Werkmeister, in denen wir alle Charaktere irgendwann wiedertreffen, ob als Nebenrolle oder Hauptpersonen - sie alle sind wie gute FreundInnen und deren Geschichten wie ein Teil meiner Geschichte. 
Darum bin ich dankbar, dass Menschen Bücher schreiben. Dass ich sie lesen darf. 
Buchliebe ist groß. 


13.2.26

Warum ich Lesen liebe

 "Du kannst dir doch gar nicht alles merken, wenn du so viel liest", "was machst du mit den ganzen Büchern?", "ich habe keine Zeit zum Lesen", "aber Bücher sind doch out, ich schaue mir lieber die Verfilmungen im Kino an"
Solche Sätze höre ich ständig. 
Auch ich habe eine gewisse Zeit in meinem Leben nicht gelesen. Ein paar Korrekturen vielleicht, ein paar Bücher meiner Freundinnen, die in dieser Zeit erschienen sind, aber grundsätzlich konnte ich nicht lesen. Nicht einmal Artikel in Zeitschriften. Mir fehlte die Zeit, weil ich sieben Tage pro Woche arbeitete und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man sich nicht mehr konzentrieren kann. Darum kaufte ich in meiner Lieblingsbuchhandlung Bücher, von deren Erscheinen ich zufällig etwas mitbekam, legte sie auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und dachte, dass ich irgendwann mal Zeit für sie haben werde. Geglaubt habe ich nicht daran. Aber gehofft und es mir insgeheim sehr gewünscht. Denn Lesen hat mir gefehlt. Ich habe schon als Kind viel gelesen und weiß noch, dass ich im Sommer vor meinem ersten Schultag im Auto auf der Autobahn dachte, bald kann ich all die Schilder ganz lesen. Einige Buchstaben kannte ich schon. Und was für eine Welt eröffnete sich mir, als wir in der Grundschule Dank unserer Klassenlehrerin Bücher von Astrid Lindgren ausleihen konnten. Dann gab es noch die Büchereien in unseren Wohnorten und den Bücherbus. 

Meine Tante lieh mir Stephen King Bücher aus und ich verschlang sie genau so wie früher Dolly und Hanni und Nanni. 

Später teilte ich mir Bücher mit Stef, wobei sie meine manchmal als "Schund" bezeichnete, weil es sich oft um Biographien von Sterbenden handelte oder Geschichten, die sich einfach leicht lasen. Als wir dann in derselben Stadt wohnten, stellte sie mir ihr komplettes Bücherregal zur Verfügung und kaufte mir Bücher, von denen sie sicher war, dass ich sie selbst im Original besitzen müsse. Sie war es auch, die mir die Tür zu anderen Welten öffnete. "Lies das, das wird ein Hit, das kommt jetzt auch bald mit einem extra Cover für Erwachsene raus", sagte sie beispielsweise, als noch niemand Harry Potter kannte und legte mir ein dickes Buch auf den Tisch. Der Rest ist Geschichte.

Dann bekam ich den oben genannten Job und in den ersten Jahren lief auch alles prima. Ich arbeitete mich ein, hatte ganz normale freie Tage, aber irgendwann waren wir zu wenig Personal für zu viel Arbeit.

Ganz ehrlich - ohne Covid-19 und die Lockdowns wäre ich vermutlich nicht so schnell zu einer Entscheidung gekommen. Manchmal ist es ja ganz gut, wenn einer die Entscheidungen abgenommen werden, auch wenn ich es in der Regel lieber selbst kontrolliere :) Aber was das betrifft, hatte ich wirklich Glück. Als die Pandemie über uns hereinbrach, gingen wir in Kurzarbeit und ich war so viel zuhause, dass die Katzen ganz irritiert waren. Aber wir gewöhnten uns aneinander. Und der SUB wurde mein bester Freund. Die Lieblingsbuchhandlung lieferte mir eine neu erschienene Biographie, danach waren Buchläden aber bald systemrelevant und wieder geöffnet. Doch bis dahin las ich all die Bücher, die sich in den Jahren zuvor angesammelt hatten. Zwei Katzen und ich samt Buch in der Hängematte, was für ein Fest. Die anderen kamen zwischendurch mal dazu oder es wurde geschimpft, weil die Dosenöffnerin zu lange in Geschichten abgetaucht war, anstatt Dosen zu öffnen. Ein Idyll. Da es jobtechnisch durch Covid-19 nicht weiterging, suchte ich mir eine neue Arbeit und weil Shirin damals schon krank war, griff ich bei einer Teilzeitstelle zu. Ganz neues Leben also: In den durchwachten Nächten mit Shirin las ich, wenn ich nicht mehr einschlafen konnte, an den freien Tagen oder auch freien Vormittagen ebenfalls. Und nun habe ich es mir so antrainiert, dass ich überall, wo ich warten muss oder wenn ich im ÖPNV unterwegs bin, ein Buch dabei habe und lese. Allein, wie viel man auf andere Menschen wartet. Oder wie oft der Bus verspätet ist - all das ist wundervolle Lesezeit. Und um auf die anderen Fragen vom Anfang zurückzukommen: Ich habe ein großes Bücherregal mit drei Reihen hintereinander, ja, auch aufgestapelt, ich lese immer wieder gerne mal rein. Ich verleihe die Bücher oder verschenke sie auch. Verfilmungen mag ich, aber meist möchte ich auch die Bücher dazu kennen, zuletzt passiert bei Kirsten Boie und Sommerby, da habe ich allerdings die Bücher gebraucht erworben und noch nicht gelesen, sie verheißen aber Gutes. Und die Geschichten merken? Viele gehen so ins Herz, dass sie dort Platz haben und verweilen. Man vergisst andere Welten nicht und die Personen, die man über alle Seiten liebgewinnt, die merkt man sich wie FreundInnen, die man mal hatte und entweder nicht mehr kennt oder die vor uns gegangen sind. Es gibt aber auch solche Notizbücher, in denen man sich Inhalte, Personen und das Gefühl beim Lesen notieren kann. Oder mein Blick schweift übers Bücherregal (Ich finde Räume mit Bücherregalen ungemein beruhigend) und nicke lächelnd "achja, das war ja diese schöne Geschichte".




12.2.26

Geschmack ist Luxus

Als ich Krebs hatte, veränderte sich durch die Chemotherapie mein Geschmack. Tomaten schmeckten nach Bananen zum Beispiel. Einige Monate später war alles wieder normal. Und auch, wenn das alles nun schon über siebzehn Jahre her ist, sind die Erinnerungen ganz nah. 
Vor allem nach einer Woche wie dieser. Wegen einer Zahnentzündung habe ich letzte Woche ein Antibiotikum bekommen und weil es sich nicht mit Milch verträgt und man zwei Stunden später erst Milchprodukte zu sich nehmen sollte, habe ich gleich ganz auf meinen Morgenkaffee verzichtet. Es passte einfach zeitlich nicht und später kann ich ihn nicht trinken, weil ich dann nicht schlafen kann, kein Scherz.
Heute also mein erster Kaffee nach einer Woche. Was für ein Geschmackserlebnis! Vermutlich lag es nicht nur an der Woche Verzicht, sondern auch daran, dass der Kaffee besonders gut war, aber es hat mir wieder einmal gezeigt, dass Dinge einfach nicht selbstverständlich sind. Das, was wir haben, was wir erleben und mit allen Sinnen erfassen dürfen, ist doch pures Glück!
Das Foto zeigt den Kaffee und den Keramik-Shirin, den ich heute im Keramikstudio abgeholt habe. Er guckt genau so dünn wie sein Original.


Der Frühling ist nah

Trotz Regen strecken die ersten Blümchen ihre Köpfe hervor. Es wird schön 😍








11.2.26

Buchtipp: Das Buch der Wünsche

Ich kann vorab sagen, Stand heute hat Meg Shaffer leider nur ein einziges Buch auf Deutsch veröffentlicht, aber ich bin kurz davor, ihr im Juli erscheinendes auf Englisch vorzubestellen, so sehr mag ich mein aktuelles Busbuch.
Die Geschichte von Lucy ist so lebendig und wundervoll erzählt, dass sie mich schon ab der Seite der Widmung mit einer Wärme erfüllt, die ich kaum beschreiben kann. 
Es hilft natürlich, Charlie und die Schokoladenfabrik und andere Kinderbuchklassiker zu kennen, aber auch so ist dieses Buch ein Erlebnis. Dabei ist die Situation eigentlich eher traurig: ähnlich wie im kürzlich vorgestellten Buch über die vergessenen Kinder (Die Stadt der kleinen Wunder) erinnert sich die erwachsene Lucy sehr genau, wie schlecht es ihr in ihrer Familie ging - und möchte gerne einen Jungen adoptieren, der ebenso gerne Geschichten liest wie sie. Das Jugendamt hat hier aber Auflagen, Liebe allein genügt nicht. Und so zieht Lucy in ein Abenteuer rund um einen Schriftsteller und einen Haufen Lieblingsbücher und einen Zeichner sowie ein neues Buch, das es zu gewinnen gilt.
Es ist aufregend und gleichzeitig will man in diesem Buch leben, weil es so behaglich ist ❤️ 



10.2.26

Lütter Mail Club

Oh, ich habe da wieder etwas entdeckt! Du weißt ja, ich kann Überraschungen nicht leiden, aber wenn ich mich selbst überrasche mit so besonderen Dingen wie Pakete, von denen ich nicht weiß, was darin ist, dann liebe ich Überraschungen. Und bei Driedline geht das
Sie wurde mir bei Threads angezeigt und nur wenige Sekunden später hatte ich meine erste Bestellung aufgegeben. Ich wusste, ich brauche das, einfach eine Auszeit für mich. 
Noch nie zuvor hatte ich etwas so schnell und so intuitiv bestellt und ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst einmal hat sie superschnell versendet. Die Post braucht ein paar Tage, aber das stand auch so bei den Versandbedingungen. Dann kam dieses kleine Päckchen an und steckte an unserer Tür, wie ein freundlicher kleiner Gruß. Liebevoll verpackt und mit einem extra Brief, Stickern, einem Lesezeichen und einem DIY, bei dem ich, hätte ich das alles selbst ausschneiden müssen, schon kapituliert hätte. Irgendwie hat mein sonst recht schlauer Kopf das DIY-Tütchen aber nicht begriffen, weshalb ich Dir nun auch sagen kann: der Support ist der Knaller. Wie schnell kann jemand auf eine Mail antworten und dann auch noch so lieb?! Ich hätte einfach mal die Instaposts durchschauen müssen, dann hätte ich gewusst, was zu tun ist. Aber sie hat mir noch eine zusätzliche Mail mit einer lieben Anleitung gesendet (Die fand ich später im Spamordner) und in der ersten Mail extra Bilder angehängt und voll lieb geschrieben. 
Diese Post werde ich mir wohl wieder gönnen, da Suchtgefahr besteht und ich auch gerne kreative Menschen unterstütze. 
Ich zeige hier erstmal, für den Fall, dass sich jemand noch überraschen lassen möchte, nur Ausschnitte. Bis Mitte des Monats kannst Du noch dieses Päckchen bestellen, danach gibt's etwas Neues. // unbezahlte Werbung, selbstgekauft






9.2.26

Buchtipp: Als der Himmel fiel

Ich lese selten innerhalb weniger Tage ein Buch durch und ich habe noch nie so oft zurück geblättert, einfach, weil ich dachte, ich habe etwas überlesen, aber das Einzige, was diesem Buch fehlt, sind Absätze, damit springt der Text von einer Szene zur nächsten, was es aber auch spannend und überraschend macht, sobald man sich daran gewöhnt hat.
Die Geschichte ist sehr gut geschrieben, endlich auch mal ein Buch ohne Tippfehler, was heutzutage wirklich selten ist. Und: es bleiben keine Fragen offen - das mag ich ja sehr. 
Die Figuren sind unglaublich gut ausgesucht und das, was sie erleben, ist so nah, dass es vom Leben abgeschrieben zu sein scheint. Ich meine damit, es ist perfekter Lesestoff, man fühlt jede Zeile. Komisch, dass mir Julie von Kessel bislang unbekannt war.




// unbezahlte Werbung 

8.2.26

's Fachl in Karlsruhe

Ich habe neulich ja einen gehäkelten Shirin gekauft und schon geschrieben, dass mit ein Grund dafür der kurze Lieferweg gewesen ist. Knuddelkleine hat danach gepostet, dass sie zwei Fächer im Laden 's Fachl in Karlsruhe hat - das musste ich mir ansehen
So ein schönes Geschäft! Viele KünstlerInnen finden sich hier, Postkarten, kleine Buddelschiffe, Schmuck, Taschen, unfassbar tolle Dinge. Und die Sachen von Knuddelkleine - da mussten eine Erdbeere und die blaue Katze einfach mit! 
Jetzt hat Shirinchen einen blauen Kumpel, der auf seine Art Ähnlichkeit mit Habibi Schoko hat und darum machen die Zwei mich glücklich. 
Schaut mal in dem Laden vorbei, ich liebe das Konzept!






Ritterstraße Karlsruhe rechts von Karstadt, bei Sostrene Greene schräg gegenüber // unbezahlte Werbung 

7.2.26

Fünfzehn Cent

Heute Morgen bei meinem Lieblingsdrogeriemarkt: Nach mir an der Kasse zwei Kinder, die - offensichtlich Geschwister - auf dem Weg zur Grundschule buntes Haarspray kaufen möchten. Der kleine Junge gibt der Kassiererin eine Handvoll Kleingeld, während ich meine Sachen einpacke. Mein Bauchgefühl sagt mir, ich solle mal abwarten und es hat recht: “Da fehlen fünfzehn Cent!” sagt die Kassiererin.

Den Kindern steht die sofortige Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. “Siehste Vanessaaaaaa”, sagt der kleine Bruder zur großen Schwester, “es ist doch nicht genug!”
Schnell nehme ich fünfzehn Cent aus meinem Portemonnaie und reiche sie der Kassiererin: 
“Hier sind fünfzehn Cent.”

Sie und die Kinder starren mich mit offenem Mund an. Dann legt sie das Geld in die Kasse, lächelt die Kinder an und gibt dem Mädchen die Spraydose.
Ich packe meinen Geldbeutel ein und folge den Kindern, die bereits hinausgehüpft sind, dort aber auf mich warten.
“Sie sind aber nett.”, sagt Vanessa. 
“Naja, wegen fünfzehn Cent müsst ihr ja nicht traurig sein”, antworte ich und mir fällt gleichzeitig ein, dass ich als Kind froh war wenn mir die Oma von gegenüber Zuckerkekse schenkte oder der Nachbar für die Kirmes eine Runde Schmetterlingsbahn spendierte. Außerdem war ich in meiner Hartz IV Zeit manchmal auch um jeden Cent froh, für den ich dann doch noch Kartoffeln oder gar Brot kaufen konnte.

Okay, man mag sagen, hier geht es nicht ums Überleben. Aber man weiß wie garstig Kinder zu anderen Kindern sein können. Und jetzt ist Karnevalszeit - auch in den Schulen. Und richtig: Die große Schwester strahlt mich an: “Ich möchte am Montag als Pippi Langstrumpf in die Schule gehen und da muss ich doch rote Haare haben!” 
Der kleine Bruder nickt und grinst so ein typisches Kleiner-Bruder-will-auch-Grinsen.

“Naja, dann gibst du deinem Bruder ein bisschen was ab für sein schwarzes Haar, oder?”
“Ja”, nickt sie und will dem Bruder hinterher, der plötzlich zu Schulfreunden rennt.
“Viel Spaß, kleine Pippi Langstrumpf, ich muss weiter”, sage ich und sie läuft nach einem “Danke!” fort.

Und ich bin so glücklich! 


 (Dies ist ein Archivartikel aus dem Jahr 2021, damals trug es sich genau so zu)

6.2.26

Frische Wäsche auf dem Katzenhochbett

Gefühlt wird bei uns jeden zweiten Tag irgendetwas frisch bezogen.
Zwar haben die Jungs inzwischen keine Kartoffeldruckkackpopöchen mehr (was das ist, kannst Du in meinem Buch "Mein Katzenleben" nachlesen), aber Kleinerhong übergibt sich gerne in die Badewanne, in der seine Decken liegen, damit er keine Blasenentzündung bekommt (hatten wir alles schon) und auch Opikatze Caramelli ist sehr kreativ mit den Plätzen seiner "Übergabe". Die Zwillinge putzen sich zwar auch viel, müssen aber nicht so häufig spucken. Doch wenn, dann hat zumindest Harry zuvor mindestens zwei Liter Wasser eingeatmet, die zusammen mit aufgeweichtem Trockenfutter wieder rausmüssen. 
Und dann muss die Muddi waschen und die Kinder tun so, als hätten wir monatelang keine frische Bettwäsche und kein frisches Sofa oder Katzenhochbett gehabt. Oder 
Teppiche und Decken. Die Freude ist riesig und auch wenn mal keiner gekübelt hat und wir zum Beispiel das Bett einfach so frisch beziehen, dann ist es ein Event für die ganze Familie. Alle helfen mit und alle liegen überall drauf. Diese Fotos entstanden letztes Wochenende - Kleinerhong auf dem Katzenhochbett. Das ist eigentlich ein Ikea Kura (unbezahlte Werbung), das wir so zusammen gebaut haben, dass auf der langen Seite die kurze Wand angebracht wurde, damit es über einen Kratzbaum einen offenen Zugang gibt und auf der anderen Seite haben wir auf die Wand verzichtet - dadurch haben wir immer Blickkontakt und sie können von dort aufs Palettenbett springen und umgekehrt.
An manchen Stellen haben wir Sisal drumherum gewickelt - als zusätzliche Kratzstämme.