28.2.26
Buchtipp: Die Reise der verlorenen Worte
27.2.26
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Früher bekam ich die Frage in so gut wie jedem Vorstellungsgespräch gestellt und wahrheitsgemäß wollte ich natürlich endlich unbefristet in eine Anstellung - geklappt hat das nicht immer. Auch die unbefristeten Arbeitsverhältnisse mochte ich manchmal nicht mehr, denn das, was ich täglich tue, sollte ja zu einer passen. Wenn dann der Schuh zu klein oder zu groß geworden ist, muss etwas Neues her.
Ich bin mir sicher, ich hätte in vielen Jobs glücklich werden können, aber es brauchte diesen Weg durch alles andere, um jetzt zu wissen, dass das, was ich tue, genau richtig ist - und es hoffentlich bis zur Rente auch sein wird.
Ich hatte in meinem Leben großes Glück, mich haben Menschen geprägt, Chefs und Chefinnen haben mir gezeigt, wie ich nicht sein will - oder wie ich tatsächlich bin und sein möchte. Jedes befristete Arbeitsverhältnis, bei dem die Vorgesetzten und KollegInnen bedauerten, dass ich gehen musste, tat zwar weh, machte aber auch dankbar, dass ich beliebt war. Jede eigene Kündigung machte mich stark, weil ich meinen Wert erkannt hatte. Aber ich muss auch zugeben, das hat manchmal länger gedauert als es gesund war. Ich war mal Chefin, möchte das aber nicht mehr sein, es ist nämlich vom Dasein als Erzieherin gar nicht so weit entfernt und das ist anstrengend.
Heute denke ich, ich weiß ja nicht mal, ob ich in 5 Jahren noch lebe! Wie soll ich dann mutmaßen, wo ich in 5 Jahren stehe? Vielleicht hab ich bis dahin im Lotto gewonnen und betreibe eine Katzenpension? Oder ich will von Menschen gar nix hören, also auch nicht von Katzenmenschen, und wohne am Waldrand mit einer haushohen Hecke mit meinen eigenen Katzen? Oder ich wandere an die Nordsee oder den Bodensee aus und gehe jeden Tag schwimmen. Wenn ich aber wählen kann, dann bin ich dankbar, wenn mein Leben einfach nur ohne größere Katastrophen so weiterläuft wie die letzten 5 Jahre: Mit dem Wissen, was ich kann und dass ich eher Ruhe als die große Karriere brauche.
26.2.26
Ausschnitt aus meinem Buch Mein Katzenleben
fremden Grabstein „Ihr Leben war Liebe, Ihre Liebe unser Glück“. Das beschreibt auch Stef sehr gut.
heute noch manchmal wie ein Blitz. Er nimmt mir für einen Moment die Luft, dieser Schmerz und dieses Wissen, wir werden nie wieder sprechen, streiten, zusammen lachen.
Ob es das Plötzliche ist? Dass man sich nicht mehr verabschieden konnte?
Oder ob wir einfach diese schöne Welt nicht mehr zusammen erkunden können?
Man lernt so viel voneinander.
Ich hatte zwei ganz besondere Lehrerinnen, von
denen ich als junger Mensch viel fürs Leben lernen durfte.
Die eine hatte Ähnlichkeit mit Meryl Streep, die
andere mit Shirley MacLaine.
„Shirley“ habe ich nach meiner Schulzeit nie
wiedergesehen. Sie hat zwar einen Brief von mir
bekommen, in dem ich ihr nach Jahren schrieb, dass ich ihr sehr dankbar bin und immer sein werde.
Der Brief war als reine Information gedacht, eine Antwort war nicht notwendig. Sie sollte aber wissen, dass sie weit über den Unterricht hinaus Dinge fürs Leben gelehrt hat. Sie starb nach längerer Krankheit.
„Meryl“ kontaktierte ich 15 Jahre nach Ende meiner Schulzeit, weil ich den Titel eines Buches wissen wollte – und ich wollte irgendwie auch wissen, wie es ihr geht. Was für ein Glück, dieses Bestreben!
Denn ich habe sie ab diesem Zeitpunkt regelmäßig besucht.
Sie kochte für uns den besten Couscous mit Datteln, den ich jemals gegessen habe. Ihr Kniff war ein Stückchen Butter. Und Walnüsse.
Und wenn sie sich dann zu einem Mittagsschläfchen hinlegte, las ich, was sie mir zu lesen gab.
Auch lange nach meiner Schulzeit durfte ich in
dieser wertvollen Zeit noch sehr viel von ihr lernen. Ich bin immer ihre Schülerin gewesen, auch noch als Erwachsene. Aber sie fragte mich auch über Dinge aus, mit denen ich mich besser auskenne als sie – und wollte sie erklärt haben.
Selten telefonierten wir, lieber schrieben wir uns
Briefe und Postkarten.
Als sie einmal in den Schulferien nach Rom reiste, brachte sie für den ganzen Lateinkurs Postkarten mit. Weil ich mir ein bestimmtes Motiv gewünscht hatte, das sie als Karte nicht auftreiben konnte, fotografierte sie es für mich. Zu dieser Zeit entwickelte man noch Foto-Filme und sie brachte mir einen 7x10 Abzug mit.
Sie schenkte mir in unserer letzten gemeinsamen Zeit ein Buch über Jin Shin Jyutsu, als sie von meinem stressigen Job hörte, und zeigte mir die wichtigsten Griffe.
Blockaden in sich lösen und wird dadurch ganz
allgemein viel harmonischer.
Ein Bild, das ich als Schülerin für sie gemalt hatte, hing noch immer in ihrem Arbeitszimmer über dem Schreibtisch.
Unsere Leben waren miteinander verwoben und ihre Einstellung zum Lebensende berührte mich stark.
Unser gemeinsamer Spazierweg führte uns
nachmittags an einem Fluss entlang. Mit der Fähre über den Fluss endete dann immer unser
gemeinsamer Tag.
Sie ging ihres Weges und ich fuhr mit dem Zug
zurück nach Hause.
Beim letzten Mal trafen wir uns dann noch ein
paarmal zufällig in der Stadt, nachdem wir uns längst verabschiedet hatten. Sie hatte ein paar Dinge zu erledigen und ich shoppte ein wenig, bis der Zug kam.
Mit einem Lächeln und Kopfnicken behalte ich sie in Erinnerung, denn das war unser letztes
Aufeinandertreffen, wir wussten das.
Zuvor hatte sie mir geschrieben, dass diesmal ihr Krebs nicht heilbar sei und wenn ich sie nochmal sehen möchte in einem Zustand, in dem sie Besuch empfangen möchte, dann sollte ich bald kommen.
Es solle aber nicht heißen, dass mein Krebs auch
zurückkommen würde.
25.2.26
Islamisierung oder einfach Freundschaft?
In letzter Zeit höre ich immer wieder, dass zu viel über den Ramadan gesprochen wird, dass Deutschland sich islamisiere und überhaupt, dass Worte wie "Iftar" und "Ramadan Mubarak" hier nichts verloren hätten. Ich sage: Doch.
Schon vor 35 Jahren habe ich nicht verstanden, woher dieser Hass kommt. Heute machen die sozialen Medien es nicht besser. Und dieses Jahr fielen der Beginn der christlichen Fastenzeit und des Ramadans auf denselben Tag - was für eine Chance, diese gemeinsame Zeit des Verzichts kann schließlich auch verbinden, meine ich.
Die Menschen, die hier unser Land unterstützen, die mit uns arbeiten oder einfach Familien, die seit Generationen hier leben, sie haben doch verdient, dass wir einander wertschätzen. Sie wertschätzen auch uns. Geh zweimal zum selben Dönermann, er wird Dich fragen "Wie immer, meine Liebe?" Das bekommst Du auch bei meinem Lieblingsasiaten zu hören, nicht aber in der deutschen gutbürgerlichen Küche, da musst Du echt öfter hin, bis sie Dich kennen. Auch sind die Großzügigkeit und die Gastfreundschaft unserer islamischen FreundInnen unfassbar groß, zumindest erlebe ich es so. Bist Du Gast, bist Du Freund. Oder Freundin.
Was wäre, wenn wir gerade während der Fastenzeit etwas christlicher denken und feststellen: Sie alle sind Deutschland, wir alle sind Deutschland?!
24.2.26
23.2.26
Retro Gebäck
Unsere örtliche Bäckereikette hat angekündigt, Klassiker für kurze Zeit wieder ins Sortiment aufzunehmen. Ich habe mich natürlich gefragt, warum man so etwas Einfaches wie Besonderes wie Butterkuchen überhaupt rausgenommen hat.
Als ich 2008 zwischen den Chemotherapien wieder Dinge mit Hefe essen durfte, habe ich mich quasi davon ernährt. Herrlich buttrig war der Teig, die Mandeln mit Zucker süß und knackig. Ich glaube, es hat damals 1,60 EUR gekostet, heute 2,80 EUR und leider fehlt die Fluffigkeit, es scheint weniger Butter verarbeitet zu sein und die Mandelmasse befindet sich nicht auf dem ganzen Stück. Ich werde es nochmal ein paar Tage später in einer anderen Filiale probieren, vielleicht war das nur eine der ersten Chargen. Aber gewünscht hätte ich mir schon die gleiche Qualität - schließlich schmecken Yes-Torty heute auch so wie früher oder Ahoibrause und solche Dinge.
22.2.26
Shirins Flügelchentag
21.2.26
Buchtipp: Ein Nest voller Träume
Wow. Einfach wow. Dieses Buch lag in einer anderen Stadt vor einem Buchladen bei den Remittenden und zog mich magisch an. Da ich aber Bücher für gewöhnlich nur in meiner unabhängigen Buchhandlung zuhause kaufe, legte ich es zurück. Als ich wieder dort vorbeikam, lag es noch immer da. Und es war Monatsende und es kostete nur 5 Euro und Bücher müssen schießlich gerettet werden - also kaufte ich es doch.
Dann wanderte es einige Monate, fast ein Jahr, auf meinen SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und jetzt, nachdem ich ein Jugendbuch und ein ähnliches anderes gelesen hatte, wollte ich einfach nochmal so ein ähnlich rätselhaftes lesen - und griff zu. Von der ersten Seite an habe ich es nicht bereut.
Glendy Vanderah schreibt hier über drei Menschen, die unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein können und bis zuletzt bleibt es spannend, überraschend und immer voller Liebe.
Jo ist Ornithologin und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Dafür zieht sie über den Sommer für ihre Feldforschung in ein Haus am Waldrand. Schnell lernt sie den zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe kennen und plötzlich steht auch noch ein kleines kluges Mädchen im Schlafanzug vor ihr. Es ist lange nicht klar, ob es weggelaufen ist oder das Buch doch etwas Fantasy beinhaltet und die Kleine aus einer anderen Galaxie, die wie ein Nest aussieht, stammt.
Jos beste Freundin Tabby ist so zauberhaft wie auch die Beschreibungen, wie sich die verschiedenen Leben immer mehr miteinander verknüpfen.
Alle Personen machen einen Wandel durch, der auf Vertrauen basiert und Offenheit.
Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, spannend wie ein Film, empathisch und nah - man fühlt einfach alles mit. Ich habe es sehr geliebt und wirklich mitgezittert und wäre wieder einmal sehr gerne in diese Geschichte gekrochen.
Glendy Vanderah
Ein Nest voller Träume
Fischer Verlage 16 EUR
// unbezahlte Werbung
20.2.26
Dummheit oder doch nur faul?
19.2.26
Mein Christusdornstecklinge blüht
18.2.26
Das Leben ist bunt
Ich frage mich immer wieder, was Menschen so sehr triggert, wenn andere ein buntes Leben führen und gelernt haben, sie selbst zu sein - oder auf dem Weg dahin sind. Oder wenn Menschen von anderswo hierher kommen und leben, das ist doch spannend und macht weltoffen, ansonsten gäbe es ja auch für die tollen Deutschen keinen Grund Urlaub im Ausland oder Auslandssemester zu machen.
Es tut niemandem weh, wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern heranwachsen, meist ist es sogar besser als bei der Herkunftsfamilie oder bei typisch heteronormativ denkenden Paaren. Wichtig ist es, geliebt zu werden.
Es tut niemandem weh (außer der Person zunächst selbst, der Weg ist schwierig genug), wenn eine Person sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt und erkennt, dass er oder sie Mann oder Frau in Frauen- oder Männerkörper ist.
Es tut niemandem weh, wenn eine Muslima sich dazu entscheidet, das Kopftuch zu tragen - Ordensfrauen im Habit werden schließlich auch nicht gemobbt.
Es tut niemandem weh, wenn geflüchtete Menschen hier Zuflucht suchen - hier geboren zu sein ist ein Zufall und kein Privileg.
Es tut keinem weh, demokratisch zu wählen.
Es tut aber uns allen weh, wenn eine Partei plant, dass Freunde abgeschoben werden oder Familie aus Vater, Mutter, Kind bestehen soll und dass die Erbschaftssteuer für Reiche abgeschafft wird oder dass Bürgergeldempfangende nach einem halben Jahr sanktioniert werden, wenn sie nicht arbeiten. Das würde wohl einige der Wählenden kalt erwischen. (Man sollte nicht den Ast absägen auf dem man sitzt)
(Quelle 1 im Text verlinkt, Quelle 2 Parteiprogramm und Anträge AfD)
17.2.26
Kamelle
Hier ist heute Fasching - ich kenne es als Karneval und habe es als Kind und junge Erwachsene geliebt. Hier in meiner Wahlheimat ist das nicht so mein Ding, aber ich glaube auch nicht, dass ich in einer Menschenmenge im Rheinland heute happy wäre🤭❤️ aber Clowns habe ich!
16.2.26
Keramik-Shirin
15.2.26
Buchtipp: Mut zur Liebe
14.2.26
Wohin mit all den Geschichten?
Meine gestrigen Gedanken zum Lesen und wie Geschichten in unseren Herzen Platz finden, möchte ich heute noch ein wenig ausführen.
13.2.26
Warum ich Lesen liebe
Meine Tante lieh mir Stephen King Bücher aus und ich verschlang sie genau so wie früher Dolly und Hanni und Nanni.
Später teilte ich mir Bücher mit Stef, wobei sie meine manchmal als "Schund" bezeichnete, weil es sich oft um Biographien von Sterbenden handelte oder Geschichten, die sich einfach leicht lasen. Als wir dann in derselben Stadt wohnten, stellte sie mir ihr komplettes Bücherregal zur Verfügung und kaufte mir Bücher, von denen sie sicher war, dass ich sie selbst im Original besitzen müsse. Sie war es auch, die mir die Tür zu anderen Welten öffnete. "Lies das, das wird ein Hit, das kommt jetzt auch bald mit einem extra Cover für Erwachsene raus", sagte sie beispielsweise, als noch niemand Harry Potter kannte und legte mir ein dickes Buch auf den Tisch. Der Rest ist Geschichte.
Dann bekam ich den oben genannten Job und in den ersten Jahren lief auch alles prima. Ich arbeitete mich ein, hatte ganz normale freie Tage, aber irgendwann waren wir zu wenig Personal für zu viel Arbeit.
Ganz ehrlich - ohne Covid-19 und die Lockdowns wäre ich vermutlich nicht so schnell zu einer Entscheidung gekommen. Manchmal ist es ja ganz gut, wenn einer die Entscheidungen abgenommen werden, auch wenn ich es in der Regel lieber selbst kontrolliere :) Aber was das betrifft, hatte ich wirklich Glück. Als die Pandemie über uns hereinbrach, gingen wir in Kurzarbeit und ich war so viel zuhause, dass die Katzen ganz irritiert waren. Aber wir gewöhnten uns aneinander. Und der SUB wurde mein bester Freund. Die Lieblingsbuchhandlung lieferte mir eine neu erschienene Biographie, danach waren Buchläden aber bald systemrelevant und wieder geöffnet. Doch bis dahin las ich all die Bücher, die sich in den Jahren zuvor angesammelt hatten. Zwei Katzen und ich samt Buch in der Hängematte, was für ein Fest. Die anderen kamen zwischendurch mal dazu oder es wurde geschimpft, weil die Dosenöffnerin zu lange in Geschichten abgetaucht war, anstatt Dosen zu öffnen. Ein Idyll. Da es jobtechnisch durch Covid-19 nicht weiterging, suchte ich mir eine neue Arbeit und weil Shirin damals schon krank war, griff ich bei einer Teilzeitstelle zu. Ganz neues Leben also: In den durchwachten Nächten mit Shirin las ich, wenn ich nicht mehr einschlafen konnte, an den freien Tagen oder auch freien Vormittagen ebenfalls. Und nun habe ich es mir so antrainiert, dass ich überall, wo ich warten muss oder wenn ich im ÖPNV unterwegs bin, ein Buch dabei habe und lese. Allein, wie viel man auf andere Menschen wartet. Oder wie oft der Bus verspätet ist - all das ist wundervolle Lesezeit. Und um auf die anderen Fragen vom Anfang zurückzukommen: Ich habe ein großes Bücherregal mit drei Reihen hintereinander, ja, auch aufgestapelt, ich lese immer wieder gerne mal rein. Ich verleihe die Bücher oder verschenke sie auch. Verfilmungen mag ich, aber meist möchte ich auch die Bücher dazu kennen, zuletzt passiert bei Kirsten Boie und Sommerby, da habe ich allerdings die Bücher gebraucht erworben und noch nicht gelesen, sie verheißen aber Gutes. Und die Geschichten merken? Viele gehen so ins Herz, dass sie dort Platz haben und verweilen. Man vergisst andere Welten nicht und die Personen, die man über alle Seiten liebgewinnt, die merkt man sich wie FreundInnen, die man mal hatte und entweder nicht mehr kennt oder die vor uns gegangen sind. Es gibt aber auch solche Notizbücher, in denen man sich Inhalte, Personen und das Gefühl beim Lesen notieren kann. Oder mein Blick schweift übers Bücherregal (Ich finde Räume mit Bücherregalen ungemein beruhigend) und nicke lächelnd "achja, das war ja diese schöne Geschichte".
12.2.26
Geschmack ist Luxus
11.2.26
Buchtipp: Das Buch der Wünsche
10.2.26
Lütter Mail Club
9.2.26
Buchtipp: Als der Himmel fiel
8.2.26
's Fachl in Karlsruhe
7.2.26
Fünfzehn Cent
Heute Morgen bei meinem Lieblingsdrogeriemarkt: Nach mir an der Kasse zwei Kinder, die - offensichtlich Geschwister - auf dem Weg zur Grundschule buntes Haarspray kaufen möchten. Der kleine Junge gibt der Kassiererin eine Handvoll Kleingeld, während ich meine Sachen einpacke. Mein Bauchgefühl sagt mir, ich solle mal abwarten und es hat recht: “Da fehlen fünfzehn Cent!” sagt die Kassiererin.
Den Kindern steht die sofortige Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. “Siehste Vanessaaaaaa”, sagt der kleine Bruder zur großen Schwester, “es ist doch nicht genug!”
Schnell nehme ich fünfzehn Cent aus meinem Portemonnaie und reiche sie der Kassiererin:
“Hier sind fünfzehn Cent.”
Sie und die Kinder starren mich mit offenem Mund an. Dann legt sie das Geld in die Kasse, lächelt die Kinder an und gibt dem Mädchen die Spraydose.
Ich packe meinen Geldbeutel ein und folge den Kindern, die bereits hinausgehüpft sind, dort aber auf mich warten.
“Sie sind aber nett.”, sagt Vanessa.
“Naja, wegen fünfzehn Cent müsst ihr ja nicht traurig sein”, antworte ich und mir fällt gleichzeitig ein, dass ich als Kind froh war wenn mir die Oma von gegenüber Zuckerkekse schenkte oder der Nachbar für die Kirmes eine Runde Schmetterlingsbahn spendierte. Außerdem war ich in meiner Hartz IV Zeit manchmal auch um jeden Cent froh, für den ich dann doch noch Kartoffeln oder gar Brot kaufen konnte.
Okay, man mag sagen, hier geht es nicht ums Überleben. Aber man weiß wie garstig Kinder zu anderen Kindern sein können. Und jetzt ist Karnevalszeit - auch in den Schulen. Und richtig: Die große Schwester strahlt mich an: “Ich möchte am Montag als Pippi Langstrumpf in die Schule gehen und da muss ich doch rote Haare haben!”
Der kleine Bruder nickt und grinst so ein typisches Kleiner-Bruder-will-auch-Grinsen.
“Naja, dann gibst du deinem Bruder ein bisschen was ab für sein schwarzes Haar, oder?”
“Ja”, nickt sie und will dem Bruder hinterher, der plötzlich zu Schulfreunden rennt.
“Viel Spaß, kleine Pippi Langstrumpf, ich muss weiter”, sage ich und sie läuft nach einem “Danke!” fort.
Und ich bin so glücklich!
(Dies ist ein Archivartikel aus dem Jahr 2021, damals trug es sich genau so zu)



















































