18.7.11

Vale!


Wenn ein Mensch diese Welt verlässt, sollten wir spirituell denkenden Menschen uns mit der Seele freuen, dass sie in eine andere Welt aufsteigen darf. Wir Erdenbewohner jedoch fühlen erst einmal eine tiefe Traurigkeit, weil dieser "Abschied für immer" einfach nur Verlust bedeutet.
Ich erinnere mich gerne mit einem Lächeln an das, was dieser Mensch mir alles gegeben hat. Doch mit Tränen in den Augen denke ich auch daran, was wir noch alles hätten erleben können, hätten wir mehr Zeit gehabt.
Jede Veränderung im Leben lässt uns wachsen, zwingt uns nach einem kurzen Einknicken dazu, wieder aufzustehen und weiterzugehen. Bis wir zu müde werden, weiter zu machen.
Mir hat ein wertvoller Mensch am heutigen Tage die kompletten Zeilen von Rilke zurückgelassen, neben Erinnerungen, Kochrezepten, einem Fluss, Göttern und Gesprächen auch die Gewissheit, dass man alles schaffen, Dinge hinter sich lassen kann und immer nach vorne blicken sollte.
Dafür bin ich dankbar, und auch, dass ich Teil dieses Lebens sein durfte. Trotz der Tränen.
Sie werden bestimmt irgendwann dem Lächeln weichen, wenn ich durch bestimmte Dinge immer wieder an diesen besonderen Menschen erinnert werde.

♥ Danke.

Man muß den Dingen
Die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt,

und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;

alles ist: austragen – und dann gebären.

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt

Und getrost in den Stürmen

Des Frühlings steht, ohne Angst,
dass dahinter
kein Sommer kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,

so sorglos still und weit.

Man muß Geduld haben,

gegen das Ungelöste im Herzen,

und versuchen,
die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,

lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken,

eines fremden Tages
in die Antworten hinein
(Rilke)

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