30.11.25

Gemeinsam erinnern

Trauer ist etwas, das lernt jeder Mensch irgendwann kennen, mal früher, mal später. Wichtig ist, sich gemeinsam erinnern zu können, das habe ich mit den Jahren gelernt. Für mich hilft es nichts, sich ins stille Kämmerlein zurück zu ziehen, auch wenn ich Pausen respektiere und oft auch selbst brauche. Aber wenn jemand stirbt und wir zusammenrücken, dann ist es heilsam.
Es gab plötzliche und angekündigte Sterbefälle und mal gingen wir alle unseres Weges, mal trafen wir einander, um über die Person zu sprechen, zuletzt aber ging jemand, über den viele Geschichten zu erzählen sind und von dem wir immer wieder Zeichen bekommen und uns zusammen setzen. 
Es ist nicht Stef, von ihr erzähle ich Euch morgen an ihrem unfassbaren siebten Todestag. 
Heute meine ich AJ und seine Art, das Leben zu sehen und die Menschen. Er wollte in seinem letzten Sommer, dass wir über Freude, Gelassenheit, Mitgefühl und Liebe sprechen. Dass wir diese vier Unermesslichen in die Welt tragen. Er wertschätzte Menschen, egal welchen Alters, unabhängig von der Position oder so. Er fragte mich häufig um Rat und ich konnte ebenso auf ihn zählen. 
Wir feierten dreimal mit ihm seine Verabschiedung in den Ruhestand, den er nicht mehr erleben sollte - es folgten drei weitere Termine, um ihn für immer zu verabschieden. Wenn wir uns heute treffen, ist er bei uns. Wir erzählen Geschichten von ihm und immer fällt uns etwas Neues ein, das uns mit einem Lächeln aber auch mit Tränen in den Augen an ihn denken lässt. Kleine Geschenke, die er gemocht hätte, werden ausgetauscht und als mir diese Woche ein verschmitztes Foto von ihm in die Hände fiel, das ich 2023 aufgenommen habe, war ich so unendlich dankbar dafür, dass er mich dazu damals aufforderte. Er war Gold wert und wir für ihn und das zeigt er uns noch heute, indem innige Freundschaften entstehen und bestehende Freundschaften noch inniger werden.







29.11.25

Keramikkatzen

 

 Ich habe Euch gestern von den Keramikkatzen erzählt, heute zeige ich sie. Vielleicht findet Ihr ja im Junik Keramikstudio noch eine 😻







28.11.25

Keramik bemalen

 

Vor einigen Monaten habe ich im Vorbeigehen bei uns in der Stadt ein neues Highlight entdeckt: Ein Keramikstudio. 
Zuerst dachte ich vorsichtig "kann ich ja mal versuchen" und als ich dann am gebuchten Termin dort war, hatte ich das Gefühl, etwas zu tun, was ich schon lange kann. Ich fühlte mich so geerdet und entspannt und hatte gar keinen Plan - doch die kleinen Kätzchen, die ich bemalte, sahen tatsächlich aus wie die, mit denen ich lebe und lebte. 
"Du hast das doch schonmal gemacht", sagten sie dort zu mir und ich verneinte.
Als ich viel später meiner Omi davon berichtete, sagte sie "ich kann es dir sagen, dein Opa war in seinem ersten Beruf Keramikmaler". 
Mir ging das Herz auf. Und noch viel lieber besuche ich das Keramikstudio seither.
Ich habe jetzt einen eigenen Luke's Gilmore Girls Kaffeebecher und weiß, dass ich zwanzig Jahre zu spät damit bin, aber das tut meiner neuen starken Liebe zu dieser Serie keinen Abbruch 😅 als ich damals im Krankenhaus lag, hatten wir ein kuscheliges Vierbettzimmer und neben mir lag eine 92jährige, wir schauten Dokus und uns gegenüber lachten sich zwei Mädchen über die Gilmore Girls kaputt. Schon damals dachte ich, da muss ich mal reinschauen, aber nie hat es geklappt. Diesen Herbst habe ich damit angefangen und bin froh🥰 die anderen Sachen zeige ich Euch ein anderes Mal 💕// Unbezahlte Werbung 




Buchtipp: Tagebuch einer letzten Reise

Dieses Buch von Eva Maria Bauer aus dem Konkursbuchverlag ist etwas ganz Besonderes. Es sind Briefe, oder eher auch ein Tagebuch, von einer Frau an eine Frau, die ich beide nicht kenne, die aber für mich nun bekannt sind - und lebendig. 
Margarete ist 87 Jahre alt, als sie sich zwar gegen eine Behandlung entscheidet, aber für eine Zeit zusammen mit Eva in einem ihrer Zuhause - bis sie verstirbt. 
Eva schreibt so nah, so berührend und gleichzeitig klar und poetisch. In der zweiten Hälfte des Buches gibt es Interviews mit Menschen aus der Pflege/Palliativversorgung und Informationen zum Hospiz- und Palliativgesetz. 
Davor steht noch ein sehr sehr guter Brief an eine Ärztin, in dem Eva das, was in der Klinik besser hätte laufen können, beschreibt. Ihr wisst ja, dass ich damals vor der Krebsdiagnose nach Hause geschickt wurde, weil der Arzt nicht an der Halsschlagader operieren wollte und ich habe es nur meiner tollen Hausärztin zu verdanken, dass die OP doch gemacht wurde. So einen Arzt hat Margarete auch, er kommt am Karsamstag zu ihr nach Hause und hilft auch, wo er kann. Dieses Buch ist irgendwie auch ein Geschenk an die Empathie und das verantwortungsvolle Handeln solcher Menschen. Auch die Nachbarn der beiden Frauen scheinen solche Menschen zu sein. Ich mag dieses Buch, geht es doch um Tod, aber dem damit verbundenen Wert des Lebens ❤️‍🩹  // unbezahlte Werbung
Die Fotos stammen vom Konkursbuchverlag, sie haben vorgestern meine Rezension repostet, Danke



27.11.25

Letzte Male

Manchmal wissen wir, dass wir etwas zum letzten Mal tun, weil wir es bewusst tun. Manchmal liegt es in unserer Hand, manchmal aber auch nicht. 
Dieses Jahr mussten zwei Lokale schließen, in denen ich sehr gerne war. 
Beim ersten wusste ich nicht, dass es das letzte Mal sein würde, dass ich dort bin, beim zweiten hatte ich die Gelegenheit mich zu verabschieden.
Für uns ziept der Verlust wie Liebeskummer, aber für die InhaberInnen ist es die Existenz, die geht.
Ich erzähle Euch heute von der Feinkostinsel Rastatt, dem Ort, von dem ich mich verabschieden konnte.
Ein Ort voll guter Energie, Behaglichkeit - ähnlich wie ein Wohnzimmer oder ein Besuch bei Freunden zuhause - und das Essen unbeschreiblich.
Wir sind auf Empfehlung vor ein paar Jahren dorthin gekommen, ansonsten hatte ich jahrelang keine Verbindung zu Rastatt und es gibt nun auch nichts mehr, was mich dort hinzieht, auch wenn es dort andere Gastronomie gibt.
Ich war sofort von der Freundlichkeit der Inhaberin begeistert, sie merkte sich unsere Vorlieben und hatte immer einen Tisch für uns. Dass sie beliebt war, zeigte sich auch dadurch, dass man immer reservieren musste. 
Ich habe dort Freundinnenzeiten verbracht, ein Buch lektoriert und vor allem gut gegessen. 
Seit ich in meiner Kindheit durch meine damalige beste Freundin türkisch Kochen gelernt habe, liebe ich diesen Geschmack und die Kreativität. Beides fand ich hier wieder. 



Die Inhaberin und ihre Familie hießen uns immer willkommen und die Dekoration samt Waren zum Verkauf in den dunklen Holzregalen schenkten mir persönlich immer eine Art Urlaubsauszeit. 
Die Feinkostinsel ist nur noch diese Woche mit Küche geöffnet, nächste Woche ist nur noch Abverkauf. 
Man kann sich ein Stück Erinnerung mitnehmen, der Abverkauf ist traurig und gleichzeitig macht er sichtbar, was wir alle im Herzen tragen, die Liebe zu Schönem und zu diesem Ort, dessen Magie für immer in unserer Erinnerung bleiben wird und die uns niemand nehmen kann. 

Bei uns zuhause hängt nun mit der Hand der Fatima ein Stück Feinkostinsel und ein Licht wird mich jeden Abend an diese besondere Frau und ihre Familie denken lassen.

Ich wünsche Euch, dass es ein glücklicher Neuanfang vielleicht nach einer Erholungspause wird, kenne aber durch meine eigene Jobgeschichte das Gefühl, wenn man Räume leeren muss, die voller Leben waren. Es fühlt sich unwirklich und ungerecht an. In dieser Zeit weiß man nicht, dass nun bald alle Türen aufgehen und etwas noch Besseres kommt, darum darf man auch trauern. Um etwas, das hätte sein können. Aber wir wissen um das, was war - und das ist wertvoll ❤️‍🩹


Abverkauf in der Feinkostinsel Rastatt Schlossstraße 2





Die Heizung

 Die Heizung funktioniert nicht. Das ist nichts Ungewöhnliches, es passiert jeden Herbst und jedes Frühjahr.

Laut Heizungsfirma ist es eine alte Heizung, die immer wieder mal ausfallen kann. Diese Firma hat die Heizung höchstselbst eingebaut, die vorherige lief zehn Jahre Minimum einwandfrei.

Ich bin die erste im Haus, die wach wird und darum schreibe ich eine Mail an die sehr prominent platzierte Mailadresse auf der Website der Firma. Kurze Zeit später kommt die Freigabe des Auftrages durch unsere Hausverwaltung, die in CC gesetzt wurde.

Mehrere Tage dauert es, bis die Heizung nicht mehr abends ausfällt. Und die Firma uns schreibt "rufen Sie uns bitte an, wenn etwas ist".

Klar, gilt ja außerhalb der Öffnungszeiten als Notfall. Oder?



26.11.25

Logengespräch

Pausenbeifall! Die Bühne verdunkelt sich, der Zuschauerraum wird wieder erhellt. Das Publikum strömt zu Getränken und Gesprächen hinaus ins Theaterfoyer.
Ich bleibe sitzen, genieße ich doch immer gerne die Ruhe und den schönen Saal, lasse den ersten Teil des gespielten Stückes Revue passieren und denke daran, was diese Bühne nicht nur gezeigt, sondern auch gesehen hat.

Unzählige Menschen, verschiedene Modestile, glänzende Kinderaugen, in vielen, vielen Jahren auch Generationen von Schauspielerinnen und Schauspielern.
Mein Blick schweift von meiner Lieblings-Loge 7, von der man von einem einzigen Platz von insgesamt dreien einen wunderbaren Blick hat (es sei denn, das Bühnenbild ist so konzipiert, dass die Seiten sichteingeschränkt sind, dann sind andere Plätze natürlich besser), über Bühne, Parkett, Balkon, Logen und die Ränge.
Unser Theater! Im Stil der Pariser Oper im schönen Baden-Baden errichtet.
Für mich ist es immer wieder eine magische und besondere Welt. Darum erstaunt es mich auch kaum, als sich die Türe zur Loge öffnet und ein altertümlich gekleideter Herr eintritt:
„Guten Abend!“
„Hallo!“
„Verzeihen Sie die Störung, aber meine Kutsche hatte Verspätung“
„Die Pause hat gerade erst begonnen. Seien Sie mal froh, dass Sie nicht die Bahn genommen haben, so bekommen Sie wenigstens noch den zweiten Teil des Stückes mit“, scherze ich.
„Erfrischend!“, lächelt der Herr, zieht einen Stuhl heran und nimmt halb hinter mir Platz. Ich habe den Eindruck, dass er komplett aus der Zeit gefallen ist und doch genau hierher passt.
Auch er lässt seinen Blick über Blattgold und roten Samt schweifen und blickt schließlich zum wunderschönen Deckengemälde hinauf.
„Immer noch eine Augenweide“, seufzt er, „Spielbankpächter Edouard Bénazet hatte im Conversationshaus, dem heutigen Kurhaus, den Theatersaal Friedrich Weinbrenners in Casinospielsäle umfunktioniert – deshalb musste ein eigenes Theaterhaus her, was für ein Glück!“
„Aber im Conversationshaus gab es doch auch noch den Benazetsaal als Theatersaal?“, meine ich mich zu erinnern.
„Später, viel später war das“, winkt der Herr ab. „Es brauchte drei Architekten, bis am zweiten Theaterabend die extra zu diesem Anlass komponierte Oper „Béatrice et Bénédict“ von Hector Berlioz aufgeführt werden konnte. Conradin Kreutzers „Nachtlager“ kam einen Tag zuvor zur Aufführung.“
„Ach was, ich wusste immer nur von der Oper. Und dass Brahms hier ein Konzert leitete und dass es auch zu Auftritten von Johann und Richard Strauss kam.“
„Jaja“, nachdenklich reibt sich der Herr sein Kinn. „Hier war schon immer viel geboten, auch im Neuen Schloss wurde gespielt, Ballettopern, und vor dem Conversationshaus gab es einen Pavillon..“
 „Die Konzertmuschel?“, unterbreche ich ihn und er schüttelt den Kopf:
„Nein, eher ein Metallkäfig, als eine Muschel. Aber einmal von vorne: Schon 1460 wurde die Hofkapelle des Markgrafen hier gegründet. Und daraus ging schließlich unsere Philharmonie hervor.“
„Oh, das wusste ich nicht.“
„Sogar Mark Twain war ein Fan. Die Philharmonie spielte den „Fremersberg“ so mitreißend, dass er ganz außer sich war, er hat es sogar in seinem Buch „Bummel durch Europa“ beschrieben. Man konnte ihn sonst wohl nur für Katzen derart begeistern. Man sagt ihm nach, dass er alle die mochte, die Katzen mochten, ganz unvoreingenommen. Aber die Musik der Philharmonie war eben schon immer einzigartig.“
Versonnen schaut der Herr in Richtung Bühne.
„Musik hat schon immer verbunden – oder für Gesprächsstoff gesorgt. Genau wie polarisierende Theaterstücke oder solche, in die man sich einfach hineinfallen lassen kann. Deren Geschichte man möglicherweise kennt, man aber über die Art und Weise der Inszenierung überrascht und glücklich ist.“
Er lächelt mich an und ich nicke: „Ich weiß genau, was Sie meinen. Ich hatte hier auch ein Lieblingsstück, ich habe es dreizehnmal gesehen und erzähle noch heute davon, dass es mich immer wieder aufs Neue berührt hat.“
„Ach ja? Warum?“
„In „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder geht es um ein Liebespaar, das der Alltag fast auseinanderdriftet. Sie holen sich aber kurz vor dem Tod der einen Person ihre Liebe zurück, indem sie sich zum Beispiel für die Hobbies bzw. den Beruf des anderen interessieren. Sie nehmen sich Zeit füreinander und die Geschichte lebt von witzigen Dialogen, die gleichzeitig sehr tiefgründig sind. Ich finde es tröstlich, dass sie diese besonders schöne Zeit noch miteinander erleben konnten, dass sie einander noch einmal gefunden haben.“
Nun blickt er mich durchdringend an: „Kultur ist so wichtig. Ist sie doch die einzige Beständigkeit in wilden Zeiten, schon immer gewesen. Kunst, die Menschen vereint, Menschen, die das Schöne lieben. Und das ist es doch, was uns aufbaut, uns am Leben hält. Die Freude an Schönem, die Liebe, gibt uns Gelassenheit und Mitgefühl.“
Ich nicke und fühle genau, was er meint. Dennoch schweige ich und lasse ihn weiter ausführen: „Clara und Robert Schumann, Franz Liszt, Pauline Viardot, Paganini – die Liste ist so lang, dass die Pause für unser Gespräch nicht ausreichen würde. Sie alle waren hier und für sie alle war der Zauber Baden-Badens greifbar. Sie haben Baden-Baden geprägt und wurden von Baden-Baden geprägt.“
Als er endet, sage ich leise, fast ehrfürchtig: „So viele Menschen sind hier schon immer an der Kunst beteiligt. Wir haben ein eigenes großes Orchester und ein Theaterensemble mit Maske, Kostüm, Requisite, Technik. Das ist ein großes Privileg. Im Alten Bahnhof bzw. in der alten Bahnhofshalle werden nun Karten für das Festspielhaus verkauft, dem zweitgrößten Opernhaus Europas, dessen Architektur perfekt mit dem alten Gebäude harmoniert.“
„Sehen Sie, ich hätte gar nicht mit der Bahn kommen können!“, lacht der Herr plötzlich schallend, die dunklen Schotter-Gleisbetten sind längst einem hellen, feinen Fußboden gewichen, dem Foyer des Festspielhauses.“
Ich möchte sagen, dass es schon seit 1977 keinen Bahnhof mehr zentral in der Stadt, sondern etwas außerhalb, gibt. Aber stattdessen frage ich mich, wieso die Stimmen aus dem Theaterfoyer verklungen sind. Wir scheinen ganz allein zu sein. Doch die zweite Hälfte des Stückes fehlt noch, die Pause müsste schon lange vorbei sein..
Als ich nun noch einmal blinzele und mich umschaue, ist der Theatersaal dunkel. Auf der Bühne stehen, sitzen und liegen sieben Schauspielerinnen und Schauspieler und das Stück scheint in vollem Gange zu sein.
Ich blicke halb hinter mich, der Herr ist fort.
Warum das denn jetzt? Was ist passiert? Ich werde doch wohl nicht eingeschlafen sein? Der Herr nur ein Trugbild?
Dann lächle ich: Alles ist möglich in der Kunst.
Und Baden-Baden ist, was es ist: Ein Traum.
(Mein Text ist erschienen in der Historischen Zeitschrift "Geschichten und Anekdoten aus damaligen Zeiten" von Kristina Hortenbach/Aquensis Verlag)




 

25.11.25

Rauchzeichen

Im Nachbarhaus lebt Der Ernährer. Ein weißer Familienvater, der seine Familie regelmäßig bekocht bzw. begrillt. Natürlich muss man der Nachbarschaft dies mitteilen, genauso wie die Schlagerpartys, die gerne über den Balkon schallen. 
Wir treffen Leute, die einen Wohnblock, eine Straße weiter wohnen, vor seiner Türe, um ihn zu bitten, dass er die Musik leiser stellt. 
Ein paar Tage später ist es wieder laut, jahrelang, immer wieder. Erst als ein Baby in der Familie zur Welt kommt, ist es für ein paar Monate ruhiger. Nicht aber die persönlich missglückte Papstwahl mit immer schwarzem Rauch. 
Das geht so vor sich, dass erst der Grill eine Stunde lang angefacht wird. 
Schwarzer Rauch steigt auf. 
Der Ernährer schwitzt. 
Wenn im Sommer die Fenster offen stehen, riecht es zwei Tage später noch danach, wenn man sie nicht rechtzeitig schließt. Blöd. Aber beruhigend, das die Familie bisher die Künste des Grillmeisters überlebt hat. Denn man muss natürlich nasses mariniertes Grillgut nach der Stunde vergeblicher Papstwahl auf den nicht geputzten Grillrost legen (schwarz geröstet steht er für alle Passanten sichtbar im Vorgarten), um so die erneute vergebliche Papstwahl weiter anzufachen. 
Dann gönnt man sich schnell ein Bier, ach lieber noch eins, man schwitzt ja so. 
Der einsame Ernährer kann einem fast leidtun. Die ganze Familie ist nämlich drin, während er im Schweiße seines Angesichts im Rauch steht. Bis das letzte Stück Fleisch totgebraten ist. Gegrillt. 
Dass ich am Lagerfeuer gelernt habe, dass der Rauch immer zu den Dummen weht - geschenkt!
(Nennt mich gerne "Else Kling")


24.11.25

Der Rohrbruch

Man könnte von Karma sprechen, vielleicht ist es aber auch nur Pech. Es gibt einen Rohrbruch und der Renovierungsnachbar ist betroffen. Nein, Handwerker braucht er nicht, er macht das selbst. Er klopft die Wand außerhalb seiner Wohnung im Treppenhaus auf, stellt ein Trockengerät hin und überlässt alles sich selbst. Verlängerungskabel liegen im Weg, man könnte darüber stolpern, der gehbehinderte Nachbar geht jetzt mal lieber nicht raus. Das Licht im Treppenhaus geht normalerweise automatisch aus, der Renovierungsnachbar hat es so eingestellt, dass es dauerhaft brennt. Kein Geld für Müllgebühren hat er, aber wohl für Strom.
Wir schalten es aus.
Muss ich erwähnen, dass ein halbes Jahr später noch immer eine einsame Plastikfolie über der rohen Mauer hängt?


 

Balkonbesucher

Gestern hatten wir eine groooße Aufregung im Katzenpalast. Ein Eichhörnchen hat uns Tibetflaggen geklaut und die Jungs waren ganz erstaunt , dass dieser komische Vogel keine Flügel hat😅 Es war das erste Eichhörnchen ihres Lebens.




23.11.25

Mein Lesetagebuch

Ich habe dieses Buch zum Eintragen zu einer Zeit geschenkt bekommen, als ich gerade erst anfing, darüber nachzudenken, ob ich mir so etwas zulegen soll. Das hatte ich keinem erzählt, Ihr könnt euch also vorstellen, was das für eine große Freude und Überraschung für mich war. Ich hatte eine Zeit in meinem Leben, da kaufte ich zwar Bücher, die ich online gesehen hatte, in meiner Lieblingsbuchhandlung, aber ich kam nicht dazu, sie zu lesen. Ich legte sie auf immer höher werdende Stapel und arbeitete und schlief und konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Dann kam mit COVID 19 und mit  Kurzarbeit in zwei Jobs eine Zwangspause. Ich kam zur Ruhe, orientierte mich beruflich um und inzwischen lese ich wieder ein Buch pro Woche (wenn ich Bus fahre, ansonsten etwa zwei im Monat). Lesen war für mich schon immer das größte Glück, schon als Kind. Darum erfüllt es  mich nun mit Dankbarkeit, jederzeit ein ungelesenes Buch vom Stapel nehmen zu können und darin einzutauchen. Durch die Werbung in sozialen Medien, aber auch durch die Empfehlungen meiner Lieblingsbuchhandlung, wird der Stapel nie verschwinden und ich hoffe sehr, noch viele, viele Bücher in meinem Leben lesen zu dürfen. Eine Zusammenfassung in einem solchen Lesetagebuch hilft mir dabei, die Geschichte loszulassen. Früher musste ich immer ein paar Tage Pause einlegen, um über das Gelesene nachzudenken. Jetzt fasse ich kurz zusammen, worum es ging und was mich bewegt hat. Und kann jederzeit nachschlagen. Ich liebe es total! 



Die Mülltonne

Der Renovierungsnachbar hat die Mülltonne versteckt. 
Er meint, wenn sie nicht an der Straße steht und am Leerungstag nicht geleert wird, muss er auch keine Müllgebühren bezahlen. Stimmt nicht, erkläre ich ihm, und er fragt, was ich sei, eine Königin oder was?

Im Haus sind vor acht Monaten drei weitere Personen eingezogen und das auf einer bislang unbewohnten Gewerbefläche. Seit sieben Monaten haben wir neben permanentem Lärm (erzähle ich ein anderes Mal) deshalb eine zusätzliche Mülltonne. 
Heute fällt ihm ein, dass uns eine Mülltonne genügt. Nein. 

Wir suchen die Tonne überall. Vermutlich ist sie im Keller, wir finden sie nicht. 

Er sagt, wenn die eine Tonne voll ist, bekommen wir die andere wieder. Und geht auf Geschäftsreise. 
Sein, nennen wir ihn, Komplize aus der Ladenwohnung, ist sehr klug und schickt ihm ein Bild einer leeren Tonne. Im Sonnenschein. 
Er leitet uns das Bild weiter und meint, die Tonne sei ja leer, wir brauchen die zweite nicht. 
Es regnet bei uns seit fünf Tagen. Komisch, dass die Tonne bei uns vor Ort gar nicht leer ist.

Der Hausmeister schneidet die Hecke und findet die Mülltonne in selbige gesteckt. Er hat sich schon gewundert, grinst er, und hilft uns, die Tonne wieder an ihren Platz zu stellen.

Der Nachbar tobt aus der Ferne.
Als er wiederkommt, schreit er im Treppenhaus herum, was das Problem sei. 
Er.


22.11.25

Busbuch und Sofabettbuch

 Ich habe jetzt ein Busbuch und ein Sofabettbuch. All die Jahre störte es mich, dass ich, weil ich nicht gerne im Dunkeln radfahre, so lange Wege habe, weil die Busse zu spät kommen und langsamer sind, als ich es mit dem Rad bin. Dieses Jahr habe ich mir gedacht, dass sich das ändern muss. Darum wollte ich schauen, ob ich nicht einfach die Zeit nutze und auch unterwegs lese. Oder wenn ich auf Freundinnen warte. Oder irgendeine Lücke habe. Was soll ich sagen, es ist wundervoll! Eine Woche - ein Buch. Und zuhause lese ich dann ein zweites Buch, weil ich nicht gerade gut darin bin, daran zu denken, das Buch wieder in die Tasche zu stecken, wenn ich es rausgeholt habe. Also bleibt es darin, bis ich wieder im Bus bin. I love it!

Übrigens ist Fishergirl's Luck von Sharon Gosling sehr sehr großartig - eigentlich wie alle ihre Geschichten💕



Der Kiffer

Im Haus lebt seit einigen Jahren ein junger Mann, den wir schon als Kind kannten und der inzwischen die Wohnung seines Vaters bewohnt. Dieser ist irgendwann woanders hin gezogen, kommt aber täglich vorbei. Wenn wir an der Tür vorbeilaufen und tiiiiief einatmen, können wir kostenlos mitkiffen. Das schon zu Zeiten, als Cannabis noch illegal war. Und danach erst recht.
Gleichzeitig ist dieses Menschenkind Unterhaltung für drei Mietparteien. Denn Telefonate mit seiner Uschi werden stundenlang natürlich auf dem Balkon geführt. Säusel säusel, belehr, erklär. 
Dass wir die kompletten Gesprächsinhalte mitbekommen ist ihm anscheinend nicht einmal peinlich. Obwohl, wenn wir ihn mal außerhalb des Hauses antreffen, ist er immer ein bisschen verhuscht, Kapuze auf dem Kopf und schnell schneeeell weg. Dabei würden wir so gerne sagen, dass es an den Nerven zerrt, wenn einer stundenlang redet, dabei vom Balkon rotzt, raucht und kifft. Aber wir verstehen auch, dass so ein Raucherhusten echt erwachsen macht. Dann sind auch die Belehrungen für Uschi viel glaubwürdiger.


21.11.25

Winterlicher Herbst in Baden-Baden

 



Der neue Nachbar

Es ist November, mitten in der Coronazeit, ein neuer Nachbar ist eingezogen. Wir haben ihn noch nicht gesehen, aber wir hören ihn. Vorzugsweise entkernt er die gesamte Wohnung Freitagabend und am Wochenende von nun an über Monate. 
Er sägt mit einer Stichsäge und heller Baustellenbeleuchtung spätabends auf dem Balkon und die Nachbarskinder aus einem anderen Haus wachen davon auf. Die Eltern wenden sich an uns, wer das denn ist und warum er das macht. Wir klingeln und klopfen bei ihm (er hört uns schlecht) und fragen, ob es möglich sei, die Arbeiten auf tagsüber zu verlegen, die Kinder müssen schlafen. Nein, tagsüber arbeitet er. Ob er Arbeiten ankündigen könne, dann könnte man zu den Großeltern gehen und wir selbst könnten auch schauen, ob wir unsere Aktivitäten außer Haus danach richten können. Drei Monate lang kündigt er seine Arbeiten an, überzieht aber das Zeitfenster immer wieder und klopft und sägt, dass die Wände wackeln. Wir wissen, die meisten Nachbarschaftsstreitigkeiten gehen um mangelnde Rücksichtnahme, um Banalitäten, die aber gleichzeitig an den Nerven zerren. 
Auch wollen wir nicht, dass er sich in unsere Hausgemeinschaft nicht aufgenommen fühlt. Wir sind keine Leute, die gemeinsame Partys feiern. Aber wir respektieren einander und hatten in den zwanzig Jahren zuvor keinen Stress miteinander. 
Vom Kiffer abgesehen, aber über den erzähle ich später.
Nach den drei Monaten freuen wir uns, es gibt keine weitere Ankündigung, bestimmt ist er nun fertig mit der Wohnung. Inzwischen wissen wir Mieterinnen und Mieter, er hat die Wohnung gekauft und lebt als einziger Eigentümer darin. Unsere Wohnungen wurden auch verkauft, aber wir mieten sie weiterhin. 
Für uns ändert sich nichts, hieß es. 
Alles ändert sich.
Denn er macht weiter Renovierungslärm, kündigt die Arbeiten aber einfach nicht mehr an. Alles Reden und Bitten hilft nicht. Nach ein paar Monaten Pause renoviert er im nächsten November weiter. Im übernächsten auch. Und - Ihr ahnt es - im dritten und vierten November ebenfalls. Unsere Nerven liegen blank. Seine wohl auch, denn er sieht sich als Opfer. Es ist auch wirklich schlimm, dass wir einen so kreativen Kopf so behandeln. Er ist immerhin Geschäftsmann und kennt sich mit allem gut aus. So gut, dass er im Auftrag eines anderen Eigentümers eine Videokamera installiert, die von seinem Balkon auf die Nachbarwohnung eines anderen Hauses gerichtet ist. Als wir diese entdecken, sprechen wir ihn darauf an. Nein, die nimmt keine Videos auf, es ist nur eine Attrappe, aber wenn etwas passiert, dann sind wir doch bestimmt auch froh, wenn es Bilder gibt. Aha. Eine Attrappe, über die es Bilder gibt, wenn etwas passiert. Wo denn? Auf die Straße ist sie nicht gerichtet ,sondern auf die fremde Wohnung. 
Ja, das war der Wind. Okay, er montiert sie ab.
Das hält ihn aber nicht davon ab, eine Klingelkamera zu installieren. Die ins Treppenhaus reicht. Nein, die nimmt nichts auf. Die ist ja nur auf den Bereich vor seiner Türe gerichtet. An dem wir alle, da er unten wohnt, vorbeimüssen. Die Gegensprechanlage befindet sich bei all unseren Wohnungen direkt neben der Türe und seine Kamera ist auf einen Bereich gerichtet, da steht dann der Eindringling schon im Haus. Macht Sinn. Nicht.


20.11.25

Buchtipps: Libby Page

Ich habe zuerst das Buch "Das Jahr voller Bücher und Wunder" durch Zufall entdeckt und es von der ersten Seite an geliebt. Und dann nach weiteren Büchern der Autorin geschaut und in meiner Lieblingsbuchhandlung vor Ort "Das zweite Glück im kleinen Vintage Shop" bestellt. Es ist anders schön, denn wenn ich "noch schöner" schreiben würde, würde ich dem erstgenannten Buch nicht gerecht. Libby Page versteht es, Menschenleben zu zeichnen und Menschen so zu beschreiben, dass man gerne mit ihnen befreundet wäre. Leider ist "Inselheimat" von ihr nicht lieferbar, aber ich habe es im Internet gebraucht bestellt, hierzu erzähle ich dann mehr, wenn es da ist.





Nachbarschaftskolumne

In "Nachbarschaft" ist tatsächlich das Wort "ARSCH" versteckt. Und in Zeiten, in denen wir mehr und mehr zusammenrücken sollten, werden Nachbarn mehr und mehr zu Ärschen. 
Übrigens ist hier der ältere weiße Mann gemeint, falls einige von Euch meinen, es gehe in diesen Zeilen um Ausländer-Gedisse. Nein. 
Es sind vermeintlich unbescholtene Bürger, die nicht wissen, wie man sich zu benehmen hat, wenn man in eine Hausgemeinschaft einzieht oder mit anderen Menschen lebt.
Bei uns hat dies zum Ergebnis, dass öfter die Polizei gerufen wird, wir andererseits wieder mehr miteinander sprechen. Dass die, um die es hier geht, nicht gesprächsbereit sind, wohl aber zu Gewalt, versteht sich von selbst. 
Nein, das ist keine Ironie. Das ist eine Art Kolumne. Eine Ansammlung von Texten, die mir jedes Lektorat als "zu fiktiv" rot anstreichen würde. 
Die aber wahr sind.
Fangen wir aber von vorne an: Ich ziehe in ein Haus mit mehreren Parteien, kein Plattenbau, kein Hochhaus, aber so ca. sieben bis zehn Wohneinheiten. Was tue ich? Ich stelle mich vor. Klingele bei den Nachbarn und Nachbarinnen und sage freundlich meinen Namen und wo ich herkomme, vielleicht noch, wo ich arbeite oder ob ich möglicherweise noch etwas zu renovieren habe und es laut werden könnte. Wenn ich die Nachbarschaft nicht antreffe, lege ich einen freundlichen Zettel in den Briefkasten. Oder grüße spätestens im Hausflur, wenn wir uns zufällig über den Weg laufen. 
Ich kann gut verstehen, wenn Menschen ungerne die Türe öffnen, wenn es unangemeldet klingelt. Darum sind das für mich persönlich ganz normale Wege, mit den Menschen, mit denen ich von nun an zusammenlebe, in Kontakt zu kommen oder einfach nur: mich vorzustellen.
Man muss ja nicht gleich miteinander frühstücken, aber zu wissen, mit wem man Tür an Tür lebt, ist doch schön. 
Macht aber nicht jeder. Und ich schreibe nun vom Leben ab und erzähle Euch davon, denn ich habe diese Woche Menschen getroffen, die mir ganz ähnliche Geschichten erzählt haben und die ganz woanders wohnen. Also, frei nach dem Motto: Sei nett zu mir, ich bin Autorin - sonst benutze ich Dich für meine Geschichten :D 
Wann immer Ihr also diese Bild unten seht, wisst Ihr, es geht um die liebe Nachbarschaft. Und wie zusammenwächst, was jahrelang nebeneinander her gewohnt hat.


19.11.25

Lange war's hier still

 Hey Leute, 

immer, wenn ich dachte, jetzt schreibe ich einen neuen Blogeintrag, kam etwas dazwischen. Tatsächlich ist mein zweites Buch "Mein Katzenleben" nun auch schon älter und immer wieder werde ich gefragt, wann ich ein neues Buch veröffentliche. Vielleicht bald. Vielleicht nie. So ein Buch ist viel Arbeit und irgendwie auch nicht für alle zugänglich. Also überlege ich, vielleicht hier wieder mehr zu schreiben. Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich wieder sehr viel lese. Jahrelang ließ das ja mein vorheriger Job nicht zu, ich hatte selten frei und jahrelang keinen Urlaub, da hat man dann auch keinen Kopf oder gar Konzentration zum Lesen. Und wie ich das Lesen liebe!! Und dann möchte ich ja auch noch gerne Serien schauen und die Katzen kraulen. Seit Shirinchen verstorben ist, hat das Rudel sich neu formiert, wir schlafen bis fünf oder sechs Uhr durch und alle sind gleichberechtigt. Shirin hatte immer unser aller Aufmerksamkeit auch nachts und nun ist die gerecht verteilt.

Auf jeden Fall gibt's hier bald wieder mehr Leben. Vielleicht etwas über besondere Begegnungen? Vielleicht etwas über sonderbare Nachbarn?

Seid gespannt 😄