30.11.25
Gemeinsam erinnern
29.11.25
Keramikkatzen
Ich habe Euch gestern von den Keramikkatzen erzählt, heute zeige ich sie. Vielleicht findet Ihr ja im Junik Keramikstudio noch eine 😻
28.11.25
Keramik bemalen
Buchtipp: Tagebuch einer letzten Reise
27.11.25
Letzte Male
Die Heizung
Die Heizung funktioniert nicht. Das ist nichts Ungewöhnliches, es passiert jeden Herbst und jedes Frühjahr.
Laut Heizungsfirma ist es eine alte Heizung, die immer wieder mal ausfallen kann. Diese Firma hat die Heizung höchstselbst eingebaut, die vorherige lief zehn Jahre Minimum einwandfrei.
Ich bin die erste im Haus, die wach wird und darum schreibe ich eine Mail an die sehr prominent platzierte Mailadresse auf der Website der Firma. Kurze Zeit später kommt die Freigabe des Auftrages durch unsere Hausverwaltung, die in CC gesetzt wurde.
Mehrere Tage dauert es, bis die Heizung nicht mehr abends ausfällt. Und die Firma uns schreibt "rufen Sie uns bitte an, wenn etwas ist".
Klar, gilt ja außerhalb der Öffnungszeiten als Notfall. Oder?
26.11.25
Logengespräch
Pausenbeifall! Die Bühne
verdunkelt sich, der Zuschauerraum wird wieder erhellt. Das Publikum strömt zu
Getränken und Gesprächen hinaus ins Theaterfoyer.
Ich bleibe sitzen, genieße ich doch immer gerne die Ruhe und den schönen Saal,
lasse den ersten Teil des gespielten Stückes Revue passieren und denke daran,
was diese Bühne nicht nur gezeigt, sondern auch gesehen hat.
Unzählige Menschen, verschiedene Modestile, glänzende Kinderaugen, in vielen,
vielen Jahren auch Generationen von Schauspielerinnen und Schauspielern.
Mein Blick schweift von meiner Lieblings-Loge 7, von der man von einem einzigen
Platz von insgesamt dreien einen wunderbaren Blick hat (es sei denn, das
Bühnenbild ist so konzipiert, dass die Seiten sichteingeschränkt sind, dann
sind andere Plätze natürlich besser), über Bühne, Parkett, Balkon, Logen und
die Ränge.
Unser Theater! Im Stil der Pariser Oper im schönen Baden-Baden errichtet.
Für mich ist es immer wieder eine magische und besondere Welt. Darum erstaunt
es mich auch kaum, als sich die Türe zur Loge öffnet und ein altertümlich
gekleideter Herr eintritt:
„Guten Abend!“
„Hallo!“
„Verzeihen Sie die Störung, aber meine Kutsche hatte Verspätung“
„Die Pause hat gerade erst begonnen. Seien Sie mal froh, dass Sie nicht die
Bahn genommen haben, so bekommen Sie wenigstens noch den zweiten Teil des
Stückes mit“, scherze ich.
„Erfrischend!“, lächelt der Herr, zieht einen Stuhl heran und nimmt halb hinter
mir Platz. Ich habe den Eindruck, dass er komplett aus der Zeit gefallen ist
und doch genau hierher passt.
Auch er lässt seinen Blick über Blattgold und roten Samt schweifen und blickt
schließlich zum wunderschönen Deckengemälde hinauf.
„Immer noch eine Augenweide“, seufzt er, „Spielbankpächter Edouard Bénazet
hatte im Conversationshaus, dem heutigen Kurhaus, den Theatersaal Friedrich
Weinbrenners in Casinospielsäle umfunktioniert – deshalb musste ein eigenes
Theaterhaus her, was für ein Glück!“
„Aber im Conversationshaus gab es doch auch noch den Benazetsaal als
Theatersaal?“, meine ich mich zu erinnern.
„Später, viel später war das“, winkt der Herr ab. „Es brauchte drei
Architekten, bis am zweiten Theaterabend die extra zu diesem Anlass komponierte
Oper „Béatrice et Bénédict“ von Hector Berlioz aufgeführt werden konnte.
Conradin Kreutzers „Nachtlager“ kam einen Tag zuvor zur Aufführung.“
„Ach was, ich wusste immer nur von der Oper. Und dass Brahms hier ein Konzert
leitete und dass es auch zu Auftritten von Johann und Richard Strauss kam.“
„Jaja“, nachdenklich reibt sich der Herr sein Kinn. „Hier war schon immer viel
geboten, auch im Neuen Schloss wurde gespielt, Ballettopern, und vor dem
Conversationshaus gab es einen Pavillon..“
„Die Konzertmuschel?“, unterbreche ich
ihn und er schüttelt den Kopf:
„Nein, eher ein Metallkäfig, als eine Muschel. Aber einmal von vorne: Schon
1460 wurde die Hofkapelle des Markgrafen hier gegründet. Und daraus ging
schließlich unsere Philharmonie hervor.“
„Oh, das wusste ich nicht.“
„Sogar Mark Twain war ein Fan. Die Philharmonie spielte den „Fremersberg“
so mitreißend, dass er ganz außer sich war, er hat es sogar in seinem Buch „Bummel
durch Europa“ beschrieben. Man konnte ihn sonst wohl nur für Katzen derart
begeistern. Man sagt ihm nach, dass er alle die mochte, die Katzen mochten,
ganz unvoreingenommen. Aber die Musik der Philharmonie war eben schon immer
einzigartig.“
Versonnen schaut der Herr in Richtung Bühne.
„Musik hat schon immer verbunden – oder für Gesprächsstoff gesorgt. Genau wie
polarisierende Theaterstücke oder solche, in die man sich einfach hineinfallen
lassen kann. Deren Geschichte man möglicherweise kennt, man aber über die Art
und Weise der Inszenierung überrascht und glücklich ist.“
Er lächelt mich an und ich nicke: „Ich weiß genau, was Sie meinen. Ich hatte
hier auch ein Lieblingsstück, ich habe es dreizehnmal gesehen und erzähle noch
heute davon, dass es mich immer wieder aufs Neue berührt hat.“
„Ach ja? Warum?“
„In „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder geht es um ein
Liebespaar, das der Alltag fast auseinanderdriftet. Sie holen sich aber kurz
vor dem Tod der einen Person ihre Liebe zurück, indem sie sich zum Beispiel für
die Hobbies bzw. den Beruf des anderen interessieren. Sie nehmen sich Zeit
füreinander und die Geschichte lebt von witzigen Dialogen, die gleichzeitig
sehr tiefgründig sind. Ich finde es tröstlich, dass sie diese besonders schöne
Zeit noch miteinander erleben konnten, dass sie einander noch einmal gefunden haben.“
Nun blickt er mich durchdringend an: „Kultur ist so wichtig. Ist sie doch die
einzige Beständigkeit in wilden Zeiten, schon immer gewesen. Kunst, die
Menschen vereint, Menschen, die das Schöne lieben. Und das ist es doch, was uns
aufbaut, uns am Leben hält. Die Freude an Schönem, die Liebe, gibt uns
Gelassenheit und Mitgefühl.“
Ich nicke und fühle genau, was er meint. Dennoch schweige ich und lasse ihn
weiter ausführen: „Clara und Robert Schumann, Franz Liszt, Pauline Viardot,
Paganini – die Liste ist so lang, dass die Pause für unser Gespräch nicht
ausreichen würde. Sie alle waren hier und für sie alle war der Zauber
Baden-Badens greifbar. Sie haben Baden-Baden geprägt und wurden von Baden-Baden
geprägt.“
Als er endet, sage ich leise, fast ehrfürchtig: „So viele Menschen sind hier
schon immer an der Kunst beteiligt. Wir haben ein eigenes großes Orchester und
ein Theaterensemble mit Maske, Kostüm, Requisite, Technik. Das ist ein großes
Privileg. Im Alten Bahnhof bzw. in der alten Bahnhofshalle werden nun Karten
für das Festspielhaus verkauft, dem zweitgrößten Opernhaus Europas, dessen
Architektur perfekt mit dem alten Gebäude harmoniert.“
„Sehen Sie, ich hätte gar nicht mit der Bahn kommen können!“, lacht der Herr plötzlich
schallend, die dunklen Schotter-Gleisbetten sind längst einem hellen, feinen
Fußboden gewichen, dem Foyer des Festspielhauses.“
Ich möchte sagen, dass es schon seit 1977 keinen Bahnhof mehr zentral in der
Stadt, sondern etwas außerhalb, gibt. Aber stattdessen frage ich mich, wieso
die Stimmen aus dem Theaterfoyer verklungen sind. Wir scheinen ganz allein zu
sein. Doch die zweite Hälfte des Stückes fehlt noch, die Pause müsste schon
lange vorbei sein..
Als ich nun noch einmal blinzele und mich umschaue, ist der Theatersaal dunkel.
Auf der Bühne stehen, sitzen und liegen sieben Schauspielerinnen und
Schauspieler und das Stück scheint in vollem Gange zu sein.
Ich blicke halb hinter mich, der Herr ist fort.
Warum das denn jetzt? Was ist passiert? Ich werde doch wohl nicht eingeschlafen
sein? Der Herr nur ein Trugbild?
Dann lächle ich: Alles ist möglich in der Kunst.
Und Baden-Baden ist, was es ist: Ein Traum.
(Mein Text ist erschienen in der Historischen Zeitschrift "Geschichten und Anekdoten aus damaligen Zeiten" von Kristina Hortenbach/Aquensis Verlag)
25.11.25
Rauchzeichen
Im Nachbarhaus lebt Der Ernährer. Ein weißer Familienvater, der seine
Familie regelmäßig bekocht bzw. begrillt. Natürlich muss man der
Nachbarschaft dies mitteilen, genauso wie die Schlagerpartys, die gerne
über den Balkon schallen.
Wir treffen Leute, die einen Wohnblock, eine
Straße weiter wohnen, vor seiner Türe, um ihn zu bitten, dass er die
Musik leiser stellt.
Ein paar Tage später ist es wieder laut, jahrelang,
immer wieder. Erst als ein Baby in der Familie zur Welt kommt, ist es
für ein paar Monate ruhiger. Nicht aber die persönlich missglückte
Papstwahl mit immer schwarzem Rauch.
Das geht so vor sich, dass erst der
Grill eine Stunde lang angefacht wird.
Schwarzer Rauch steigt auf.
Der
Ernährer schwitzt.
Wenn im Sommer die Fenster offen stehen, riecht es
zwei Tage später noch danach, wenn man sie nicht rechtzeitig schließt.
Blöd. Aber beruhigend, das die Familie bisher die Künste des Grillmeisters
überlebt hat. Denn man muss natürlich nasses mariniertes Grillgut nach
der Stunde vergeblicher Papstwahl auf den nicht geputzten Grillrost
legen (schwarz geröstet steht er für alle Passanten sichtbar im
Vorgarten), um so die erneute vergebliche Papstwahl weiter anzufachen.
Dann gönnt man sich schnell ein Bier, ach lieber noch eins, man schwitzt
ja so.
Der einsame Ernährer kann einem fast leidtun. Die ganze Familie
ist nämlich drin, während er im Schweiße seines Angesichts im Rauch
steht. Bis das letzte Stück Fleisch totgebraten ist. Gegrillt.
Dass ich
am Lagerfeuer gelernt habe, dass der Rauch immer zu den Dummen weht -
geschenkt!
(Nennt mich gerne "Else Kling")
24.11.25
Der Rohrbruch
Man könnte von Karma sprechen, vielleicht ist es aber auch nur Pech. Es
gibt einen Rohrbruch und der Renovierungsnachbar ist betroffen. Nein,
Handwerker braucht er nicht, er macht das selbst. Er klopft die Wand
außerhalb seiner Wohnung im Treppenhaus auf, stellt ein Trockengerät hin
und überlässt alles sich selbst. Verlängerungskabel liegen im Weg, man
könnte darüber stolpern, der gehbehinderte Nachbar geht jetzt mal lieber
nicht raus. Das Licht im Treppenhaus geht normalerweise automatisch
aus, der Renovierungsnachbar hat es so eingestellt, dass es dauerhaft
brennt. Kein Geld für Müllgebühren hat er, aber wohl für Strom.
Wir schalten es aus.
Muss ich erwähnen, dass ein halbes Jahr später noch immer eine einsame Plastikfolie über der rohen Mauer hängt?
Balkonbesucher
Gestern hatten wir eine groooße Aufregung im Katzenpalast. Ein Eichhörnchen hat uns Tibetflaggen geklaut und die Jungs waren ganz erstaunt , dass dieser komische Vogel keine Flügel hat😅 Es war das erste Eichhörnchen ihres Lebens.
23.11.25
Mein Lesetagebuch
Ich habe dieses Buch zum Eintragen zu einer Zeit geschenkt bekommen, als ich gerade erst anfing, darüber nachzudenken, ob ich mir so etwas zulegen soll. Das hatte ich keinem erzählt, Ihr könnt euch also vorstellen, was das für eine große Freude und Überraschung für mich war. Ich hatte eine Zeit in meinem Leben, da kaufte ich zwar Bücher, die ich online gesehen hatte, in meiner Lieblingsbuchhandlung, aber ich kam nicht dazu, sie zu lesen. Ich legte sie auf immer höher werdende Stapel und arbeitete und schlief und konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Dann kam mit COVID 19 und mit Kurzarbeit in zwei Jobs eine Zwangspause. Ich kam zur Ruhe, orientierte mich beruflich um und inzwischen lese ich wieder ein Buch pro Woche (wenn ich Bus fahre, ansonsten etwa zwei im Monat). Lesen war für mich schon immer das größte Glück, schon als Kind. Darum erfüllt es mich nun mit Dankbarkeit, jederzeit ein ungelesenes Buch vom Stapel nehmen zu können und darin einzutauchen. Durch die Werbung in sozialen Medien, aber auch durch die Empfehlungen meiner Lieblingsbuchhandlung, wird der Stapel nie verschwinden und ich hoffe sehr, noch viele, viele Bücher in meinem Leben lesen zu dürfen. Eine Zusammenfassung in einem solchen Lesetagebuch hilft mir dabei, die Geschichte loszulassen. Früher musste ich immer ein paar Tage Pause einlegen, um über das Gelesene nachzudenken. Jetzt fasse ich kurz zusammen, worum es ging und was mich bewegt hat. Und kann jederzeit nachschlagen. Ich liebe es total!
Die Mülltonne
Der Renovierungsnachbar hat die Mülltonne versteckt.
Er meint, wenn sie nicht an der Straße steht und am Leerungstag nicht geleert wird, muss er auch keine Müllgebühren bezahlen. Stimmt nicht, erkläre ich ihm, und er fragt, was ich sei, eine Königin oder was?
Im Haus sind vor
acht Monaten drei weitere Personen eingezogen und das auf einer bislang
unbewohnten Gewerbefläche. Seit sieben Monaten haben wir neben permanentem Lärm (erzähle ich ein anderes Mal) deshalb eine
zusätzliche Mülltonne.
Heute fällt ihm ein, dass uns eine Mülltonne
genügt. Nein.
Wir suchen die Tonne überall. Vermutlich ist sie im Keller, wir finden sie nicht.
Er sagt, wenn die eine Tonne voll ist, bekommen wir die andere wieder. Und geht auf Geschäftsreise.
Sein, nennen wir ihn, Komplize aus der Ladenwohnung, ist sehr klug und schickt ihm ein Bild einer leeren Tonne. Im Sonnenschein.
Er leitet uns das Bild weiter und meint, die Tonne sei ja leer, wir brauchen die zweite nicht.
Es regnet bei uns seit fünf Tagen. Komisch, dass die Tonne bei uns vor Ort gar nicht leer ist.
Der Hausmeister schneidet die Hecke und findet die Mülltonne in selbige gesteckt. Er hat sich schon gewundert, grinst er, und hilft uns, die Tonne wieder an ihren Platz zu stellen.
Der Nachbar tobt aus der Ferne.
Als er wiederkommt, schreit er im Treppenhaus herum, was das Problem sei.
Er.
22.11.25
Busbuch und Sofabettbuch
Ich habe jetzt ein Busbuch und ein Sofabettbuch. All die Jahre störte es mich, dass ich, weil ich nicht gerne im Dunkeln radfahre, so lange Wege habe, weil die Busse zu spät kommen und langsamer sind, als ich es mit dem Rad bin. Dieses Jahr habe ich mir gedacht, dass sich das ändern muss. Darum wollte ich schauen, ob ich nicht einfach die Zeit nutze und auch unterwegs lese. Oder wenn ich auf Freundinnen warte. Oder irgendeine Lücke habe. Was soll ich sagen, es ist wundervoll! Eine Woche - ein Buch. Und zuhause lese ich dann ein zweites Buch, weil ich nicht gerade gut darin bin, daran zu denken, das Buch wieder in die Tasche zu stecken, wenn ich es rausgeholt habe. Also bleibt es darin, bis ich wieder im Bus bin. I love it!
Übrigens ist Fishergirl's Luck von Sharon Gosling sehr sehr großartig - eigentlich wie alle ihre Geschichten💕
Der Kiffer
Im Haus lebt seit einigen Jahren ein junger Mann, den wir schon als Kind kannten und der inzwischen die Wohnung seines
Vaters bewohnt. Dieser ist irgendwann woanders hin gezogen, kommt aber
täglich vorbei. Wenn wir an der Tür vorbeilaufen und tiiiiief einatmen,
können wir kostenlos mitkiffen. Das schon zu Zeiten, als Cannabis noch
illegal war. Und danach erst recht.
Gleichzeitig ist dieses
Menschenkind Unterhaltung für drei Mietparteien. Denn Telefonate mit
seiner Uschi werden stundenlang natürlich auf dem Balkon geführt. Säusel
säusel, belehr, erklär.
Dass wir die kompletten Gesprächsinhalte
mitbekommen ist ihm anscheinend nicht einmal peinlich. Obwohl, wenn wir
ihn mal außerhalb des Hauses antreffen, ist er immer ein bisschen
verhuscht, Kapuze auf dem Kopf und schnell schneeeell weg. Dabei würden
wir so gerne sagen, dass es an den Nerven zerrt, wenn einer stundenlang
redet, dabei vom Balkon rotzt, raucht und kifft. Aber wir verstehen
auch, dass so ein Raucherhusten echt erwachsen macht. Dann sind auch die
Belehrungen für Uschi viel glaubwürdiger.
21.11.25
Der neue Nachbar
Es ist November, mitten in der Coronazeit, ein neuer Nachbar ist
eingezogen. Wir haben ihn noch nicht gesehen, aber wir hören ihn.
Vorzugsweise entkernt er die gesamte Wohnung Freitagabend und am
Wochenende von nun an über Monate.
Er sägt mit einer Stichsäge und
heller Baustellenbeleuchtung spätabends auf dem Balkon und die
Nachbarskinder aus einem anderen Haus wachen davon auf. Die Eltern
wenden sich an uns, wer das denn ist und warum er das macht. Wir
klingeln und klopfen bei ihm (er hört uns schlecht) und fragen, ob es möglich sei, die Arbeiten
auf tagsüber zu verlegen, die Kinder müssen schlafen. Nein, tagsüber
arbeitet er. Ob er Arbeiten ankündigen könne, dann könnte man zu den
Großeltern gehen und wir selbst könnten auch schauen, ob wir unsere
Aktivitäten außer Haus danach richten können. Drei Monate lang kündigt
er seine Arbeiten an, überzieht aber das Zeitfenster immer wieder und
klopft und sägt, dass die Wände wackeln. Wir wissen, die meisten
Nachbarschaftsstreitigkeiten gehen um mangelnde Rücksichtnahme, um
Banalitäten, die aber gleichzeitig an den Nerven zerren.
Auch wollen wir
nicht, dass er sich in unsere Hausgemeinschaft nicht aufgenommen fühlt.
Wir sind keine Leute, die gemeinsame Partys feiern. Aber wir
respektieren einander und hatten in den zwanzig Jahren zuvor keinen
Stress miteinander.
Vom Kiffer abgesehen, aber über den erzähle ich
später.
Nach den drei Monaten freuen wir uns, es gibt keine weitere
Ankündigung, bestimmt ist er nun fertig mit der Wohnung. Inzwischen
wissen wir Mieterinnen und Mieter, er hat die Wohnung gekauft und lebt
als einziger Eigentümer darin. Unsere Wohnungen wurden auch verkauft,
aber wir mieten sie weiterhin.
Für uns ändert sich nichts, hieß es.
Alles ändert sich.
Denn
er macht weiter Renovierungslärm, kündigt die Arbeiten aber einfach
nicht mehr an. Alles Reden und Bitten hilft nicht. Nach ein paar Monaten
Pause renoviert er im nächsten November weiter. Im übernächsten auch.
Und - Ihr ahnt es - im dritten und vierten November ebenfalls. Unsere
Nerven liegen blank. Seine wohl auch, denn er sieht sich als Opfer. Es
ist auch wirklich schlimm, dass wir einen so kreativen Kopf so
behandeln. Er ist immerhin Geschäftsmann und kennt sich mit allem gut
aus. So gut, dass er im Auftrag eines anderen Eigentümers eine
Videokamera installiert, die von seinem Balkon auf die Nachbarwohnung
eines anderen Hauses gerichtet ist. Als wir diese entdecken, sprechen
wir ihn darauf an. Nein, die nimmt keine Videos auf, es ist nur eine
Attrappe, aber wenn etwas passiert, dann sind wir doch bestimmt auch
froh, wenn es Bilder gibt. Aha. Eine Attrappe, über die es Bilder gibt,
wenn etwas passiert. Wo denn? Auf die Straße ist sie nicht gerichtet ,sondern auf die fremde Wohnung.
Ja, das war der Wind. Okay, er montiert sie ab.
Das
hält ihn aber nicht davon ab, eine Klingelkamera zu installieren. Die
ins Treppenhaus reicht. Nein, die nimmt nichts auf. Die ist ja nur auf den
Bereich vor seiner Türe gerichtet. An dem wir alle, da er unten wohnt,
vorbeimüssen. Die Gegensprechanlage befindet sich bei all unseren
Wohnungen direkt neben der Türe und seine Kamera ist auf einen Bereich
gerichtet, da steht dann der Eindringling schon im Haus. Macht Sinn.
Nicht.
20.11.25
Buchtipps: Libby Page
Ich habe zuerst das Buch "Das Jahr voller Bücher und Wunder" durch Zufall entdeckt und es von der ersten Seite an geliebt. Und dann nach weiteren Büchern der Autorin geschaut und in meiner Lieblingsbuchhandlung vor Ort "Das zweite Glück im kleinen Vintage Shop" bestellt. Es ist anders schön, denn wenn ich "noch schöner" schreiben würde, würde ich dem erstgenannten Buch nicht gerecht. Libby Page versteht es, Menschenleben zu zeichnen und Menschen so zu beschreiben, dass man gerne mit ihnen befreundet wäre. Leider ist "Inselheimat" von ihr nicht lieferbar, aber ich habe es im Internet gebraucht bestellt, hierzu erzähle ich dann mehr, wenn es da ist.
Nachbarschaftskolumne
In "Nachbarschaft" ist tatsächlich das Wort "ARSCH" versteckt. Und in
Zeiten, in denen wir mehr und mehr zusammenrücken sollten, werden
Nachbarn mehr und mehr zu Ärschen.
Übrigens ist hier der ältere weiße
Mann gemeint, falls einige von Euch meinen, es gehe in diesen Zeilen um
Ausländer-Gedisse. Nein.
Es sind vermeintlich unbescholtene Bürger, die
nicht wissen, wie man sich zu benehmen hat, wenn man in eine
Hausgemeinschaft einzieht oder mit anderen Menschen lebt.
Bei uns hat
dies zum Ergebnis, dass öfter die Polizei gerufen wird, wir andererseits wieder mehr miteinander sprechen. Dass die, um die es hier geht, nicht
gesprächsbereit sind, wohl aber zu Gewalt, versteht sich von selbst.
Nein, das ist keine Ironie. Das ist eine Art Kolumne. Eine Ansammlung
von Texten, die mir jedes Lektorat als "zu fiktiv" rot anstreichen
würde.
Die aber wahr sind.
Fangen wir aber von vorne an: Ich ziehe in
ein Haus mit mehreren Parteien, kein Plattenbau, kein Hochhaus, aber so
ca. sieben bis zehn Wohneinheiten. Was tue ich? Ich stelle mich vor.
Klingele bei den Nachbarn und Nachbarinnen und sage freundlich meinen
Namen und wo ich herkomme, vielleicht noch, wo ich arbeite oder ob ich
möglicherweise noch etwas zu renovieren habe und es laut werden könnte.
Wenn ich die Nachbarschaft nicht antreffe, lege ich einen freundlichen Zettel in den Briefkasten. Oder grüße spätestens im Hausflur, wenn wir
uns zufällig über den Weg laufen.
Ich kann gut verstehen, wenn Menschen
ungerne die Türe öffnen, wenn es unangemeldet klingelt. Darum sind das
für mich persönlich ganz normale Wege, mit den Menschen, mit denen ich
von nun an zusammenlebe, in Kontakt zu kommen oder einfach nur: mich
vorzustellen.
Man muss ja nicht gleich miteinander frühstücken, aber zu wissen, mit wem man Tür an Tür lebt, ist doch schön.
Macht aber nicht jeder. Und ich schreibe nun vom Leben ab und erzähle Euch davon, denn ich habe diese Woche Menschen getroffen, die mir ganz ähnliche Geschichten erzählt haben und die ganz woanders wohnen. Also, frei nach dem Motto: Sei nett zu mir, ich bin Autorin - sonst benutze ich Dich für meine Geschichten :D
Wann immer Ihr also diese Bild unten seht, wisst Ihr, es geht um die liebe Nachbarschaft. Und wie zusammenwächst, was jahrelang nebeneinander her gewohnt hat.
19.11.25
Lange war's hier still
Hey Leute,
immer, wenn ich dachte, jetzt schreibe ich einen neuen Blogeintrag, kam etwas dazwischen. Tatsächlich ist mein zweites Buch "Mein Katzenleben" nun auch schon älter und immer wieder werde ich gefragt, wann ich ein neues Buch veröffentliche. Vielleicht bald. Vielleicht nie. So ein Buch ist viel Arbeit und irgendwie auch nicht für alle zugänglich. Also überlege ich, vielleicht hier wieder mehr zu schreiben. Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich wieder sehr viel lese. Jahrelang ließ das ja mein vorheriger Job nicht zu, ich hatte selten frei und jahrelang keinen Urlaub, da hat man dann auch keinen Kopf oder gar Konzentration zum Lesen. Und wie ich das Lesen liebe!! Und dann möchte ich ja auch noch gerne Serien schauen und die Katzen kraulen. Seit Shirinchen verstorben ist, hat das Rudel sich neu formiert, wir schlafen bis fünf oder sechs Uhr durch und alle sind gleichberechtigt. Shirin hatte immer unser aller Aufmerksamkeit auch nachts und nun ist die gerecht verteilt.
Auf jeden Fall gibt's hier bald wieder mehr Leben. Vielleicht etwas über besondere Begegnungen? Vielleicht etwas über sonderbare Nachbarn?
Seid gespannt 😄



































